Rudolf Wackernagel

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Rudolf Wackernagel, Friedhof Wolfgottesacker, Basel
Rudolf Wackernagel, Familiengrab auf dem Friedhof Wolfgottesacker, Basel

Rudolf Wackernagel (* 7. Juni 1855 in Basel; † 16. April 1925 ebenda, reformiert, heimatberechtigt in Basel) war ein Schweizer Jurist, Archivar und Historiker.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf Wackernagel war ein Sohn des Germanisten Wilhelm Wackernagel. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Basel studierte er in Basel und Leipzig Rechtswissenschaften. 1877 promovierte er zum Dr. iur.

Ebenfalls 1877 wählte ihn der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt als jüngsten von 17 Bewerbern zum ersten vollamtlichen Staatsarchivar, ein Amt, das er bis 1918 versah. Er leitete die Neuordnung der Archivbestände, die 1904 mit der Veröffentlichung des sogenannten Repertoriums und der Einrichtung eines Planarchivs abgeschlossen wurde. 1899 begründete er anlässlich des Bezugs des heutigen Archivgebäudes an der Martinsgasse die Bilder- und Negativsammlung.[1]

1882–1899 war er zusätzlich Sekretär des Regierungsrats.

Wackernagel betreute mehrere Quelleneditionen und veröffentlichte zahlreiche historische Untersuchungen, so eine breit angelegte Basler Geschichte, die bis zur Gegenwart konzipiert war, die er aber nur bis zur Reformationszeit realisieren konnte. Überdies unterrichtete er 1917–1918 an der Universität Basel als ausserordentlicher Professor für Geschichte.

1894 wurde er ehrenhalber Dr. phil. der Universität Basel, 1917 zudem Dr. theol. ehrenhalber. Ab 1877 gehörte Wackernagel dem Vorstand der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft seiner Vaterstadt an und war 1887–1917 Herausgeber der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. 1882–1907 war er überdies Mitherausgeber des Basler Jahrbuchs. 1920 zählte er zu den Gründern der Genossenschaft zur Herausgabe der Schweizerischen Monatshefte für Politik und Kultur. 1921 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und der Göttinger Akademie der Wissenschaften[2] gewählt.

Rudolf Wackernagel war auch als literarischer Schriftsteller tätig, insbesondere als Verfasser von Festspielen. Zudem verfasste er das Libretto von Hans Hubers erster Oper Weltfrühling. Wie schon sein Vater lebte Wackernagel im Hintere Württemberger Hof. Die Liegenschaft hatte sein Vater von Wilhelm Martin Leberecht de Wette gekauft. Hermann Hesse ein enger Freund der Wackernagel[3], hatte 1901 über den Hintere Württemberger Hof ein Gedicht verfasst[4].

Rudolf Wackernagel war der jüngere Bruder des Indogermanisten Jacob Wackernagel und Vater des Kunsthistorikers Martin Wackernagel. Nach Rudolf Wackernagel ist in Riehen eine Strasse benannt.

Wissenschaftliche Werke und Quelleneditionen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte der Stadt Basel
  • (mit Albert Burckhardt) Geschichte und Beschreibung des Rathauses zu Basel, Basel 1886
  • Urkundenbuch der Stadt Basel, 11 Bände, Basel 1890–1910 (Bearbeiter gemeinsam mit Rudolf Thommen)
  • (mit Karl Stehlin) Baugeschichte des Basler Münsters, Basel 1895
  • Geschichte der Stadt Basel, 3 Bände (in 4 Teilen), Basel 1907–1924
  • Geschichte des Elsasses, Frobenius, Basel 1919, OCLC 10841604, DNB 578682222.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Rudolf Wackernagel – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Staatsarchiv Basel: Bilder- und Negativsammlung. Abgerufen am 10. Juni 2019.
  2. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 249.
  3. Dominik Heitz: Autoren in Riehen: Der Schriftsteller Hermann Hesse. Abgerufen am 22. August 2019.
  4. Basler Bauten, Hintere Württemberger Hof: Gedicht von Hesse. Abgerufen am 12. Oktober 2019.