Schweizer Monat

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Schweizer Monat
Logo Schweizer Monat
Beschreibung Schweizer Monatszeitschrift
Verlag SMH Verlag AG (Schweiz)
Hauptsitz Zürich
Erstausgabe April 1921 (als Schweizerische Monatshefte für Politik und Kultur)
Erscheinungsweise 10 Mal jährlich
Verkaufte Auflage
(eigene Angaben[1])
6'500 Exemplare
Reichweite (eigene Angaben[1]) 0.018 Mio. Leser
Chefredaktor Michael Wiederstein
Geschäftsführer Andy Fischer
Weblink schweizermonat.ch
ISSN (Print) 0036-7400

Der Schweizer Monat. Die Autorenzeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur, vormals Schweizer Monatshefte, ist eine Schweizer Monatszeitschrift. Sie erscheint seit 1921 ununterbrochen in Zürich und sieht sich in der Tradition des Liberalismus.

Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schweizer Monat vertritt nach eigenen Angaben «klassisch liberale Werte wie Eigenverantwortung, Wahl- und Meinungsfreiheit, Föderalismus und direkte Demokratie».[2] Das Magazin setze «mit liberalem Profil und Freude an der intellektuellen Auseinandersetzung auf den kritischen Diskurs, auf mutige Autoren, prononcierte Meinungen und mündige Leser».[3] Herausgeber und Chefredaktor war bis Ende 2015 der Philosoph René Scheu, im Januar 2016 übernahm der Historiker Florian Rittmeyer die unternehmerische und publizistische Leitung interimistisch.[4] Seit September 2016 führen der Literaturwissenschaftler Michael Wiederstein (Chefredaktor) und der Journalist Andy Fischer (Verlagsleiter) Verlag und Zeitschrift gemeinsam.[5]

Die NZZ nennt die Zeitschrift eine «Institution». Sie reflektiere aus «pointiert liberaler Warte das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Schweiz, aber auch Europas und darüber hinaus», wobei liberal «ordoliberal» bedeute.[6]

Autoren und Interviewpartner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitschrift versteht sich als Autorenzeitschrift, in der eigenständige Köpfe aus Politik, Wirtschaft und Kultur zu Wort kommen.

Das Spektrum ehemaliger und aktueller Autoren umfasst:

Jede Ausgabe enthält längere Gespräche mit

Kolumnisten des Magazins waren u. a. der Publizist Gottlieb F. Höpli, der Schriftsteller Felix Philipp Ingold, der Kunstwissenschaftler Christian Saehrendt, der Soziologe Wolfgang Sofsky, der Managementtheoretiker Reinhard K. Sprenger, das Model Xenia Tchoumitcheva und seit März 2014 die Publizistin Cora Stephan. Im Jahr 2016 schreiben die Juristin und Journalistin Nadine Jürgensen, die Ökonomin und Publizistin Karen Horn sowie Christian P. Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement, Kolumnen für die Zeitschrift. In jeder Ausgabe erscheint ausserdem ein Cartoon des Duos «Stoifberg/Baeriswyl».

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitschrift wurde 1921 unter dem Titel Schweizerische Monatshefte für Politik und Kultur gegründet. Ab 1931 lautete der Titel Schweizer Monatshefte, 1952 änderte sich der Untertitel zu Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur. Ihre Gründer kamen zum grössten Teil aus dem Volksbund für die Unabhängigkeit der Schweiz und dem Deutschschweizerischen Sprachverein und traten für die staatliche und kulturelle Eigenständigkeit der Schweiz in Verbindung zur deutschen Kulturnation ein. Hans Oehler, der seit der Gründung als Redaktor der Monatshefte wirkte, sympathisierte mit der Neuen Front, was im März 1934 zu seiner Entlassung führte.[7]

Fritz Rieter, der 1940 zu den Erstunterzeichnern der Eingabe der 200 gehörte, gründete 1966 die Stiftung Schweizer Monatshefte, um die Herausgabe der Zeitschrift zu gewährleisten.[8] Er unterstützte nach dem Zweiten Weltkrieg den offenen Kurs der neuen Redaktion, zu der u. a. der Rechtswissenschaftler Dietrich Schindler, der Literaturtheoretiker Hans-Jost Frey, der Literat Daniel Bodmer und der Politikwissenschafter Daniel Frei stiessen.

