Salinen von Fuencaliente

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Teil der Saline. Im Hintergrund die Pumpstation und das Gebäude mit der Salzmühle, Trockenofen und Verpackung

Die Saline von Fuencaliente ist die letzte aktiv betriebene Saline der die Inseln La Gomera, Teneriffa, La Palma und El Hierro umfassenden Provinz Santa Cruz de Tenerife. Sie liegt in der Region Fuencaliente de La Palma auf der Südspitze La Palmas, direkt neben dem Leuchtturm Faro de Fuencaliente, und umfasst eine Fläche von ca. 35.000 m². Der Untergrund der Becken besteht aus feinem Lehm, die Begrenzungen aus Lavagestein. Diese Bauart heißt auch „Salina nueva de barro con forra de piedra“ oder Typ Lanzarote. Durch diese Bauart sind die Becken leicht zu pflegen.[1] Betrieben wird die Saline von dem Familienunternehmen Salinas Marinas de Fuencaliente S.L in der dritten Generation.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in Richtung der Vulkane Teneguía und San Antonio

Gegründet wurde die Saline 1967 durch Don Fernando Hernandez, der sich entgegen allen Ratschlägen von anderen Salinenbetreibern der Kanaren an das Projekt wagte. Unterstützt wurde er dabei von dem erfahrenen Salinenmeister Don Luis Rodriguez. Bereits im Jahr 1971 musste die Saline für mehr als ein Jahr die Arbeit einstellen. Grund war der Ausbruch des Vulkans Teneguía, der nur etwas oberhalb der Saline liegt und dessen Lavaströme in der Nähe des benachbarten Leuchtturms ins Meer flossen. Der Vulkanausbruch hätte beinahe das Ende der Saline bedeutet. Einer der Lavaflüsse kam nur knapp 200 m vor der Saline zum Stehen.[2] Seither wird das Salz unter dem Markennamen Sal Marina Teneguía vermarktet. In den folgenden Jahren kamen Botaniker, Ornithologen, Geologen und Wissenschaftler anderer Fachrichtungen in das Gebiet, um Flora, Fauna und geologische Prozesse zu studieren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse führten dazu, dass die Saline 1994 zum Gebiet wissenschaftlichen Interesses (Sitio de Interés Científico) erklärt wurde.[3] Die zu diesem Gebiet gehörige Fläche ist sieben Hektar groß und gehört zum Naturdenkmal Los Volcanes de Teneguía. Im Jahre 1994 erhielt der Betreiber Gelder aus einem Fond der UNESCO, die zur Renovierung und Erweiterung der Anlage dienten. Die Anerkennung als Gebiet wissenschaftlichen Interesses hatte allerdings zur Folge, dass das geplante Museum und ein Restaurant nicht gebaut werden konnten, da eine andere Nutzung der Saline als zur Salzgewinnung nicht erlaubt war. Erst nach jahrelangem Tauziehen wurde im Jahr 2012 die Genehmigung zum Bau eines Besucherzentrums mit Museum und Restaurant erteilt.[4][5][6]

Salzgewinnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Becken mit bereits stark auskristallisiertem Salz

Die jährlich gewonnene Salzmenge beläuft sich auf ca. 500 Tonnen. Der größte Teil des Salzes verbleibt auf La Palma, der überwiegende Rest wird auf die übrigen Inseln verkauft. Allerdings wird auch auf Bestellung in andere Länder der EU exportiert. Die Gewinnung des Salzes erfolgt auf traditionelle Weise von Hand. Dabei kommen in den Salzbecken ausschließlich die traditionellen Werkzeuge Cedazo (Sieb), Pala (Schaufel), Rastrillo (Rechen) und Carretilla (Schubkarren) zum Einsatz. Die Salzgewinnung findet in der Zeit von Mai bis ca. November statt. Die Zeit vor und nach der Salzernte wird zur Instandhaltung der Saline genutzt. Das zur Salzgewinnung benötigte Salzwasser wird über Pumpen aus dem tieferliegenden Atlantik in die Becken gepumpt. Die Saline verfügt über eine Salzmühle, eine Verpackungsanlage und einen Trockenofen.[1][7][8]

Hergestellt werden folgende Salzarten:

  • Grobkörniges Meersalz
  • Feinkörniges Meersalz
  • Salzblume (Flor de Sal)

