Rolf Erb

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Schloss Eugensberg, Wohnsitz von Rolf Erb

Rolf Peter Erb[1] (* 2. September 1951[1] in Winterthur[2]; heimatberechtigt ebenda[3]; † 8. April 2017 in Salenstein[4]) war ein Schweizer Unternehmer und verurteilter Betrüger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1920er-Jahren begründete Erbs Grossvater Hugo Erb senior die Firma mit einer Autoreparaturwerkstätte in Winterthur Töss. Rolf wuchs in Winterthur mit seinen Brüdern Heinz und Christian auf. Heinz, der als Firmennachfolger vorgesehen war, starb im Alter von dreiundzwanzig Jahren bei einem Autounfall in Deutschland. Bis zum Jahre 2003 gehörten Rolf Erb, zusammen mit seinem seit 1994 querschnittgelähmten Bruder Christian, weltweit über achtzig Firmen, die mit 5000 Angestellten einen Umsatz von 4,5 Milliarden Franken erwirtschafteten.

Als Hugo Erb junior, Rolf Erbs Vater, 2003 im Alter von 85 Jahren an Krebs starb, mussten Teile der Erb-Gruppe Konkurs anmelden. Sie besass am Ende einen grossen Anteil der auf Ost-Immobilien spezialisierten Kölner Firma CBB Holding AG. Diese erwarb Erb teilweise ursprünglich vom Zürcher Finanzunternehmen EBC unter anderem durch eine Patronatserklärung gegenüber der KPMG.[5] Mit einer Forderungshöhe von 2,4 Milliarden Franken ist der Erb-Zusammenbruch der zweitgrösste Konkurs in der Schweiz nach der Pleite der Swissair im Jahre 2002.[6] Der Vorwurf von Sanierer Hans Ziegler, die Erb-Brüder hätten 400 Mio. Franken unterschlagen, wurde von der Staatsanwaltschaft Zürich als Anklagepunkt ad acta gelegt.

Erb wohnte im Schloss Eugensberg im Kanton Thurgau, welches er nach dem finanziellen Niedergang der Erb-Gruppe und nach dem Tod seines Vaters seinen damals zehn Monate alten Zwillingen überschrieb.[7] Rolf Erb wurde am 8. April 2017 an seinem Wohnsitz von seiner Lebensgefährtin tot aufgefunden. Er verstarb aufgrund einer Herzerkrankung.[8]

Justizfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. März 2012 wurde Erb vom Bezirksgericht Winterthur wegen gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung und mehrfacher Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt.[9] Erb und die Staatsanwaltschaft kündigten Berufung an,[10] das Zürcher Obergericht senkte am 15. Januar 2014 die Strafe um ein Jahr auf sieben Jahre. Das Gericht entschied, seine Immobilien wie das Schloss Eugensberg im thurgauischen Salenstein und die Villa an der Wolfensbergstrasse in Wülflingen zwangszuversteigern. Die «Schlosshof Immobilien AG», welcher das Winterthurer Zentrum Töss gehört, floss wie auch Erbs Oldtimersammlung in die Konkursmasse. Erb kündigte daraufhin den Weiterzug des Urteils an das Bundesgericht an.[11] Am 16. September 2015 lehnte das Bundesgericht den Rekurs ab und bestätigte das Urteil des Zürcher Obergerichts.[12]

Der Haftantritt konnte von Erb wiederholt mit Gesundheitsattesten und Rechtsmitteln verzögert werden. Das Zürcher Amt für Justizvollzug legte den Strafantritt auf November 2016 fest, das Zürcher Verwaltungsgericht stützte im Februar 2017 den Entscheid und legte das Datum auf den 5. April 2017, und nach erneuter Beschwerde wurde dieser Entscheid im März 2017 vom Bundesgericht bestätigt.[13][14]

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Erb: Hugo Erb 1918–2003. Biographie über das Leben des Schweizer Unternehmer-Pioniers, Selbstverlag, o. O. 2011, ISBN 978-3-03-300934-9 (Erschienen über lulu.com).
  • Rudolf Marti, Rolf Erb (Hrsg.): Eugensberg – ein Schloss und 2500 Jahre Geschichte. Huber, Frauenfeld 1997, ISBN 3-7193-1147-3.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Buomberger: Die Erb-Pleite: Wie die Besitzerfamilie mit Spekulationen ein blühendes Unternehmen ruinierte. Orell Füssli, Zürich 2005, ISBN 3-280-06054-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Heinz Bächinger: Erb Garagen Winterthur. In: Winterthur Glossar, abgerufen am 24. März 2012. Die Information stammen gemäss der dortigen Angabe aus dem Buch von Thomas Buomberger.
  2. Interview Rolf Erb: «2000 ist unser Jahr». In: Bilanz. 1. März 2000.
  3. Schlosshof Immobilien AG, Internet-Auszug, Handelsregister des Kantons Zürich, abgerufen am 24. März 2012.
  4. Unternehmer Rolf Erb tot aufgefunden. In: Neue Zürcher Zeitung, 10. April 2017.
  5. Die dümmsten Autohändler der Schweiz. Blick vom 26. Januar 2012, aufgerufen am 23. März 2012.
  6. Milliarden-Pleitier und Schlossherr vor Gericht. In: Tages-Anzeiger vom 18. Januar 2012, aufgerufen am 23. März 2012.
  7. «Er schenkte erhebliche Summen und das Schloss Eugensberg oberhalb des Untersees seiner Lebensgefährtin und den gemeinsamen Zwillingssöhnen. Dieses Anwesen hat gemäss Anklageschrift einen Wert von 27 Mio. Franken. Die Knaben waren zum Zeitpunkt, an dem sie zu Schlossherren wurden, gerade mal zehn Monate alt.» Millionensaläre trotz drohender Firmenpleite. NZZ Online, 2. Mai 2011.
  8. Johanna Wedl: Konkursfall Erb – Rolf Erb ist Herzkrankheit erlegen. In: Neue Zürcher Zeitung, 22. April 2017.
  9. «Exemplarisch»: Rolf Erb soll 8 Jahre hinter Gitter. In: Schweizer Fernsehen vom 22. März 2012.
  10. Pia Wertheimer: Rolf Erb zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. In: Tages-Anzeiger/Newsnet vom 23. März 2012.
  11. Pia Wertheimer: Rolf Erb gibt nicht auf. In: Tages-Anzeiger.ch/Newsnet vom 15. Januar 2014.
  12. Thomas Hasler: Rolf Erb muss sieben Jahre ins Gefängnis. In: Tages-Anzeiger.ch/Newsnet vom 16. September 2015.
  13. Katharina Fontana: Rolf Erb muss die Haft antreten. Bundesgericht weist Beschwerde ab. Bericht, in: Neue Zürcher Zeitung, 1. April 2017, S. 39.
  14. Urteil 6B_336/2017