Schloss Bruchsal

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Bruchsaler Schloss
Plan von Schloss und Schlossgarten Bruchsal 1746
Schloss Bruchsal Gartenfront
Schloss Bruchsal Treppenhaus
Gartenfront mit Spiegelung
Rückseite des Bruchsaler Schlosses mit Turm der Hofkirche

Das Schloss Bruchsal in der baden-württembergischen Stadt Bruchsal war Residenz der Fürstbischöfe von Speyer (als Ersatz für die im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörte Bischofspfalz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bruchsaler Schloss im barocken Stil wurde ab 1720 auf Wunsch des Fürstbischofs Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim aus Lossburger Sandstein errichtet. Es handelt sich im Kern um eine Dreiflügelanlage, die auf Planungen des kurmainzischen Oberbaudirektors Maximilian von Welsch zurückgeht. Nach mehrfachen Planänderungen wurde das zentrale Treppenhaus durch Balthasar Neumann errichtet, der seit 1731 die Bauleitung übernommen hatte. Es gilt gemeinhin als eine der gelungensten Lösungen einer barocken Treppenanlage. Sein genialer Entwurf sieht im Herzen des Corps de Logis ein zweiläufiges, vom Kuppelsaal überfangenes Treppenhaus vor, das zu den beiden Festsälen des Schlosses führt. Der Fürstensaal ist der zur Stadt gelegene Festsaal. Der Marmor- oder Kaisersaal liegt in Richtung des Gartens. Der Marmorsaal gehört zum architektonischen und programmatischen Zentrum der geistlichen Residenz.

Neben Neumann nahm der lombardische Kunstmaler Giovanni Francesco Marchini seine Tätigkeit im Schloss auf. Er malt in den Jahren 1731 bis 1736 die Fresken der Intrada, der düsteren Grotte sowie den Gartensaal. Auch die Fassadenmalerei des Corps de Logis und der Orangeriebauten stammen aus der Hand Marchinis. Die Scheinarchitektur aufgemalter Wandvorsprünge ist von überragender Perfektion.

Die Innenausstattung im Stil des Rokoko wurde hauptsächlich unter Hugo Damians Nachfolger Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg gefertigt. Die Fresken schildern in der Sprache der Mythologie eindrucksvoll Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Fürstbistums Speyer. Die Stuckaturen wurden erst 1755 von Johann Michael Feuchtmayer, die Fresken von Johannes Zick vollendet.

Wohl auf Vermittlung Balthasar Neumanns hin kam der bedeutende Kunstschreiner und Zierratenschnitzer Ferdinand Hundt in Bruchsal in die Dienste des Speyerer Fürstbischofs und wird dort als „Hofschreiner“ geführt. Ferdinand Hundt war zuvor stilprägend für die Rokoko-Ausstattung in den südlichen Kaiserzimmern der Residenz Würzburg und in Schloss Seehof bei Bamberg tätig.

Ferdinand Hundt ist von 1751 bis 1758 zuständig für die in Holz geschnitzte, wandfeste Ausstattung, für Türfüllungen, zahlreiche Trumeauspiegelrahmen und wohl auch mehrere Konsoltische im Corps de Logis. Das herausragende Zierratenschnitzwerk des Ferdinand Hundt prägte als verbindendes Element die hochwertige Gestaltung in der Beletage mit dem Höhepunkt im sogenannten "Watteau-Kabinett" gemeinsam mit Januarius Zick. Die Ausstattung all dieser Wohnräume von Schloss Bruchsal ging durch Bombeneinschläge und Brand Ende des Zweiten Weltkrieges fast vollständig verloren, da nur Weniges ausgelagert wurde. Der berühmte Thronsessel, mehrere Konsoltische und Trumeauxspiegelrahmen sind erhalten geblieben und sind nun in der Wiedereingerichteten Beletage ausgestellt. Von den im Krieg 1945 ausgebrannten Räumlichkeiten mit Arbeiten Ferdinand Hundts sind glücklicherweise noch rund vierhundert sehr gute schwarz-weiße Fotografien erhalten.[1]

Teilzerstörter Corps de Logis von Schloss Bruchsal, 1945
Prunkwappen am Mittelrisalit des 'Kirchenflügels'

