Temnitztal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Temnitztal führt kein Wappen
Temnitztal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Temnitztal hervorgehoben
52.86916666666712.64944444444442Koordinaten: 52° 52′ N, 12° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Ostprignitz-Ruppin
Amt: Temnitz
Höhe: 42 m ü. NHN
Fläche: 52,47 km²
Einwohner: 1410 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 27 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16845
Vorwahl: 033928
Kfz-Kennzeichen: OPR, KY, NP, WK
Gemeindeschlüssel: 12 0 68 426
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Bergstr. 2
16818 Walsleben
Webpräsenz: www.amt-temnitz.de
Bürgermeister: Thomas Voigt (WG Temnitztal)
Lage der Gemeinde Temnitztal im Landkreis Ostprignitz-Ruppin
Wittstock/Dosse Heiligengrabe Rheinsberg Neuruppin Lindow (Mark) Vielitzsee Herzberg (Mark) Rüthnick Fehrbellin Kyritz Breddin Stüdenitz-Schönermark Zernitz-Lohm Neustadt (Dosse) Sieversdorf-Hohenofen Dreetz Walsleben Dabergotz Storbeck-Frankendorf Temnitzquell Temnitztal Märkisch Linden Wusterhausen/Dosse Sachsen-Anhalt Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-VorpommernKarte
Über dieses Bild

Temnitztal ist eine Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin (Brandenburg). Sie entstand am 30. Dezember 1997 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Kerzlin, Küdow-Lüchfeld, Rohrlack, Vichel und Wildberg. Später schloss sich noch die Gemeinde Garz an.

Geografie[Bearbeiten]

Die Ortsteile der Gemeinde Temnitztal liegen ca. 12 km westlich von Neuruppin und ca. 8 km östlich von Neustadt (Dosse) im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Temnitztal. Namensgebend ist die das Gemeindegebiet durchfließende Temnitz, ein linker Nebenfluss des Rhin.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Temnitztal gehören folgende Ortsteile sowie Wohnplätze und sonstige Siedlungsgebiete:[2]

Ortsteile[Bearbeiten]

Garz, Kerzlin, Küdow-Lüchfeld, Rohrlack, Vichel, Wildberg

Wohnplätze und sonstige Siedlungsgebiete[Bearbeiten]

Küdow, Lüchfeld

Geschichte[Bearbeiten]

Garz[Bearbeiten]

Garz wurde 1390 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name stammt von dem slawischen Wort „gard“ bzw. „gord“ für Burg. Garz befand sich 1390 im Besitz des Neuruppiner Kalands. Seit Anfang des 15. Jahrhunderts war dort die Familie von Quast ansässig. Im 18. Jahrhundert ließ die Familie von Quast die Parks von Garz und Vichel als Barockgärten anlegen. Hermann von Quast (1812–1888), Gutsherr auf Garz, ließ Mitte des 19. Jahrhunderts den Park des Herrenhauses in Garz als Landschaftsgarten gestalten, ebenso wie sein Bruder Albrecht (1813–1871), der Gutsherr auf Vichel, den Park des dortigen Herrenhauses. Von Adolf Friedrich von Quast (1893–1976) sind diverse Fotos des Gutsparks aus der Zeit von 1916 bis 1943 erhalten. 1945 wurde die Familie von Quast enteignet, das Herrenhaus wurde Kulturhaus und enthielt in der oberen Etage Wohnungen. Nachdem 1992 Teile des Garzer Gutshofes samt Gutspark in Privatbesitz übergingen, wurden dort Restaurierungsarbeiten nach historischem Vorbild durchgeführt. Garz wurde am 26. Oktober 2003 nach Temnitztal eingemeindet.[3]

Wildberg[Bearbeiten]

Wildberg an der Temnitz wurde 1335 erstmals urkundlich erwähnt. Zuvor gab es hier eine slawische Siedlung, von der die bewaldeten hügeligen Reste einer slawischen Burg aus dem 10./13. Jahrhundert stammen. Eroberer waren wahrscheinlich die Grafen von Arnstein, die die Burg um 1214 als Ausgangsbasis für ihre Raubzüge nutzten. 1319, mit der Übernahme der Herrschaft Wusterhausen durch die Grafen von Lindow-Ruppin, verliert die Burg ihre Bedeutung. 1491 scheinen die Herren von Zieten in den Besitz von Wildberg gekommen zu sein. Hans von Zieten auf Wildberg wird als Rat des letzten Grafen von Lindow-Ruppin genannt. Die Gräfin Anna Jakobine Stollberg-Wernigerode wohnte bis 1526 hier, die Burg war danach verfallen. Die Burg Wildberg ist nicht erhalten und nur noch die Reste der Wallanlage und der trockenen Burggraben sind vorhanden.

Im Mittelalter war Wildberg ein kleines Städtchen an der Handelsstraße von Berlin nach Hamburg. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde 1638 Wildberg durch den kaiserlichen General Matthias Gallas völlig zerstört. Der städtebauliche Grundriss blieb jedoch bis heute erhalten das Stadtrecht nicht. Bis 1945 war mit einem Gut das Adelsgeschlecht von Zieten hier ansässig, deren Familiengruft in der evangelischen Kirche Sankt Nicolaus ist. Das Gut ist danach verfallen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1997 1 612
1998 1 599
1999 1 586
2000 1 580
2001 1 587
2002 1 568
2003 1 718
Jahr Einwohner
2004 1 704
2005 1 670
2006 1 655
2007 1 657
2008 1 615
2009 1 589
2010 1 547
Jahr Einwohner
2011 1 450
2012 1 456
2013 1 435
2014 1 410

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[4][5], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Temnitztal besteht aus 10 Gemeindevertretern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:[6]

  • Wählergruppe Brandenburgische Gemeinde Temnitztal 6 Sitze
  • CDU 2 Sitze
  • Wählergruppe Heimatverein Kerzlin 1 Sitz
  • Die Linke 1 Sitz

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Garz[Bearbeiten]

  • Die Burg Garz ist eine der ältesten Gutsanlagen im Land Brandenburg. Von der mittelalterlichen Befestigungsanlage ist ein Wohnturm erhalten. Der aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammende Feldsteinturm (11 m hoch, mit bis zu 1,40 m dicken Wänden) diente der Familie von Quast nach dem Dreißigjährigen Krieg als Wohnhaus. 1681 wurde der polygonale Fachwerktreppenturm angebaut.[7]
  • An das um 1700 entstandene Herrenhaus schließt sich südlich ein etwa sechs Hektar großer, im landschaftlichen Stil gestalteter Gutspark an (inkl. Teich mit Brücke und Insel sowie die Schneise nach Vichel).[8]
  • Die Kirche von 1727 wurde im barocken Stil erbaut
  • Das Vorlaubenhaus in der Dorfstraße 4 ist der ehemalige Dorfkrug. 2005 beteiligte sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz an der Sanierung.

Kerzlin[Bearbeiten]

  • Die evangelische Kirche wurde im Jahr 1913 erbaut. Baubeginn war am 8. März, die Einweihung erfolgte im November 1913.
  • Das Kriegerdenkmal wurde im Jahre 1922 von Max Wiese erschaffen für die gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Im Oktober 1992 erfolgte eine vollständige Restaurierung.

Vichel[Bearbeiten]

  • Das Herrenhaus mit Rundbogen-Loggia, bis 1945 im Besitz der Familie von Quast, wurde 2005 von der anthroposophisch ausgerichteten "Gesellschaft zur Förderung musischer Erziehung in der sozialen und therapeutischen Arbeit (GzF) e.V." ersteigert.
  • Die Kirche von 1867 wurde in einem italienisch-romanisierendem Stil erbaut.

Wildberg[Bearbeiten]

  • Die evangelische Kirche Sankt Nicolaus mit der Familiengruft des Adelsgeschlechts von Zieten.
  • Reste der Wallanlage mit dem trockenen Graben der früheren Burg Wildberg (Südlich der Hauptstraße (B167), bei der Bahnanlage).

Bilder[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Ortsteile von Temnitztal werden durch die Bundesstraße 167 erschlossen.

Die durch Temnitztal verlaufende Bahnstrecke Neustadt–Neuruppin wird seit Ende 2006 nicht mehr im Schienenpersonenverkehr betrieben.

Schulen[Bearbeiten]

  • Grundschule am Burgwall Wildberg

Literatur[Bearbeiten]

  • Gemeindeverwaltung Vichel (Hrsg.): Chronik der Gemeinde Vichel, 1992
  • Andrea Gosten (Bearb.): Dorf und Rittergut Vichel, Bd. I-III, TU-Berlin, 1994

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2014 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung / Kommunen / Landkreis Ostprignitz-Ruppin / Amt Temnitz / Gemeinde Temnitztal
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  4. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin. S. 22–25
  5. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014
  6. Amtliches Ergebnis der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014
  7. Anke Matthesius: Gutspark Garz. Beitrag zur Anlageforschung - Bestandsanalyse und Beurteilung - Denkmalpflegerische Zielvorstellung. In: Materialien zur Geschichte der Gartenkunst Bd. 8. Johannes Küchler - Technische Universität Berlin, 2005, archiviert vom Original am 13. Januar 2007, abgerufen am 21. August 2013 (PDF; 1,18 MB).
  8. Die Quast-Gärten im Temnitztal (Memento vom 11. Januar 2007 im Internet Archive), PDF-Datei (2,30 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Temnitztal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien