Blaufränkisch

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Blaufränkisch
Synonyme Lemberger, Blauer Limberger – für weitere siehe Abschnitt Synonyme
Blaufränkisch
Art Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera)
Beerenfarbe schwarz
Verwendung
Herkunft Untersteiermark im heutigen Slowenien[1]
bekannt seit 18. Jht.
VIVC-Nr. 1459
Abstammung

Zufallskreuzung aus
Blaue Zimmettraube[1] × Weißer Heunisch

Liste von Rebsorten

Blaufränkisch, auch Lemberger oder Blauer Limberger (klassischer Name), ist eine Rotweinsorte. Der Blaufränkisch bevorzugt mildes Klima und windgeschützte Standorte. Als früh austreibende Rebsorte ist sie immer vom Spätfrost gefährdet. Je nach Erntezeitpunkt lassen sich aus den Trauben leichte und fruchtige, aber auch tanninreiche Weine mit einer intensiv roten Farbe ausbauen, die einen kräftigen, fruchtigen, charaktervollen Rotwein mit Aromen von Kirschen und Beeren hervorbringt. Seine Lagerfähigkeit ist erheblich. Die vielen Vorzüge dieser Sorte zeigen sich auch in Verschnitten mit anderen Sorten wie Cabernet Sauvignon, Trollinger oder Spätburgunder, denen sie mit ihrer Fruchtigkeit zu mehr Komplexität verhilft. Ein sortenreiner Blaufränkisch ist ein hervorragender Begleiter zu Wildgerichten, stark mit Kräutern gewürzten Gemüsegerichten und Teigwaren sowie zu pikanten Käsesorten.

Herkunft, Abstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammbaum Blaufränkisch erg Bauer.jpg

Blaufränkisch ist eine Rotweinsorte aus der Untersteiermark im heutigen Slowenien. In Österreich ist die Sorte erstmals im 18. Jahrhundert nachweisbar, erst danach tauchte sie in Deutschland unter der Bezeichnung Lemberger oder Limberger (abgeleitet vom Ort Limberg in Niederösterreich) auf.

Ist eine natürliche Kreuzung von der Blauen Zimmettraube × Weißen Heunisch.[1]

Die internationale ampelographische Kommission (gegründet 1873 in Wien) legte 1875 europaweit den Namen Blaufränkisch fest. Als alte Rebsorte in Österreich wurde sie auch in das Register der Traditionellen Lebensmittel eingetragen.[2]

Ampelographische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Triebspitzen sind hellgrün glänzend, etwas bronziert und schwach behaart.
  • Die Blätter sind groß, grob gezähnt, wenig gelappt und dreilappig.
  • Die Traube ist groß, verästelt, locker- bis dichtbeerig, kegelförmig mit mittelgroßen dickschaligen, saftigen blauschwarz gefärbten Beeren.
  • Der Wuchs ist kräftig und aufrecht. Die Augen treiben früh aus und die jungen Triebe sind daher spätfrostgefährdet.

Reife: mittel – spät

Ertrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erträge sind mittel bis hoch. Für eine gute Weinqualität ist eine gezielte Ertragsregulierung erforderlich.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorteilhaft ist die gute Kalkverträglichkeit und gute Winterfrostfestigkeit. Nachteilig sind die Spätfrostanfälligkeit und die Blüteempfindlichkeit. Daraus ergibt sich eine gewisse Ertragsunsicherheit. Die Sorte ist anfällig für Echten und Falschen Mehltau sowie Stielfäule.

