Richard Brox

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Helmut Richard Brox (* 9. Juli 1964 in Mannheim) ist ein deutscher Autor und Blogger, der mehr als 30 Jahre lang wohnungslos war und sich für wohnungslose Menschen einsetzt. Bekannt wurde er durch das Buch Kein Dach über dem Leben – Biografie eines Obdachlosen, das zum Bestseller wurde.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richard Brox’ Mutter war eine polnische Jüdin, die 1942 zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurde. Sie entkam aus einem Arbeitslager und wurde nach dem Aufgreifen ins KZ Ravensbrück eingeliefert. Außerdem verlor sie Verwandte im Holocaust. Sein Vater wurde als 17-Jähriger zur Wehrmacht eingezogen, viermal wegen Fahnenflucht verurteilt und schließlich im KZ Mauthausen inhaftiert. Sowohl die Mutter als auch der Vater waren stark traumatisiert. Die Kindheit verbrachte Brox teilweise in Kinderheimen, was auch ihn traumatisierte. Er besuchte nur drei Jahre lang die Schule. Sein Vater starb, als er 13 Jahre alt war. Brox wurde drogenabhängig und 1985 nach dem Tod seiner Mutter aus deren Wohnung in Mannheim geworfen.[1][2][3]

Ende 1989 unterzog sich Richard Brox einer stationären Drogentherapie.[4] 1990 verließ er die Kurpfalz und ging auf Wanderschaft durch ganz Deutschland.[5]

Über seine Erfahrungen in Einrichtungen für Wohnungslose berichtete er ab 2006 in einem Blog und nannte darin deutschlandweit Anlaufstellen für Menschen ohne Obdach.[6][7][8] Beim Erstellen der ersten Website hatten ihm im Jahr 1999 Benutzer eines Internetcafés in Berlin geholfen, in dem er bei Regen Schutz gesucht hatte. Seine Blogeinträge zu Übernachtungsmöglichkeiten und sozialen Einrichtungen enthielten Adressen, Öffnungszeiten, hygienische Zustände, Umgangston der Sozialarbeiter und welche Angebote gemacht wurden, etwa Beratung, oder über Beihilfen für Fahrkarten. 2008 lernte er Günter Wallraff kennen, der mit ihm den Dokumentarfilm Unter Null – Obdachlos durch den Winter drehte und ihm zum Freund wurde.[9]

Im Dezember 2017 erschien sein Buch Kein Dach über dem Leben – Biografie eines Obdachlosen bei Rowohlt, das er unter Mitwirkung von Dirk Kästel (Recherche) und Albrecht Kieser (Text) verfasst hatte; das Vorwort verfasste Günter Wallraff, bei dem er zum Schreiben des Buchs untergekommen war.[10][11] Das Werk stand 21 Wochen lang auf der Spiegel-Bestsellerliste in der Sachbuch-Kategorie[12] und erreichte bis 2019 sieben Auflagen.[13] Seit November 2018 erscheint es als Sonderausgabe in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn als Lehr- und Unterrichtsbuch.[14][15]

Nach mehr als 30 Jahren Wohnungslosigkeit bezog Brox im Januar 2019 eine kleine Wohnung in Köln,[16][17] die er nach zwei Monaten Aufenthalt wieder aufgab. Sein Ziel ist es, ein Hospiz aufzubauen, in dem wohnungs- und obdachlose Menschen mit Erkrankungen in fortgeschrittenem Stadium ihren letzten Lebensabschnitt betreut und in Würde verbringen können. Der Verein Kunst hilft geben in Köln unterstützte ihn bei der Verwirklichung seines Plans.[18][19] Die Zusammenarbeit mit dem Verein wurde in beiderseitigem Einvernehmen im April 2019 beendet. Brox arbeitet nun mit dem Wohnheim für obdachlose Frauen und Männer der Heilsarmee in Göttingen zusammen.[20]

Brox, der sich selbst als Berber bezeichnet, tritt öffentlich bei Lesungen aus seinem Buch und in Talkshows auf und wirbt dafür, das Recht auf Arbeit und das Recht auf eine Wohnung in den Landesverfassungen zu verankern.[21][22]

Öffentliche Anerkennungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2012 nominierte der Bundesverband Deutscher Stiftungen Brox für den Aufbau des Internetportals Bundesdeutsche Wohnungslosenhilfe für den Deutschen Engagementpreis.[23]

Im Jahr 2014 wurde Brox für seinen Blog Ohne Wohnung – was nun? für den taz-Panter-Preis nominiert;[24] die Jury entschied sich aber für andere Nominierte.

Nach einer seiner Lesungen durfte sich Brox im November 2018 in das Goldene Buch der Gemeinde Kalletal in Westfalen eintragen.[25]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kein Dach über dem Leben – Biografie eines Obdachlosen. Mit Dirk Kästel (Recherche) und Albrecht Kieser (Text), Vorwort Günter Wallraff. Rowohlt, Reinbek 2018, ISBN 978-3-499-63294-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Leben auf der Straße ist rauer geworden. deutschlandfunkkultur.de, 28. März 2018.
  2. Das unglaubliche Leben des obdachlosen Richard Brox. welt.de, 4. April 2018.
  3. Annika Glunz: Feindliche Umgebung. taz.de, 14. Mai 2018.
  4. Jeder Mensch braucht eine Chance. Manche auch zwei. welt.de, 13. März 2018.
  5. Wolf H. Goldschmitt: Kein Dach über dem Leben. rheinpfalz.de, 22. September 2017.
  6. Blog: Ohne Wohnung, was nun?
  7. Der Profi-Obdachlose. nzz.ch, 22. Dezember 2018.
  8. Auf der Straße gibt es keine Freunde. fluter.de, 15. Dezember 2017 (Interview).
  9. Gina Bucher: Reisender ohne Heimat. taz.de, abgerufen am 22. Juli 2019.
  10. Richard Brox in Kaffee oder Tee. swr.de, gesendet am 11. Juli 2018.
  11. Bestsellerautor Brox plant zweites Buch. rnz.de, 19. April 2018.
  12. Kein Dach über dem Leben, Spiegel-Ranking. buchreport.de, abgerufen am 21. Juli 2019.
  13. Die Lebensgeschichte von Richard Brox. br.de, 4. Januar 2019.
  14. Kein Dach über dem Leben, bpb.de, abgerufen am 21. Juli 2019.
  15. Sonderausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung. dnb.de, abgerufen am 21. Juli 2019.
  16. Ex-Obdachloser will Hospiz gegen Kälte und Einsamkeit eröffnen. stuttgarter-zeitung.de, 31. Januar 2019.
  17. Richard Brox ist seit 30 Jahren obdachlos – und kämpft weiter. kreiszeitung.de, 25. Januar 2019.
  18. Marc Langenbrinck: Kein Dach über dem Leben. blick.ch, 12. Mai 2019.
  19. Ex-Obdachloser will Hospiz eröffnen. kn-online, 31. Januar 2019.
  20. Obdachlos und kein Weg zurück? SWR, Sendung Planet Wissen, 16. April 2019, abgerufen am 25. Juli 2019.
  21. Richard Brox erzählt eine Geschichte von ganz unten. nrz.de, 10. Oktober 2018.
  22. Ein Leben auf der Straße. rheinpfalz.de, 13. Dezember 2017.
  23. Wallraffs Helfer. fr.de, 6. Juni 2012.
  24. Film ab für die Nominierten. taz.de, abgerufen am 28. Juli 2019 (Nominierungen für 2014).
  25. Bewegende Lesung mit Richard Brox. Pressemitteilungen von Kalletal, abgerufen am 26. Juli 2019.