Grüner Veltliner

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Grüner Veltliner
Synonyme Weißgipfler – für weitere siehe Abschnitt Synonyme
Grüner Veltliner
Art Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera)
Beerenfarbe grün
Verwendung
Herkunft Niederösterreich
VIVC-Nr. 12930
Abstammung

Zufallskreuzung aus
Traminer × St. Georgen

Liste von Rebsorten

Grüner Veltliner (vɛltˈliːnɐ oder fɛltˈliːnɐ[1]) oder Weißgipfler ist eine Weißweinsorte. Sie ist die wichtigste und verbreitetste Rebsorte aus Österreich und wird im Ausland oft als österreichische Nationalsorte angesehen. Vor allem findet sie in Niederösterreich optimale Standortbedingungen.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grüne Veltliner ist die wichtigste autochthone Rebsorte aus Niederösterreich. Die vormals als „(Grüner) Muscateller“ bezeichnete Sorte ist in Niederösterreich bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts zurück nachzuweisen.[2]

Abstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Natürliche Kreuzung von Traminer × St. Georgen.

Der zweite Elternteil wird von der HBLA Klosterneuburg nach dem Auffindungsort St. Georgen am Leithagebirge als St. Georgen bezeichnet. Lokal dürfte die Traube als Grünmuskateller bezeichnet worden sein.[3] Die Mutter-Rebe, die ein Alter von ungefähr 400 Jahren aufweist, wurde im Februar 2011 durch Vandalismus stark beschädigt, sodass befürchtet wurde, dass sie nicht mehr austreiben würde. Durch umfassende Pflege ist es gelungen, bis Mai 2011 mehrere Austriebe heranzuziehen.[4][5] Im Juni 2012 wurde eine Auspflanzung von 400 Reben durchgeführt[6], bei der 2014 die ersten Trauben geerntet werden konnten und 2015 die Jungfernlese durchgeführt wurde.

Der Grüne Veltliner ist nicht verwandt mit dem Frühroten Veltliner und Roten Veltliner.

Ampelografische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Triebspitze ist stark weißwollig behaart.
  • Das Blatt ist mittelgroß, fünflappig und tief gebuchtet.
  • Die Traube sehr groß, dichtbeerig, kegelförmig, geschultert, mit großen Beeren.

Reife: mittelspät

Eigenschaften, Ansprüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Rebstöcke besitzen einen mittelstarken bis starken Triebwuchs.
  • Benötigt frühe bis mittelfrühe Lagen und bevorzugt mittelschwere bis leichte, aber nicht zu trockene Böden. Lössböden sind sehr gut geeignet.
  • Auf zu schweren und kalkreichen Böden bekommt die Sorte leicht Chlorose.

Ertrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sorte liefert bei guten Boden- und Lagegegebenheiten regelmäßig hohe Erträge. Die sehr fruchtbare Sorte bedarf einer entsprechenden Ertragsregulierung, wenn bestimmte Qualitätsstufen erreicht werden sollen.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grüner Veltliner

Die in Österreich, insbesondere in Niederösterreich, am weitesten verbreitete Traube wird außerhalb ihrer Heimat wenig angebaut, abgesehen von einigen kleineren mitteleuropäischen Regionen, etwa in Tschechien in der Slowakei oder Ungarn. Sie gedeiht besonders gut auf Lössböden wie im nördlichen Weinviertel, wo die Rebe in Boden und Klima optimale Voraussetzungen findet, ebenso in der Wachau, im Kamptal, Kremstal und am Wagram. Im 20. Jahrhundert wiederentdeckt, ist sie heute die Sorte in Österreich, wo sie im Jahr 2015 eine Fläche von 14.375 ha erreicht hat, (47,1 % der bewirtschafteten Weißweinanbaufläche) nimmt sie mit deutlichen Abstand von der Sorte Welschriesling, den ersten Platz ein.[7]

Die Rebflächen in Österreich verteilten sich im Jahr 2015 wie folgt auf die einzelnen Anbaugebiete:[8]

Weinbaugebiet Rebfläche in ha
Carnuntum 192,50
Eisenberg 28,32
Kamptal 1.982,08
Kremstal 1.302,98
Leithaberg 519,77
Mittelburgenland 86,27
Neusiedler See 696,20
Südsteiermark 0,86
Thermenregion 178,99
Traisental 477,42
Vulkanland Steiermark 2,77
Wachau 765,53
Wagram 1.330,29
Weinviertel 6.671,68
Weststeiermark 0,00
Wien 137,20
Summe Österreich 2015 14.372,86

