Safranrebendolde

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Safranrebendolde
Oenanthe crocata 001.JPG

Safranrebendolde (Oenanthe crocata)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Wasserfenchel (Oenanthe)
Art: Safranrebendolde
Wissenschaftlicher Name
Oenanthe crocata
L.

Die Safranrebendolde (Oenanthe crocata), auch als Giftige Rebendolde bekannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Oenanthe innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Der Gattungsname Oenanthe setzt sich aus den altgriechischen Wörtern οίνος oinos für „Wein“ und ἄνθος ánthos für „Blüte“ oder „Blume“ zusammen, was sich auf die an Trunkenheit erinnernde Benommenheit bei beginnender Vergiftung zurückführen lässt;[1] das Artepitheton crocata bedeutet „safrangelb“ und bezieht sich auf den sich an der Luft gelbfärbenden Saft. Albrecht von Haller hielt sie für „die wahre Herba Sardoa der Alten“,[2] mit der die Urbevölkerung Sardiniens alte Leute und Verbrecher getötet haben soll – eine Ansicht, zu der im Jahre 2009 eine Studiengruppe unter Leitung des Chemikers Giovanni Appendino[3] ebenfalls gelangte.[1]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Safranrebendolde ist eine zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von maximal 150  cm erreicht. Der kurze, dicke und geringelte „Wurzelstock“ ist knollig mit bis zu 6 mehr oder weniger verdickten Wurzeln von fleischiger bis gelblicher Farbe. Der Pflanzensaft ist goldgelb milchig. Die gesamte Pflanze ist unbehaart. Der verzweigte Stängel ist hohl, gerillt und gestreift. Sie besitzt zwei- bis vierfach gefiederte Laubblätter mit gefurchtem Stiel.

Gegen Juni beginnt die Blütezeit. Der lang gestielte Blütenstand ist eine vielstrahlige Doppeldolde. Die 10 bis 40 Strahlen und die Blütenstiele verbreitern sich nicht bis zur Fruchtreife. Die vielen fünfzähligen Blüten sind weiß. Der Griffel ist etwa halb so lang wie die Frucht. Die zylindrischen Früchte sind 4 bis 6 mm lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[4]

Giftpflanze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giftige Pflanzenteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Toxisch ist die gesamte Pflanze, besonders weist aber der Wurzelstock giftige Wirkung auf. Das Kraut scheint die Giftstoffe weniger konzentriert zu enthalten. Der Pflanzensaft tritt bei Schnittwunden deutlich aus. Er hat die Eigenschaft, dann nachzudunkeln. Er enthält Polyethine, die an der Luft schnell zerstört werden und im Wurzelfleisch länger erhalten bleiben. Im Winter und zeitigen Frühjahr ist der Polyethingehalt am höchsten. Bemerkenswert ist, dass die Pflanze bei Verzehr anders als nahe verwandte Arten weder bitter schmeckt noch einen Brennen auf der Zunge erzeugt, sondern im Gegenteil einen paradoxen süßen und angenehmen Geschmack und Geruch besitzt.[1]

Toxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptwirkstoff ist im Spätherbst das giftige Polyethin Oenanthotoxin mit einer LD50 von 2,94 mg/kg Körpergewicht, intraperitoneal injiziert bei einer Ratte. Im Frühjahr ist der Gehalt an der Ethinverbindung Oenanthetol am höchsten, daneben sind Spuren von Oenantheton enthalten. Eine Vergiftung geht mit Symptomen wie Entzündungen und Blasenbildung im Mund, entzündliche Störungen im Verdauungsbereich, Kreislaufbeschwerden, stundenlang anhaltende Krämpfe, Blutungen, Pupillenerweiterung, Trismus und Bradykardie einher. Ein Koma kann ebenfalls eintreten, manchmal auch allgemeine Empfindungslosigkeit. Nach der Rückkehr des Bewusstseins nach einem Koma kann eine Amnesie vorliegen. Eine Phase der 3-tägigen Remission ist möglich. In 10  dokumentierten Fällen soll eine Vergiftung mit der Safranrebendolde bereits tödlich ausgegangen sein.

Bei Weidevieh wurden nach der Aufnahme der Safranrebendolde ebenfalls Krämpfe nachgewiesen.

Heilkunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Safranrebendolde (Oenanthe crocata)
Doppeldolde von oben

Bei Matthiolus wirken die Wurzeln hustenlindernd, steintreibend und gegen Einnässen. Andere verwendeten Oenanthe crocata gegen hartnäckige Hautausschläge oder bei beginnender Epilepsie, besonders mit Tic convulsif, Sprachlähmung und anschließender Somnolenz.[5] Die Homöopathie kennt Oenanthe crocata bei Epilepsie, besonders in Verbindung mit ausbleibender Regel, Schwangerschaft, Priapismus oder nach Verletzungen (wie Cicuta).[6]

Die Pflanze findet in der Homöopathie Verwendung, wo sie in den Verdünnungen D3 und D4 eingesetzt wird. Unter D3 ist die Konzentration zehnfach höher als unter D4 und es können Vergiftungserscheinungen auftreten. Verwendet wird das Homöopathikum Oenanthe crocata bei Epilepsie, Delirien, Schwindel, Ischämischen Schlaganfall und zur Nachbehandlung einer Hirnhautentzündung.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Safranrebendolde ist in Südfrankreich, auf der Iberischen Halbinsel und in Marokko verbreitet. Sie existiert in verschiedenen Feuchtbiotopen. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Marokko, Spanien, Portugal, Frankreich, Korsika, Sardinien, die Balearen, Kreta, Irland, Großbritannien, Belgien, Italien, Israel, Syrien, Libanon und Jordanien.[7] In den Niederlanden ist die Art ein Neophyt.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. 5. Aufl., Nikol, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86820-009-6.
  • T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 2: Rosaceae to Umbelliferae. Cambridge University Press, Cambridge 1968, ISBN 0-521-06662-X, S. 339 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Giovanni Appendino, Federica Pollastro, Luisella Verotta, Mauro Ballero, Adriana Romano, Paulina Wyrembek, Katarzyna Szczuraszek, Jerzy W. Mozrzymas, Orazio Taglialatela-Scafati: Polyacetylenes from Sardinian Oenanthe fistulosa: A Molecular Clue to risus sardonicus. In: Journal of Natural Products. Band 72, Nr. 5, 2009, S. 962–965, doi:10.1021/np8007717, PMID 19245244, PMC 2685611 (freier Volltext) – (ausführlich in Sardonismus).
  2. Heinrich Gottfried von Mattuschka: Flora Silesiaca, oder Verzeichniß der in Schlesien wildwachsenden Pflanzen. Erster Theil. Leipzig 1776, S. 520 (Ansicht in der Google-Buchsuche): „… wiewohl Herr von Haller der Meinung ist, daß die Oenanthe crocata die wahre Herba Sardoa der Alten sey.“
  3. Professor für Organische Chemie in der Pharmazeutischen Fakultät der Università del Piemonte Orientale: Docenti - Dipartimento di Scienze del FarmacoGiovanni Battista Appendino
  4. Oenanthe crocata bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  5. Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band III. Olms, Hildesheim / New York 1979, ISBN 3-487-05891-X, S. 2006–2009 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938).
  6. Peter Vint (Hrsg.): Der Neue Clarke. Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker. Band 3. Dr. Grohmann GmbH, Bielefeld 2001, ISBN 3-928953-13-3, S. 3853–3862 (nach John Henry Clarke: Dictionary of Praktical Materia Medica).
  7. a b R. Hand (2011): Apiaceae. – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Oenanthe

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Safranrebendolde – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien