Schiffskatalog

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Der Schiffskatalog (griechisch νεῶν κατάλογος, neōn katalogos) im 2. Gesang der Ilias von Homer beschreibt die zur Eroberung Trojas versammelten Truppen der Griechen (Achaier) mit jeweils der Anzahl der Schiffe, den Namen der Anführer und den Herkunftsorten der Krieger in Form einer Liste.

Inhalt des Kataloges[Bearbeiten]

Landschaft Schiffe Krieger Anführer Orte
Böotien 50 je 120 Peneleos, Leïtos, Arkesilaos, Klonios, Prothoenor Hyrie, Aulis, Schoinos, Skolos, Eteonos, Thespaia, Graia, Mykalessos, Harma, Eilesion, Erythrai, Eleon, Peteon, Hyle, Okalea, Medeon, Kopai, Eutresis, Thisbe, Koroneia, Haliartos, Plataiai, Glisas, Hypothebai, Onchestos, Arne, Mideia, Nisas, Anthedon
Orchomenos 30 Askalaphos, Ialmenos Aspledon
Phoker 40 Schedios, Epistrophos Kyparissos, Python, Krissa, Paopeos, Daulis, Anemoreia, Hyampolis, Lilaia
Lokris 40 Ajax (der Lokrer)Kynos, Kalliaros, Opus, Bessa, Skarphe, Augeiai, Thronion, Tarphe
Abanter 40 Elephenor Euboia, Chalkis, Eretria, Histiaias, Kerinthos, Dion, Karystos, Styra
Athen 50 Menestheus
Salamis 12 Aiax
Argolis 80 Diomedes, Sthenelos, Euryalos Argos, Tiryns, Asine, Hermione, Troizen, Eïónes, Epidauros, Aigina, Mases
Mykene 100 Agamemnon Mykene, Korinth, Kleonai, Orneia, Araithyreas, Sikyon, Hyperesia, Gonoëssa, Pellene, Aigion, Helike
Lakedaimon 60 Menelaos Pharis, Sparta, Messene, Briseiai, Augeiai, Amyklai, Helos, Laas, Oitylos
Pylos 90 Nestor Arene, Thryos, Aipy, Kyparisseeis, Amphigeneia, Pteleos, Helos, Dorion
Arkadien 60 Agapenor Pheneos, Orchomenos, Ripe, Stratie, Enispe, Tegea, Mantinea, Stymphalos, Parrhasia
Elis 40[1] Amphimachos, Thalpios, Diores, Polyxeinos Buprasion, Elis, Hyrmine, Myrsinos, Olenion, Alision
Dulichion 40 Meges Dulichion, Echinaon
Ithaka 12 Odysseus Kefalonia, Ithaka, Neritos, Krokyleia, Aigilips, Zakynthos
Aitolien 40 Thoas Pleuron, Olenos, Pylene, Chalkis, Kalydon
Kreta 80 Idomeneus, Meriones Knossos, Gortyn, Lyktos, Milet, Lykastos, Phaistos, Rhytion
Rhodos 9 Tlepolemos Lindos, Ialysos, Kamiros
Syme 3 Nireus
Kos 30 Pheidippos, Antiphos Nisyros, Karpathos, Kasos, Kos, Kalydnai
pelasgisches Argos 50 Achilleus Alos, Alope, Trachis, Phthia, Hellas
Phylake 40 Protesilaos,[2] Podarkes Phylake, Pyrasos, Iton, Antron, Pteleos
Pherai und Iolkos 11 Eumelos Pherai, Boibe, Glaphyrai, Jolkos
Methone (Thessalien) 7 je 50 Philoktetes Methone, Thaumakia, Meliboia, Olizon
Trikka 30 Podaleirios, Machaon Trikka, Ithome, Oichalia
Ormenion 40 Eurypylos Ormenion, Hypereia, Asterion, Titanos
Argissa 40 Polypoites Argissa, Gyrtone, Orthe, Elone, Oloosson
Enienen, Peraebi 22 Guneus Kyphos, Ainiena, Gonos, Dodona (Thessalien), am Fluss Titaresios
Magnesia 40 Prothoos am Peneiosfluß, am Pelion

Homer gibt also eine Streitmacht von 1.186 Schiffen an. Zweimal nennt er mit 120 und 50 Mann die Stärke der Besatzung, so dass man unter Berücksichtigung von größeren und kleineren Schiffen bei im Durchschnitt angenommenen 80 Kriegern je Schiff auf die doch sehr erhebliche Zahl von 94.880 Kriegern käme.