Die Zeitschrift gehörte seit den 1950er Jahren zu einem breiten liberalen Netzwerk, zu dem die NZZ, die Mont Pelerin Society, der Vorort, das Institut für Auslandforschung und das Institut universitaire de hautes études internationales gehörten.[9] NZZ-Redaktoren publizierten regelmässig in den Monatsheften, so Carlo Mötteli und Ernst Bieri, später auch Fred Luchsinger, Willy Linder und Richard Reich, wobei Reich zugleich Vorstandsmitglied des Vereins zur Herausgabe der Zeitschrift war. Der Ordoliberalismus wurde breit rezipiert.[6] In den 1960er, 1970er und 1980er Jahren prägten François Bondy und Anton Krättli den ebenso weltoffenen wie kulturbetonten Kurs der Redaktion. Die Zeitschrift bot vielen internationalen Autoren aus dem liberalen Spektrum die Möglichkeit, Beiträge im deutschen Sprachraum zu publizieren. Karl Popper, Ludwig von Mises, Wilhelm Röpke und Friedrich August von Hayek publizierten exklusiv in den Schweizer Monatsheften, aber auch Theodor Adorno, Arnold Gehlen und Herbert Lüthy, zugleich Vorstandsmitglied der Monatshefte, waren mit zahlreichen Essays vertreten. Die Schweizer Monatshefte boten auch Schriftstellern wie Hermann Hesse, Max Frisch, Emil Staiger, Hermann Burger, Hugo Loetscher oder Adolf Muschg eine Plattform. In den 1990er Jahren führten die beiden Herausgeber Robert Nef und Michael Wirth die liberale Tradition der Zeitschrift fort; sie hielt auch nach 2007 unter den neuen Herausgebern René Scheu und Suzann-Viola Renninger an. 2011 bis Ende 2015 war René Scheu alleiniger Herausgeber.

Seit März 2011 tragen die vormaligen Schweizer Monatshefte den neuen Titel Schweizer Monat.[10] René Scheu, damals Herausgeber und Chefredaktor, positionierte das neue Magazin im ersten Editorial als «sachlich, freiheitlich, mit Lust an der Debatte».[11]

Im Mai 2011[12] lancierte die Zeitschrift ihre Literaturbeilage Literarischer Monat.[13] Das Literaturmagazin liegt dem Schweizer Monat seitdem zweimonatlich bei, ist seit März 2013 aber auch in einem eigenständigen Abonnement zu beziehen. Der Literarische Monat setzt die literarische Tradition des Magazins fort und widmet sich dem Schweizer Literaturschaffen der Gegenwart. Jede Ausgabe enthält einen eigenen Themenschwerpunkt mit Essays zu einem Phänomen oder einer Person des literarischen Lebens der Schweiz. Schriftsteller des Landes kommen in Texten und Interviews zu Wort, es erscheinen aktuelle Kurzgeschichten, literaturwissenschaftliche Essays und Rezensionen von Neuerscheinungen in Form literarischer Kurzkritiken. Im Literarischen Monat publizierten u. a. die Schriftsteller Melinda Nadj Abonji, Arno Camenisch, Eveline Hasler, Vea Kaiser, Christian Kracht, Thomas Meyer, Adolf Muschg, Giovanni Orelli, Ilma Rakusa, Peter Stamm und Jonas Lüscher.

Rezeption Schweizer Monatshefte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizer Monatshefte spielten in der Nachkriegszeit eine bedeutende Rolle in der europäischen Zeitschriftenlandschaft. In den 1970er und 1980er Jahren begann ihre Bedeutung zu schwinden. Nach der Jahrhundertwende wurden von den Herausgebern Anstrengungen unternommen, die Zeitschrift neu zu lancieren. Die Auflage stieg darauf kontinuierlich und betrug im September 2011 4500 Exemplare[14] (2013 5500[6], 2016 6500 Exemplare[1]).

