Fürstenwalde (Altenberg)

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Fürstenwalde
Stadt Altenberg
Koordinaten: 50° 45′ 39″ N, 13° 52′ 3″ O
Höhe: 629 m ü. NHN
Einwohner: 298 (31. Dez. 2015)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1994
Eingemeindet nach: Geising
Fürstenwalde (Sachsen)
Fürstenwalde

Lage von Fürstenwalde in Sachsen

Fürstenwalde ist ein Ortsteil von Altenberg in Sachsen im östlichen Osterzgebirge, unweit der tschechischen Grenze.

Kirche um 1903
Ortsansicht um 1916

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürstenwalde liegt etwa 45 km südlich von Dresden im Osterzgebirge, nahe der tschechischen Grenze. Entlang des Grenzverlaufes ist Fürstenwalde ein Nachbarort von Müglitz, Liebenau und Oelsen. Auf tschechischer Seite ist es Adolfov (Adolfsgrün), etwa 200 m hinter dem Leichenstein in Richtung Süden und die Fluren von Böhmisch Müglitz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürstenwalde auf der Oberreitschen Karte von 1821
Kirche in Fürstenwalde

Fürstenwalde wurde im Jahre 1324 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und gehörte zur Herrschaft Lauenstein. Wahrscheinlich handelte es sich bei den Ortsgründern um Holzfäller und Kohlenbrenner, die den Ort in Form eines Reihen- und Waldhufendorfes entlang des Baches anlegten. Der Ort zieht sich über eine Länge von zwei Kilometern und überwindet dabei 120 Höhenmeter. Um 1340 sollen 20 Bauernhäuser, eine Kapelle und zwei Mühlen gestanden haben. Nach dem Fund von Eisenerz in Lauenstein blühte der Bergbau auf, dem der ehemalige Lauensteiner Ortsteil Kratzhammer seine Entstehung verdankt. Im alten Hammerhaus („Hammerschänke“) wurde das gewonnene Eisen bearbeitet. Der Zugang zum Dorf war im Unterdorf die alte Eisenstraße. Auf ihr wurde das Eisen einst bis in die Niederlande transportiert.

Mitte des 15. Jahrhunderts wurde von Pirna aus die Dresden-Teplitzer Poststraße oder Salzstraße gebaut, die von Breitenau kommend über das Oberdorf in Fürstenwalde zur Grenze (Schwarzes Kreuz) nach Böhmen führte. Auch als Postkurs diente diese Straße, wie die Kursächsischen Postmeilensäulen als Halbmeilensäule Richtung Liebenau und ab 2012 als Viertelmeilenstein Richtung Schwarzes Kreuz beweisen. Der Wald und die Landwirtschaft mit den dazugehörigen Gewerken spielten über Jahrhunderte eine wichtige Rolle im Dorf. Die raue Gegend wurde oft von Unwettern heimgesucht, Kriege brachten Unheil, Verwüstungen, Krankheit und Not.

Der Müglitzbach, der 4 km von Fürstenwalde entfernt im Böhmischen entspringt und dann durch den an der Grenze zu Tschechien gelegenen Ortsteil Müglitz verläuft, versetzte das Tal oft in Angst und Schrecken, wenn Unwetter das Bächlein in einen reißenden Strom verwandelten, zuletzt im August 2002. Auch 1927 wütete ein schweres Unwetter in der Ortschaft.

1956 wurde Kratzhammer nach Fürstenwalde eingemeindet. Am 1. Januar 1994 wurde Fürstenwalde nach Geising eingemeindet.[2] Geising wurde zum 1. Januar 2011 nach Altenberg eingemeindet.

Erbgericht um 1903
Oberer Gasthof

Von den einst vorhandenen drei Sälen im Ort ist noch einer geblieben. Der in der Hammerschänke wurde umgebaut, das Erbgericht (zu DDR-Zeiten war ein kompletter Umbau als Luxus-Ferienheim geplant) abgerissen und der im Landgasthof wurde stark verkleinert. Ein neu errichtetes Vereinshaus gegenüber der Hammerschänke beheimatet jetzt die Fürstenwalder Veranstaltungen, eine Bowlingbahn ist auch vorhanden.

