Museum Kunstpalast

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Westlicher Flügel, Brunnen und nördlicher Übergang des Museumsgebäudes. Im Vordergrund die Bronzeskulptur Nashorn von Johannes Brus.
Weiblicher Akt von Ernst Gottschalk vor dem Eingang

Die Stiftung Museum Kunstpalast, von 2001 bis 2011 auch in der Schreibweise museum kunst palast bekannt, ist ein Kunstmuseum in Düsseldorf im Ehrenhof. Von 1925 bis 1926 wurde der bereits existierende Kunstpalast von 1902 nach Entwürfen des Architekten Wilhelm Kreis umgebaut und entsprach damit der noch heute sichtbaren Bausubstanz. Von 1999 bis 2000 erfolgte ein weiterer Umbau nach Plänen von Oswald Mathias Ungers.

Bis 2001 wurde diese Institution allein von der Stadt Düsseldorf unter dem Namen Kunstmuseum Düsseldorf im Ehrenhof betrieben. Seitdem wird das Museum Kunstpalast in Rahmen einer „Public-private-partnership“ von einer Stiftung der Stadt, dem Energieunternehmen E.ON sowie dem Handelskonzern Metro Group getragen. Die Sammlung des Museums umfasst Gemälde und Skulpturen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Daneben sind Spezialsammlungen zu Kunstgewerbe, Kunsthandwerk und Design, Grafik sowie eine bedeutende Glassammlung zu sehen.

Als Generaldirektor des Museums folgte im Jahre 2007 der Schweizer Beat Wismer dem vor der Neueröffnung im Jahre 2001 berufenen Franzosen Jean-Hubert Martin. Das Museum beschäftigt 65 Mitarbeiter und arbeitet mit einem Jahresbudget von 15 Millionen Euro.[1] Bei einem jährlichen Zuschuss der Landeshauptstadt von 7,2 und des Unternehmens EON von 1,1 Millionen Euro hat das Museum Schulden in Millionenhöhe angesammelt, die nun mit einem Sparprogramm abgebaut werden sollen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Der Kurfürst und Mäzen Johann Wilhelm (Jan Wellem) von Pfalz-Neuburg hatte nach seiner Hochzeit 1691 mit der Prinzessin Anna Maria Luisa de’ Medici eine der ersten öffentlichen Kunstgalerien angelegt, die nach seinem und dem Tod seines Bruders Karl III. Philipp an andere Linien des Hauses Wittelsbach überging. Die Düsseldorfer Sammlung wanderte 1805 großenteils nach München und bildete dort den Grundstock für die Alte Pinakothek. Nur wenige Gemälde blieben zurück. Unter ihnen waren zwei schwer transportierbare Rubens-Gemälde, die im heutigen Museum den Glanz der Rubens-Galerie bilden.

Gründung[Bearbeiten]

Die Geschichte des Museums begann im Jahr 1846[3] mit der Gründung des Vereins zur Errichtung einer Gemäldegalerie zu Düsseldorf, der vor allem Werke der Düsseldorfer Malerschule ankaufte. Jedoch wurde lange Zeit kein eigenes Museum gegründet. Der Beschluss, ein eigenes Museumsgebäude für die Präsentation des Kunstbesitzes zu errichten, fiel am 1. Juli 1913 und damit später als in den anderen rheinischen Großstädten. Als Gründungsdirektor wurde der Berliner Karl Koetschau angestellt; wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges konnten Pläne für den Neubau jedoch nicht umgesetzt werden.[4] Koetschau wollte die Sammlung von alter Kunst durch Zukäufe ergänzen und plante eine Modernen-Galerie, um so eine einem Museum angemessene Sammlung aufzubauen. Jedoch stieß er dabei auf Widerstände. So konnte er aufgrund der nationalistischen Stimmung keine französischen Werke erwerben, mit denen er die internationale Kunstentwicklung in der Sammlung hätte aufnehmen können. Damit blieb als Grundstock nur der bereits vorhandene Bestand an Werken der Düsseldorfer Malerschule, der den Großteil der Kunstsammlung der Stadt Düsseldorf ausmachte. Zusammen mit dem Kurator Walter Cohen erwarb Koetschau moderne deutsche Werke, beispielsweise der Gruppe Junges Rheinland. Daneben blieb in den Anfangsjahren des Museums das Problem des Fehlens eigener Räumlichkeiten, weshalb es seine Sammlung nur in wenigen Räumen der Kunsthalle Düsseldorf präsentieren konnte.

Eigenes Museumsgebäude[Bearbeiten]

Ein eigenes Gebäude erhielt das Museum nach der GeSoLei, der Großausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen, die 1926 in Düsseldorf stattfand. Die Planungen sahen vor, dass nach Ende der Ausstellung der nordwestliche Flügel der Ehrenhof-Anlage als Museumsgebäude dienen sollte. Die Räumlichkeiten wurden deshalb anschließend, soweit möglich, entsprechend angepasst. Im Jahr 1928 eröffnete dann das Kunstmuseum der Stadt Düsseldorf. In der Folge wurde die Sammlung des Museums durch Ergänzungen geprägt, die zu einer besonderen Vielfalt von Exponaten führten. So löste der Central-Gewerbe-Verein das 1883 von ihm gegründete Düsseldorfer Gewerbemuseum auf, das im Historismus begründete Konzept, nach dem Werke aus der Vergangenheit dem heutigen Gewerbe als Vorbild dienen sollten, galt inzwischen als überholt. Die Bestände wurden in das neue Zentralmuseum eingegliedert. 1928 kam die keramische Spezialsammlung des Hetjens-Museum hinzu, die bis 1967 Bestandteil des Museums blieb. Dadurch veränderte sich das Konzept des Museums, das vorher eine Gemäldegalerie mit angegliedertem Kupferstichkabinett war. Diese Entwicklung wurde durch die Einkaufspolitik von Karl Koetschau weiter verstärkt. 1932 wurde die Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf mit einem langfristigen Leihvertrag dem Museum übergeben.

Die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]

1933 verließ Karl Koetschau das Kunstmuseum der Stadt Düsseldorf und ging nach Berlin, wo er Leiter der Gemäldegalerie des Kaiser-Friedrich-Museums wurde. Neuer Museumsdirektor wurde der Nationalsozialist Hans Wilhelm Hupp. Dieser arbeitete zwar an der zentralisierenden Umgestaltung der Düsseldorfer Museenlandschaft mit, vertrat aber unabhängige künstlerische Ansichten. Er forderte die Galerie der Neuzeit, die in der alten Kunsthalle realisiert wurde. Sie war jedoch umstritten und musste in den folgenden Jahren mehrmals kurz nach der Eröffnung wieder geschlossen werden, weil die dort ausgestellten Kunstwerke innerhalb der NSDAP auf Kritik stießen.[5] Mit Verkäufen aus dem Museumsbestand versuchte Hupp Eingriffe der Reichskulturkammer in das Museum zu verhindern, trotzdem wurden 1937 900 Werke als Entartete Kunst konfisziert, von denen einige in der Ausstellung „Entartete Kunst“ präsentiert wurden.

