Roter Veltliner

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Roter Veltliner
Synonyme Rote Fleischtraube, Rotreifler, Rotmuskateller, Piros Valtelini, Ryvola Cervena – für weitere siehe Abschnitt Synonyme
Roter Veltliner
Art Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera)
Beerenfarbe rosa bis rot
Verwendung
Herkunft Österreich, Italien – ungeklärt.
VIVC-Nr. 12931
Liste von Rebsorten

Der Rote Veltliner ist eine alte Weißweinsorte. Allerdings stellt der Rote Veltliner hohe Ansprüche an die Lage. Er ist sehr empfindlich gegen Pilzkrankheiten, Winter- und Frühjahrsfrost. Die Sorte ist überaus ertragsreich (Massenträger). Wird keine Ertragsregulierung durchgeführt, so geraten die Weine dünn und ausdruckslos. Hingegen ist der Rote Veltliner bei entsprechender weingärtnerischer Pflege und Vinifizierung eine Rarität.[1]

Franz Hietl (* 1898; † 1980) war Weinhauer in Engabrunn in der Ried Gallenberg in Walkersdorf am Kamp. Im Jahre 1916 sah er, dass trotz des schlechten Blühwetters bei den verschiedensten Veltliner-Varianten ein Rebstock – entgegen allen anderen – einen Traubenbehang hatte. Er begann daraufhin die langwierige Arbeit der Rebselektion, suchte Kontakt mit der österreichischen Rebenzüchtung in Klosterneuburg und konnte so mit wissenschaftlicher Unterstützung die Klonenzüchtung beginnen. Die Sorte Roter Veltliner, wurde auch als „Hietl-Roter“, verbreitet.[2]
Um die Verbreitung der Sorte bemühte sich auch das Weingut Mantlerhof in Gedersdorf bei Krems mit eigenen Selektionen.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Italien oder Österreich – ist ungeklärt.

Die in Italien untersuchten ähnlich aussehenden Rebsorten (Valtelin) haben keinen genetischen Bezug zum Roten Veltliner in Österreich, sodass Österreich als Ursprungsland in Frage kommt.[3] Die Herkunft aus Österreich oder Italien ist ungeklärt.

Abstammung und Verwandtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abstammung der Sorte ist ungeklärt. Bekannt ist aber, dass der Rote Veltliner die Stammsorte der Veltliner-Gruppe ist. Er kommt in zahlreichen Spielarten vor (Weißroter, Brauner Veltliner, Silberweißer Veltliner, Gelbling). Die Sorte war natürlicher Kreuzungspartner bei den Sorten Neuburger, Zierfandler und Rotgipfler.[4] Der Rote Veltliner ist nicht mit dem Grünen Veltliner verwandt.

Ampelografische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Triebspitze ist weißwollig behaart mit rötlichem Anflug. Das Blatt ist groß, fünflappig und tief gebuchtet. Die Hauptnerven auf der Blattoberseite sind bis zur ersten Adernverzweigung rot gefärbt. Die Blattspreite ist nicht gewaffelt und schwach blasig. Stielbucht offen mit V- oder klammerförmiger Basis und nicht von Nerven begrenzt. Blattunterseite mitteldicht behaart. Die Traube groß, geschultert und sehr dichtbeerig. Beeren sind grüngelbe bis fleischrot gefärbt und besitzen eine dicke Beerenhaut. Das Fruchtfleisch ist ungefärbt und hat einen neutralen Geschmack. Die Beeren reifen sehr ungleich. Die Beerenfarbe ist stark von der Sonneneinstrahlung abhängig.

Der Triebwuchs ist stark. [4][5]

Reife: spät- Mitte Oktober

Ertrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ertrag ist hoch bis sehr hoch, aber wegen der hohen Blüte-, Winter- und Spätfrost und Botrytisanfälligkeit jedoch sehr unsicher.

Ansprüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sorte benötigt frühe und warme Lagen. Am besten eignen sich fruchtbare Lehm- und Lössböden. Tiefe Lagen sind wegen der hohen Winterfrostempfindlichkeit ungeeignet. Im Vergleich zum Grünen Veltliner (chloroseanfällig) verträgt der Rote Veltliner ton- und kalkreiche Böden besser (chlorosefester).[5]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sorte hat einige sehr ungünstige Eigenschaften. Diese sind auch ein Grund, dass sich die Sorte nicht weiterverbreitet.

Der Rote Veltliner ist sehr blüte-, winterfrost- und spätfrostempfindlich. Die Trauben sind sehr botrytis- (dichte Trauben), Peronospora- und Roter Brenner anfällig. Der Triebwuchs ist sehr stark. Diese Eigenschaft kann sich auf einen sehr wüchsigen Standort ungünstig auswirken – schlechte Holzreife und damit erhöhte Winterfrostgefährdung. [4][5]

Wein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sorte ist ein Massenträger und liefert meist extrem hohe Erträge mit entsprechend geringere Weinqualitäten (dünn, ausdruckslos). Nur in geeigneten Lagen und entsprechender Ertragsregulierung können extraktreiche Weine mit feiner Blume und guter Haltbarkeit gewonnen werden. In der Jugend sind die Weine würzig, später mandelartig.[6] Diese sind gut lagerfähig und mit kräftiger Säure ausgestattet.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemessen an der Gesamtweinbaufläche Österreichs, ist sein Anteil mit 197 ha (Stand 2015) gering. Zu finden ist die Sorte vor allem am Wagram, im Kamptal und im Kremstal, vereinzelt auch im Weinviertel und in Wien. In Ungarn gab es 2010 noch 5 ha. In Tschechien und der Slowakei wurden 2010 keine Flächenangaben mehr gemacht.[7]