Das Schwarze Kreuz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürstenwalde: Schwarzes Kreuz

Zwischen Fürstenwalde und Müglitz, direkt am Grenzübergang der alten Teplitzer Poststraße, die von Dresden über Dohna, durch die Harthe (Nasenbach, A 17) nach Fürstenwalde und weiter vorbei an der Geiersburg über Teplitz nach Prag führte, steht unmittelbar am Grenzbach am Ebersdorfer Weiler ein Holzkreuz, das gemeinhin als Schwarzes Kreuz bekannt ist. Es befindet sich in den Schwarzen Wiesen, die ihren Namen durch den dichten Baumbewuchs und die mit Wasser gefüllten Kuhlen, welche zu Moor- und Sumpfwiesen wurden, erhielten. Der Grenzwald wurde früher wegen seiner Undurchdringbarkeit auch Schwarzer Wald genannt.

Blick in Richtung Kratzhammer

Rudolphsdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe Rudolphsdorf (Altenberg)

Kratzhammer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe Kratzhammer

Erhalten sind jetzt noch die Gaststätte und die Gedenkstube für George Bähr.

Einwohnerentwicklung Fürstenwalde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1547: 170
  • 1623: 200
  • 1834: 438
  • 1871: 500
  • 1890: 440
  • 1910: 472 (2)
  • 1925: 511 (2)
  • 1939: 477 (2)
  • 1946: 702 (2)
  • 1962: 540 (2)
  • 1997: 436 (1)
  • 1998: 434
  • 1999: 425
  • 2000: 418
  • 2001: 422
  • 2002: 409
  • 2003: 394
  • 2004: 385
  • 2005: 357
  • 2006: 358
  • 2007: 347
  • 2010: 332
  • 2011: 326
  • 2014: 301
  • 2015: 298

(1): ab 1997: Bevölkerung am Jahresanfang (Einwohneramt der Stadt Geising)
(2): Bevölkerung inklusive Rudolphsdorf

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • George Bähr (* 15. März 1666 in Fürstenwalde; † 16. März 1738 in Dresden), protestantischer Barockarchitekt, der Erbauer der Dresdner Frauenkirche (1722). Zum Leben und Schaffen dieses großen Baumeisters des sächsischen Barocks wurde in der Hammerschänke eine Gedenkstube und im Dorf ein Obelisk errichtet.
  • Johann August Görenz (* 10. Juli 1765 in Fürstenwalde/Erzgebirge; † 3. Februar 1836 in Schwerin), Bibliothekar, Lehrer, Philologe, Leiter des Fridericianum Schwerin
  • Johann George Schmidt (* 1707 in Fürstenwalde/Erzgebirge; † 24. Juli 1774 in Dresden), Baumeister, Zimmermeister

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen, Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Geburtshaus von George Bähr in Fürstenwalde
  • Das schwarze Kreuz an der Grenze zu Tschechien, am Geiersberger Pass
  • Die Dorfkirche zu Fürstenwalde
  • Die Viertelmeilensäule (1732) an der Alten Dresden-Teplitzer Poststraße in der Harte
  • Die Halbmeilensäule Nr. 18 (1729) an der Alten Dresden-Teplitzer Poststraße
  • Das steinerne „Schneiderkreuz“ in der Nähe der Verbindungsstraße nach Liebenau
  • Der Leichenstein im Wald „Haberfeld“ (Nähe Rudolphsdorf)

Freizeit und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bowlingbahn in Kratzhammer
  • Fußballplätze in Kratzhammer und zwischen Oberdorf und Müglitz (außerorts am Wald gelegen)
  • Badeteich im Unterdorf, nahe Kratzhammer
  • beliebter Kletterfels „Grafenstein“ zwischen Kratzhammer und Hochwasserrückhaltebecken Lauenstein

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fasching in Fürstenwalde (zur Fastnacht und Anfang November) mit dem Fürstenwalder Karnevalsklub e. V.
  • Heimatfest in Fürstenwalde (erstes Juliwochenende)
  • Frühlingsfest mit Leistungsvergleich der Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinde Altenberg (ehem. Feuerwehrfest)
  • Sonnenwendfeier
  • Hexenfeuer auf dem alten Sportplatz (30. April)
  • Schlachtfest
  • Teichfest

Partnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Um Altenberg, Geising und Lauenstein (= Werte der deutschen Heimat. Band 7). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1964.
  • Günter Groß, Rikarda Groß: Löwenhain und Fürstenwalde. Zwei Dörfer auf dem Osterzgebirgskamm. Dippoldiswalde 2012
  • Richard Steche: Fürstenwalde. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 2. Heft: Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde. C. C. Meinhold, Dresden 1883, S. 30.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fürstenwalde (Altenberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zahlen und Fakten auf der Website der Stadt Altenberg
  2. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt