Troizen (Stadt)

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Dieser Artikel behandelt die antike Stadt Troizen. Für die heutige Ortschaft, siehe Trizina. Für die neuzeitliche Provinz und heutige Gemeinde, siehe Trizinia (Begriffsklärung)

Troizen (griechisch Τροιζήν), auch Trözēn, war eine Stadt im antiken Griechenland. Sie liegt nordwestlich des heutigen Ortes Trizina an der Nordküste der Argolis in der Nähe der Halbinsel Methana. Troizen galt als Geburtsort des attischen Heros Theseus.

Überlieferung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erstes soll Oros hier gesiedelt und als König über das Land geherrscht haben. Er nannte sein Reich Oraia. Sein Nachfolger wurde Althepos, der Sohn des Poseidon und seiner Tochter Leïs. Genauso wie Kekrops I. in Attika wurde Althepos vor die Wahl gestellt, welcher Gottheit sein Land geweiht werden sollte, Athene oder Poseidon. Er entschied jedoch, dass Troizen beiden Gottheiten gehören sollte. Als nächstes bestieg Saron den Thron. Da er die Jagd liebte errichtete er einen Artemis-Tempel am Psifäischen See. Als er bei der Jagd auf eine Hirschkuh im Saronischen Golf ertrank wurde er im Artemisheiligtum begraben.

Einige Generationen später herrschten die Brüder Hyperethos und Anthas, Söhne des Poseidon und der Alkyone. Sie gründeten die Orte Hypereia und Antheia. Anthas' Sohn Aëtios regierte als nächstes und gründete die Stadt Poseidonias. Die Söhne des Pelops Troizen und Pittheus kamen schließlich ins Land und regierten zuerst über einen Teil des Landes. Später verdrängten sie Aëtios ganz vom Thron. Aëtios Nachkommen wanderten nach Karien aus und gründeten Halikarnassos und Myndos. Nach Strabon war es Anthas, der vertrieben wurde und Halikarnassos gründete.[1] Nachdem Troizen gestorben war nannte Pittheus die Stadt nach seinem Bruder. Anaphlystos und Sphettos, die Söhne des Troizen, siedelten in Attika.[2] Nach ihnen wurden später zwei Demen und zwei Trittyes benannt (Kleisthenische Reformen).

Der attische König Aigeus zeugte mit Aithra, der Tochter des Pittheus, Theseus. Bevor Aigeus nach Athen zurückkehrte deponierte er ein Schwert und ein Paar Sandalen unter einem schweren Stein, die Theseus bergen sollte sobald er stark genug war den Stein anzuheben. Theseus bemächtigte sich der Gegenstände und begab sich nach Athen und wurde schließlich König von Attika. Theseus war mit der Amazone Hippolyte Vater des Hippolytos. Als Theseus Phaidra heiratete schickte er Hippolytos zu seinem Großvater Pittheus nach Troizen. Später reiste Theseus, der die Söhne des Pallas getötete hatte zu seiner Reinigung von der Tat nach Troizen. Phaidra, die ihren Mann begleitete, sah Hippolytos zum ersten mal und verliebte sich in diesen. Da dieser die Liebe nicht erwiderte nahm sich Phaidra das Leben.[3] In einem Abschiedsbrief behauptete sie, dass Hippolytos sie begehrt hätte. Daraufhin ließ Theseus seinen eigenen Sohn, als dieser auf dem Streitwagen unterwegs war, von Poseidon töten.

Im Schiffskatalog der Ilias nennt Homer Diomedes als Anführer der Troizener Krieger.[4] Nach der Invasion der Herakleiden soll Troizen von Dorern bewohnt gewesen sein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet des antiken Troizen war seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Auf dem Hügel Megali Magoula fand man bedeutende mykenische Gräber. Hier oder bei der heutigen Stadt Galatas lag Pogon, der Hafen von Troizen, der der Insel Kalavria gegenüber lag.[5] Um 530 v. Chr. kauften die vor Polykrates geflohenen Samier die Insel Hydra und standen nun unter dem Schutz der Troizener.[6]

Während des Perserkriegs war Troizen oftmals mit eigenen Kontingenten an den Kämpfen beteiligt. Das erste Schiff, das durch die Perser vor der Schlacht bei Artemision gekapert wurde kam aus Troizen.[7] Als der Feind sich Athen näherte wurden viele Frauen und Kinder nach Troizen evakuiert.[8] Eine Inschrift mit dem auf Betreiben des Themistokles gefassten Beschluss darüber wurde 1959 in Troizen gefunden. Ihre Echtheit ist in der Forschung allerdings umstritten, da sie zwar Inschriften des 3. Jahrhunderts v. Chr. stilistisch ähnelt, andererseits aber auch eine Wiederaufzeichnung der ursprünglichen Inschrift sein könnte. Vor der Schlacht von Salamis sammelten sich die Schiffe, darunter auch fünf aus Troizen, im Hafen Pogon.[9] 479 v. Chr. nahmen auch 1000 Troizener an der Schlacht von Plataiai, in der die Perser geschlagen wurden, teil[10] und in der etwa zeitgleichen Schlacht von Mykale zeichneten sich die Troizener durch ihre Tapferkeit aus.[11]