Das gewonnene Salz ist frei von Rieselstoffen oder andere chemischen Additiven. Lediglich das „Flor de Sal“ wird, außer in seiner reinen Form, auch in veredelter, aromatisierter Form angeboten. Dabei kommen allerdings nur natürliche Zusätze wie z. B. Zeus-Negramol-Wein, Zitronen und aus Paprikaschoten hergestelltes Mojo zum Einsatz. Dass das Salz trotzdem kein Öko-Siegel trägt, hängt damit zusammen, dass es in Spanien nicht als landwirtschaftliches Produkt, sondern als Mineral eingestuft wird.[9]

Besucherzentrum und Lehrpfad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Besucherzentrum Centro de Interpretación Salinas de Fuencaliente

Das Besucherzentrum „Centro de Interpretación Salinas de Fuencaliente“ beherbergt im Erdgeschoss das im September 2013 eröffnete Themenrestaurant „El Jardín de la Sal“[10] sowie einen kleinen Shop, in dem Salz, andere regionale Produkte und Souvenirs erworben werden können. Unter anderem kann hier Salz verkostet werden. Auf der Dachterrasse befindet sich eine Kaffeebar. Das im Untergeschoss geplante Museum mit Ausstellung befindet sich (Stand Juli 2018) noch im Aufbau. Neben dem Besucherzentrum wurde ein Schaubecken angelegt. Über das Gelände der Saline führt ein Lehrpfad in Form eines Rundweges. An den einzelnen Stationen werden auf Schautafeln der Salzgewinnungsprozess und die Flora und Fauna erklärt. Bei der Planung des Gebäudes wurde viel Wert darauf gelegt, dass es sich gut in die Saline und die Umgebung einfügt und für den Bau ausschließlich Natursteine verwendet. Da wegen strenger Auflagen das Gebäude in seiner Höhe begrenzt war, wurde für das geplante Museum ein Untergeschoss angelegt.[7]

Wirtschaftliche Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untergeschoss des Besucherzentrum Centro de Interpretación Salinas de Fuencaliente

Die Produktion von Meersalz auf den Kanarischen Inseln ging im Laufe der Zeit immer mehr zurück. So mussten im Laufe der Zeit die meisten Salinen auf den Kanarischen Inseln aufgeben. Im Jahr 2017 waren von einstmals 60 Salinen nur noch 10 aktiv. Auch die Saline von Fuencaliente ist und war dem wirtschaftlichen Druck ausgesetzt. Verstärkt wurde dieser Druck zusätzlich dadurch, dass Anfang der 1990er Jahre der Import von preisgünstigem Salz vom spanischen Festland und aus anderen Ländern auf die Kanaren (dem traditionellen Absatzorten der Saline) zunahm. Dieser Umstand zwang den Betreiber, sein Salz trotz hoher Produktionskosten aufgrund der handwerklichen Gewinnung zu sehr niedrigen Preisen zu verkaufen. Seit einigen Jahren hat sich die wirtschaftliche Lage entspannt. Mit dem Bau des Besucherzentrums mit Shop und Restaurant und der Aufnahme des Flor de Sal in die Produktpalette konnte der Umsatz gesteigert werden. Letzteres wird über einen Vertriebspartner in Feinkostläden auch auf dem europäischen Festland angeboten.[7][9]

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Becken mit durch Dunaliella salina rot gefärbten Wasser
Gallotia galloti palmae – Endemisch auf La Palma lebende Kanareneidechse

Zu den speziell an den hohen Salzgehalt angepassten Pflanzen und Tieren, die in den Salzbecken der Saline vorkommen, gehören unter anderem die Ruppia maritima aus der Familie der Saldengewächse, die Alge Dunaliella salina (die für die rötliche Färbung des Wassers der Becken verantwortlich ist) und der Salinenkrebs (Artemia salina). Die Saline dient ca. 30 verschiedenen Arten von Zugvögeln als Rastplatz. Im Zuge der Zertifizierung zur Sitio de Interés Científico wurde eine Vielzahl von zum Teil nur auf La Palma endemisch vorkommenden seltenen und geschützten Tier- und Pflanzenarten auf dem geschützten Areal erfasst.[11][12]

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name
Kanaren-Ampfer Rumex lunaria
Seidenhaarige Schizogyne Schizogyne sericea
Frankenia Frankenia ericifolia
Kanarischer Beifuss Artemisia thuscula
Stumpfblättrige Wolfsmilch Euphorbia obtusifolia
Nymphendolde Astydamia latifolia

