Rheinpark Golzheim

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Rheinpark mit Victoria-Tower, Oberlandesgericht und Regierungspräsidium im Hintergrund
Blick über Rheinparkwiesen nach Nordosten
Sommerliche Nutzung des Volksparks als Liege- und Spielwiese

Der Rheinpark Golzheim ist eine Parkanlage in Düsseldorf, die 1906 als Kaiser-Wilhelm-Park von Walter von Engelhardt entworfen und in den 1920er Jahren nach den Prinzipien des Volksparks weiterentwickelt wurde.

Der Park erstreckt sich vom Stadtteil Pempelfort bis weit in den Stadtteil Golzheim über ca. 2,5 Kilometer entlang des rechten Rheinufers. Seine heutige Gestaltung ist eng mit der Konzeption der 1926 durchgeführten Städtebau- und Gesundheitsausstellung GeSoLei verknüpft. Er wird geprägt durch weiträumige Rasenflächen, durch eine Promenade an einer kunstvoll gestalteten Uferschutzmauer aus Naturstein und einen durch einen größeren, zusammenhängenden Baumbestand entlang der Cecilienallee. Die Promenade bietet einen der besten Ausblicke auf die Düsseldorfer Skyline, den Rhein und die Rheinschifffahrt. Die Rasenflächen umfassen rund 24 Hektar und dienen an warmen Tagen Sonnenbadenden, Picknick- und Grillfreunden als Liegefläche. Spaziergänger, Hundebesitzer, Radfahrer, Jogger und Ballsportler aus aller Herren Ländern sind hingegen auch bei Wind und Wetter anzutreffen. Hundeausläufe und zum Teil auch Kinderspielflächen sind eigens abgezäunt.

Seit 2001 steht die Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Am Abend des 9. Juni 2014 wurde der Baumbestand des Parks durch ein Gewitter mit Orkanböen, die das Tief Ela ausgelöst hatte, zu etwa 60 Prozent zerstört.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pempelforter Rheinufer im Bereich der Golzheimer Insel während der Internationalen Kunstausstellung und großen Gartenbau-Ausstellung 1904
Lageplan der Ausstellungsanlage 1904

Das Gebiet des Rheinparks wurde wegen temporärer Umflutung durch den Rhein Golzheimer Insel genannt. Im 19. Jahrhundert wurde es für das Projekt eines zweiten Sicherheitshafens und der Anlage eines Schiffsbauwerks von der Stadt Düsseldorf erworben, nachdem festgestellt worden war, dass der damals bestehende Sicherheitshafen den verkehrlichen Anforderungen nicht mehr genügte. Diese Projekte kamen allerdings nicht zur Ausführung.[2] So entwickelten sich dort nur eine Anlandungstelle bzw. ein kleiner Hafen sowie der Standort des ersten städtischen Schlachthauses, das 1874 von dem Stadtbaumeister Eberhard Westhofen dort errichtet worden war.[3] Die Trockenlegung und Anhebung dieses Bereichs erfolgte um 1900. Ziel war Landgewinn für die Industrie- und Gewerbeausstellung Düsseldorf 1902.[4] Die Überplanung der Golzheimer Insel als Ausstellungsgelände hatte Heinrich Lueg nach einer Idee des Malers Fritz Roeber seit 1898 verfolgt.[5] Auch der Internationalen Kunst-Ausstellung und Grossen Gartenbau-Ausstellung 1904 mit Kunstpalast diente das aufgeschüttete Terrain als Ausstellungsfläche. 1906 erfolgte die Ausgestaltung als Kaiser-Wilhelm-Park nach Planen von Walter von Engelhardt, Direktor des Gartenamts Düsseldorf. Weil das Gelände gleichwohl noch hochwassergefährdet war, wurde es 1925 im Zuge der Vorbereitung der GeSoLei erneut aufgestockt und mit einer Schutzmauer gesichert. Nach der GeSoLei, während der es abermals durch Ausstellungshallen bebaut war, wurde das Gelände als Volkspark wieder hergerichtet. Zusammen mit den von Wilhelm Kreis entworfenen Dauerbauten der GeSoLei – der Rheinhalle, dem Reichsmuseum, dem Kunstmuseum am Ehrenhof und der Rheinterrasse – bildet der Rheinpark Golzheim bis heute einen entscheidenden Beitrag zur Rheinufergestaltung, als Fortsetzung der Altstadtfront und als das Gegenstück der zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch jungen Bebauung Oberkassels.[6] Zeitweise gefährdet war diese räumliche Einheit durch den Neuordnungsplan Düsseldorf 1949, den der Verkehrs- und Stadtplaner Friedrich Tamms für den Wiederaufbau Düsseldorf entwickelt hatte. Demnach sollte der Rheinpark in Verlängerung der Klever Straße durch eine Hauptverkehrsachse überbaut und tranchiert werden, um dort die Stadtteile Pempelfort und Golzheim mit dem gegenüber liegenden Niederkassel durch eine weitere Rheinbrücke zu verbinden.[7]