In den 1930er Jahren wurden große Geldmittel für den Ankauf älterer Kunstwerke ausgegeben, besonders im Bereich Mittelalterliche Skulpturen. Die Erben der früheren Eigentümer zweier Werke, die 1935 erworben wurden, verlangen hierfür eine Restitution oder Entschädigung. Es handelt sich um das Stillleben "Fruchtkorb an einer Eiche" (um 1670) von Abraham Mignon und das Werk "Pariser Wochentag" (1869) von Adolph Menzel. Die Erben und die Stadt Düsseldorf haben die Limbach-Kommission um eine Empfehlung zu den streitigen Fragen gebeten.[6]

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Sammlung aufgrund frühzeitiger Auslagerungen ohne Schäden. Hupp erwarb bis zu seinem Tod Ende 1943 für große Geldsummen Kunstwerke in den besetzten Niederlanden und Frankreich, die nach Kriegsende nach einem Beschluss der alliierten Verwaltung an die Herkunftsländer zurückgegeben wurden.[5] Knapp 50 der in den Niederlanden erworbenen Werke sind heute im Bestand der Nederlands Kunstbezit-collectie (NK).[7] Zu den Verkäufern zählten u.a. die nichtjüdischen Kunsthandlungen Schretlen, Hoogendijk, Douwes und de Boer sowie die jüdischen Kunsthandlungen Goudstikker und Kurt Walter Bachstitz.[8][9][10] Die Nachfolge Hupps trat der Maler Fred Kocks an, der unter Hupp Ausstellungsleiter gewesen war.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach Kriegsende wurde Kocks als Direktor abgelöst. Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen wurde er durch den politisch unbelasteten Kunsthistoriker Werner Doede (1904–2000) ersetzt, der die Rückführung der Sammlung und erste Ausstellungen organisierte. So zeigte er im unbeschädigten Hetjens-Museum 1946 in der Ausstellung Lebendiges Erbe Werke, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft als entartet galten. Die Ausstellungsaktivitäten erstreckten sich wieder mehr auf das eigentliche Museumsgebäude, das leicht beschädigt war und teilweise von der Telegraphenverwaltung genutzt wurde. Am 19. Juli 1949 wurde das renovierte und in Teilen neu gegliederte Museum endgültig wiedereröffnet. Werner Doede, der Ende 1953 wegen dauernder Konflikte mit der Düsseldorfer Kulturverwaltung kündigte, begann damit, die von den Nationalsozialisten mit der Verfolgung von Entarteter Kunst in die Sammlung geschlagene Lücke wieder zu füllen. Meta Patas, die 1954 die kommissarische Leitung des Museums innehatte, wie auch ihr Nachfolger Gert Adriani, der 1958 ebenfalls unter Protest kündigte und dem wieder Patas nachfolgte, führten diese Ankaufpolitik fort. Die Kündigungen lagen darin begründet, dass das Museum von der Expansion des angrenzenden Messegeländes bedroht wurde und zeitweise Teile des Museums für Messen geräumt werden mussten.[11] Über einen Museumsneubau wurde zwar diskutiert, jedoch kam es zu keinen genaueren Planungen. Im Jahr 1958 wurde das Museum für zwei Jahre geschlossen, die ausgestellten Werke im Magazin eingelagert und die Räumlichkeiten durch die Messegesellschaft NOWEA genutzt.

Wiedereröffnung[Bearbeiten]

1964 übernahm mit Wend von Kalnein ein neuer hauptamtlicher Direktor die Leitung des Museums. Kalnein versuchte, das Museum mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit, wissenschaftlicher Arbeit und einem weiteren Sammlungsausbau neu zu positionieren. Die Ausstellungsräume wurden renoviert. 1968 wurde die Düsseldorfer Messe an einen anderen Ort verlegt, so dass der Standort des Museums am Ehrenhof gesichert war. Wend von Kalnein legte einen besonderen Schwerpunkt auf die Kunstvermittlung. So wurde 1970 die Pädagogische Abteilung gegründet, die mit Düsseldorfer Schulen kooperierte. Zudem wurden ab 1977 spezielle kindgerechte Ausstellungen veranstaltet. In den 1970er Jahren richtete das Museum erste groß angelegte, katalogbegleitete Sonderausstellungen aus. Zum Teil wurden diese international wahrgenommen, wie eine Ausstellung von Werken der Russischen Avantgarde aus der Sammlung von George Costakis, was die Position des Museums weiter stärkte. Dies führte in den 1970er Jahren zu Ausstellungen des Museums in Irland und Finnland sowie in den 1980er Jahren in den Vereinigten Staaten und Japan.

Nachdem Kalnein 1979 in den Ruhestand eingetreten war, übernahm Hans Albert Peters den Posten des Museumsdirektors. Unter seiner Leitung musste die Museumsarbeit auf verschiedene andere Gebäude, darunter die Kreuzherrenkirche, aufgeteilt werden, da im Ehrenhof schwere Baumängel festgestellt worden waren, die die Räumung und Schließung des eigentlichen Museumsgebäudes im Juli 1979 zur Folge hatten.[12] Die Planungs- und Bauphase mit der Entkernung und Kompletterneuerung des Gebäudes dauerte sechs Jahre, bis es 1985 wiedereröffnet werden konnte. Die Sanierung löste aber nicht die räumlichen Probleme des Museums, so dass 1988 ein Wettbewerb für eine Nutzung des gegenüberliegenden Kunstpalastes ausgeschrieben wurde. Das Ergebnis hätte zwar die Anforderungen des Museums erfüllt, konnte jedoch aufgrund einer verschlechterten Wirtschaftslage nicht umgesetzt werden.

Infolge eines Brandes 1993 im Museum kam es zu einer Kontaminierung des Gebäudes. Die Sanierungsmaßnahmen dauerten bis in den Dezember 1994, als das Museum wiedereröffnet wurde. Hans Albert Peters ging 1995 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand, in einer Phase, in der über die Zusammenlegung des Kunstmuseums mit der Kunsthalle nachgedacht wurde und neue Pläne bezüglich des Kunstpalastes bestanden. Den Posten des Direktors übernahm Helmut Ricke.

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

Um die Vereinigung von Kunstmuseum und Kunsthalle zu verwirklichen, wurde 1997 die Stiftung museum kunst palast gegründet, deren Gründungsdirektor Jürgen Harten war. Es dauerte sechs Jahre, bis die Neuordnung der Museen, die seit 1995 diskutiert worden war, umgesetzt wurde. Die Leitung des Museums hatte von 1999 bis 2006 Jean-Hubert Martin, der frühere Direktor des Musée National d’Art Moderne und des Musée national des arts d’Afrique et d’Océanie. Am 1. September 2001 wurde das museum kunst palast eröffnet, nachdem ein Neubau des Kunstpalastes fertiggestellt worden war. Nach sechsjähriger Amtszeit trat Martin zurück und erhob schwere Vorwürfe gegen den privaten Geldgeber wegen dessen Einmischung in die Programmgestaltung.[13] Seit März 2007 leitet der Schweizer Beat Wismer, früherer Direktor des Aargauer Kunsthauses, als Generaldirektor das Museum.[14] Kaufmännischer Direktor der Stiftung museum kunst palast ist seit 1. Juli 2008 Carl Grouwet.[14] Nach der Neuordnung ist das Museum Kunstpalast keine rein städtische Einrichtung mehr, sondern wird von einer Stiftung betrieben, die von der Stadt Düsseldorf gemeinsam mit privatwirtschaftlichen Geldgebern wie E.ON, Metro und Evonik (bis 2010) finanziert wird. Diese Stiftung war die erste große Public-private-partnership im Museumsbereich in Deutschland. Mit dem Energiekonzern E.ON wurde Ende 2008 der Vertrag zur Sicherung der Betriebskosten um weitere fünf Jahre verlängert. Seit 2006 sponsert der Partner E.ON nicht mehr allgemein die Ausstellungstätigkeit des Hauses, sondern nur noch ausgewählte Ausstellungen. Auf Veranlassung von E.ON haben 2012 Unternehmensberater der „Boston Consulting Group“ das Museum auf Einsparmöglichkeiten überprüft, mit dem Ergebnis, dass das Museum ineffizient wirtschafte.[15]

Seit 2011 heißt das Haus Museum Kunstpalast. Im Mai 2011 wurde nach mehr als zweijähriger Schließung aufgrund von Renovierungsmaßnahmen des Sammlungsflügels die Sammlung Museum Kunstpalast wiedereröffnet und in neuer Hängung präsentiert.

Nach einem früheren Wasserschaden wird im Juni 2012 von der Stadt vermutet, dass Teile des Sammlungsflügels des Kunstpalasts wegen des gerichtlichen Beweissicherungsverfahrens eventuell noch auf Jahre gesperrt bleiben. Die Pläne für ein Café im Nordflügel, dem Teil zwischen den beiden Ausstellungsflügeln mit Arno Brekers „Aurora“ auf dem Dach, sind auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Wegen festgestellter Statikmängel können dort vorerst nur leichte Ausstellungsstücke gezeigt werden.[16]

Architektur[Bearbeiten]

Kunstpalast, 1902
Haupteingang des Museums im Westflügel
Fassade des Museums
Zentrale Eingangshalle mit Treppenaufgang und bleiverglastem Fensterbild Jan Thorn-Prikkers (rechts), 1926
Mosaik „Der Tag“ von Jan Thorn-Prikker, 1926

Das Museum Kunstpalast liegt zwischen dem Rhein und dem Hofgarten, nördlich der Düsseldorfer Altstadt. Es befindet sich auf dem 1926 von Wilhelm Kreis für die Großausstellung GeSoLei zum kulturellen Zentrum ausgebauten Areal[17], das von der Altstadt durch die Auffahrt zur Rheinbrücke nach Oberkassel getrennt ist. Das Gelände liegt zwar außerhalb des Stadtkerns, aber dennoch zentral.

Vor dem Ausbau befand sich dort nur der 1902 parallel zum Fluss gebaute neobarocke Kunstpalast. Kreis ließ eine neue Fassade für dieses Gebäude anbringen und integrierte es in eine hufeisenförmige Anlage, die nach den Empfangshöfen von Schlossanlagen als Ehrenhof bezeichnet wird. Das Gebäude wirkt mit den breiten Baukörpern, die auf Sockeln aus Muschelkalk ruhen, monumental. Damit spielte Wilhelm Kreis auf eine Grab- und Pyramidenarchitektur an, was er jedoch mit den um das ganze Gebäude verlaufenden Fenstern wieder zurücknahm. Diese Fensterreihe scheint von der Industriearchitektur inspiriert worden zu sein.[18] Wie alle Dauerbauten der GeSoLei weist auch das Kunstmuseum zur Rheinseite hin eine palastartige, symmetrische Backsteinfassade mit großflächiger Ornamentik und mit Elementen aus Werkstein auf. Auf einem horizontal über die Fassade laufenden flachen Ziegelstreifen ist hier in lateinischen Lettern das Motto des Kunstmuseums angebracht: ARS AETERNA – VITA BREVIS (Die Kunst ist ewig, das Leben kurz). Das Kunstmuseum, das anschließende Reichsmuseum (heute das NRW-Forum), die Tempeltore, die die Öffnungen in der Rheinfront akzentuieren, und die monumentale Kuppel des Planetariums (heute die Tonhalle) formulieren eine festliche, teilweise sakral wirkende Abfolge von Großbauten mit bewusst gewählten historischen Anklängen. Die monumentale Gestaltung und die Ausrichtung auf den Rhein entspricht den Bemühungen der Stadtplaner seit Anfang des 20. Jahrhunderts, das Rheinufer attraktiver zu gestalten, um die symbolische Bedeutung des Rheins als Sinnbild des Deutschen Reichs und um die Rolle Düsseldorfs als Großstadt zu unterstreichen.[19]

Im Innern weist das Gebäude eine für die damalige Zeit hochmoderne Funktionalität und Nüchternheit auf, die sich an den Forderungen des Museumspädagogen Alfred Lichtwark orientierte und diese sogar noch übertraf. Schlichte, hell verputzte Ausstellungsräume, ein flexibler Grundriss, hochgerückte Fensterbänder und der erstmalige Einsatz der aus dem Fabrikbau entlehnten Sheddächer belegen das innovative Architekturkonzept.[20]

Das Gebäude umschließt zunächst einen Innenhof. Entlang der Uferstraße schließen sich ihm weitere Ausstellungsgebäude an. An den Stellen, wo Querstraßen die Hauptachse des Ausstellungsgeländes kreuzen, flankieren den Komplex tempelartige offene Säulenhallen mit Mosaiken von Heinrich Nauen und Johan Thorn-Prikker. Der Außenraum des Museums ist mit Skulpturen geschmückt. Auf dem Dach des Museums, über dem Triumphtor in der Hauptachse des Ehrenhof-Komplexes, befindet sich die Skulptur Aurora von Arno Breker. Vor dem Eingang des Museums stehen zwei Aktfiguren von Ernst Gottschalks. Neben Gottschalks Arbeiten befanden sich dort zwei von Bernhard Sophers, die von den Nationalsozialisten aufgrund der nicht-arischen Abstammung Sophers eingeschmolzen wurden.

Der Brunnen mit wurde ebenfalls zur Gesolei von Wilhelm Kreis angelegt. Er besteht aus einem runden Becken aus Kunststein und einem einfachen Brunnenkopf mit Wasserstrahlbündel. Der Beckenrand wurde 1957 bei einer Restaurierung erneuert.[21]

Mit der Glasmalerei von Johan Thorn-Prikker erinnert die Eingangshalle des Museums an einen sakralen Bau. Zu beiden Seiten erstrecken sich die Ausstellungsräume, zu denen eine zweiflügelige Treppe ins Obergeschoss führt. Die Räumlichkeiten, in denen die Sammlung präsentiert wird, sind sachlich und neutral gestaltet. Hinter der Fassade befindet sich eine moderne Stahlbetonkonstruktion, so dass das Gebäude die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überstand. Bei der Sanierung des Museums in der ersten Hälfte der 1980er Jahre wurde der Übergang zum Kunstpalast verglast und der Ausstellungsbereich um ein zweites Obergeschoss erweitert. Diese Sanierung war vom Gesichtspunkt des Denkmalschutzes nicht unproblematisch. Zudem verschwand die ursprünglich großzügig angelegte Raumstruktur und es entstanden stattdessen kleine, verwinkelte Räume. Nach dem Beschluss von 1998, Kunstpalast und Kunstmuseum zu vereinigen, wurde ersterer abgerissen. An seiner Stelle entstand hinter der denkmalgeschützten Fassade ein Neubau, der von Oswald Mathias Ungers entworfen wurde. Dieser bietet 3000 Quadratmeter Fläche für Wechselausstellungen, womit das Museum insgesamt eine Fläche von etwa 9000 Quadratmetern umfasst. Von einem Foyer, das mit einer Kuppel überspannt ist, zweigen vier Galeriehallen ab. Im Altbau des Museums Kunstpalast befinden sich die Präsenzbibliothek und die Bestände der Graphischen Sammlung, die dem Publikum in einem Studiensaal zugänglich sind. Dem Haus angegliedert ist mit dem Robert-Schumann-Saal ein Konzert- und Theatersaal mit rund 800 Plätzen, der ebenfalls von Ungers entworfen wurde und für verschiedene kulturelle Anlässe genutzt wird.[22]

Das Motiv neoklassizistischer Triumphbögen und Tempel bestimmt das Gebäude des Museums Kunstpalast: so verbindet die beiden Ausstellungsbauten ein „triumphbogenartiger Torbau“.[23] Auch der Mittelrisalit „stellt ein auf einfache geometrische Formen reduziertes Triumphbogenmotiv dar“.[23] An den Seiten befinden sich „tempelartige Eckpavillons“.[23] Monumental gestaltet ist die Rheinfassade; ihre horizontale Schichtung mit gerippten Lagen von Ziegelsteinen über schräg gestellten („geböschten“) Sockeln aus Muschelkalk werden allein durch ein vertikal betontes Mittelrisalit unterbrochen.[23] Unter- und oberhalb der Fenster befinden sich vor- und zurückspringende rote Klinkersteine, die typisch für die Architektur der 1920er Jahre, aber ebenso für die Bautradition der Region Niederrhein sind. Die regelmäßige Architektur des Gebäudes wird von den hohen neoklassizistischen Portalen unterbrochen. Die nördliche Durchfahrt wurde als ein kubisch abgewandelter Triumphbogen konzipiert.[18]

Die neoklassizistischen „tempelartigen Vorbauten“[24] oder auch „tempelartige Eckpavillons“[25] des NRW-Forums, werden als „Motiv im Kunstmuseum auf der einen Seite und im Sockel der Rheinhalle auf der anderen“ wieder verwendet.[24]

Sammlung[Bearbeiten]

Die Gemäldesammlung des Museums hat drei Schwerpunkte, die Alte Malerei, die Malerei des 19. Jahrhunderts mit besonderem Augenmerk auf die Düsseldorfer Malerschule und die Moderne Malerei. Die Kunst des 20. Jahrhunderts und die zeitgenössische Kunst sind in der Modernen Abteilung zusammengefasst, hier werden neben Gemälden auch Skulpturen und Objektkunst Neue Medien gesammelt.

Gemäldegalerie[Bearbeiten]

Die Wurzeln des ersten Sammlungsbereiches der Gemäldegalerie liegen in der Kurfürstlichen Sammlung von Johann Wilhelm begründet, der die kleine Sammlung, die er in Düsseldorf vorfand mit seiner zweiten Frau, der Prinzessin Anna Maria Luisa de’ Medici, erweiterte und durch großzügiges Mäzenatentum Künstler und Musiker an den Hof zog und die Stadt zu einer europäischen Kunstmetropole machte. Die Sammlung gelangte jedoch 1805 durch Erbfolge nach München, wo sie heute zum Bestand der Alten Pinakothek zählt. Drei der Werke aus dieser Sammlung gehören als Dauerleihgaben zum Museumsbestand: Himmelfahrt Mariae und Venus und Adonis von Peter Paul Rubens, sowie Samson und Delila von Jodocus van Winghe.[26] Als Entschädigung für den Verlust wurden 1846 dem Verein zur Errichtung einer Gemäldegalerie zu Düsseldorf 415 Gemälde, vor allem der Düsseldorfer Malerschule, aus den Depotbeständen der Königlichen Museen Breslau zugesprochen.[27] Zu den heutigen Sammlungsbeständen zur Alten Malerei gehört unter anderem Das ungleiche Paar von Lucas Cranach dem Älteren, ein moralisierendes Genrebild mit einer Darstellung des Lasters. Im Gegensatz dazu stellt die Allegorie Der Kuß von Gerechtigkeit und Friede eines Antwerpener Meisters die Tugend heraus. Mit dem Gemälde Landschaft mit Tobias und dem Engel von Jan van Scorel befindet sich ein bedeutendes Werk der Landschaftsmalerei in der Sammlung des Museums. Ein weiteres wichtiges Werk ist das Gemälde Mann mit brennender Kerze, das einem Nachfolger Godfried Schalckens zugeschrieben wird; es handelt sich um ein virtuoses Beispiel der einfigurigen Bildnis- und Genremalerei und weist ein außergewöhnliches Spiel von Licht und Schatten auf.[28] Das Bild Tod der Kleopatra von Jean-Baptiste Regnault ist ein Beispiel für die französische Malerei des 18. Jahrhunderts mit dem Napoleonischen Klassizismus.