Von 458 bis 446 v. Chr. war Troizen von Athen besetzt bis schließlich ein Vertrag mit Sparta die Rückgabe der Stadt regelte.[12] 435 v. Chr. beteiligten sich die Troizener als Bündnispartner von Korinth an dem Krieg gegen Kerkyra mit zwei Schiffen.[13] Während des Peloponnesischen Kriegs kämpfte die Stadt auf der Seite Spartas, weshalb die Gegend 430 v. Chr. von den Athenern verwüstet wurde.[14] 425 v. Chr. forderte Nikias die Rückgabe Troizens, da diese verweigert wurde eroberte er Methana und verheerte bis zum Waffenstillstand im Jahre 423 v. Chr. Troizens Umland.[15] Im Winter 413/2 v. Chr. legte man Troizen, Megara, Epidauros und Hermione auf sich mit dem Bau von insgesamt 10 Schiffen am Aufbau einer peloponnesischen Flotte zu beteiligen.[16]

Nach dem Tode Alexanders dem Große (323 v. Chr.) beteiligte sich die Stadt an dem Bündnis mit Athen gegen Antipatros.[17] 243 v. Chr. trat Troizen dem Achaiischer Bund bei.[18] Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde die Akropolis vermutlich auf Anordnung der Römer verlassen. Ab dem 8. oder 9. Jahrhundert wurde der Ort Damala (griechisch: Δαμαλά) genannt. Dies wird durch die Erwähnung einer Suffragandiözese Damala im 9. Jahrhundert belegt. 1204 gehörte die Stadt zu dem fränkischen Herzogtum Athen und der Baron von Damala errichtete auf der Akropolis eine Burg. 1325 kam Damala in den Besitz der Familie Zaccaria und wurde 1336 dem Despotat Morea zugeschlagen. Später wurde der Ort 500 m nach Osten verlagert und erhielt 1912 seinen heutigen Namen Trizina.

Rundgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan des antiken Troizen

Idealer Ausgangspunkt für ein Rundgang ist der Hauptplatz des Ortes Trizina. Hier gibt es gute Parkmöglichkeiten und eine Haltestelle des Bus von Galatas nach Methana. Etwa 200 m westlich des Ortes erreicht man die östliche Stadtmauer Troizens von der jedoch kaum noch etwas zu sehen ist. Nochmals 100 m weiter liegt nördlich der Strasse die Agios Georgios-Kapelle. Sie steht vermutlich auf den Fundamenten eines antiken Tempels. Westlich der Kirche erstreckte sich die antike Agora. Etwa 80 m nordwestlich fand man die Fundamente des Tempels der Artemis Soteira (griechisch Σώτειρα = Retterin). Nach Pausanias befand sich hier auch das Grab des Pittheus. Weitere 100 m nordwestlich bei der Kirchenruine Agia Soteira fand man das Dekret des Themistokles. Hier fand man auch die Statue des Hermes Polygios aus dem 2. Jahrhundert, die sich heute im Archäologisches Nationalmuseum in Athen befindet (NAMA 243). Es ist eine Kopie eines Werkes von Naukydes aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.[19]

Kehrt man von der Agios Georgios Kapelle zurück zur Strasse so erreicht man etwa 100 m westlich eine Weggabelung. Hier liegt der sogenannte Theseus-Stein unter dem sein Vater das Schwert und die Sandalen versteckt haben soll. Gegenüber fand man die Überreste des ardalischen Museions, das von Ardalos, dem Sohn des Hephaistos, erbaut sein soll. Bei den massiven Mauern und Bögen aus Ziegelsteinen handelt es sich um die Überreste einer römischen Therme.

Folgt man der südlichen Strasse so erreicht man nach etwa 200 m einen hellenistischen Wehrturm, der sogenannte Theseus-Palast. Der Turm lag an einer Mauer, die die heute schwer zugängliche Akropolis von der Unterstadt abtrennte (Diateichisma). Das antike Mauerwerk aus großen Steinblöcken ist noch etwa 6 m hoch erhalten. In fränkischer Zeit wurde der Turm aus kleinen unregelmäßigen Steinen wieder aufgestockt. 20 m östlich des Turmes liegt unterhalb er Strasse ein ein römisches Grab (RG 6), das aus Ziegeln errichtet war. Nach der Kurve, oberhalb des Turmes erreicht man den Standort des Theaters, von dem jedoch kaum Spuren erhalten sind.

