Rohrlack

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Rohrlack
Gemeinde Temnitztal
Koordinaten: 52° 51′ 8″ N, 12° 36′ 13″ O
Eingemeindung: 30. Dezember 1997
Postleitzahl: 16845
Vorwahl: 033928
Rohrlack (Brandenburg)

Lage von Rohrlack in Brandenburg

Dorfkirche (2016)

Rohrlack ist ein Ortsteil der Gemeinde Temnitztal im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Der Ort liegt im südwestlichen Bereich der Gemeinde an der Landesstraße L 166. Unweit östlich des Ortes fließt die Temnitz, ein Nebenfluss des Rhins, nördlich verläuft die B 167. Nordwestlich erstreckt sich das rund 157 ha große Naturschutzgebiet Bückwitzer See und Rohrlacker Graben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rohrlack erscheint in alten Erbregistern,[1] vormals Rorlake und Rohrlach, bestand 1525 aus dem Ort und zunächst zwei Rittergütern.[2]

Gutsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kern der Ortshistorie steht die Geschichte der Gutsbesitzungen. Ort und Gut sind einer früher Besitz der Familie des Matthias von Gulen[3] (auch Guhlen), dann des Claus von Meseberg. Beide hatten eine Ehefrau aus der alten Familie von Kröcher.[4] Rohrlack hatte frühzeitig den Status eines kreistagsfähigen Rittergutes, war aber kein eigener Herrschaftssektor im eigentliche Sinn, sondern gehörte dann lange zum Besitzkomplex der Familie von Quast. Ihr Besitztum im Ort Rohrlack setzt nachweislich spätestens Mitte des 17. Jahrhunderts ein. Der Generalfeldwachtmeister Albrecht von Quast-Garz-Vichel findet zuerst Erwähnung. Mit ihm beginnt eine Stammreihe seiner Familienlinie auch auf Gut Rohrlack. In direkter Erbfolge übernehmen Albrecht Johann von Quast, dessen Sohn Wolf Christoph von Quast (1681–1751), liiert mit Dorothea von Knoblauch-Ferchesar. Nachfolgend ist der Major Johann Adolf Friedrich von Quast als Gutsbesitzer geführt. Zwischendurch wird Rohrlack in zwei Gutshälften geteilt, sicher aus erblichen Gründen. Aber eine weitere Generation folgend ist Leopold von Quast (1765–1842) der Herr auf Vichel, Garz, Küdow, Rohrlack, Wutzetz und Damm. Der Wirkliche Geheime Rat war vermählt mit Ernestine von Woldeck-Gnewikow. Hermann von Quast-Garz ist nicht nur Gutsherr. Er ist königlich preußischer Rittmeister und Rechtsritter im für den evangelischen brandenburgischen Landadel so traditionsreichen Johanniterorden. Von ihm übernimmt der jüngere Bruder Albrecht von Quast (1813–1872). Albrecht heiratete Ottilie von der Hagen-Nackel. Er führt die Titulatur eines Ritterschaftsrates und kann somit die Kreditvergaben der Ritterschaftsbank an Landwirtschaftsbetriebe mitbeeinflussen und verantworten.[5]

Um 1880 bestätigt sich der Umfang vom Rittergut Rohrlack mit rund 343 ha Größe.[6] 1914 hatte das Rittergut Rohrlack 426 ha.[7] Kurz vor der großen Wirtschaftskrise 1929/1930 beinhaltet das Rittergut Rohrlack 541 ha. Davon sind 85 ha Wald. Vor Ort war die in Nordostdeutschland im Mittelpunkt der Gutsbetriebe stehende Schafsviehwirtschaft. In den Ställen standen 907 Tiere. Als Verwalter in Rohrlack agieren H. Grüneberg und Förster W. Bülck. Rohrlack ist mit Teilen von Wildberg ein gesondertes Familienfideikommiss, eine auf Stiftungsrecht basierende Regelung zur Erbsicherung des Besitzes für die eigene Familie. Eigentümer ist Hans-Henning von Quast-Vichel, Rittmeister a. D. und Hauptritterschaftsdirektor.[8] Hans-Henning von Quast gilt als bekanntester Vertreter der Familienlinie Vichel[9] und war Ehren-Kommendator sowie Kanzler[10] des Johanniterordens.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. Dezember 1997 wurde aus dem freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Kerzlin, Küdow-Lüchfeld, Rohrlack, Vichel und Wildberg die Gemeinde Temnitztal gebildet. Seither ist Rohrlack ein Ortsteil der Gemeinde Temnitztal.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Temnitztal ist für Rohrlack die Dorfkirche als einziges Baudenkmal aufgeführt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Artur Rogge, Fritz Kossack: Beiträge zur Geschichte des Ruppin'schen Dorfes Rohrlack. Nach handschriftlichen Unterlagen des ehemaligen Rohrlackers Lehrers und Kantors und nach anderen Unterlagen gesammelt und bearbeitet von Fritz Kossack. Verlag, Uetersen, 1947 (digital erfasst in: KIT: Verbundkatalog von GBV und SWB). 105 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rohrlack – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martinus Dieterich: Historische Nachricht von denen Grafen zu Lindow und Ruppin/Aus bewehrten U(h)rkunden und Geschichts-Schreibern gesammelt, Und nebst einem Anhang von denen Inspectorius und Predigern, welche in der Haupt-Stadt Neuen-Ruppin, seit der Reformation das Lehr-Amt geführet haben 1725. Johann Andreas Rüdiger, Berlin 1725, S. 13 (google.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).
  2. Friedrich Wilhelm August Bratring: Die Graf(f)schaft Ruppin in historischer, statistischer und geographischer Hinsicht. Ein Beitrag zur Kunde der Mark Brandenburg. a. Die Dörfer. 30. Rohrlack. Gedruckt bei Gottfried Hayn, Berlin 1799, S. 594 (google.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).
  3. Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland. Enthaltend zuverlässige und urkundliche Nachrichten über 9898 Adels-Geschlechter. In: Einige Deutsche Edelleute (Hrsg.): Genealogie. Erster Band, Gulen. Georg Joseph Manz, Regensburg, München 1860, S. 80 (google.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).
  4. Geschichte des Geschlechts von Kröcher. Funfzehntes bis neunzehntes Jahrhundert. In: Familien-Chronik. Geschichte des Geschlechts von Kröcher. Zweiter Theil, Zweite Abtheilung. Geschichte des Geschlechts von Kröcher im sechszehnten Jahrhundert. Gedruckt in der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker), Berlin 1864, S. 70–120 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).
  5. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1904. Fünfter Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 2. November 1903, S. 679–681 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).
  6. P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen, Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S. 156–157, doi:10.18452/377 (hu-berlin.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).
  7. Ernst Seyfert: Niekammer’s Güter-Adressbücher VII. Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. 1914. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfe der Provinz mit Angabe der Guts-Eigenschaft, des Grundsteuer-Reinertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. In: Handbuch der Königlichen Behörden. Mit Unterstützung vieler Behörden nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. 2. Auflage. VII der Reihe von Paul Niekammer, Kreis Ruppin. Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 132–133 (martin-opitz-bibliothek.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).
  8. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher. Band VII. Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg 1929. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts. In: Mit Unterstützung von Staats-und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. 4. Auflage. Letzte Ausgabe-Niekammer-Reihe. Verlag Niekammer’s Adreßbücher G.m.b.H., Leipzig 1929, S. 108 (martin-opitz-bibliothek.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).
  9. Walter v. Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser A (Uradel) 1985 XVIII. In: Dt. Adelsarchiv (Hrsg.): Gesamtreihe GHdA. Band XVIII, Nr. 87. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1985, S. 295 (d-nb.info [abgerufen am 7. Dezember 2021]).
  10. Johanniterorden (Hrsg.): Liste der Mitglieder der Brandenburgischen Genossenschaft des Johanniterordens nach dem Stande vom 1. Mai 1935. Eigenverlag, Potsdam, Berlin 1. Mai 1935, S. 58 (kit.edu [abgerufen am 7. Dezember 2021]).