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biergarten

Mehrere Treppen hinab zum Rheinufer liegen am Ende von Querwegen, die jeweils auf eine expressionistische Schmuckvase aus Muschelkalkstein auf der Schutzmauer als Point de vue ausgerichtet sind und die die weiträumigen Rasenflächen in Abschnitte gliedern. Am Südende des Rheinparks befinden sich die Rheinterrassen, ein städtischer Gebäudekomplex mit Veranstaltungsräumen in einem Stil zwischen Backsteinexpressionismus und Neoklassizismus. Vor einigen Jahren wurde dieser Komplex durch einen modernen Hallenanbau nach Norden erweitert. Dort liegen auch eine große Freitreppe und eine Rampe, die zum Rheinufer führen, sowie von Platanen beschattete Terrassen, die sommers als Biergarten dienen. Das Nordende des Rheinparks wird durch die Theodor-Heuss-Brücke beherrscht. Hier rahmt die Brücke ein Landschaftsfenster, das über mehrere Kilometer hinweg den Blick auf die typisch niederrheinische Flusslandschaft von Lörick und Büderich freigibt.

Der Baumbestand des Rheinparks ist vielfältig: Entlang der Straße verläuft eine Kastanienallee, an den Rändern der Spiel- und Liegewiesen sind in Gruppen Weiden, Ahorne, Platanen, Pappeln, Birken und weitere Baumarten angeordnet. In den Wiesen an der Kastanienallee wurden vor kurzem großflächig Krokusse eingepflanzt, die fortan alljährlich am Ende des Winters als breites violettes Band aufblühen. Auch Halsbandsittiche, die besonders an Sommerabenden im Rheinpark zusammenschwärmen und dort ihre spektakulären Flugbewegungen durchführen, ziehen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich.

Die Wiese am Südende des Rheinparks dient häufig Zirkusveranstaltungen als Standort, in den letzten Jahren war dies jener des Circus Roncalli. Am Rheinufer wird seit mehreren Jahren in den Sommermonaten ein Open-Air-Kino errichtet.

Robert-Lehr-Ufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schiffsanleger am Robert-Lehr-Ufer

Entlang des Rheinufers und unterhalb des Parks verläuft das Robert-Lehr-Ufer. Es ist benannt nach dem Oberbürgermeister Robert Lehr, unter dessen Regierung in den 1920er Jahren die städtebauliche Entwicklung Düsseldorfs zur modernen Großstadt maßgeblich vorangetrieben wurde. An dieser Uferstraße liegen Anlegestellen für Passagierschiffe, die – besonders zu den Zeiten der großen Messen – von Hotelschiffen genutzt werden. Ferner befindet sich dort auch der Sporthafen Golzheim, in dem die Anlagen verschiedener Wassersportvereine untergebracht sind.

Kunstobjekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochwasserschlange von Richard Langer, 1929
Rheinschiffer um 1850 von Emil Jungblut, 1930er Jahre
Plastische Säule von Karl Hartung, 1963

Eine Reihe von Kunstobjekten tragen zur Gestaltung der Anlagen bei, unter anderem:

  • Hochwasserschlange (1929), 25 m lange Stahlplastik von Richard Langer auf der Rampe der Uferschutzmauer, die zum Robert-Lehr-Ufer hinabführt
  • fünf expressionistische Schmuckvasen aus Muschelkalk auf der Uferschutzmauer: Radschläger von Willi Hoselmann, Nibelungen von Ferdinand Heseding, Erdarbeiten von Ernst Gottschalk, Gartenarbeiten von Ernst Gottschalk sowie Rheinsagen von Ferdinand Heseding (Reihenfolge von Süd nach Nord)
  • Rheinschiffer um 1850 (1930er Jahre), lebensgroße Figur aus Muschelkalk von Emil Jungblut, aufgestellt 1970 auf einem Sockel der Einfriedung am Biergarten auf der Nordseite der Rheinterrasse anstelle von dort früher platzierten Puttengruppen von Willi Hoselmann, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden
  • Großer Kopf (1984), Skulptur aus gebranntem Ton und Basaltlava von Trude Esser (1925–2015), aufgestellt am Rande des Rheinparks gegenüber dem Gebäude der Bezirksregierung Düsseldorf (Ankauf der Stadt Düsseldorf auf der Großen Kunstausstellung Düsseldorf 1990/91)
  • Plastische Säule (1963), 6 m hohe Skulptur aus Travertin von Karl Hartung, aufgestellt südlich der Theodor-Heuss-Brücke[8][9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Sturm zerstörte rund 17.000 Straßenbäume in Düsseldorf. Artikel vom 11. Juni 2014 im Portal derwesten.de, abgerufen am 12. Juni 2014
  2. P. Schmitz: Handel und Industrie der Stadt Düsseldorf. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Band 3, Düsseldorf 1888, S. 494 (Digitalisat)
  3. Schlachthof Düsseldorf, Webseite im Portal albert-gieseler.de, abgerufen am 20. Mai 2016
  4. Susan Brooks: Die städtebauliche Konzeption der Gesolei. In: Jürgen Wiener (Hrsg.): Die Gesolei und die Düsseldorfer Architektur der 20er Jahre. J.P. Bachem Verlag, Köln 2001, ISBN 3-7616-1445-4, S. 30
  5. Website Die Ausstellungsgeschichte der Stadt Düsseldorf: 1902: Industrie- und Gewerbe-Ausstellung für Rheinland, Westfalen und benachbarte Bezirke verbunden mit einer Deutsch-Nationalen Kunstausstellung zum Buch von Stefanie Schäfers: Vom Werkbund zum Vierjahresplan. Die Ausstellung Schaffendes Volk, Düsseldorf 1937. In: Quellen und Forschungen zur Geschichte des Niederrheins (Düsseldorfer Geschichtsverein), Band 4, ISBN 3-7700-3045-1, Droste Verlag, Düsseldorf 2001
  6. Susan Brooks, ebenda
  7. Siehe entsprechende Abbildungen bei Werner Durth: Deutsche Architekten. Biographische Verflechtungen 1900–1970. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1992, ISBN 3-423-04579-5, S. 352 f.
  8. Rolf Purpar: Kunststadt Düsseldorf. Objekte und Denkmäler im Stadtbild. Grupello Verlag, 2. Auflage, Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-89978-044-4, S. 105, 113, 130, 135
  9. Linus Wörffel: Kalk und Erinnerung. Artikel im Portal index-magazin.com, abgerufen am 21. April 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rheinpark Golzheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 14′ 36″ N, 6° 46′ 5″ O