Rudolf Katzenberger

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Rudolf Katzenberger (* 12. März 1912 in Rastatt; † 4. Dezember 1999 ebenda[1]) war ein deutscher Koch, der mit seiner badischen Küche internationales Ansehen erlangte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katzenberger führte den „Adler“ in Rastatt in fünfter Generation als „Katzenbergers Adler“ weiter, der in den 1960er und 1970er Jahren ein herausragendes badisches Restaurant war. Seit der Einführung von Michelins Gastrokritik 1966 in Deutschland wurde er mit einem Michelin-Stern im Guide Michelin ausgezeichnet.[2] 1972 ging Vincent Klink bei Katzenberger in die Kochlehre.[3] Klink hält das Jahr bei Katzenberger als „meine entscheidende Kocherfahrung“ und bezieht seine „kochende Grundhaltung aus den Erfahrungen von damals“.[4]

Er war Mitglied der Confrérie de la Chaîne des Rôtisseurs, einer internationalen Gemeinschaft von Küchenmeistern und Feinschmeckern.[5] 1979 wurde er neben Arne Krüger einer der Mitbegründer des Rastatter Kreises (Chef International Vereinigung der Küchenchefs und Restaurateure in Deutschland), die „kulinarische Studienreisen in alle Welt“ unternahm, „um sich vor Ort über Erzeugung, Herstellung und Qualität von Produkten zu informieren“.[6] Weiterhin war er ein Mitbegründer des Gastronomieverbunds Romantik Hotels & Restaurants ähnlich dem französischen Pendant Relais & Châteaux. Dieser Selbsthilfeverband entstand als Reaktion auf den Markteintritt von immer mehr ausländischen Hotelketten in Deutschland, da „die deutschen Hoteliers befürchteten, dass deutsche, bodenständige Häuser langsam verschwinden.“[7]

1994 verkaufte Katzenberger das Restaurant nach 170 Jahren im Familienbesitz, gegenwärtig firmiert es unter dem Namen „Da Franco“.

Er war mit der Gastwirtin Irmgard Katzenberger verheiratet.[8] Im Raststatter Kreisarchiv befindet sich der Nachlass der Gastwirtsfamilie.[9]

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Seine Kochbuchsammlung war legendär, er schrieb auch selbst Artikel, viel und gut, allerdings interessierte ihn weniger das Rezepteverfassen als die Philosophie des Genießens und das Ausgraben alter badischer Rezepte. Er war ein glühender Patriot, befreundet mit dem Markgrafen von Baden, Hahn im Korb bei den Baden-Badener Galopprennen und ein geistvoller Salonlöwe. Von Anfang an schien er mich zu mögen und wurde so mein Mentor. Kontakt suchte er nicht nur zu den Gästen, sondern auch zu den Erzeugern und Lieferanten. Er pflegte eine ursprüngliche badische Landesküche, die Karte wechselte Tag für Tag, weil frisch vom Markt und äußerst knapp eingekauft wurde.“

Vincent Klink, 2009.[10]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Frieder Everke: Badische Küche. Eine Auslese aus dem beliebtesten Kochbuch des alten Grossherzogtums mit vielen Anregungen und eigenen Rezepten. Stadler Verlag, Konstanz 1981, ISBN 3-7977-0063-6.
  • mit Ursula Fabian: Rudolf Katzenbergers feine deutsche Küche. Menüs und Rezepte vom Adlerwirt in Rastatt. Mosaik Verlag, München 1983, ISBN 3-570-06939-7.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Wollenschneider: 300 Jahre Gasthaus „Zum Adler“ in Rastatt und der Gastronom Rudolf Katzenberger. In: Heimatbuch 2007, Landkreis Rastatt, 46. Jg., ISBN 3-925553-24-X, S. 195–204.
  • Vincent Klink: Beim badischen Küchengott und Abfälle. In: ders., Sitting Küchenbull. Gepfefferte Erinnerungen eines Kochs. Rowohlt Verlag, Reinbek 2009, ISBN 978-3-498-03546-4, S. 128–143.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ehrenbürger der Stadt Rastatt seit 1810. #25 Rudolf Katzenberger In: Stadt Rastatt, aufgerufen am 6. Juni 2018.
  2. Presseinformation: Michelin-Sterne 1966. (Memento vom 29. Dezember 2009 im Internet Archive). In: Michelin Reifenwerke, 20. Oktober 2009, (PDF; 501 kB)
  3. Klink, Beim badischen Küchengott, S. 128.
  4. Vincent Klink: Katzenbergers Kartoffelsuppe. In: wielandshoehe.de, 22. April 2010.
  5. Vincent Klink: Der lange, erniedrigende Weg zum Küchenchef. In: Die Welt, 5. Dezember 2009.
  6. Barbara Goerlich: Trauer um Gastro-Legende Arne Krüger. In: Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung (AHGZ), 22. Oktober 2010.
  7. Melanie Lechner: Und so fing alles an. In: AHGZ, 9. November 2012.
  8. Irmgard Katzenberger tot. In: AHGZ, 28. Januar 2008.
  9. Nachlass Rudolf Katzenberger, legendärer Adlerwirt und international ausgezeichneter Spitzenkoch, im Raststatter Kreisarchiv. In: Badisches Tagblatt / Archivalia, 7. Januar 2009.