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vögel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name
Steinwälzer Arenaria interpres
Sandregenpfeifer Charadrius hiaticula
Alpenstrandläufer Calidris alpina
Stelzenläufer Himantopus himantopus
Grünschenkel Tringa nebularia
Sanderling Calidris alba
Rotschenkel Tringa totanus
Regenbrachvogel Numenius phaeopus
Kiebitzregenpfeifer Pluvialis squatarola
Kanarenpieper Anthus berthelotii
Einfarbsegler Apus unicolor
Graureiher Ardea cinerea
Waldohreule Asio otus canariensis
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name
Felsentaube Columba livia
Uferschnepfe Limosa limosa
Kampfläufer Philomachus pugnax
Kubaflamingo Phoenicopterus ruber
Kanaren-Zilpzalp Phylloscopus canariensis
Alpenkrähe Pyrrhocorax pyrrhocorax
Säbelschnäbler Recurvirostra avosetta
Kanarengirlitz Serinus canarius
Fluss-Seeschwalbe Sterna hirundo
Brandseeschwalbe Sterna sandvicensis
Turteltaube Streptopelia turtur
Samtkopf-Grasmücke Sylvia melanocephala ssp. leucogastra
Seeregenpfeifer Charadrius alexandrinus

Fledermäuse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name
Madeira-Fledermaus Pipistrellus maderensis

Reptilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name
La Palma Kanareneidechse (Rotbart) Gallotia galloti palmae
Kanarengecko Tarentola deladandii

Insekten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name
Schwarzkäfer[Anmerkung 1] Arthrodeis obesus ssp. simillimus
Schmetterlingsmücken[Anmerkung 1] Nemapalpus flavus
Laufkäfer[Anmerkung 1] Olisthophus palmensis
Vierpunktige Sichelschrecke Phaneroptera nana
Kleinspanner[Anmerkung 1] Scopula guancharia ssp. ilustris
Ironclad beetles[Anmerkung 2] Tarphius affinis
Ohrwürmer[Anmerkung 1] Anatelia troglobia
  1. a b c d e Für diese Insekten existiert kein deutscher Name. Deshalb Angabe des deutschen Namens der Familie
  2. Für dieses Insekt existiert weder ein deutscher Name noch eine deutsche Bezeichnung der Familie. Deshalb Angabe des englischen Namens der Familie

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Volcán de San Antonio mit Besucherzentrum für den San Antonio und Teneguia (Karte)
  • Leuchtturm Faro de Fuencaliente mit dem Informationszentrum des Meeresschutzgebiets der Insel La Palma (Centro de Interpretación de la Reserva de La Palma) direkt neben der Saline.
  • Der Vulkan Teneguía (Karte)
  • Die Heilige Quelle „Fuenta Santa“ (Karte)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Besuch in der Saline von Fuencaliente – www.la-palma-aktuell
  2. Juan Carlos Díaz Lorenzo: El volcán de Teneguía - crónica de una erupción del siglo XX - Tauro Producciones, Tegueste (Tenerife) 2001, ISBN 84-88605-63-3
  3. Sitio de Interés Científico, auf gobiernodecanarias.org. Abgerufen am 11. September 2018.
  4. Salinen von Fuencaliente bekommen Besucherzentrum. Wochenblatt - Die Zeitung für die kanarischen Inseln vom 9. August 2012.
  5. Geschichte der Saline. Homepage der Salinas Marinas de Fuencaliente S.L (englisch), abgerufen am 10. September 2018.
  6. Rainer Olzem, Tim Reisinger: Die Eruption des Teneguía 1971. Schaubilder mit Lavaflüssen des Ausbruches.
  7. a b c Die Geschichte einer fleißigen Salzgärtner-Familie, in La Palma 24 Journal, das Online-Magazin für La Palma. vom 26. März 2011.
  8. Meersalz - Salinas Fuencaliente, Portal de Cacarias, abgerufen am 10. September 2018.
  9. a b 50 Jahre Saline Fuencaliente, in La Palma 24 Journal, das Online-Magazin für La Palma vom 9. Juni 2017.
  10. La Palma: Saline Fuencaliente – Jardin de la Sal, in La Palma 24 Journal, das Online-Magazin für La Palma. vom 5. Oktober 2013.
  11. Besucherzentrum Centro de Interpretación Salinas de Fuencaliente – Schautafeln am Lehrpfad der Saline
  12. Normas de Conservacion Sitio de Interés Científicode Las Salinas de Fuencaliente, auf gobiernodecanarias.org (PDF). Abgerufen am 11. September 2018.