Von den Werken der Malerei des 19. Jahrhunderts wird beispielsweise das Gemälde Die Flucht nach Ägypten von Julius Schnorr von Carolsfeld gezeigt. Ein weiteres Gemälde aus dieser Zeit ist die Landschaft Frühlingsabend von Ludwig Richter aus dem Jahr 1844, der erst recht spät diese Motive für sich entdeckt hatte. Von Caspar David Friedrich befindet sich das Bild Das Kreuz im Gebirge in der Sammlung wie auch Werke von Adolph Menzel, Max Liebermann und Arnold Böcklin. Die Düsseldorfer Malerschule ist in der Museumssammlung stark vertreten. Von den Werken der Künstler dieser Schule befinden sich Die alte Akademie von Andreas Achenbach, Das Wetterhorn von Johann Wilhelm Schirmer sowie Arbeiter vor dem Magistrat von Johann Peter Hasenclever im Museum. Viele dieser Bilder haben einen engen Bezug zur Stadt Düsseldorf und zur Düsseldorfer Kunstakademie.

Moderne Abteilung[Bearbeiten]

Die Moderne Abteilung umfasst die Gemälde, Skulpturen, Objektkunstwerke und die Kunst der Neuen Medien des gesamten 20. Jahrhunderts bis hin zur zeitgenössischen Kunst. Angeschlossen ist das Archiv künstlerischer Fotografie der rheinischen Kunstszene (AFORK). Hauptschwerpunkte der Sammlung sind der Expressionismus, der Sonderbund, das Junge Rheinland, die Neue Sachlichkeit und die Bauhauskunst (Konstruktivismus), das Informel, die Kunst um die Gruppe ZERO, Joseph Beuys und seine Schüler und die junge zeitgenössische Kunst. Zur Sammlung gehören Werke des frühen 20. Jahrhunderts wie Stillende Mutter von Paula Modersohn-Becker aus dem Jahr 1902 und Murnau (Landschaft mit Baumstamm) von Wassily Kandinsky aus dem Jahr 1909. Ebenso zählen Werke wie Herbstrausch (Bacchanal) von Walter Ophey von 1912, Franz Marcs Die Füchse aus dem Jahr 1913 und August Mackes Vier Mädchen von 1912 dazu. Weiterhin gehören Bilder von Otto Dix, Erich Buchholz, Giorgio de Chirico, Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner zu den Sammlungsbeständen, ebenso der ZERO-Raum Lichtraum. Hommage à Fontana, 1964 und Eurasienstab, 1968, von Joseph Beuys. Ein Beispiel für ein Werk der jüngeren Kunst ist Razzia in der Kiefernstrasse von Bertram Jesdinsky aus dem Jahr 1987.

Alte Skulptur und Kunsthandwerk[Bearbeiten]

Die Sammlung von Skulpturen und Kunsthandwerk des museum kunst palast basiert auf der Sammlung des alten Kunstgewerbemuseums. Beim weiteren Ausbau der Sammlung wurde ein Schwerpunkt auf die Plastik des Mittelalters gelegt. So wurden 1929 hochrangige mittelalterliche Bildwerke aus der Sammlung Hohenzollern-Sigmaringen erworben und in den 1930er Jahren weitere Werke angekauft.[29] Aus aufgelösten Privatsammlungen stammen Skulpturen wie die Oertelmadonna eines unbekannten Meisters oder der Heilige Christopherus des Meisters von Ottobeuren, beides bedeutende Werke der süddeutschen Spätgotik. Ebenso wurden niederrheinische und niederländische Plastiken gesammelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weniger Werke angekauft, jedoch gab es vermehrt Schenkungen und Leihgaben.[29] So gelangten mit der Sammlung M. J. Binder Kleinplastiken und Skulpturen aus Spätgotik, Renaissance und Barock in die Museumssammlung.

Die Sammlung umfasst bedeutende Madonnen-Darstellungen wie die Regensburger Madonna, in der die künstlerische Darstellung der menschlichen Annäherung und Zwiesprache zwischen Maria und dem Jesuskind in den Vordergrund tritt. Zudem enthält die Sammlung eine Schöne Madonna aus der Epoche der internationalen Gotik Ende des 14. Jahrhunderts vom Salzburger Hof. Neben diesen Skulpturen umfasst die Sammlung jedoch auch Werke wie den Dreikönigsaltar aus dem Jahr 1516 vom Oberrhein oder die Kupfertafel Prophet Ezechiel aus Hildesheim, die zwischen 1160 und 1180 entstand. Dieses Täfelchen ist ein Beispiel der mittelalterlichen Schmelztechnik und steht in Verbindung zu Werken, die unter anderem in St. Petersburg und im Louvre gezeigt werden.[30] Die Gestaltung ist, wie in der Romanik üblich, streng formal und knüpft an die Buchmalerei an.

Der Sammlungsbestand von Werken der Renaissance umfasst eine größere Kollektion italienischer Bronzen wie Judith mit dem Haupt des Holofernes von Alessandro Vittoria. Aus derselben Epoche stammen die zwei Nussbaumfiguren Adam und Eva aus Süddeutschland oder den südlichen Niederlanden, die mit ihrem anatomischen Aufbau den für die Hochrenaissance typischen Formenkanon bereits in Frage stellen. Die beiden Figuren stehen mit ihrer Gestik und Blickrichtung miteinander in Beziehung. Der Schwerpunkt der Barocksammlung bildet die 1932 übernommene Akademiesammlung, die unter anderem eine Gruppe von Skulpturen des Hofbildhauers Gabriel de Grupello enthält. Daneben werden vor allem Werke der süddeutsche Barockplastik gezeigt.

Aus der Sammlung des alten Kunstgewerbemuseums stammen Möbel, Geschirr und Bestecke. Eines der ausgestellten Stücke ist ein Kabinettschrank aus Süddeutschland vom Beginn des 17. Jahrhunderts, der die italienischen Einflüsse nördlich der Alpen deutlich zeigt. Des Weiteren sind Pokale, Becher und Humpen aus Gold sowie Tafelgedecke Bestandteile der Sammlung. Ein besonders herausragendes Stück ist eine Kuß- und Paxtafel aus gegossenem Silber, die vom Anfang des 17. Jahrhunderts aus Antwerpen stammt. Im Gegensatz zu den sonst dargestellten Leiden Christi enthält die Düsseldorfer Tafel die Wandlungs-Worte Jesu beim Abendmahl.