Heribert Seifert kommentierte 2008 in der NZZ, die Schweizer Monatshefte sprächen im Vergleich zu anderen Zeitschriften mit ähnlicher politischer Stossrichtung mit «ruhiger Stimme» und gäben sich «gediegen-nachdenklich».[15]

Die Schweizer Monatshefte (heute der Schweizer Monat) werden auch in Deutschland und Österreich gelesen. Thomas Steinfeld bezeichnete die Zeitschrift im Feuilleton-Aufmacher der Süddeutschen Zeitung vom 31. Juli/1. August 2010 als «Zentralorgan zur Ermittlung des politischen Selbstverständnisses in diesem Land [der Schweiz]».

Rezeption Schweizer Monat nach Relaunch im März 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die NZZ schrieb von einem «Modernisierungsschub», der Schriftbild und Gestaltung erfasst habe: Das Magazin sei den Werten von «Liberalismus, Markt und Unternehmergeist» treu, hebe sich aber «weiterhin vom durchschnittlichen Magazinstil» ab. Im Vordergrund stünden weder «gefällige Geschichten» noch «laut inszenierte Recherchen», sondern «meinungsorientierte Beiträge» und «auf Debattierfreudige ausgerichtete Texte».[16] Die Zeitschrift folge nach dem Relaunch den Traditionen der Schweizer Monatshefte, die «ein Gewissen aus Vernunft und Urbanität» alimentiert hätten. Das «Rezept aus Bewährtem und offensiver Neugier» werde sekundiert durch profilierte Autoren, «die aus eigenem Wirken heraus viel zu sagen haben».[17]

Der Tages-Anzeiger siedelt den Schweizer Monat zwischen Cicero und Weltwoche an. Er lobte die «radikale Auffrischung».[18]

Der sich als links verstehende Historiker Adrian Zimmermann[19] veröffentlichte Ende März 2011 in der WOZ anlässlich der Neulancierung der Zeitschrift einen kritischen Artikel. Er wirft der heutigen Herausgeberschaft und Redaktion vor, im Gegensatz zu früheren Jubiläumsausgaben 1971 und 1996, «die durchaus selbstkritische Züge trugen», die problematische Zeit unter dem ersten Chefredaktor Oehler auszublenden. Zimmermann äusserte die Befürchtung, dass der Schweizer Monat sich von der Vergangenheit möglicherweise deshalb nicht distanziere, «weil man sich tatsächlich weiterhin in derselben autoritären und sozialdarwinistischen Tradition sieht wie die Gründer der SMH, dies aber nicht allzu offen sagen will».[20]

Aus Sicht des St. Galler Tagblatts setzt der Schweizer Monat die «Tradition der Querdenkerei» fort und ist eine «Zeitschrift, die in viele Richtungen vorstösst, gewiss bürgerlich in der Grundtendenz, aber auch sehr debattierlustig».[21]

Der Schweizer Autor und Journalist Jürg Altwegg sprach in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von einem «radikalen Facelifting» – das Magazin biete eine «vielfältige Mischung von Themen und durchaus auch Meinungen», wobei «der Liberalismus als Programm und Credo» geblieben sei. Der Ton der «Autorenzeitschrift im Magazinformat» sei «frischer, frecher und fordernder geworden». Als offensiv empfand der Rezensent die seitengrossen Autorenportraits – «zum Glück ist man bei Schwarzweiss geblieben».[22] Eine zweite Besprechung im September 2011 betonte die Konzentration auf Inhalte und Debatten wie jene über die Zukunft der Europäischen Union, eine Debatte, in der Hans Magnus Enzensberger, Michael Stürmer und Wolfgang Clement zu Wort kommen.

