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Rhabdomyolyse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Klassifikation nach ICD-10
M62.89 Sonstige näher bezeichnete Muskelkrankheiten, nicht näher bezeichnete Lokalisationen
T79.6 Traumatische Muskelischämie
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Mit Rhabdomyolyse (altgriechisch ῥᾰ́βδος rhabdos, deutsch Stab, μῦς mys ‚Muskel‘, λύσις lysis ‚Auflösung‘) wird in der Medizin die Auflösung quergestreifter Muskelfasern bezeichnet. Dazu gehören die Skelettmuskulatur sowie Herzmuskulatur und Zwerchfell. Eine Rhabdomyolyse geht mit einem hohen Risiko eines Nierenversagens einher, weshalb sich die Behandlung darauf konzentriert.

Traumatisch oder durch Einwirkung von außen

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  1. Verletzungen, wobei nach einem Unfall verletzte Muskelfasern eliminiert werden (z. B. Crush-Syndrom)
  2. Elektroschock
  3. Nach Operationen
  4. Nach Krampfanfällen
  5. Compartment-Syndrom
  6. Durch langes Liegen
  7. Schlangengift nach Schlangenbiss
  8. Nach intensivem Training wie z. B. CrossFit, Body Building oder Cycling/Spinning, insbesondere bei Anfängern oder nach längerer Trainingspause.[1] Speziell beim EMS-Training kommt es bei unsachgemäßer Anwendung schnell zu erhöhten Creatin-Kinase-Werten im Blut.

Bei Langstreckenläufern tritt ein Rhabdomyolyse-bedingtes Nierenversagen praktisch nur auf, wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen:

  1. Einnahme von Schmerzmitteln, welche die Nierenfunktion beeinträchtigen
  2. starkes Schwitzen
  3. eine schon bestehende Muskelerkrankung
  4. virale oder bakterielle Infektion[2]

Nichttraumatische Ursachen

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  1. Medikamente/Drogen, z. B. Neuroleptika (siehe auch Malignes Neuroleptisches Syndrom), Präparate zur Cholesterinsenkung (Statine, z. B. Cerivastatin), Schlafmittelvergiftungen, Tokolytika (z. B. Ritodrin),[3] Isotretinoin, Propofol, Kokain
  2. Maligne Hyperthermie
  3. Hitzschlag
  4. Alkoholexzesse
  5. Infektiös, vor allem durch Virusinfektionen
  6. Elektrolytstörung
  7. Muskelentzündungen
  8. Stoffwechselstörungen, z. B. Myophosphorylase-Defizit (McArdle-Krankheit), Carnitin Palmityltransferase 2 (CPT 2)-Mangel
  9. Autoimmunerkrankungen
  10. Endokrinopathien
  11. Sichelzellkrisen
  12. Gasbrand
  13. Pilzgifte, z. B. Grünling (Tricholoma equestre)
  14. Coturnismus (Wachtelvergiftung)

Das erste Anzeichen einer Rhabdomyolyse ist oft rot-brauner Urin, obwohl dies auch auf eine Dehydratation hinweisen kann.

Nachgewiesen wird eine leichte Rhabdomyolyse oftmals nur durch eine erhöhte Konzentration von Enzymen im Blut, die normalerweise im Muskel vorkommen. Zu diesen Enzymen gehören die Creatin-Kinase (CK) und die Lactatdehydrogenase (LDH). Bei einer hohen Konzentration von Myoglobin im Blut kommt es auch zu einer Myoglobinurie, also einer Ausscheidung von Myoglobin über die Nieren, was den Urin verfärbt.

Eine gefürchtete Komplikation der Rhabdomyolyse ist das akute Nierenversagen: Das freigewordene Myoglobin kann die Niere schädigen (akute Tubulusnekrose). Dies geschieht auf dreierlei Weise:

  1. Das im Myoglobin enthaltene Häm kann die Nierenkanälchen durch Pigmentzylinder verstopfen;
  2. Eisen wird frei und schädigt die Tubuluszellen;
  3. Durch die Verschiebung von Flüssigkeit in den geschädigten Muskel hinein kann es zu einem Volumenmangel in den Gefäßen und damit zu einer Minderdurchblutung der Nieren kommen.[4]

Bei rund 50 % der sportbedingten Rhabdomyolyse-Fälle tritt auch eine Hyperkaliämie auf, die wiederum lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen bedingt.[5]

Eine ursächliche Behandlung steht nicht zur Verfügung. Allerdings bildet sich die Rhabdomyolyse meist über einen längeren Zeitraum aus und kann bei rechtzeitigem Unterbinden der auslösenden Faktoren möglicherweise rückgängig gemacht werden.

Um eine Schädigung der Nieren zu verhindern, ist eine forcierte Diurese notwendig. Dabei werden dem Patienten mehrere Liter Flüssigkeit in Form von Infusionen zugeführt und die Harnausscheidung durch Schleifendiuretika stimuliert. Dies soll die Ausscheidung des Myoglobins beschleunigen und gleichzeitig das Myoglobin im Urin verdünnen. Außerdem kann der Urin alkalisiert werden, um ein Ausfallen des Myoglobins im sauren Milieu zu verhindern. In schweren Fällen kann eine Dialyse / Hemofiltration in Kombination mit Hämoadsorption oder eine standalone Hemoadsorption (CytoSorb®) eingesetzt werden, um das schädliche Myoglobin aus dem Blut zu entfernen.[6]

  • Ana L. Huerta-Alardín, Joseph Varon, Paul E. Marik: Bench-to-bedside review: Rhabdomyolysis – an overview for clinicians. In: Critical Care. Band 9, Nr. 2, April 2005, S. 158–169, doi:10.1186/cc2978, PMID 15774072.
  • Dieter Pongratz, Stephan Zierz: Neuromuskuläre Erkrankungen. Deutscher Ärzte Verlag, 2003, ISBN 3-7691-1172-9 (Vorschau in der Google-Buchsuche).
Wiktionary: Rhabdomyolyse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Robert Bublak: Muskelzerfall nach dem Power-Strampeln. In: Orthopädische Sportmedizin / Nachrichten. 4. September 2017, abgerufen am 8. September 2017.
  2. Priscilla Clarkson: Exertional rhabdomyolysis and acute renal failure in marathon runners. In: Sports Medicine. doi:10.2165/00007256-200737040-00022 (englisch).
  3. Lorenzo Verriello, Domenico D’Amico, Giada Pauletto, Gian Luigi Gigli, Paolo Bergonzi: Rhabdomyolysis caused by tocolytic therapy with ritodrine hydrochloride. In: Neuromuscular Disorders, 19, Nr. 10, Oktober 2009; doi:10.1016/j.nmd.2009.06.364.
  4. Xavier Bosch, Esteban Poch, Josep M. Grau: Rhabdomyolysis and Acute Kidney Injury. In: New England Journal of Medicine. Band 361, Nr. 1, 2. Juli 2009, S. 62–72, doi:10.1056/NEJMra0801327.
  5. John Su: Exertional Rhabdomyolysis. In: International Journal of Athletic Therapy and Training. Nr. 5, September 2008, ISSN 1078-7895, doi:10.1123/att.13.5.20 (englisch).
  6. Claudio Ronco: Extracorporeal therapies in acute rhabdomyolysis and myoglobin clearance. In: Critical Care. Band 9, Nr. 2, S. 141, doi:10.1186/cc3055.