Graphische Sammlung[Bearbeiten]

Die Graphische Sammlung umfasst 70.000 Zeichnungen und Druckgraphiken vom 15. bis zum 21. Jahrhundert. Sie beinhaltet Werke aus allen bedeutenden europäischen Kunstlandschaften. Mit ihrem Bestand an italienischen Barockzeichnungen zählt sie neben dem Louvre, der Albertina, Windsor Castle und der Farnesina zu den wichtigen Referenzsammlungen.[31]

Den Kern der Sammlung bildet die 14.000 Zeichnungen umfassende Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf, die sich seit 1932 als Dauerleihgabe im Museum befindet. Diese Sammlung war von Lambert Krahe aufgebaut worden; 1778 verkaufte er sie an die Bergischen Landstände, die sie der Akademie zu Studienzwecken übereigneten. Sie bietet einen Überblick über die Zeichenkunst in Deutschland vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.[32] Darunter befinden sich mit einer Verklärung Christi eines von nur zehn bekannten Blättern mit szenischem Inhalt von Hermann tom Ring sowie Arbeiten von Christoph Schwartz und Carl Loth. Mit der Zeichnung Susanna im Bade von Albrecht Altdorfer enthält die Sammlung den einzigen bildmäßig ausgeführten Gesamtentwurf zu einem seiner Gemälde. Daneben sind Zeichnungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert aus den Niederlanden Bestandteile der Sammlung. Unter ihnen befindet sich beispielsweise der allegorische Holzschnitt Herkules tötet Cacus von Hendrick Goltzius und die Genreszene Die Neugierigen von Leonaert Bramer, die eine Gruppe von Menschen zeigt, die durch ein Schlüsselloch späht. Zu den französischen Zeichnungen gehören mit 40 Blatt die umfassendste Gruppe von Landschaftszeichnungen Gaspard Dughets sowie eine Gruppe von Kreidezeichnungen Jean Charles Frontiers. Werke der Professoren der Kunstakademie und der Künstler der Düsseldorfer Malerschule sind ebenfalls Bestandteil der Sammlung.

Der bedeutendste Teil der Sammlung der Kunstakademie besteht aus den italienischen Zeichnungen. Sie stammen unter anderem von Domenico Campagnola, Bartolomeo Passarotti, Andrea del Sarto und Luca Cambiaso, sowie so bekannten Künstlern wie Michelangelo, Paolo Veronese und Raffael. Werke der Sammlung sind unter anderem das Bildnis eines jungen Mannes von Lorenzo di Credi. Besondere Berühmtheit besitzen aber die Werke des Römischen Barocks, von dessen Künstlern das Museum zum Teil mehrere Hundert Zeichnungen besitzt. So werden zum Beispiel einige Studien und Skizzen für eine Figur des Heiligen Longinus und die Zeichnung Grotesker Kopf von Gian Lorenzo Bernini gezeigt, von Pietro da Cortona die Zeichnung Thronende Madonna mit Kind, Johannes dem Täufer und dem Heiligen Stefan. Von Giuseppe Passeri befinden sich 1000 Zeichnungen wie der Kompositionsentwurf für das Fresko Rückkehr Jasons aus Kolchis in der Sammlung.

Ein weiterer Teil der Sammlung des Museums stammt aus dem 1926 aufgelösten Kunstgewerbemuseum. Er umfasst vor allem Porträt- und Ornamentstiche, aber auch vier Radierungen von Juste de Juste. Diese zeigen bizarre Pyramiden von Männern und haben keinen auf ihren Zweck ausgerichteten, sondern experimentellen Charakter.[32] Dieser Teil der Sammlung wurde 1928 mit Arbeiten aus der Sammlung von Laurenz Heinrich Hetjen 1928 ergänzt, zu denen auch Hendrick Goltzius' Holzschnitt Clair-obscur, auf dem eine der Heraklestaten zu sehen ist, gehört. Weiterhin wurde die Sammlung um Werke von Künstlern ergänzt, die im 19. Jahrhundert in Düsseldorf studiert hatten. Trotz des Schwerpunktes der Sammlung von Zeichnungen des 19. Jahrhunderts der Düsseldorfer Malerschule wurden aber auch Zeichnungen von Caspar David Friedrich, Karl Friedrich Schinkel und Adolph Menzel erworben.

Auch Zeichnungen des 20. Jahrhunderts wurden seit Bestehen des Museums gesammelt, aber durch die Verfolgung von Entarteter Kunst der Nationalsozialisten gingen mehr als 500 graphische Arbeiten verloren.[33] 1964 erbte das Museum von einem Düsseldorfer Bürger Drucke und Aquarelle des Expressionismus, unter anderem von Ernst Ludwig Kirchner, August Macke und Wassily Kandinsky. Zudem sind Werke der Klassischen Moderne von Max Ernst, Lyonel Feininger und Paul Klee Bestandteil der Sammlung, wie auch Max Beckmanns Vorzeichnungen für das Gemälde Die Nacht. Mit über 560 Lithografien, Holzschnitten und Radierungen besitzt die Sammlung einen Großteil der druckgraphischen Werke Conrad Felixmüllers, ebenso befinden sich rund 2000 Werke Walter Opheys im Besitz des Museums.[33]

Neben der europäischen Kunst beinhaltet die Sammlung jedoch auch einige orientalische Miniaturen und Japanische Farbholzschnitte aus dem 19. Jahrhundert. Sie stammen überwiegend von Künstlern der Utagawa-Schule wie Kunisada und Kuniyoshi.

Glasmuseum Hentrich[Bearbeiten]

Die Glassammlung im Glasmuseum Hentrich ist die jüngste Sammlung dieser Art von Bedeutung in Europa und neben der des Victoria and Albert Museums die umfassendste.[31] Den Ausgangspunkt bilden die Glasprodukte der Vorbildersammlung des ehemaligen Düsseldorfer Kunstgewerbemuseums. Zwischen 1928 und 1940 wurde diese Sammlung durch den Ankauf bedeutender Privatsammlungen allmählich zu der heutigen weltweiten Bedeutung geführt, die aber erst 1963 mit der Entscheidung Helmut Hentrichs, seine Sammlung dem Museum in Jahresschenkungen zuzuführen, erreicht war. Bis zu seinem Tod 2001 wurden mit den Schenkungen und seiner weiteren Sammeltätigkeit die Bestände der Sammlung ergänzt, die seit 1990 zu seinen Ehren die Bezeichnung Glasmuseum Hentrich trägt.[34] Mit der Sammlung Hentrich wurde die Glassammlung besonders gestärkt, weil ihre Schwerpunkte mit antiker und islamischer Glaskunst, sowie der des Art Nouveau, Art déco und Jugendstils die bis dahin im Museum nur schwach vertretenen Bereiche ergänzten. Die Sammlung wird weiterhin durch bedeutende Schenkungen, Vermächtnisse und Dauerleihgaben, wie italienische und tschechische Gläser aus den Beständen der Steinberg Foundation, mittelalterliche Gläser der Sammlung Karl Amendt und niederländische Gläser der Sammlung Knecht-Drenth erweitert. Die eigenen Ankäufe des Museums seit den 1960er Jahren konzentrieren sich auf die moderne und zeitgenössische Glaskunst.

Die ältesten Stücke der Sammlung stammen aus vorrömischer Zeit.[35] Das bedeutendste Gefäß aus dieser Zeit ist eine achämenidische Schale mit geschliffenem Lanzettdekor aus dem späten fünften Jahrhundert vor Christus. Die Glaskunst des Römischen Reiches ist mit über 300 Gefäßen in der Sammlung vertreten. Ebenso sind Objekte der geläufigen Gefäßtypen aus den islamischen Reichen des Nahen Ostens Bestandteil der Sammlung. Aus der Zeit vor der Epoche des Waldglases im Mittelalter stammt eine aufgrund ihres vollständigen Erhaltungszustandes einzigartige Schale aus der Zeit um das Jahr 1300.[35] In der Sammlung sind zudem Werke der venezianischen Glaskunst des 15. Jahrhunderts vorhanden, wie zum Beispiel ein Ziergefäß in der Form einer Moscheeampel, das nach bisherigem Kenntnisstand ein Einzelstück ist und die Einflüsse der islamischen Glasherstellung in Europa aufzeigt. Hinzu kommen höfische Glasgefäße des 17., 18. und 19. Jahrhunderts. Die Jugendstil-Glaskunst wird unter anderem mit Arbeiten von Louis Comfort Tiffany wie einem Blütenkelch und einer Blattschale aus der Zeit zwischen 1897 und 1905 präsentiert.

Die Glaskunst des 20. Jahrhunderts wird in ihrer Vielgestaltigkeit ebenfalls im Museum gezeigt. So gibt es Werke der Glaskunst der Werkbundbewegung, des Art déco, des Bauhauses, sowie der nordeuropäischen Länder und aus Italien. Ein Beispiel dieser Werke ist die Mosaik-Schale von Carlo Scarpa.

Seit August 2008 leitet der Kunsthistoriker Dedo von Kerssenbrock-Krosigk das Glasmuseum. Damit trat er die Nachfolge des langjährigen Leiters Helmut Ricke an.[36]

Sonderausstellungen[Bearbeiten]

Die ersten groß angelegten, katalogbegleiteten Sonderausstellungen im Kunstmuseum wurden in den 1970er Jahren ausgerichtet.[12] Den Auftakt bildete die 1971 von Christian Theuerkauff konzipierte Ausstellung Europäische Barockplastik am Niederrhein – Grupello und seine Zeit. In der Folge konzentrierten sich die Ausstellungen auf die klassische und die zeitgenössische Moderne. International wahrgenommen wurde vor allem die Ausstellung von Werken der Russischen Avantgarde aus der Sammlung von George Costakis, in der unter anderem Werke von Marc Chagall und Wassily Kandinsky gezeigt wurden. Auch Ausstellungen zur Düsseldorfer Malerschule, die spezielle Aspekte wie etwa deren Einfluss auf die skandinavische und amerikanische Kunst betonten oder die Schule an sich umfassender behandelten, sowie zur Geschichte der Glaskunst fanden Beachtung.[12]

Zur Wiedereröffnung des Museums im Dezember 1994 wurde die bis dahin aufwendigste Sonderausstellung mit Werken bedeutender Künstler der Moderne aus der Sammlung des Pariser Kunsthändlers Daniel-Henry Kahnweiler gezeigt. Diese Ausstellung zog über 160.000 Besucher an.[37] Große Resonanz fanden zudem Ausstellungen zur Glaskunst, zum zeitgenössischen Design und von japanischen Farbholzschnitten. Im Sommer 2006 realisierte Spencer Tunick seine ersten Körperinstallationen aus nackten Menschen in Deutschland im und rund um das museum kunst palast. Die dabei entstandenen Fotografien und Videoinstallationen wurden im Herbst desselben Jahres in einer Sonderausstellung im Museum präsentiert. Vom 15. September 2007 bis zum 6. Januar 2008 fand dann die Ausstellung Bonjour Russland statt, in der Werke aus den Sammlungen der Eremitage Sankt Petersburg, des Russischen Museums, des Puschkin-Museums und der Tretjakow-Galerie gezeigt, darunter Bilder von Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Paul Cézanne, Kandinsky, Chagall, Henri Matisse und Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch. Insgesamt kamen ca. 256.000 Besucher zu dieser Ausstellung, womit sie zu den erfolgreichsten Schauen des Hauses gehörte.

Das Museum verfolgte auch weiterhin die Strategie, Blockbuster-Ausstellungen zu veranstalten. 2012 zeigte das Museum mit der Schau El Greco und die Moderne die erste große Ausstellung zu El Greco in Deutschland seit 100 Jahren. Sie stellte den Werken des spanischen Malers solche von modernen Künstlern gegenüber und versuchte auf diese Weise, dessen Einfluss auf die Moderne nachzuweisen. El Greco und die Moderne wurde kritisch rezensiert. So wurde die Auswahl nicht aussagekräftiger Werke moderner Künstler problematisiert. Das Museum habe etwa Skulpturen von Wilhelm Lehmbruck gezeigt, obwohl keine Rezeption El Grecos bei ihm nachzuweisen sei; statt einer aussagekräftigen Zeichnung von August Macke seien Gemälde von diesem ausgestellt worden, in denen ein Bezug auf El Greco nicht klar erkennbar sei.[38] Ebenso wurde kritisiert, dass die Zuschreibungen zu El Greco bei einigen Werken recht großzügig ausfielen und dass sich zwei Werke auf Vermittlung des Auktionshauses Christie’s in der Ausstellung befanden, die so eine Nähe zum aktuellen Kunstmarkt hervorriefen.[39]

2011 schenkte der Düsseldorfer Sammler Willi Kemp seine Sammlung Ingrid und Willi Kemp mit rund 1.200 Objekten zeitgenössischer Kunst der Schwerpunkte Informel und Zero dem Museum,[40] das seither im Turnus ausgewählte Werkgruppen aus der Sammlung ausstellt, zuletzt Gerhard Graubner und Karl Otto Götz.