Die Berner Tageszeitung Der Bund lobte die «edel und gediegen wirkende Aufmachung», «die Prominenz, mit der sich die Zeitschrift schmückt», und nannte sie eine Publikation «ausserhalb des sozialdemokratischen Mainstreams».[14]

Beachtung finden auch die literarischen Anstrengungen der Zeitschrift. Die neue Sonderbeilage «Literarischer Monat» mit Fokus auf Schweizer Literatur wird etwa von der Literaturkritikerin Pia Reinacher als «Stachel im Fleisch der eingesessenen Deutschschweizer Feuilletons» beschrieben.[23]

Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2003 bis 2011 wurde in jeder Ausgabe ein bildender Künstler mit rund acht ganzseitigen Abbildungen seiner Werke und einem Essay von Suzann-Viola Renninger vorgestellt; darunter waren etwa Jim Avignon, Hans Danuser, Thomas Huber, Roman Signer, Annelies Štrba oder Beat Zoderer. Seit 2011 führt Johannes M. Hedinger in der Rubrik Was macht die Kunst? Gespräche mit Künstlern wie The Yes Men, Hansruedi Giger, Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger, Bazon Brock, Ingeborg Lüscher und Hans Ulrich Obrist, aber auch mit Kunstwissenschaftern wie Beat Wyss, Heike Munder und Jens Badura.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Sprecher: Schweizer Monat 1921–2012. Eine Geschichte der Zeitschrift. SMH Verlag AG, Zürich 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Werbung. In: Website des Schweizer Monats.
  2. Profil. In: Schweizer Monat. Abgerufen am 3. Dezember 2011.
  3. Leitbild. In: Schweizer Monat. Abgerufen am 3. Dezember 2011.
  4. Florian Rittmeyer folgt auf René Scheu. In: persoenlich.com. 17. Dezember 2015.
  5. schweizermonat.ch
  6. a b c Urs Hafner: Geld für Geist. Eine Geschichte der Zeitschrift «Schweizer Monat». In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Februar 2013.
  7. Alfred Cattani: Kaleidoskop der Jahrzehnte. Eine Bilanz im Spiegel der Schweizer Monatshefte. In: Schweizer Monatshefte. Nr. 7/8, 1996, S. 12.
  8. Hans Rudolf Fuhrer: Rieter, Fritz. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. Dezember 2011.
  9. Andrea Franc: Schweiz, Filz und Neoliberalismus. In: Schweizer Monat. Februar 2013, abgerufen am 21. Februar 2012.
  10. Wir erfinden uns neu… In: Schweizer Monat. März 2011, abgerufen am 3. Dezember 2011.
  11. Editorial. In: Schweizer Monat. April 2011, abgerufen am 3. Dezember 2011.
  12. Sonderbeilage des «Schweizer Monat» für Feuilleton-Freunde. In: kleinreport.ch. Mai 2011, abgerufen am 16. Oktober 2012.
  13. Website des «Literarischen Monats»
  14. a b Artur K. Vogel: Perspektiven: Die Zeitung der Zukunft. In: Der Bund. 10. September 2011, abgerufen am 3. Dezember 2011.
  15. Heribert Seifert: Gegen Wischiwaschi-Liberalismus. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Februar 2008, abgerufen am 3. Dezember 2011.
  16. Rainer Stadler: Goldiger Liberalismus. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. März 2011, abgerufen am 3. Dezember 2011.
  17. Martin Meyer: Liberal mit frischem Wind. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Juli 2011, abgerufen am 3. Dezember 2011.
  18. Guido Kalberer: «Schweizer Monatshefte». Neuer Name und neues Layout zum 90. Geburtstag. In: Tages-Anzeiger. 3. März 2011.
  19. Warum wir Sozialistinnen und Sozialisten sind. Beitrag zu einer modernen Sozialdemokratie. In: Website von Andreas Ladner. Januar 2004.
  20. Adrian Zimmermann: Der «Schweizer Monat» – reaktionär seit 1921. In: Die Wochenzeitung. 31. März 2011, abgerufen am 3. Dezember 2011.
  21. Rolf App: Anregende Gedanken. In: St. Galler Tagblatt. 12. Juli 2011.
  22. Jürg Altwegg: Das ist die Liebe der Kannibalen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. August 2011, abgerufen am 3. Dezember 2011.
  23. Jürg Altwegg: Gurken, Sparlampen und als Honorar ein Whiskey. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 23. September 2011, abgerufen am 3. Dezember 2011.