Rich Communication Services

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Rich Communication Services (RCS) ist ein Kommunikationsstandard im Mobilfunk und als Ersatz für den Kurznachrichtendienst SMS konzipiert. RCS ist keine Chat-App, sondern ein infrastrukturbasierter Dienst. Er ermöglicht u. a. Gruppen-Chats und Dateiübertragungen und soll so eine Alternative zu mobilen Instant-Messenger-Diensten wie WhatsApp, Line, Signal (Messenger), Telegram, Threema, Apple iMessage und Facebook Messenger bieten. Ein wesentlicher Unterschied zu diesen Diensten besteht darin, dass RCS das Adressbuch des Anwenders nicht mit den übergeordneten Providern zum Datenabgleich teilt. Nicht alle RCS-Funktionen, die im Standard definiert sind, werden von jedem Netz und jedem Client angeboten; nur die Services, die zwei Kommunikationspartnern zur Verfügung stehen, werden auch im Client angeboten. Die Kosten für die Nutzung von RCS sind wie bei SMS, MMS und Telefonie anbieterabhängig.[1]

Entwicklung und Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der ursprünglichen Rich Communication Suite begann 2008 auf Initiative Nokias und wird seither vom internationalen Branchenverband der GSM-Provider (GSMA) vorangetrieben. Nach 2011 wurde das Produkt in „Rich Communications Suite enhanced“, abgekürzt RCS-e, umbenannt und der Markenname "joyn" eingeführt. Die europäischen Netze verwendeten ursprünglich den gemeinsamen Markennamen 'joyn', dies wurde jedoch in einem frühen Stadium wieder aufgegeben. Die gestiegene Bereitschaft der GSM-Mobilfunkunternehmen, in diese neue Technologie zu investieren, lag vor allem an den neuen Over-the-top- Messengern - der Netzbetreiber-Dienst SMS ist mit 160 Zeichen Text nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber multimediafähigen Diensten.

In Deutschland war die Einführung von der Deutschen Telekom, Vodafone und O2 ursprünglich für Ende 2011 geplant, verschob sich jedoch mehrmals.[2] Die offizielle Premiere fand auf dem GSMA Mobile World Congress 2012 statt.[3] Nachdem Vodafone den Dienst im April 2012 gelauncht hatte, folgte die Telekom Deutschland und bot den Dienst seit dem 5. März 2013 im Beta-Stadium an. Anfang April 2014 veröffentlichte die Telekom neue Apps für die Nutzung von Joyn, später folgte eine Umbenennung in message+. Bei O2 sollte Joyn ursprünglich bereits 2013 gestartet werden, eine App mit entsprechenden Funktionen erschien jedoch erst im August 2015 (im Beta-Stadium).[4][5] E-Plus wollte anfänglich (noch vor der Übernahme durch O2) die Entwicklung abwarten,[6] künftig soll die Nutzung der O2-App auch für E-Plus-Kunden möglich sein.[4]

Im Juli 2015 wird RCS um eine Enriched Calling[7] Funktionalität ergänzt. Enriched Calling ermöglicht es, RCS-Nachrichten in Verbindung mit einem Anruf zu verbinden, um zum Beispiel dem Angerufenen einen Anrufgrund zu übermitteln oder während des Gespräches ein Foto oder Dokument auszutauschen.[8]

Mit dem Universal Profile[9] 1.0 sollte 2016 eine vollständige Kompatibilität aller RCS-Implementierungen weltweit erreicht werden. Dies ist insbesondere wichtig, um RCS-Clients auf den verschiedenen Endgeräten kompatibel zu allen Netzen weltweit zu machen. U.a. wird hier das Chatprotokoll OMA-CPM als weltweiter Standard definiert, mit einer Übergangsphase für das in Europa verwendete SIP Simple-Protokoll.

Bis 2015 wurden RCS-Dienste nur von wenigen Netzbetreibern angeboten, im deutschsprachigen Raum von der Deutschen Telekom und von Vodafone.

