Schellerhau

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Schellerhau
Stadt Altenberg
Koordinaten: 50° 46′ 16″ N, 13° 41′ 40″ O
Höhe: 761 m ü. NHN
Einwohner: 234 (9. Okt. 2016)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1996
Postleitzahl: 01773
Vorwahl: 035052
Schellerhau (Sachsen)
Schellerhau

Lage von Schellerhau in Sachsen

Blick auf Schellerhau
Blick auf Schellerhau

Schellerhau ist ein Ortsteil der sächsischen Stadt Altenberg. Es gehört zum Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Ende 2014 lebten etwa 420 Menschen in Schellerhau.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einst selbständige Gemeinde liegt im östlichen Erzgebirge etwa 8 km nördlich der Staatsgrenze zur Tschechischen Republik und ca. 45 km südlich der Landeshauptstadt Dresden. Schellerhau erstreckt sich auf einer Länge von etwa 4,5 km in nord-südlicher Richtung entlang der Kreisstraße 9045. Nachbarorte sind Altenberg im Süden, Rehefeld im Westen, Bärenfels im Norden und Wald- sowie Oberbärenburg im Osten.

Der Ort wird morphologisch der Nordabdachung des Erzgebirges zugeordnet und trägt Mittelgebirgscharakter. Die Höhenlage beträgt zwischen 650 und 804 m ü. NHN. Die höchste Erhebung der Region ist der Kahleberg mit 905 m ü. NHN. Der Ort wird von weitläufigen Nadelwäldern umgeben, in denen die gemeine Fichte vorherrschend ist. An nachgeordneter Stelle treten Birke, Buche, Eberesche und Ahorn auf. Die Siedlung entstand durch Rodungen zu beiden Seiten der heutigen Dorfstraße. Die dadurch gewonnenen Freiflächen wurden als Ackerbaufläche und Weideland genutzt. Die Feldsteine wurden entlang der senkrecht zur Straße verlaufenden Flurstücksgrenzen aufgeschichtet und bilden ökologisch wertvolle Steinrücken. Die so entstandene Siedlungsstruktur wird als Waldhufendorf bezeichnet.

Die Vorflut wird von der Roten Weißeritz gebildet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sage zur Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines Tages hatte der Teufel wieder einmal Streit mit seiner Großmutter. Er verließ wutentbrannt die Hölle. In seinen Sack hatte er eine Anzahl Häuschen gepackt. Er wollte sich irgendwo auf der Erde selbständig machen. Allerdings hatte er nicht bemerkt, dass auch ein Stück glühende Kohle vom Höllenfeuer mit in den Sack geraten war. Als er nun gerade über die Schellerhauer Höhen flog, brannte die Kohle ein Loch in den Sack und der Teufel verlor ein Haus nach dem anderen. Die Häuser fielen in großem Abstand voneinander auf die Höhe. Als nun der Teufel merkte, dass er fast alle Häuser verloren hatte, warf er den Rest hin und rief: „Zum Schinder!“ Seitdem muss im letzten Haus von Schellerhau der Schinder wohnen.[2]

Tatsächlich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schellerhau auf einer Karte von Hermann Oberreit (1821)
Schellerhau um 1900

Die erste nachweisliche Besiedlung geht auf das Jahr 1534[3] zurück. Auf der weiteren Suche nach abbauwürdigem Erz veranlasste Magnus von Bernstein auf Bärnstein dass, Hans Schelle eine Siedlung an der Silberstraße von Altenberg nach Freiberg zu gründen, um zunächst die Altenberger Gruben mit Holz und Kohle zu versorgen soll. Das Erbgericht des Ortes wurde dem Hans Schelle zugewiesen, welcher erster Richter wurde, ihm folgte der im Jahre 1609[4] genannte Martin Baumgart auf seinem Amt als Richter. Allmählich entwickelte sich aber ein selbständiges Waldhufendorf mit großen Flurstücken zur Selbstversorgung der Bergleute mit Nahrungsmitteln, sodass im Jahre 1561 eine eigene Pfarrstelle mit Holzkirche nach belehenen Brief [5] des Herzogs von Sachsen, durch den ersten Pfarrer "Magister Antonius Lauterbach" eingeweiht werden konnte.[6] Bereits im Jahre 1590 begann im Auftrag des Caspar von Bernstein, der Bau, der Schellerhauer Mahlmühle. Nachdem der Schellerhauer Zinnerz-Bergbau im Dreißigjährigen Krieg zum Erliegen gekommen war, mussten die kargen Landhufen die oft sehr kinderreichen Familien ernähren. Da dies nicht ausreichte, betrieb ein beachtlicher Teil der Männer Lohnfuhrwerk, Waldarbeit oder irgendein Handwerk nebenbei. Trotzdem blieb Schellerhau bis in das 20. Jahrhundert hinein ein sehr armes Dorf.[2]