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synonyme 171: Ariavina, Ariavina Maennliche, Bakor, Belo Ocka, Belo Oka, Buzyn, Cerveny Muskatel, Crvena Veltliner, Crvena Valtelinka, Csúcsos Bakor, Debela Ariavina, Dreimaenner, Erdezha, Erdezha Shopatna, Erdezka Rabolina, Fedleiner, Feldleiner, Feldleiner Rothlichter, Feldliner, Feldlinger, Feltliner, Fleisch Roter Velteliner, Fleisch Roter Waelteliner, Fleisch Traminer, Fleischroter Traminer, Fleischrother Velteliner, Fleischrother Veltliner, Fleischtraminer, Fleischtraube, Fleischtraube Rot, Fleischtraube Auswendiges, Fleischweiner, Grosbrauner Velteliner, Grossbrauner, Grosse Fleischtraube, Grosser Fleischtraube, Grosser Roter Veltliner, Grosser Rother Vaelteliner, Grosser Rother Veltliner, Grosser Traminer, Grosser Vaelteliner, Grosser Velteliner, Grosswiener, Herera Rhaetica, Herera Valtellina, Hohmann 6/11/96, Kecskecsecs, Krdeca, Maennliche Ariavina, Männliche, Maucnjk, Mavcnik, Mavenick, Mavenik, Mittelgrosser Roter Veltliner, Moseavina, Moslavina, Muscateller, Muskatel Cerveny, Nagy Veltliner, Nagysagos, Nyulsoeloe, Nyulszoeloe, Piros Veltliner, Pirosveltelin, Pirosveltelini, Rabolina, Raifler, Raisin de Saint Valentin, Ranfler, Ranfolica, Ranfolina, Ranfoliza, Raufler, Raufolica, Rebalina, Rebolina, Red Veltliner, Reifler, Rhaetica, Riegersburger Rothkoepfel, Riegersburger Rothtoepfel, Riesling Roter, Rivola Tchervena, Rossera, Rossola, Rote Fleisch Traube, Auswendiges Fleischtraube, Auswendiges Fleischtrauble, Auswendiges Veltliner, Roter, Roter Muskateller, Roter Vaelteliner, Roter Velteliner, Roter Veltliner, Roter Veltliner, Rotgipfler, Rothe Shopatna, Rothe Shopotna, Rothe Velteliner, Rother Fleischtraube, Rother Muscateller, Rother Raifler, Rother Riesling, Rother Vaelteliner, Rother Velteliner, Rother Veltliner, Rother Zierfahnler, Rothgipfler, Rothlichter, Rothreifler, Rotmehlweisser, Rotmuskateller, Rotreifler, Rudeca, Ryvola Cervená, Ryvola Crvena, Saint Valentin Rose, Saint Valentinrose, Shopatna, Shopotna, Somsoeloe, Spaete Ranfoliza, St. Valentin, Tarant Cerveny, Tarant Rot, Todtraeger Rotreifler, Traminer, Uva Di Saint Valentini, Uva di Saint Valentino, Vaelteliner, Vaelteliner Roter, Vaelteliner Roth, Vaeltliner, Valentin, Valentin Rouge, Valtelin Rouge, Valteliner, Valteliner Red, Valteliner Rosso, Valteliner Rouge, Valteliner Tardif, Veltelin Piros, Veltelin Rosso, Velteline Rouge, Velteliner, Velteliner Rose, Velteliner Rosso, Velteliner Roter, Velteliner Rother, Velteliner Rouge, Veltliner Piros, Veltlinac Crveni, Veltliner, Veltliner Mittelgrosser Roter, Veltliner Rosse Bianco, Veltliner Rosso, Veltliner Rot Weiss, Veltliner Roth, Veltliner Rother, Veltliner Rouge, Veltlini Piros, Veltlínské Cervene, Veltlinski Rozovii, Veltlinskii Rozovii, Veltlinsky Rosovy, Vernyeges Veltliner, Verrnyeges Veltliner, Weisser Raifler, Weissholzige Ribula Maucnjk, Ziegelroth.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ferdinand Regner, Karel Hanak, Cornelia Eisenheld: Verzeichnis der österreichischen Qualitätsweinrebsorten und deren Klone, 2. Auflage 2015, HBL und BA für WB, Klosterneuburg.
  • Karl Bauer, Ferdinand Regner, Barbara Schildberger: Weinbau, avBuch im Cadmos Verlag, Wien, 9. Auflage 2013, ISBN 978-3-7040-2284-4
  • Klaus Egle: Der österreichische Wein. Das große Handbuch. Pichler-Verlag, Wien u. a. 2007, ISBN 978-3-85431-403-5.
  • Jancis Robinson: Das Oxford-Weinlexikon. 3., vollständig überarbeitete Auflage. Hallwag, München 2007, ISBN 978-3-8338-0691-9, S. 610.
  • Helmut Romé: Die großen Weine Österreichs. Seewald, Stuttgart-Degerloch 1979, ISBN 3-512-00558-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Werfring: Gefragte Rarität: Roter Veltliner. In: Wiener Zeitung, 30. August 2013, Beilage Wiener Journal, S. 22–23.
  2. Roter Veltliner – der „Hietl Rote“, Eintrag auf der Webseite der Gemeinde Straß im Straßertal
  3. mündliche Information von Ferdinand Regner.
  4. a b c Karl Bauer, Ferdinand Regner, Barbara Schildberger: Weinbau, avBuch im Cadmos Verlag, Wien, 9. Auflage 2013, ISBN 978-3-7040-2284-4.
  5. a b c Ferdinand Regner, Karel Hanak, Cornelia Eisenheld: Verzeichnis der österreichischen Qualitätsweinrebsorten und deren Klone, 2. Auflage 2015, HBL und BA für WB, Klosterneuburg, S25.
  6. Jancis Robinson: Das Oxford Weinlexikon. 2007, S. 610.
  7. K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, 2000 and 2010, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, Dezember 2013 (erste Überarbeitung April 2014) (zweite Überarbeitung Mai 2014) (dritte Überarbeitung Juli 2014).
  8. Veltliner Rot in der Datenbank Vitis International Variety Catalogue des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof (englisch), abgerufen am 17. Oktober 2016