Seit der Übernahme von Jibe Mobile durch Google[10] im Jahr 2015 stieg die Verbreitung von RCS weltweit. Google bietet mit seiner Kurznachrichten-App Messages eine Implementierung des RCS Universal Profile unter dem Label Chat (nicht zu verwechseln mit der App Google Chat, die Hangouts ablösen soll). Auch wenn RCS (und Googles Chat-Initiative) ein Dienst der Netzwerkanbieter bleibt, und besonders wegen fehlender Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in der Kritik steht, bietet es mit der gewachsenen Unterstützung großer Plattformanbieter inzwischen eine ernstzunehmende Alternative zu proprietären Messaging-Diensten wie WhatsApp und iMessage mit ähnlichen Möglichkeiten.[11]

Eine weitere Neuerung, die mit dem Universal Profile 2.0 eingeführt wird, ist 'Messaging as a Platform' (MaaP). MaaP bietet Unternehmen die Möglichkeit, RCS als Kommunikationskanal mit ihren Kunden zu nutzen. Das Universal Profile 2.0 definiert die neuen Funktionen erstmals in 2017[12], erste Kampagnen werden zum Mobile World Congress in Barcelona im Februar 2018 vom US-amerikanischen Netzbetreiber Sprint[13] und anderen erstmals präsentiert. Zum MWC 2019 wurden MaaP-Services und Demos von verschiedenen Netzbetreibern und Kunden aus Nordamerika, Europa und Asien präsentiert[14].

Seit 2017 führt die GSMA "RCS Business Messaging Labs" auf globaler Ebene durch, um für die Nutzung von Messaging as a Platform zu werben[15].

Swisscom hat den Start von RCS für 2019 angekündigt. Mit Stand April 2019 wird RCS von weltweit 76 Telekommunikationsunternehmen angeboten.[16]

Bis heute (Stand Januar 2020) sind mehr als 360 Millionen Smartphones mit RCS aktiv[17]. Die deutschen Netzbetreiber haben bislang keine Zahlen zu den RCS-Nutzern veröffentlicht, aber durch die native Implementierung auf allen Android-Smartphones dürfte die Marke von 10 Millionen aktiven RCS-Smartphones bereits überschritten sein.

Apps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RCS-Dienste können auf dem Smartphone genutzt werden, wenn eine RCS-fähige App installiert ist, der Netzbetreiber RCS-Dienste anbietet und für die Subskription freigeschaltet hat.

Alle Hersteller von Android-basierten Smartphones bieten heute RCS als Funktionalität der nativ integrierten "SMS/MMS", "Nachrichten" oder "Messages" App. Für Android-Geräte, die RCS nicht nativ unterstützen, bietet Google die App "Messages"[18] im Playstore an, die inzwischen auch auf vielen Smartphones vorinstalliert ist und (wie Whatsapp) über ein optionales Web-Interface für die Bedienung am PC verfügt.[19] Einige Netzbetreiber bieten zusätzlich RCS-Apps zum Download unter der Bezeichnung "message+" an.

In der Vergangenheit wurde RCS durch eigene Apps der Mobilfunkanbieter realisiert, die inzwischen aber weitgehend überflüssig geworden sind und teilweise eingestellt wurden. So unterstützte die Telekom den RCS-Standard mit der App „Telekom Message+ (RCS)“ auf Android und iOS. Die Entwicklung wurde am 1. Januar 2019 eingestellt. Vodafone bot für iOS die App „Vodafone Message+“ und für Android die App „Vodafone Call+ & Message+“ an. Die Apple-Variante wurde am 18. April 2018 aus dem Apple Store entfernt.[20] Auch die Android-App ist zwischenzeitlich nicht mehr im Google Play Store erhältlich. O2 bot seine App „o2 Message+Call“ für iOS sowie in einer Beta-Version für Android an. Für O2-Kunden verschiedener Drillisch-Marken wurde dieser Dienst zum 1. Juli 2017 gekündigt.[21]

Verfügbarkeit in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Netzen von Telekom, Vodafone und O2 wird RCS in Deutschland unterstützt, wobei der Dienst nicht bei allen Resellern angeboten wird.

