Schiffshebewerk Niederfinow Nord

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Schiffshebewerk Niederfinow Nord
Altes (vorn) und neues Schiffshebewerk

Altes (vorn) und neues Schiffshebewerk

Daten
Ort Niederfinow (Brandenburg)
Baumeister ARGE Neues Schiffshebewerk Niederfinow
Baujahr im Bau bis voraussichtlich 2017
Höhe ca. 55 m
Grundfläche ca. 6170 m²
Koordinaten 52° 50′ 59″ N, 13° 56′ 31″ OKoordinaten: 52° 50′ 59″ N, 13° 56′ 31″ O
Schiffshebewerk Niederfinow Nord (Deutschland)
Schiffshebewerk Niederfinow Nord

Das Schiffshebewerk Niederfinow Nord in Brandenburg ist ein im Bau befindliches Schiffshebewerk am östlichen Ende des Oder-Havel-Kanals, einer Teilstrecke der Bundeswasserstraße Havel-Oder-Wasserstraße, für die das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde zuständig ist. Es wird das benachbarte alte und kleinere Schiffshebewerk Niederfinow spätestens ab 2025 ersetzen.

Zielstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Anbindung des Großraums Berlin durch eine leistungsfähige Havel-Oder-Wasserstraße soll der Wirtschaftsstandort des Landes Brandenburg gestärkt werden, da ein beachtlicher Teil des Güterverkehrs zwischen den Ballungszentren Stettin (polnisch Szczecin) und Berlin über den Wasserweg abgewickelt wird.[1] Gleichzeitig wird mit dem Neubau ein maßgeblicher Engpass auf der einzigen transeuropäischen Ost-West-Wasserstraßenverbindung zwischen Stettin und Duisburg (über Berlin, Magdeburg, Hannover und Münster) beseitigt.[2]

Nach Fertigstellung des Projektes ist die Verbindung Berlin–Stettin auch für den Containertransport auf dem Wasserweg konkurrenzfähig.[3] Im Gegensatz zum bisherigen Schiffshebewerk soll der Neubau die Aufnahme von zweilagigen Containerschiffen, ungetrennten Schubverbänden und Großmotorschiffen ermöglichen. Die Transportkapazität wird durch den Neubau erhöht.[4]

Der Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorbereitende Bauarbeiten begannen im Winter 2006/2007 mit dem Roden des Waldes auf dem Baufeld. 2007 wurde eine Trafostation errichtet, die die Baustelle mit Strom versorgt. Im Jahr 2008 wurde die Baustelleneinrichtung errichtet, dazu wurden Teile der untersten Schleuse (Schleuse IV) der Schleusentreppe Niederfinow verfüllt.

Die offizielle Grundsteinlegung wurde am 23. März 2009 durch den damaligen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck sowie Vertreter des Wasserstraßen-Neubauamtes Berlin und die bauausführenden Betriebe durchgeführt.

Der Baugrubenverbau wurde mittels einer Kombination aus Stahlträgern und Spundbohlen im März und April 2009 hergestellt. Es wurden insgesamt 217 Träger und 214 Füllbohlen in den Baugrund eingebracht. Die Träger, die etwa 24 Meter lang sind, haben ein Gewicht von rund sechs Tonnen. Um die Standsicherheit des Baugrubenverbaues zu sichern, wurden im Mai 2009 Verpressanker mit Querriegel in die Spundwand eingebaut. Ab Mitte Juni erfolgte der Aushub der Baugrube als Trocken- und Nassaushub. Im Juli wurde ein Saugbagger in die mit Wasser gefüllte Baugrube eingesetzt, um weitere vier Meter Boden unter Wasser abzutragen. Bis Ende August 2009 wurden rund 85.000 m³ Boden ausgebaut. Ein Teil dieses Bodens wurde in dem am Oberhafen errichteten temporären Fangedamm eingebaut. Mit dem abgesaugten Boden wurde die Schleuse III der Schleusentreppe aus statischen Gründen verfüllt. Um ein Hochdrücken der Betonsohle durch Grundwasser zu verhindern, erfolgte von Anfang September bis Ende Oktober 2009 der Unterwassereinbau von 1033 Auftriebsankern. Ab September 2009 erfolgten umfangreiche Erdarbeiten am zukünftigen Landwiderlager der Kanalbrücke und im November erste Betonierungen am Widerlager.

Parallel zu den Arbeiten an der Baugrube wurden 2009 die neuen Kanaldämme am zukünftigen Oberhafen in Spundwandbauweise hergestellt. Auch das Profil des neuen Kanalbettes wurde erstellt. Im Juli 2009 wurde ein neuer Besucheraufgang für das alte Schiffshebewerk in Betrieb genommen.

Vom 15. März bis 19. März 2010 erfolgte der Einbau der 1,30 m dicken Unterwasserbetonsohle. Es wurden 8.318 m³ Spezialbeton auf eine Fläche von 6.100 m² verteilt. Am 17. Juni 2010 wurde mit dem Abpumpen von etwa 75.000 m³ Wasser aus der Baugrube begonnen. Ab dem 28. Juni 2010 wurden 28 Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 1,20 m und einer Länge von bis zu 38 m für das Landwiderlager der Kanalbrücke gesetzt. Zwischen dem 9. Juli und 16. August erfolgte der Einbau einer 35 cm starken Drainbetonschicht auf der Baugrubensohle. Ab dem 27. August 2010 wurden Filigranplatten als verlorene Schalung für die Trogwanne eingebaut. Seit dem 22. November 2010 erfolgt der Einbau der Bewehrung für den ersten Betonierabschnitt der wasserundurchlässigen Trogwanne. Parallel zu diesen Arbeiten wurde im April 2010 mit dem Auftrag des Deckbodens und der Begrünung der bereits fertiggestellten Böschungen begonnen.

Am 28. und 29. März 2011 wurde die Ortbetonsohle monolithisch gegossen. Die Stahlbetonsohle ist ca. 2,80 m dick, das erste Segment wurde innerhalb von 18 Stunden hergestellt.

Nachdem die Fertigstellung, gemäß einem Bericht des RBB vom 26. September 2013, sich bereits bis mindestens 2016 verzögern sollte wurde im August 2015 bekannt, dass es wohl noch bis 2017 dauern soll, bis die ersten Schiffe gehoben werden können. Als Quelle wird der zuständige Sachbereichsleiter des Wasserstraßen-Neubauamtes (WNA) genannt.[5]

Bilder des Baufortschritts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama der Baustelle des Schiffshebewerks Niederfinow Nord am 30. Juni 2009
Panorama der Baustelle des Schiffshebewerkes Niederfinow Nord am 6. März 2011
Panorama der Baustelle des Schiffshebewerkes Niederfinow Nord am 30. September 2013
Panorama der Baustelle des Schiffshebewerkes Niederfinow Nord am 9. August 2014
Panorama der Baustelle des Schiffshebewerkes Niederfinow Nord am 3. Mai 2015

Bauleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beton und Stahlbeton: ca. 70.000 m³
  • Bewehrungsstahl: ca. 4.500 t
  • Erdbewegungen: ca. 800.000 m³
  • Spundwandstahl: ca. 35.000 m² (ca. 3.700 t)

Auftragnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ARGE Neues Schiffshebewerk Niederfinow
Unternehmen Zuständigkeit
Bilfinger Construction GmbH Stahlbetonbau (Trogwanne und Tragkonstruktion)
DSD Brückenbau GmbH Stahlwasserbau (Trog und Kanalbrücke)
Johann Bunte Bauunternehmung GmbH & Co. KG Erdbau und Spezialtiefbau
SIEMAG TECBERG GmbH Maschinenbau (Trogantrieb und -sicherung)

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lageplan

Das Schiffshebewerk Niederfinow Nord wird in Stahlbetonbauweise errichtet. Es wird, wie das vorhandene Hebewerk, als Senkrechthebewerk mit Gegengewichtsausgleich errichtet. Der Trog soll 125,50 Meter lang, 27,90 Meter breit und vier Meter tief werden und mit Wasser gefüllt 9800 Tonnen wiegen.[6] Die Masse bleibt mit einem eingefahrenen Schiff gleich, da dieses stets seine eigene Masse an Wasser verdrängt.

Die veranschlagten Kosten belaufen sich auf 285 Millionen Euro, die vorrangig vom Bund getragen werden.[7] Hiervon werden 48,7 Millionen Euro durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kofinanziert.[4]

Das Schiffshebewerk wird von acht Elektromotoren mit einer Leistung von je 160 kW angetrieben werden.

Abmessungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baustelle des neuen Hebewerks am Tag der Grundsteinlegung
Die Baustelle im Dezember 2009
Die Baustelle im Juni 2010

Hauptabmessungen Schiffshebewerk:

  • Höhe über Gelände: 54,55 m
  • Breite: 46,40 m
  • Länge: 133,00 m

Hauptabmessungen Kanalbrücke:

  • Höhe: 7,90 m
  • Breite: 21,70 m
  • Länge: 65,50 m

Hauptabmessungen Trog:

  • Nutzlänge: 115,00 m
  • Gesamtlänge: 125,50 m
  • Nutzbreite: 12,50 m
  • Gesamtbreite: 27,90 m
  • Wassertiefe: 4,00 m
  • Gesamthöhe ohne Antriebshaus: 7,50 m
  • Gesamtgewicht mit Wasser: ca. 9.800 t, das beim späteren Betrieb durch das „Archimedische Prinzip“ immer konstant bleibt[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schiffshebewerk Niederfinow Nord – Sammlung von Bildern
 Commons: Illustrierter Baufortschritt – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Märkische Oderzeitung vom 24. März 2009
  2. Grundstein für den Neubau des Schiffshebewerks Niederfinow Nord gelegt (PDF; 113 kB)
  3. Geschäftsbericht 2008 bei Bilfinger Berger Ingenieurbau 2
  4. a b Hier wird in Ihre Zukunft investiert. In: verNETZt – Informationsschrift zum Operationellen Programm Verkehr EFRE Bund 2007–2013. Nr. 1, 2009, S. 2 (online PDF [abgerufen am 2. Oktober 2012]).
  5. Bauarbeiten am Schiffshebewerk bis 2017. In: Der Prignitzer. Schweriner Volkszeitung, 26. August 2015, abgerufen am 29. Juni 2016: „Erfahrungswerte hätten nicht vorgelegen, denn so ein Schiffshebewerk werde vielleicht alle 50 Jahre neu gebaut.“
  6. [1] Nachweis auf regionaler Seite; aufgerufen am 6. Mai 2015
  7. Baubeschreibung Wasserstraßen-Neubauamt Berlin
  8. Datenblatt SHW Niederfinow