Wein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sorte liefert sehr dunkel gefärbte, gerbstoffreiche Weine mit nach Waldbeeren- oder Kirschfrucht geprägtem Bukett mit einer charakteristischen feinen Säure. Der Wein baut sich langsam aus, hat ein hohes Potenzial für längere Lagerung und erreicht als Altwein hohe Qualität. Im oberen Qualitätssegment wird er häufig in Holzfässern ausgebaut. Traditionell kommt dabei ein großes Holzfass zum Einsatz, in dem mehr als 1000 Liter Platz finden. Es wird aber mittlerweile auch das aus Frankreich bekannte Barrique verwendet.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitung auf der Welt 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Land Rebfläche ha[3]
Österreich (2015) 2807
Peru 92
Chile 290
Rumänien 760
Slowakei 1378
Slowenien 680
Schweiz 3
Kanada 4
Kroatien 558
Tschechien 1160
Deutschland (2015) 1846
Ungarn 7998
Italien 59
Weltanbaufläche 2010 17888

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weitreichenden Weingärten am „Sonnberg“
Reife Trauben am Eisenberg im südlichen Burgenland

Die Anbaufläche in Österreich belief sich im Jahr 2015 auf 2807 ha. Das bedeutet den zweiten Rang unter den roten Trauben, nach dem Zweigelt. Im Jahr 2015 umfasste der Blaufränkisch 18,8 % der Rotweinanbaufläche des Landes. 94 % des Blaufränkisch werden im Burgenland angebaut, wo die Sorte speziell im Weinbaugebiet Mittelburgenland, das deshalb auch Blaufränkischland genannt wird, einige der besten österreichischen Rotweine hervorbringt. Seit 2006 wird dem mit dem sogenannten Mittelburgenland DAC Rechnung getragen. Das kontinentale Klima mit seinen langen trockenen Sommern sorgt für hervorragende Traubenqualität, wobei die tiefgründigen Lehmböden den tiefwurzelnden Rebstöcken ermöglichen, die extrem niederschlagsarme Zeit gut zu überstehen. Dabei wird der österreichische Blaufränkische entweder reinsortig ausgebaut oder gerne mit anderen Sorten wie dem Zweigelt zu einer Cuvée verschnitten. Weitere wichtige österreichische Anbauflächen befinden sich im Weinbaugebiet Neusiedlersee-Hügelland an den Hängen des Leithagebirges, im Südburgenland am Eisenberg und im Weinbaugebiet Carnuntum.

Die unterschiedlichen Anbaubedingungen in den einzelnen österreichischen Weinbaugebieten lassen eine Bandbreite an möglichen Stilistiken erkennen: So etwa gibt es im burgenländischen Seewinkel warmfruchtige Sortenvertreter. An den Abhängen des nordburgenländischen Leithagebirges, am südburgenländischen Eisenberg sowie am Spitzerberg im Weinbaugebiet Carnuntum herrschen mineralisch geprägte Blaufränkische vor. Hingegen erbringen die schweren Lehmböden im Mittelburgenland eine mächtigere Sortenstilistik.[4]

Bundesland Rebfläche ha[5]
Niederösterreich 148,95
Burgenland 2631,89
Steiermark 20,76
Wien 4,92
Übrige Bundesländer 1,28
Summe Österreich 2015 2807,80

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anbaufläche in Deutschland hat in den letzten Jahren wieder zugenommen. Im Jahr 2015 waren 1846 Hektar mit der Rebsorte, die hier meist Lemberger genannt wird, bestockt. Im Jahr 2006 waren noch 1664 ha[6] Anbaufläche bestockt, nachdem im Jahr 1999 nur 1118 ha[7] erhoben wurden. Seit 1. August 2000 ist die Bezeichnung Blaufränkisch anstelle von Lemberger auch in Franken wieder zugelassen.

Die Rebflächen in Deutschland verteilten sich im Jahr 2015 wie folgt auf die Anbaugebiete:

Anbaugebiet Fläche in ha[8][9][10]|
Deutschland 1846
Rheinland-Pfalz 58
Pfalz
42
Rheinhessen
15
Mosel 1
Baden-Württemberg 1772
Württemberg
1705
Baden
67
Bayern (Franken) 6
Hessen (Hessische Bergstraße) 2

Ungarn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ungarn bauen die Rebe als Kékfrankos hauptsächlich im Weinbaugebiet Sopron, am Südufer des Neusiedlersees, am Plattensee (Balaton) und im südlichsten Weinbaugebiet Ungarns, in Villány, an. Dort erbringt die Rebe, die auch oft als Gamay noire (nicht identisch mit der französischen Sorte Gamay) oder Nagyburgundi abgefüllt wird, ihre national besten Ergebnisse. Der Kékfrankos hat auch weitgehend den Kadarka im Egri bikavér (Erlauer Stierblut) als Trägersorte abgelöst.