Die weltweite Anbaufläche der Sorte Grüner Veltliner betrug 2010 18.849 ha.[9] In Deutschland gibt es seit Beginn des 20. Jahrhunderts diverse Versuche, diese Sorte, die bis in die 1930er Jahre in vielen Gemischten Sätzen zu finden war, wieder heimisch werden zu lassen, so unter anderem in der Pfalz[10], in Rheinhessen und im Rheingau, aber auch in Württemberg, an der Nahe und in Sachsen. Die in Deutschland mit Grünem Veltliner bestockte Rebfläche lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2016 bei 24 ha. In Südtirol konzentriert sich der Anbau auf das Eisacktal, wo in warmen Lagen zwischen 500 und 650 Meter ü.d.M., bevorzugt auf Schotterböden, 27 Hektar Rebfläche mit Grüner Veltliner bestockt sind (Stand 2018).[11][12] Kleinste Bestände sind zudem in der Schweiz bekannt (0,84 ha, Stand 2014).[13]

Auch in Übersee ist der Grüne Veltliner zu finden, etwa in Australien und vor allem in Neuseeland.[14] Derzeit sind etwa 40 ha ausgepflanzt. In den USA gibt es in verschiedenen Bundesstaaten ca. ein knappes Dutzend Grüner Veltliner-Produzenten. Weitere Anbauversuche werden derzeit in Indien unternommen.

Wein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Weine bestechen durch ihr intensives Bouquet und durch ihre Frische. Typisch können angenehme Aromen nach weißem Pfeffer oder auch Tabak ausgemacht werden, hervorragend ist aber meist die intensivere Nase und der Geschmack nach Citrus und Frucht (Pfirsich). Ein guter Grüner Veltliner besticht durch seine Frische am Gaumen und ist, entgegen landläufiger Meinung, die auf vielen eher mäßigen Grünen Veltlinern beruht, entsprechend lagerfähig.[15] Bei Verkostungen älterer Weine beeindrucken hochwertige Veltliner immer wieder durch ihre erstaunliche Frische.

Dem Grünen Veltliner war der erste österreichische DAC-Wein, der Weinviertel DAC, gewidmet. Seit 2006 gibt es auch noch einen weiteren DAC aus dieser Rebsorte mit dem Traisental DAC, seit dem Jahrgang 2007 einen dritten – den Kremstal DAC der am Weißweinsektor als erster DAC eine Reservelinie gestattet.

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Sortenkennzeichnung sind lt. Qualitätssortenliste in Österreich nur Grüner Veltliner und Weißgipfler zulässig.

Bielospicak, Cima Bianca, Dreimaenner, Feherhegyue, Feldlinger, Green Veltliner, Gruen Muskateller, Gruene Manhardsrebe, Gruener, Gruener Muskateler, Gruener Muskateller, Gruener Velteliner, Gruener Veltliner, Gruener Weissgipfler, Gruenmuskateller, Gruner Veltliner, Manhardsrebe, Manhardtraube, Manhartsrebe, Mauhardsrebe, Mouhardrebe, Mouhardsrebe, Muskatel, Muskatel Zeleny, Nemes Veltelini, Plinia Austriaca, Ranfol Bianco, Ranfol Bijeli, Ranfol Weisser, Rdeci Veltinec, Reifler Weiss, Ryvola Bila, Tarant Bily, Valtelin Blanc, Valtelina Vert, Valteliner, Valteliner Blanc, Valteliner Vert, Velteliner Gruener, Velteliner Vert, Velteliner Weisser, Veltelini Zoeld, Veltlin Zeleny, Veltlinac Zeleni, Veltlinec, Veltliner, Veltliner Blanc, Veltliner Grun, Veltliner Gruner, Veltliner Verde, Veltlini, Veltlínské zelené, Veltlinski Zelenii, Veltlinsky Vert, Veltlinsky Zeleny, Vetlinac, Vetlinac Zeleni, Weisser, Weisser Raifler, Weisser Reifler, Weisser Valteliner, Weisser Velteliner, Weisser Veltliner, Weissgipfler, Weissgipfler Gruener, Yesil Veltliner, Zeleni Veltlinec, Zeleni Vetlinac, Zeleny Muskatel, Zleni Veltinac, Zoeld Muskotaly, Zoeld Muskotalynak, Zöld veltelini, Zoeld Velteliny, Zoeldveltelini, Zold Veltelini.[16] Der Sortenname wird manchmal auch in abgekürzter Form wie GrüVe, GruVe oder GV (sprich GeVau) verwendet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ferdinand Regner: Herkunft unserer Rebsorten: Grüner Veltliner, Blaufränkisch und St. Laurent. In: Der Winzer 04/2007.
  • Hans Ambrosi, Bernd H. E. Hill, Erika Maul, Erst H. Rühl, Joachim Schmid, Fritz Schuhmann: Farbatlas Rebsorten, 3. Auflage, Eugen Ulmer, 2011, ISBN 978-3-8001-5957-4.
  • Ferdinand Regner: Verzeichnis der österreichischen Qualitätsweinrebsorten und deren Klone, 2008, LFZ Klosterneuburg.
  • Klaus Egle: Der Österreichische Wein. Verlag Pichler, Wien 2007, ISBN 978-3-85431-403-5, S. 64 f.
  • Jancis Robinson (Hrsg.): Das Oxford Weinlexikon. Hallwag, Gräfe und Unzer, München 2006, ISBN 978-3-8338-0691-9, S. 296.
  • Erich Landsteiner: Muskateller, vulgo Veltliner. Wie der (Grüne) Veltliner zu seinem Namen kam und warum er nicht erst im 18. Jahrhundert nach Niederösterreich importiert worden sein kann. In: Vinaria 8/2008, S. 44–47.
  • Thomas N. Burg: Grüner Veltliner Superstar In: Weinherbst 2010. Verlagsbeilage der „Wiener Zeitung“ vom 30. Oktober 2010, S. 34–39.
  • Viktor Siegl: Auf der Suche nach dem Pfefferl. In: Weinherbst 2013. Verlagsbeilage zur Wiener Zeitung vom 2. November 2013, S. 4–7.
  • Grüner Veltliner – Österreichs Trendsetter und seine Winzer im Porträt, Redaktionelle Leitung: Alexander Magrutsch, hrsg. Österreichischer Agrarverlag, Wien 2007, ISBN 978-3-7040-2263-9.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eingeschenkt – Weinland Österreich. Weinviertel – Wo das Pfefferl wächst. Dokumentarfilm, Österreich, 2012, 24:30 Min., Buch und Regie: Claudia Pöchlauer, Produktion: Interspot Film, ORF, Reihe: Eingeschenkt – Weinland Österreich, Erstsendung: 2. Dezember 2012 bei ORF 2, Inhaltsangabe von ORF.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Grüner Veltliner – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Veltliner, der. In: Duden. Abgerufen am 30. November 2015.; Veltlin, das. In: Duden. Abgerufen am 30. November 2015.
  2. Erich Landsteiner: Muskateller, vulgo Veltliner. Wie der (Grüne) Veltliner zu seinem Namen kam und warum er nicht erst im 18. Jahrhundert nach Niederösterreich importiert worden sein kann. In: Vinaria 8/2008, S. 44.
  3. Elternteil des Grünen Veltliners gefunden
  4. Vandalen zerstören uralte Weinrebe, Kurier (Memento vom 21. Februar 2011 im Internet Archive)
  5. Historische Veltliner-Rebe überlebt Vandalenakt im Standard vom 5. Mai 2011
  6. Auspflanzung St. Georgener Rebe
  7. Weingartengrunderhebung 2015, Statistik Austria
  8. Dokumentation Österreich Wein. Österreichische Weinmarketingserviceges.m.b.H. (ÖWM), Wien 2017, S. 14 ff. (oesterreichwein.at – Weingartengrunderhebung 2015).
  9. Kym Anderson, Nanda R. Aryal: Which Winegrape Varieties are Grown Where? National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, 2000 and 2010; Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, South Australia, December 2013, revised July 2014. engl.
  10. Johann Werfring: Veltliner trifft Weltliner. In: Wiener Zeitung vom 13. September 2013, Beilage „Wiener Journal“, S. 36–39.
  11. Johann Werfring: Weinreise durch Südtirol – Teil 1 In: Wiener Zeitung, 27. Oktober 2017, Beilage „Wiener Journal“, S. 36–37.
  12. Veltliner Artikel auf suedtirolwein.com
  13. Das Weinjahr 2014. 21. April 2015, archiviert vom Original am 10. Juli 2015; abgerufen am 30. November 2015 (PDF; 1,1 MB). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.blw.admin.ch
  14. Grüner Veltliner ist Kult geworden. In: Salzburger Nachrichten. 27. Mai 2013, abgerufen am 30. November 2015.
  15. Dazu Viktor Siegl, langjähriger Verkostungsleiter bei der österreichischen Weinzeitschrtift Vinaria: „Wie die Rebsorte generell, wurde auch lange Zeit die Lagerfähigkeit des Veltliners im Speziellen unterschätzt.“ Viktor Siegl: Auf der Suche nach dem Pfefferl In: „Weinherbst 2013“, Verlagsbeilage zur „Wiener Zeitung“ vom 2. November 2013, S. 7.
  16. 16. Februar 2016 Grüner Veltliner in der Datenbank Vitis International Variety Catalogue des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof (englisch)