Zu DDR-Zeiten erholten sich Kinder in einem Ferienlager, das im Ort in den 1950er Jahren betrieben wurde.[7] Außerdem kam im Jahr 1983 der Komplex des FDGB-Erholungsheims hinzu, das am Fuße der Stephanshöhe (804 m uNN) errichtet wurde und seinen Namen nach dem Politiker Otto Buchwitz erhielt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche in Schellerhau
1789/90 erbaute Schinderbrücke über die Rote Weißeritz
  • Botanischer Garten, angelegt 1906[8] auf einer Fläche von rund 1,5 Hektar werden den Besuchern vorwiegend Pflanzen des Erzgebirgs und der alpinen Mittel- und Hochgebirge Europas, Nordamerikas, Asiens und aus dem Kaukasus präsentiert. Die Mitarbeiter kümmern sich intensiv um die Erhaltungszüchtung bedrohter einheimischer Pflanzen und nehmen damit am Artenschutzprogramm des Freistaats Sachsen teil.[9]
  • Dorfkirche, erbaut 1561–1593 und im 18. Jahrhundert mit einem steinernen Turm erweitert[10][11]
  • Gasthaus Jägerstube, vormals Heimatstuben, davor Kulturhaus und ursprünglich Niederer Gasthof genannt; 1913–1951 betrieben durch Karl Mays mutmaßliche Tochter Helene Voigt.[12]
  • Hotelkomplex Stephanshöhe, hervorgegangen aus dem o.g. FDGB-Heim, und seit 2002 im Besitz der Ahorn-Hotelkette
  • Schinderbrücke: Steinbrücke von 1789/90 über die Rote Weißeritz

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schellerhauer Kammlauf (Skilanglauf-Veranstaltung, alljährlich im Februar)[13]
  • Gartenfest des Botanischen Gartens mit Naturmarkt (alljährlich im Sommer)
  • Schellerhauer Adventsumzug mit anschließendem Stollenanschneiden und Weihnachtsmarkt am Ersten Advent

Partnergemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es war geplant, in Schellerhau einen Haltepunkt an der Pöbeltalbahn zu errichten. Diese Bahnstrecke ist aber nie realisiert worden. Mit den Nachbarorten bestehen Busverbindungen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Barthel, Siegrid Siegismund: Botanischer Garten Schellerhau. Verlag Förderverein für die Natur des Osterzgebirges, Bärenstein 2005
  • Um Altenberg, Geising und Lauenstein (= Werte der deutschen Heimat. Band 7). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1964.
  • Gemeindeverwaltung Schellerhau (Hg.): Aus der Heimatgeschichte von Schellerhau. 450 Jahre Schellerhau, 400 Jahre Kirche. Schellerhau 1993
  • Martin Hammermüller: Osterzgebirge – Kipsdorf, Bärenfels, Bärenburg, Schellerhau, Rehefeld. Reihe unser kleines Wanderheft Bd. 11, Leipzig 1961
  • Richard Steche: Schellerhau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 2. Heft: Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde. C. C. Meinhold, Dresden 1883, S. 74.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schellerhau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.deutschland123.de/schellerhau-einwohner
  2. a b Aus der Heimatgeschichte Schellerhaus, herausgegeben von der Gemeindeverwaltung und dem Pfarramt Schellerhau; Leipzig 1993
  3. Magister Christoph Meißnern: Umständliche Nachricht von der Churfl. Sächß. Schrifftsäßigen freien Zinn-Bergstadt Altenberg. Dresden und Leipzig 1747.
  4. Staatsarchiv Dresden (Hrsg.): Kaufbuch Schellerhau. 1608, S. 280.
  5. Staatsarchiv Dresden (Hrsg.): Conf. des im Jahre 1561 im Dorfe Schellerhau errichten Pfarrstelle betreffend. LOC 9908/17. Schellerhau/Dresden 1561.
  6. Staatsarchiv Dresden (Hrsg.): Vergleichung zwischen Caspar von Bernstein vonselbst und dessen Untertanen zu Schellerhau wegen der Baudienste der Mühle in Schellerhau dem Jahre 1590. Amt Altenberg 209. Schellerhau/Bärenstein/Dresden 1590.
  7. Website mit einem persönlichen Bericht zum Kindererholungsheim in Schellerhau
  8. Stiftung Naturbewahrung Osterzgebirge, Geschichte. Abgerufen am 9. Oktober 2016.
  9. Homepage des Botanischen Gartens
  10. Staatsarchiv Dresden (Hrsg.): Conf.der im Jahre 1561 im Dorfe Schellerhau errichteten Pfarrlehn betreffend. LOC 9908/17.
  11. August Schumann,Albert Schriffner: Vollständiges staats- post- und zeitungslexikon von Sachsen ..., Band 10. 1825, S. 266–268.
  12. Christian Heermann: Liebesgeschichten. In DNN vom 13. Oktober 2008, S. 16.
  13. Schellerhauer Kammlauf