Namensgebung in Ungarn (Sage): Die napoleonischen Truppen sind während einer ihrer Feldzüge durch Ungarn gezogen und haben dort auch eine längere Station gemacht. Zu dieser Zeit hat Napoleon seine Truppen mit "roten" Francs bezahlt, wobei die offizielle Währung in Frankreich "blaue" Francs waren. Die Franzosen haben von den ortsansässigen Winzern auch Wein erstanden, wobei ein spezieller Rotwein es den französischen Truppen besonders angetan hatte. Die ungarischen Winzer hatten schnell begriffen, dass dieser spezielle Wein von den Franzosen bevorzugt wird und wussten über die zwei verschiedenen Währungen bescheid. Von da an wurde dieser spezielle Wein nur für "blaue" Francs verkauft (blau = kék, Francs = Frank), da die roten Francs viel weniger Wert waren. Aus der Zusammensetzung der Wörter entstand der Name "Kékfrankos".

Neuzüchtungen mit Blaufränkisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blaufränkisch wurde aufgrund seiner Qualität gerne als Kreuzungspartner genutzt:

Österreichs bedeutendste rote Rebsorte Zweigelt entstand 1922 aus einer Kreuzung zwischen St. Laurent x Blaufränkisch. Die Kreuzung wurde von Fritz Zweigelt an der Höheren Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg durchgeführt und wurde nach ihm benannt.

1923 züchtete Fritz Zweigelt an der Höheren Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg die Rebsorte Blauburger mit den Sorten Blauer Portugieser x Blaufränkisch. Die gleichen Elternsorten nutzte August Herold für die Heroldrebe.

In den 1960er Jahren:

Gertrude Mayer an der Höheren Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg nutzte den Zweigelt zur Züchtung der Sorte Roesler (Kreuzung aus Blauer Zweigelt x Klosterneuburg 1189-9-77 (= Seyve Villard 18-402 x Blaufränkisch)) und der Sorte Rathay (Neuzüchtung aus Klosterneuburg 1189-9-77 (= Seyve Villard 18-402 x Blaufränkisch) x Blauburger).

In Tschechien entstand die Rebsorte André die vom Elternpaar St. Laurent x Blaufränkisch stammt.

Im Jahr 1971 entstand an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg die Rebsorte Acolon als Kreuzung aus dem Blaufränkisch x Dornfelder. Bereits ein Jahr davor wurden die Sorten Cabernet Cubin und Cabernet Mitos vorgestellt, die beide aus den Sorten Blaufränkisch und Cabernet Sauvignon entstanden.

In Beilstein (Württemberg) entstanden 1976 bei der Vermehrung von Lemberger-Reben durch Aussaat zwei Rebstöcke, deren Beeren ein ausgeprägtes Muskat-Aroma aufwiesen. Diese wurden ab 1983 weiter vermehrt, zunächst als "Muskat-Lemberger" bezeichnet und sind seit 2003 als Wildmuskat beim Bundessortenamt eingetragen.