Folgt man dem Weg nach Südwesten, so erreicht man nach etwa 450 m die Teufelsbrücke (griechisch Διαβολογέφυρο). Hierbei handelt es sich um eine natürliche Brücke über die Schlucht. Der Bach, der durch die Schlucht fließt wird nach der Brücke Gefyraion (griechisch Γεφυραίον) genannt. Sein antiker Name war Chrysorrhoas (griechisch Χρυσορρόας = der Goldströmende). Über die Brücke führte in der Antike ein Bewässerungskanal. In fränkischer Zeit wurde die Brücke durch ein Gewölbe verstärkt. Geht man über die Brücke und biegt nach rechts ab, so kann man zum Bach, der ganzjährig Wasser führt hinab steigen. Auf dem Weg nach unten kann man die Überreste einer Horizontalrad-Wassermühle sehen.

Kehrt man zum Stein des Theseus zurück und folgt nun dem nördlichen Weg so erreicht man nach etwa 200 m die Kirche des Johannes des Täufers. Etwa 120 m nördlich geht man nach links und durchquert das Bachbett des Chrysorrhoas. Nach 70 m hinter einer Linkskurve zweigt von der befestigten Strasse rechts ein Feldweg ab auf dem man nach 280 m zwei römische Gräber (RG 1 und RG 2) erreicht. Die Gräber liegen rechts des Weges. Sie sind wir RG 6 aus Ziegeln errichtet. Grab 1 hat einen sechseckigen und Grab 2 einen quadratischen Grundriss. Beide Gräber haben einen Durchmesser von etwa 7 m. Zur befestigten Strasse zurückgekehrt folgt man dieser bis zu einer kleinen Kreuzkuppelkirche.

Plan des Asklepions von Troizen

Folgt man dem nach Süden abzweigenden Weg, so erreicht man nach etwa 500 m das Asklepiosheiligtum von Troizen mit einer Herberge für ca. 60 Gäste. 30 m südlich des Heiligtums liegen die Überreste eines Tempels für Hippolytos und 30 m nördlich die Reste eines byzantinischen Klosters.

Liste der mythischen Könige von Troizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oros, erster König von Troizen
  • Althepos
  • Saron
  • Hyperethos
  • Anthas
  • Aëtios
  • Troizen
  • Pittheus
  • Theseus
  • Diomedes

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegfried Lauffer: Griechenland. Lexikon der historischen Stätten von den Anfängen bis zur Gegenwart, C. H. Beck, München 1989, ISBN 3-406-33302-8, S. 693−694
  • Gabriel Welter: Troizen und Kalaureia. Berlin 1941.
  • Helmut Berve: Zur Themistokles-Inschrift von Troizen. Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse; 1961,3. München 1961.
  • Mikael Johansson: The Inscription from Troizen. A Decree of Themistocles? In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik Bd. 137, 2001, S. 69–92.
  • Michael H. Jameson: A Decree of Themistokles from Troizen in Hesperia, Band 29, Teil 2, 1960, S. 198−223 (online)
  • Richard Speich: Peloponnes. 2. Auflage. W. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln 1980, ISBN 3-17-010031-9, S. 206–212.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Troizen (Stadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Strabon: Geographica, 8,6,14 (p. 324)
  2. Pausanias, Reisen in Griechenland, 2,30,5−34,3
  3. Pausanias, Reisen in Griechenland, 1,22,1−2
  4. Homer: Ilias, 2,559−568
  5. Strabon: Geographica, 8,6,14
  6. Herodot, Historien, 3,59
  7. Herodot, Historien, 7,180
  8. Herodot, Historien, 8,41
  9. Herodot, Historien, 8,41
  10. Herodot, Historien, 9,28
  11. Herodot, Historien, 9,102; 9,105
  12. Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges, 1,115
  13. Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges, 1,27
  14. Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges, 2,56
  15. Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges, 4,21; 4,45; 4,118
  16. Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges, 8,3
  17. Pausanias, Reisen in Griechenland, 1,25,4
  18. Plutarch: Aratos, 24,3
  19. Philippe-Ernest Legrand: Statue of Hermes found at Damala in Bulletin of Hellenic Correspondence, 1892 (online)
  20. Pausanias, Reisen in Griechenland, 1,2,1

Koordinaten: 37° 30′ 13″ N, 23° 20′ 59″ O