Raubzeug

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Im Sammelbegriff wurden als Raubzeug in der Jägersprache alle Tiere bezeichnet, die selbst nicht zum Wild (§ 2 Bundesjagdgesetz) zählten, die aber Nutzwild töten oder beeinträchtigen.

Jagdrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Streichung des Begriffes Raubzeug 1976 aus dem Bundesjagdgesetz war der Schutz des Wildes vor Raubzeug „Inhalt des Jagdschutzes“. Da der Begriff jedoch zunehmend als diffamierend aufgefasst wurde, ist er in den heutigen Jagdgesetzen nicht mehr aufgeführt. Raubzeug ist nicht mit der Bezeichnung Raubwild zu verwechseln. Dazu zählte der Jäger jagdbare Tiere wie Dachs, Fuchs oder auch den Luchs. Im Unterschied zum Wild gab es für Raubzeug keine Schonzeit. Nach wie vor ist der Schutz des Wildes vor wildernden Hunden und Katzen Bestandteil des Jagdschutzes (§ 23 BJagdG).

Bekämpfungsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Bejagung des Raubzeugs unter den Begriff des Jagdschutzes fällt, wurde und wird ihre Bekämpfung vielfach nicht von Revierinhabern durchgeführt, sondern an Jagdaufseher oder Berufsjäger delegiert. In früheren Zeiten, zum Beispiel zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Österreich, konnten als Raubzeug bezeichnete Arten wie Marder sogar auch von Personen verfolgt und getötet werden, die über keine Jagdberechtigung verfügten. Da das Ziel die Ausrottung und „Vertilgung“ war, wurde auf waidgerechte Bejagung kein Wert gelegt, üblich war der Fang mit Schlag- und Tellereisen, Selbstschüssen (Legebüchsen) und Drahtschlingen. Zum Erlegen von Ottern diente die Ottergabel, Dachse wurden mit der Dachszange aus dem Bau gezogen.[1] Im 18. Jahrhundert wurden vielerorts, zum Beispiel in Brandenburg, das kleine Raubzeug, der Wolf, Fuchs, Fischotter, Luchs, Biber und die Raubvögel, aber auch Krähen, prämiengestützt bekämpft: Für einen jeweils festgelegten Körperteil (Schwanz, Ohr, Nase, Klauen) zahlte die Obrigkeit einen bestimmten Betrag: ein Wolf brachte, je nach Alter, bis zu vier Taler Schießprämie, eine Krähe einen Groschen.[2] Gegen den Fuchs wurden zu Anfang des 20. Jahrhunderts mit Strychnin versetzte Giftköder ausgelegt.[3]

Tierarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raubzeug umfasste die Wanderratten, Rabenkrähen, Elstern oder Eichelhäher, aber auch eingeschleppte Arten wie Waschbär oder Marderhund. Die Abgrenzung zwischen Raubwild und Raubzeug war historisch nicht konstant, einige der erwähnten Arten sind später in einzelnen Bundesländern in das Jagdrecht aufgenommen worden, andere, wie der Rotfuchs, wurden früher lange Zeit als Raubzeug behandelt. Wildernde Hunde und Katzen wurden auch als Raubzeug bezeichnet[4].

Rabenkrähen, Elstern oder Eichelhäher wurden auch als Gelichter bezeichnet.[5]

Im Deutschen Jagdlexikon von 1998 steht, dass sich, obwohl der Begriff nicht mehr gebräuchlich sei, an der Sache nichts geändert habe[6] und der Schutz des Wildes weiterhin ein vernünftiger Grund nach § 17 Tierschutzgesetz sei, bestimmte Tiere zum Schutz des Wildes zu dezimieren. Der Abschuss von wildernden Hunden wird inzwischen nach dem § 17 Abs. 1 TierSchutzG ausgeschlossen, solange dem Hund das Wildern nicht nachgewiesen wurde.[7]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist umstritten, ob sich der Abschuss von Raubzeug und Raubwild auf den Bestand der Tierarten auswirkt, die damit geschützt werden sollen. Beispielsweise können durch die Bejagung von Rabenkrähen deren Bestandszahlen sogar steigen, da nach dem Abschuss eines Brutvogels oftmals vermehrt nichtbrütende Exemplare in dessen altes Revier einwandern. Umgekehrt steigt durch den Abschuss von Nichtbrütern der Bruterfolg der brütenden Revierinhaber.[8]

Von 1990 bis 1996 wurde in einem 700 Hektar (7 Quadratkilometer) großen Jagdrevier im nördlichen Saarland ein Großversuch unter der wissenschaftlichen Leitung des Biologen Paul Müller durchgeführt, bei dem ein möglichst gründlicher Abschuss von jeglichem Raubwild und Raubzeug angestrebt wurde. Geklärt werden sollte damit, inwieweit sich diese intensive Bejagung auf die Bestände von Niederwild und Singvögeln einerseits, sowie auf die Bestände der bejagten Arten andererseits, auswirkt. Insgesamt sollen auf der angegebenen Fläche im Verlauf von sieben Jahren unter anderem 2242 Rabenvögel sowie 922 Stück Raubwild, darunter 579 Füchse geschossen worden sein. Die Auswertung ergab, dass bei den meisten Tierarten keine signifikante Änderung der Bestandszahlen zu verzeichnen war. Allerdings nahm die Zahl der Füchse sogar deutlich zu. Bei den Rabenkrähen lagen die Abschusszahlen in den letzten beiden Jahren um 40 % über denen der beiden ersten. Ein Einfluss auf die Bestandszahlen von Singvögeln und Niederwild konnte nicht festgestellt werden.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jägerlatein

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Dieberger (2001): Bejagung und Bekämpfung der Marderartigen in Vergangenheit und Gegenwart. Wissenschaftliche Mitteilungen aus dem Niederösterreichischen Landesmuseum 14: 13-29.
  2. Bernd Herrmann: Ein Beitrag zur Kenntnis von Schädlingsbekämpfungen und ihren Konzepten im 18. und frühen 19. Jahrhundert an Beispielen aus Brandenburg-Preußen. In: Bernd Herrmann (Herausgeber): „ ... mein Acker ist die Zeit“. Aufsätze zur Umweltgeschichte. Universitätsverlag Göttingen, 2011. ISBN 978-3-941875-99-9. Seite 151-206.
  3. E. Merck, Chemische Fabrik, Darmstadt (Herausgeber): Strychnin als Mittel zur Vergiftung von Tieren, besonders von Raubzeug. E. Merck's wissenschaftliche Abhandlungen 13. Druck E.Roether, Darmstadt. 15 Seiten.
  4. Haseder / Stinglwagner, S. 617.
  5. Rolf Krähenbühl: Sommerjagd der Berner Patentjäger ... Woher stammt eigentlich der Begriff «Gelichterjagd»?, Jägerverein Oberaargau, abgerufen am 6. September 2016 (pdf).
  6. Raubzeug im Deutschen Jagd Lexikon
  7. Prozess um erschossenen Wolf auf welt.de
  8. Josef H. Reichholf: Rabenschwarze Intelligenz. Was wir von Krähen lernen können. Piper, München 2011, ISBN 978-3-492-25915-6, S. 97 ff.
  9. Josef H. Reichholf: Rabenschwarze Intelligenz. Was wir von Krähen lernen können, Piper, München 2011, ISBN 978-3-492-25915-6, S. 107 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Raubzeug – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!