RCS-Verfügbarkeit bei Resellern
Provider/Reseller RCS verfügbar
Telekom (Congstar) ja (ab Ende März 2021)[22]
Telekom (ja!Mobil, Penny Mobil) ja (im Laufe 2021)[23]
Telekom (Kaufland Mobil) nein (noch nicht angekündigt)
Vodafone (otelo) ja
Telefonica (Ay Yildiz, Blau, Fonic, u. a.) ja[24][25][26]
Drillisch (winSIM u. a.) nein (per März 2021)
mobilcom-debitel (klarmobil, callmobile) nein (per März 2021)

Wenn RCS nicht bei allen Kommunikationspartnern unterstützt wird, werden die Nachrichten stattdessen als SMS und/oder MMS übertragen.

Technische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RCS greift auf bestehende Standards der 3GPP und Open Mobile Alliance (OMA) zurück. Die lizenzfreie Nutzung des GSM-Standards und die ständige Erweiterung um Zusatzfunktionen macht die Nutzung von RCS für Mobilfunknetze attraktiv.

Ein Gerät mit RCS-Fähigkeit muss zunächst vom Mobilfunknetz konfiguriert werden, bevor die RCS-Dienste zur Verfügung stehen. Dieser Prozess läuft automatisch ohne Interaktion mit dem Nutzer. Nach der Konfiguration stellt RCS dann fest, welche Kontakte in der Kontaktliste für Chat-Kommunikation zur Verfügung stehen, und welche RCS-Dienste an beiden Endpunkten der Kommunikation zur Verfügung stehen. Dabei wird aus Gründen von Datenschutz und -Sicherheit die Kontaktliste nicht auf einen zentralen Diensteserver geladen, sondern verbleibt auf dem Gerät[27].

RCS-Dienste (wie beschrieben im Universal Profile 2.3[28])

  • Provisionierung des Endgerätes
  • Feststellung von Diensten und Verfügbarkeit der Kontakte
  • Chat
  • Dateiübertragung
  • Group Chat
  • Audio Messaging
  • Messaging auf mehreren Endgeräten eines Nutzers
  • Nutzung der Sprachtelefonie auf Endgeräten
  • Nutzung von IP-Videotelefonie auf Endgeräten
  • Enriched Calling
  • Messaging as a Platform
  • Sicherheit gegen Angriffe von Malware
  • Verhalten des Endgerätes zur Verwendung von IP Diensten wenn Datendienste nutzerseitig de-aktiviert wurden
  • Nutzer-Settings für RCS
  • Nutzung von Sprachtelefonie und IP-Videotelefonie auf mehreren Endgeräten eines Nutzers (ohne technische Spezifikation)

Trotz umfangreicher Erweiterungen gegenüber SMS/MMS, fehlen RCS weiterhin Funktionen wie Profilbild, Status bzw. Stories oder Live-Standort, die sich bei gängigen Messengern wie Whatsapp großer Beliebtheit bei Endnutzern erfreuen.

Rich Business Messaging - Messaging as a Platform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die RCS-Messaging-Funktionen sollen nicht nur Nutzern auf dem Smartphone zur Verfügung gestellt werden, sondern auch Geschäftskunden, die mit ihren Kunden kommunizieren möchten. Mit dem RCS Universal Profile 2.0 wurden speziell dafür neue Funktionen entwickelt und standardisiert, die in der GSMA-Spezifikation RCC.71 im Kapitel "Messaging as a Platform" dokumentiert sind und in den Folgeversionen der Spezifikation verfeinert wurden:

Chatbots

  • Chatbot-Profil
  • Chatbot-Verifikation
  • Anonymisierung des Nutzers gegenüber dem Chatbot
  • Chatbot-Verzeichnisse
  • Deep Links
  • Vermeidung von Spam und unangemessenen Inhalten
  • Rich Cards und Karussell-Anordnung
  • Antwortvorschläge und Aktionen/Chips

