Rudolf Gleye

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Rudolf Gleye (* 26. Dezember 1880 in Braunschweig; † 8. Juni 1926 in Berlin) war ein deutscher Ingenieur, Architekt und Stadtbaurat im Berliner Bezirk Lichtenberg.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf Gleye, Sohn des „Herzoglichen Regierungs-Baumeisters“ Friedrich Gleye aus Braunschweig[1] legte im Herbst 1900 seine Maturitätsprüfung am Realgymnasium ab und studierte anschließend an der damaligen „Herzoglich-Technischen Hochschule Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig“.[2] Im Jahr 1902 absolvierte er die Vorprüfung und bestand Ostern 1905 die Hauptprüfung im Fach Ingenieurbau mit „Auszeichnung“. Mittels einer Ergänzungsdiplomarbeit erwarb er dann den Titel Diplomingenieur. Bereits in den Semesterferien konnte Rudolf Gleye erste praktische Erfahrungen beim Bau der Urfttalsperre sammeln und auch an Veröffentlichungen mitwirken. Nach Studienabschluss war er nacheinander in den Stadtbauämtern Breslau, Potsdam und Halle an der Saale tätig. Er spezialisierte sich in dieser Zeit auf moderne Städtekanalisation, von der Planung bis zur Bauleitung. Im Sommer 1908 unternahm Gleye dank einer ihm „vom Braunschweigischen Staatsministerium verliehenen Reiseprämie“ eine größere Reise zum Studium der neueren städtischen Abwasserbeseitigung. Die gesammelten Erfahrungen führten anschließend zu einer Anstellung in Greifswald, wo er sowohl ein Kanalbauamt aufzubauen als auch einen Gesamtplan für die Kanalisation dieser Hansestadt anzufertigen hatte. Wegen finanzieller Engpässe kam es dann jedoch nicht zur Realisierung. Er blieb in Greifswald und übernahm die Vertretung des Direktors der Städtischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke.[2] Die praktischen Erfahrungen und theoretischen Überlegungen führten dazu, dass Rudolf Gleye am 16.  Dezember 1910 mit einer Arbeit über Kanalisation in Städten (siehe Veröffentlichungen) promoviert wurde. Als Dr.-Ing. zog er 1912 in die Stadt Lichtenberg (in die Möllendorffstraße 120)[3] und widmete sich hier neuen Aufgaben der Kommunalpolitik. Gleye wurde 1914 zum Stadtbaumeister ernannt; das verband er mit einem Umzug in die Weichselstraße 1 (heute Ortsteil Berlin-Friedrichshain).[4]

In dieser Position hatte Gleye wesentlichen Anteil an der Errichtung kommunaler Gebäude wie des Lichtenberger Stadtbads und an der baulichen Entwicklung von Karlshorst. Besonders setzte er sich für die Realisierung der von Peter Behrens projektierten Waldsiedlung ein,[5] für die er die Bauleitung in der ersten Bauphase 1919/20 übernahm. So entstanden unter seiner Leitung Vierfamilienhäuser, Gruppenhäuser und Einfamilienreihenhäuser mit Elektro-, Gas-, Wasser- und Abwasser-Komplettanschluss sowie zugehörige Gärten und Ställe für Kleintiere.[6]

Mit dem Gesetz zur Bildung der Stadtgemeinde Berlin im Jahr 1920 wurde Gleye gemeinsam mit weiteren zwölf bisherigen Gemeindemitgliedern in die erste Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung übernommen. In der Sitzung am 9. Februar 1921 wählte man den parteilosen Gleye zum besoldeten Mitglied des Bezirksamts, in das er am 30. März 1921 durch den Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß offiziell eingeführt wurde.[5] Gleye arbeitete hier einige Zeit mit dem Architekten Carlo Jelkmann zusammen, der sich auf die Errichtung von Schwimmbädern konzentrierte und später vor allem für das nach seinen Entwürfen errichtete Stadtbad Mitte (1927–1930) bekannt wurde. Dieses enge Miteinander führte mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, dass sich der Ingenieur Gleye mit dem Bau bzw. Weiterbau der Lichtenberger Volksbadeanstalt und mit der Planung des Flussbads an der Rummelsburger Bucht befasste. Aufgrund seiner Ausbildung verwendete er große Sorgfalt auf die technische Ausstattung des Hallenbades wie dem Prinzip „Bau-in-Bau“ für die Schwimmbecken, den Wasserversorgungsanlagen, Saunen, Duschen sowie dem Sonnen- und Luftbad mit Auskleidezellen auf dem Dach.

Auch das Flussbad in der Spree (Zugang Köpenicker Chaussee 1–4), am Sonnabend, den 21. Mai 1927 feierlich eröffnet, besaß etliche wohl durchdachte Konstruktionen der Schwimmbecken, Verbindungen, versteckte Pumpenanlagen und berücksichtigte sogar die winterliche Nutzung als Eislaufbahn. Im Auftrag des Baurats vereinbarte das Lichtenberger Bezirksamt mit den Erbauern des Kraftwerks Klingenberg die Einbeziehung der Heizungsanlage des Betriebes zur Erzeugung angewärmten Wassers für das große Schwimmbecken. Rudolf Gleye konnte darüber hinaus einen Baukostenzuschuss für das Freibad in Höhe von 30.000 Mark vereinbaren. (Die geplante Summe für die Freibadeanstalt lag bei rund 540.000 Mark, deren größerer Anteil vom Berliner Magistrat übernommen wurde.)[7]

Das erfolgreiche Engagement Rudolf Gleyes würdigte der Bezirk Lichtenberg nach seinem frühen Ableben postum durch die Umbenennung des Haselhorstwegs und des Amselwegs in Karlshorst (Waldsiedlung Wuhlheide) in Gleyeweg (am 9. September 1931). Am 11. März 1937 wurde auch die Straße Rehsprung in den Gleyeweg einbezogen.[5]

Rudolf Gleye war verheiratet mit Gertrude, die nach seinem Tod in die Steglitzer Straße 80 in Berlin W 35 (heute Berlin-Schöneberg) umzog.[8]

Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rudolf Gleye – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtliche Mittheilungen. In: Centralblatt der Bauverwaltung, XIX. 1899, Nr. 29, S. 169–176; abgerufen am 21. März 2012
  2. a b Gleyes selbst verfasster Lebenslauf anlässlich seiner Dissertation an der TH Braunschweig; Archiv-Nummer N II G 17
  3. Gleye, Rudolf. In: Berliner Adreßbuch, 1911, Teil 1, S. 810. „Diplomingenieur“.
  4. Gleye, Rudolf. In: Berliner Adreßbuch, 1914, Teil 1, S. 872. „Dr.-Ing., Stadtbaumeister“.
  5. a b c Gleyeweg (Karlshorst). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  6. Regine Broch: Peter Behrens´ Wohnungsbaukonzepte 1910–1920. Von der repräsentativen Industriesiedlung zur kostengünstigen Kleinsiedlung (PDF; 715 kB) Abschnitt 4: „Die Waldsiedlung von 1919/20“, S. 4 f. (Dissertation) abgerufen am 20. März 2012
  7. Berliner Bademöglichkeiten im beginnenden 20. Jahrhundert auf spree2011.de; S. 7ff., abgerufen am 21. März 2012
  8. Gleye, Gertrude, verw. In: Berliner Adreßbuch, 1927, Teil 1, S. 936.267727
  9. Darstellung zum Lichtenberger Stadion In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 40, 1920 (online nur Inhaltsverzeichnis)
  10. 068. (PDF) In: Zentralblatt der Bauverwaltung, XXXI, 1911, Nr. 68, S. 421–424; abgerufen am 21. März 2012