Mit einer großen Werkschau von Andreas Gursky, „dem teuersten und erfolgreichsten Fotokünstler der Welt“,[41] (23. September 2012 bis 13. Januar 2013, verlängert bis 3. Februar 2013) und einer Ausstellung von 70 ausschließlich in Düsseldorf entstandenen Werken Candida Höfers (14. September 2013 bis 9. Februar 2014) präsentierte das Kunstmuseum repräsentative Foto-Ausstellungen von zwei der bekanntesten Düsseldorfer Becher-Schüler.

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Sammlung. Museum Kunstpalast, Düsseldorf Ausgewählte Werke aus den fünf Abteilungen, Skulptur und Angewandte Kunst, Gemäldegalerie, Moderne Kunst, Graphische Sammlung, Glasmuseum Hentrich. Mit Beiträgen von Beat Wismer, Barbara Til, Bettina Baumgärtel, Kay Heymer, Gunda Luyken, Dedo von Kerssenbrock-Krosigk und weiteren Autoren. Herausgegeben von Museum Kunstpalast. modo Verlag, Freiburg i.Br. 2011, ISBN 978-3-86833-080-9 (deutsch, auch englische Ausgabe)
  • museum kunst palast, Düsseldorf. Mit Beiträgen von Bettina Baumgärtel, Sonja Brink, Christoph Danelzik-Brüggemann, Jean-Hubert Martin, Helmut Ricke, Dieter Scholz, Barbara Til, Stephan von Wiese. Buchreihe der Fondation BNP Paribas. Paris 2003, ISBN 2-7118-4673-3 (deutsch, auch französische und englische Ausgaben)
  • Bogomir Ecker, Thomas Huber: Künstlermuseum. Eine Neupräsentation der Sammlung des museum kunst palast, Düsseldorf. Herausgegeben von Jean-Hubert Martin mit Barbara Til und Andreas Zeising. Düsseldorf 2002, ISBN 3-9808208-5-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Museum Kunstpalast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rheinische Post vom 12. Oktober 2012, S. C 7; Artikel: Berater: Kunstpalast nicht effizient.
  2. Rheinische Post vom 25./26. Mai 2013, S. C 3; Artikel: EON fördert Kunstpalast bis 2017.
  3. Informationen zur Geschichte des Museums auf museum-kunst-palast.de, Zugriff am 28. Juni 2008
  4. museum kunst palast, Düsseldorf. Mit Beiträgen von Bettina Baumgärtel, Sonja Brink, Christoph Danelzik-Brüggemann, Jean-Hubert Martin, Helmut Ricke, Dieter Scholz, Barbara Til, Stephan von Wiese. Buchreihe der Fondation BNP Paribas. Paris 2003. Seite 7.
  5. a b museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 9.
  6. Die Welt vom 4. Juli 2013; Artikel: Düsseldorf will beratende Kommission anrufen, Zugriff am 7. April 2014
  7. Herkomstgezocht.nl, Search, Undirected Search "Hupp", Zugriff am 7. April 2014
  8. ebd.
  9. NK 604a-b, Zugriff am 7. April 2014
  10. NK 602, Zugriff am 7. April 2014
  11. museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 11.
  12. a b c museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 13.
  13. Süddeutsche Zeitung vom 16./17. August 2008; Artikel: Keinen Sex und nichts aus Neuguinea.
  14. a b Informationen zu Beat Wismer auf museum-kunst-palast.de, Zugriff am 19. August 2008
  15. Rheinische Post vom 12. Oktober 2012, S. C7; Artikel: Berater: Kunstpalast nicht effizient.
  16. Arne Lieb: Probleme mit der Statik. In: Rheinische Post, Düsseldorf 20. Juni 2012, S. B 3
  17. Paul Ernst Wentz: Architekturführer Düsseldorf, Droste Verlag, Düsseldorf 1975, Objektnr. 26, ISBN 3-7700-0408-6
  18. a b museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 17.
  19. Susan Brooks: Die städtebauliche Konzeption der Gesolei. In: Jürgen Wiener (Hrsg.): Die Gesolei und die Düsseldorfer Architektur der 20er Jahre. J.B. Bachem Verlag, Köln 2001, ISBN 3-7616-1445-4, S. 39
  20. Ute Einhoff: Die Dauerbauten der Gesolei: Kunstmuseum und Kunstpalast, Reichsmuseum für Gesellschafts- und Wirtschaftskunde, Rheinterrasse. In: Jürgen Wiener (Hrsg.): Die Gesolei und die Düsseldorfer Architektur der 20er Jahre. J.B. Bachem Verlag, Köln 2001, ISBN 3-7616-1445-4, S. 55 f.
  21. Hans Maes (Hrsg.), Hatto Küffner, Edmund Spor: Düsseldorf in Stein und Bronze. Triltsch Verlag, Düsseldorf, 2. Aufl. 1984, ISBN 3-7998-0018-2, S. 84.
  22. museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 18.
  23. a b c d Roland Kanz, Jürgen Wiener (Hrsg.): Architekturführer Düsseldorf, Dietrich Reimer Verlag, 1. Auflage, Berlin 2001, S. 50, Objektnr. 66.
  24. a b Paul Ernst Wentz: Architekturführer Düsseldorf. Ein Führer zu 95 ausgesuchten Bauten. Droste Verlag, Düsseldorf 1975, Nr. 30
  25. Roland Kanz, Jürgen Wiener (Hrsg.): Architekturführer Düsseldorf, Dietrich Reimer Verlag, 1. Auflage, Berlin 2001, S. 50, Objektnr. 66.
  26. Informationen zur Sammlung auf museum-kunst-palast.de, Zugriff am 28. Juni 2008
  27. museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 37.
  28. museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 43.
  29. a b museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 21.
  30. museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 28.
  31. a b museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 4.
  32. a b museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 109.
  33. a b museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 117.
  34. museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 123.
  35. a b museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 124.
  36. Artikel über den neuen Leiter des Glasmuseums, Zugriff am 19. August 2008
  37. museum kunst palast, Düsseldorf. Seite 14.
  38. Christian Fricke: Der Publikumsmagnet – Die große Düsseldorfer Schau sucht die Spuren des Alten Meisters in der Klassischen Moderne. auf handelsblatt.com vom 19. Mai 2012, Zugriff am 12. Oktober 2012.
  39. Ulrike Knöfel: Jahrhunderte zu früh – Ausstellungskritik: Ein Düsseldorfer Museum feiert den Altmeister El Greco. auf spiegel.de vom 30. April 2012, Zugriff am 12. Oktober 2012.
  40. Artikel: „Sein Lebenswerk schenkte er dem Museum“, in: Rheinische Post vom 24. Januar 2013, S. C3.
  41. Handelsblatt vom 2. September 2012.

51.2343333333336.7733333333333Koordinaten: 51° 14′ 4″ N, 6° 46′ 24″ O

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