Während die Kommunikation zwischen Smartphones heute (Stand Januar 2020) weitgehend in Tarife eingebündelt ist (="SMS Flat"), ist die gewerbliche Nutzung von Netzzugängen kostenpflichtig. Darüber hinaus hat sich ein Ecosystem gebildet[29]:

  • Netzbetreiber vermarkten den Netzzugang zu SMS und RCS
  • RCS-Systemtechnikanbieter, die RCS-Produktionsplattformen für Netzbetreiber anbieten
  • Aggregatoren, die den Versand in die verschiedenen Netze übernehmen, Kampagnen durchführen und an Geschäftskunden vermarkten
  • RCS-Cliententwickler und Endgerätehersteller mit eigenen Clients

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. GSMA: Rich Communications Commercialisation (Memento vom 23. September 2012 im Internet Archive)
  2. Ingo Pakalski: Netzbetreiber starten neuen Handydienst. In: golem.de. 22. Januar 2012, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  3. Angela Göpfert: Die SMS ist tot, es lebe die App! tagesschau.de, 27. Februar 2012, archiviert vom Original am 4. Juli 2012; abgerufen am 27. Februar 2012.
  4. a b Albert Fetsch: Die neue O2 Message+Call App: Jetzt mit dem Smartphone im WLAN telefonieren. In: Telefonica-Blog. 11. August 2015, abgerufen am 11. August 2015.
  5. Markus Weidner: o2 startet mit WLAN-Calling per Smartphone-App. In: Teltarif.de. 11. August 2015, abgerufen am 11. August 2015.
  6. Meike Lorenzen: Telekom verschiebt offiziellen Joyn-Start. In: Wirtschaftswoche. 28. Januar 2013, abgerufen am 5. Januar 2014.
  7. GSMA Enriched Calling. Abgerufen am 29. Januar 2020.
  8. Samsung and Google Collaborate on RCS Messaging for Android – Samsung Global Newsroom. In: news.samsung.com. Abgerufen am 15. März 2019 (englisch).
  9. GSMA RCS Universal Profile. Abgerufen am 29. Januar 2020.
  10. Jibe, a Google company. Abgerufen am 29. Januar 2020 (englisch).
  11. Googles Android Messages: Angriff gegen WhatsApp und Co. durch die Hintertür RCS. In: heise.de. Abgerufen am 15. März 2019.
  12. The GSMA announces availability of Universal Profile Version 2.0 for Advanced RCS Messaging. In: Future Networks. 19. Juli 2017, abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  13. News from Sprint at Mobile World Congress 2018 | Sprint Newsroom. Abgerufen am 29. Januar 2020 (englisch).
  14. Demos & Case Studies. In: Future Networks. Abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  15. RCS Business Messaging Labs & Seminars. In: Future Networks. Abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  16. Markus Städeli: Whatsapp und Co. erhalten ernsthafte Konkurrenz. In: nzzas.nzz.ch. 13. April 2019, abgerufen am 14. April 2019.
  17. RCS. In: Future Networks. Abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  18. Android Messages App von Google
  19. Messages by Google. Abgerufen am 29. Januar 2020.
  20. Weitgehend unbemerkt: Vodafone und o2 stellen ihre Messenger ein. In: iphone-ticker.de. 23. April 2018, abgerufen am 26. August 2019.
  21. Markus Weidner: o2 stellt Message+Call ein. 21. Mai 2017, abgerufen am 25. März 2018.
  22. RCS für congstar-Kunden | congstar. Abgerufen am 18. März 2021.
  23. RCS für congstar-Kunden | congstar. Abgerufen am 18. März 2021.
  24. RCS Informationsblatt Al Yildiz. Abgerufen am 18. März 2021.
  25. Chat/RCS: Weitere Informationen | Blau. Abgerufen am 18. März 2021.
  26. RCS Infos (Fonic). Abgerufen am 18. März 2021.
  27. RCS Documentation. In: Future Networks. Abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  28. RCS Universal Profile 2.3. Abgerufen am 29. Januar 2020.
  29. The RCS Ecosystem. In: Future Networks. Abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).