Realität der überlieferten Orte[Bearbeiten]

Herkunftsorte der Griechen vor Troja

In seiner geordneten, fast bürokratischen Form macht der Schiffskatalog den Eindruck einer überlieferten Liste. Wenn allerdings ein Ereignis (der Krieg gegen Troja – angenommen ca. 1200 v. Chr) etwa 400 oder mehr Jahre später (ca. 750 v. Chr) beschrieben wird, so muss diese Liste lange Zeit (mündlich oder auch schriftlich (?)) tradiert sein. Der Katalog der Ortsnamen weist auf die mykenische Zeit hin.[3] Er umfasst nur Gebiete vor der Ausbreitung der Griechen ab dem 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. Die Inseln im Ägäischen Meer sind nicht vertreten mit Ausnahme des Südostens.

Nicht Mykene, sondern Theben ist an erster Stelle des Kataloges genannt, obwohl Agamemnon von Mykene Anführer der griechischen Streitmacht war. Auch der Abfahrtshafen Aulis liegt auf thebanischem Gebiet. Dies lässt spekulativ eine frühere Hegemonie Thebens (im Mythos und möglicherweise in der Realität) durchscheinen, die auch nach dem Mythos erst in jüngerer Zeit durch Argos bzw. Mykene abgelöst wurde (siehe auch Sieben gegen Theben). Näheres hierzu wird unter Achijawa dargestellt.

Auffällig ist, dass bei Athen keine zusätzlichen Orte genannt werden. Im Schiffskatalog genannt zu sein brachte sicherlich auch in späterer Zeit einer Polis Prestige, so dass auch in schriftloser Zeit gegenseitige gesellschaftliche Kontrolle gegenüber Veränderungen dieses Kataloges durch nicht so mächtige griechische Staaten anzunehmen ist. Ob aber die Athener zu ihren Gunsten korrigiert haben, kann naturgemäß nicht mehr verifiziert werden.

Fehler bei der Zuordnung bekannter Orte sind Homer nicht nachzuweisen. Allerdings waren bereits in klassischer Zeit einige Orte inzwischen nicht mehr besiedelt und schon den damaligen Interpreten Homers unbekannt. Dieses Indiz spricht zusätzlich für eine mykenische Überlieferung der Liste.

Realität des Trojanischen Krieges[Bearbeiten]

Der Krieg gegen Troja nimmt in der griechischen Mythologie einen breiten Raum ein. Für die Griechen des Altertums war der Krieg gegen Troja ohne Zweifel ein historisches Ereignis.[4] Der Gelehrte Eratosthenes von Kyrene berechnete die Eroberung Trojas auf 1184 v. Chr. und ordnete ihn so in den zeitlichen Rahmen der griechischen Frühgeschichte zwischen Mythos und belegter Geschichte ein.

Quelle[Bearbeiten]

Überliefert ist dieser Katalog nur im Epos Ilias des Dichters Homer im 2. Gesang in den Versen 494 bis 759, die als älteste erhaltene europäische Dichtung im 8. Jahrhundert v. Chr. entstanden ist.

Weitere Schiffskataloge zum Trojanischen Krieg mit teilweise leicht abweichenden Angaben finden sich in der Bibliotheke des Apollodor (Epitome III,11-14), bei Hyginus Mythographus (97. Kap.), bei Dictys Cretensis (I,17) und bei Dares Phrygius (14. Kap.).

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Je 10 Schiffe jeder der 4 Anführer, Homer: Ilias, 2. Gesang, Vers 618.
  2. Nachdem Protesilaos als erster am Strand von Troja getötet wurde, folgte ihm Podarkes.
  3. Latacz: Troja und Homer.
  4. Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges I, 10.