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blanc Doux, Blau Fraenkisch, Blau Fraenkische, Blauer Limberger, Blaufraenkische, Blaufranchis, Blaufranchisch, Blue French, Borgonja, Burgund Mare, Burgunder, Cerne Skalicke, Cerne Starosvetske, Cerny Muskatel, Chirokolistny, Cierny Zierfandler, Crna Frankovka, Crna Moravka, Enliyarpaqli, Fekete Frankos, Fernon, Fraenkische, Fraenkische Schwarz, Fraenkische Schwarze, Franconia, Franconia Nera, Franconia Nero, Franconien Bleu, Franconien Noir, Franconim Noir, Frankinja, Frankinja Crna, Frankinja Modra, Frankonia, Frankonien Noir, Frankos, Frankos Kek, Frankovka, Frankovka Cerna, Frankovka Crna, Frankovka Modra, Frankovna Crna, Fronkus, Fruehschwarze, Game, Gros Burgunder, Grossburgunder, Hartig 353, Imberghem, Imbergher, Jubilaeumsrebe, Karmazin, Kek Frank, Kek Frankos, Kekfrank, Kekfrankos, Lampart, Lemberger, Limberg, Limberger, Limberger Black, Limberger Blauer, Limberger Noir, Limberqer, Limburske, Maehrische, Maehrische Schwarze Karmazin, Maehrischer, Modra Frankija, Modra Frankinja, Modry Hyblink, Moravka, Moravske, Morva Frankinja Crna, Muskateller Schwarz, Nagy Burgundi, Nagyburgundi, Neskorak, Neskore, Neskore Cerne, Neskore Cierne, Neskore Pozdni, Noir De Franconie, Oporto, Orna Frankovka, Portugais Lerouse, Portugais Leroux, Portugais Rouge, Portugieser Rother, Pozdni, Pozdni Cerne, Pozdni Skalicke Cerne, Schwarz Limberger, Schwarze Fraenkische, Schwarze Grobe, Schwarzer Burgunder, Schwarzgrobe, Schwarzgrober, Serina, Shirokolistnyj, Sirokolidtnyj, Sirokolstnii, Skalicke Cerne, Skalicke Modre, Spaetschwarzer, Sryk Cerny, Starovetsky Hrozen, Sura Lisicina, Szeleslevelue, Teltfuertue Kekfrankos, Teltfurtu Kekfrankos, The Wide-Leafed, Vaghyburgundi, Velke Bugundske, Vojvodino.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Blaufränkisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Blaufränkisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c E. Maul, F. Röckel, R. Töpfer: The "missing link" Blaue Zimmettraube reveals that 'Blauer Portugieser and Blaufränkisch originated in Lower Styria, Julius Kühn-Institute (JKI), Institute for Grapevine Breeding Geilweilerhof, Siebeldingen, Germany; Vitis 55, 135–143 (2016)
  2. Blaufränkisch. Eintrag Nr. 227 im Register der Traditionellen Lebensmittel des österreichischen Lebensministeriums.
  3. K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, 2000 and 2010, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, December 2013 (first revision April 2014) (second revision May 2014) (third revision July 2014).
  4. Johann Werfring: Das Potenzial des Blaufränkischen In: „Weinherbst 2013“, Verlagsbeilage zur „Wiener Zeitung“ vom 2. November 2013, S. 18.
  5. ÖSTAT Weingartenerhebung 2015.
  6. Deutsches Weininstitut (Hrsg.): Statistik 2007/2008. Mainz 2007 (deutscheweine.de (Memento vom 20. September 2008 im Internet Archive) [PDF; 430 kB]).
  7. Deutsches Weininstitut (Hrsg.): Statistik 2004/2005. Mainz 2004 (deutscheweine.de (Memento vom 20. September 2009 im Internet Archive) [PDF; 777 kB]).
  8. 2. Anbaustatistik für das Jahr 2015 Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2016): Statistische Berichte – Bestockte Rebflächen 2015. Bad Ems, C I - j/15, Kennziffer: C1073 201500, ISSN 1430-5070.
  9. Anbaustatistik für das Jahr 2015 Statistisches Bundesamt (2016): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung – Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  10. 3. Anbaustatistik für das Jahr 2015 Deutscher Weinbauverband (2016): 19. Sonderbericht 2016 – Bestockte Rebflächen 2015
  11. abgerufen am 12. August 2016 Blaufränkisch in der Datenbank Vitis International Variety Catalogue des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof (englisch)