In den Jahren 1900 bis 1909 wurde die lange verlorene, farbige Fassadengestaltung als richtungweisender Akt der modernen Denkmalpflege von Fritz Hirsch wiederhergestellt. Die Schlossanlage umfasst zahlreiche Gebäudeteile, darunter das Damianstor und die Hofkirche. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss im Zuge der Luftangriffe auf die Stadt am 1. März 1945 schwer getroffen und brannte aus; die Substanz des Treppenhauses überdauerte im Gegensatz zur Kuppel aber weitgehend die Zerstörungen. Der Mittelbau (Corps de Logis) wurde nach längeren Diskussionen um das Ob und Wie des Wiederaufbaus bis in die 1970er Jahre hinein als Museum rekonstruiert, der Kirchenflügel hingegen modern gestaltet.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Bruchsal, Ehrenhof mit Corps de Logis, Kirchen- und Kammerflügel

Das Schloss Bruchsal ist eine weiträumige, im Wesentlichen symmetrische Barockanlage, die aus zahlreichen Einzelbauten besteht. Ursprünglich ausserhalb des Stadtrandes errichtet, nimmt es Bezug auf ein mehr oder wenig rechtwinklig angelegtes Straßen- und Wegenetz der Unteren Lußhardt, in das auch die Schönborn-Schlösser Eremitage und Kislau eingebunden sind. Im übrigen kollidiert das Schönborn'sche Wegenetz mit dem strahlenförmig angelegten Karlsruher Allee-System. Die Bruchsaler Schlossachse endet bei Graben-Neudorf, ebenso wie eine Achse des Karlsruher Schlosses.

Das Hauptgebäude des Schlosses ist das Corps de Logis, das seinerseits eine Besonderheit darstellt, da es sich dabei quasi um eine kleine Vierflügel-Anlage handelt mit zentralem Kuppelbau mit dem Neumann'schen Treppenhaus, der einen engen Raum für zwei Innenhöfe freilässt. Die Zentrale Kuppel überragt den Hauptbau nur unwesentlich und tritt von außen erst ab einer größeren Distanz in Erscheinung. Nur in diesem Gebäude wurden die Innenräume teilweise originalgetreu rekonstruiert, neben dem Treppenhaus vor allem der Marmor- und der Fürstensaal im Obergeschoss. Im Erdgeschoss sind die Räume teilweise unversehrt erhalten geblieben. Dazu gehören insbesondere die Grotte im Treppenhaus, die Sala Terrana unter dem Marmorsaal und der südliche Eckraum des Hauptbaus mit naturalistischen Wandmalereien.

Im Norden und Süden wird das Corps de Logis von Seitenflügeln (Hier Kammer - und Kirchenflügel genannt) flankiert, die den Ehrenhof des Schlosses umschliessen. Den östlichen Abschluss des Ehrenhofes bildet das Torwachtgebäude, das ähnlich wie in Schwetzingen von zwei Wachhäuschen flankiert wird, hier Hofkontrollamt und Hofzahlamt genannt. Letzteren entsprechen gegenüber der Schönbornstraße die ehemalige Kommandantenwohnung und das ehemalige Forstamt, die ihrerseits von Remisen flankiert werden. Das zentrale Gebäude ist hier die ehemalige Kanzlei (heute Amtsgericht), die den östlichen Abschluss der Schlossachse bildet. Sämtliche Gebäude sind mit Backsteinmalereien versehen, rekonstruiert nach Resten an den Remisen. Diese wurden angeregt durch Damian Hugo, der vor seiner Wahl zum Bischof in Holland weilte. Vor den Wachhäusern und ihren Pendants liegen heute trocken gefallene Wassergräben, auch eine Parallele zur Situation am Schwetzinger Schloss, was Bruchsal damit ebenso wenig zu einem Wasserschloss macht.

Gebäudegruppe gegenüber dem Hauptschloss

Die Schönbornstraße (Bundesstraße 3, hier nahezu identisch mit dem Verlauf der Römerstraße entlang der Bergstraße), die quer durch den Schlossbereich verläuft, schliesst im Norden mit dem Damianstor ab, Stadt- und Schlosstor zugleich, welches aber nie militärischen, sondern nur rein repräsentativen Zwecken diente. Im Süden, zur Stadt hin, wird sie durch den Großen Dienerbau und das Priesterseminar flankiert. Durch diese Gebäude ergibt sich die grösste Abweichung von der strengen Symmetrie der Schlossanlage. Um letztere nicht zu stören wurde der Turm der Hofkirche auf der vom Ehrenhof abgelegenen Seite errichtet. Hinter dem Priesterseminar liegt als Ökonomiegebäude der sogenannte Bandhof.

Schlossgarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Puttenportal im Schlossgarten Bruchsal

Der Schlossgarten von Bruchsal ist im Vergleich zu den Dimensionen der Schlossgebäude verhältnismäßig klein. Er war bereits in den Plänen des kurmainzischen Gartenarchitekten Maximilian von Welsch vorgesehen und wurde gleich zu Beginn der ersten Bauarbeiten am Schloss nach dem Schema der Lenôtrischen Gartenarchitektur angelegt. Die ursprüngliche Anlage des Gartens mit Schlossterrasse und Parterre mit Borderien, wie sie in Plänen des 18. Jahrhunderts zu sehen ist, konnte durch gezielte Grabungen bestätigt werden. Später wurde er in einen Englischen Garten umgewandelt. 1979–1989 wurde der Garten durch Karl Bauer grundlegend saniert, wobei die Gestaltung als Englischer Garten beibehalten wurde.

Den Übergang zwischen Schloss und Garten markieren zwei symmetrisch angelegte Orangeriegebäude, die ab 1725 von Rohrer erbaut wurden und 1732 Fassadenmalereien durch Marchini erhielten. Das leicht abfallende Gelände ermöglichte die Anlage einer Schlossterrasse mit Brunnenbecken mit fünf Fontänen, Balustraden und vorgelagertem Wassergraben. Diese Terrasse gilt für Barockgärten als einzigartig.

Den einzigen Gartenschmuck bilden Kopien von 12 Statuen von Joachim Günther, die um 1750 ursprünglich für Bruchsal geschaffen wurden. An der Schlossterrasse stehen vier Hellebardiere, im Parterre die Allegorien der vier Jahreszeiten, deren Originale sich heute in der Harvard University befinden, sowie die Allegorien der vier Elemente. Deren Originale befinden sich heute in der Sala Terrana im Schloss.

Nach Westen hin schließt der Garten durch ein Puttenportal ab, das durch vier Wohnungen für Kammerdiener, Hofgärtner, Hofkaplan und Hofjäger gesäumt ist. Flankiert wird der westliche Abschluss durch zwei sogenannte „Circulgebäude“, kreisrunde, durch niedrige Mauern eingefasste Gartenabschnitte. Fortgesetzt wir die Gartenachse durch eine Allee, heute durch die Bahnlinie abgetrennt, die bis nach Graben-Neudorf reicht.

Historische Innenansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Bruchsal ist für Besichtigungen geöffnet. Im Schloss sind das Deutsche Musikautomaten-Museum und das Museum der Stadt Bruchsal untergebracht. Es zählt zu den landeseigenen Monumenten und wird von der Einrichtung „Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“ betreut. In zum Schloss gehörenden Gebäuden ist auch das Amtsgericht Bruchsal untergebracht.

Das Schloss Bruchsal wird über das komplette Jahr gelegentlich zu öffentlichen Veranstaltungen und Messen genutzt, wie die Schlossweihnacht[2] oder die jährlich stattfindende Diga Gartenmesse im Bruchsaler Schlosspark.[3]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebaut, Zerstört, Wiedererstanden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dauerausstellung Gebaut, Zerstört, Wiedererstanden dokumentiert die Zerstörung des Bruchsaler Schlosses am 1. März 1945. Trümmerfunde und Handwerkstechniken aus dieser Zeit und dem 18. Jahrhundert ergänzen diesen Ausstellungsteil.[4]

Lapidarium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur mit Sonderführungen ist das Lapidarium zu besichtigen, welches originale Überreste (Wappen, Kapitelle, Stücke von Balustraden, etc.) nach der Zerstörung der Anlage 1945 dem Besucher zur Schau stellt.[5]

Städtisches Museum Bruchsal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Museum gibt Einblick in die Geschichte Bruchsals von der Steinzeit bis heute. Schwerpunkte werden auf die Revolution von 1848/1849 und die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gelegt. Daneben bietet das Museum für Schulklassen und Reisegruppen experimentelle Archäologie an, sowie einen weiteren Ausstellungsteil über die Justizvollzugsanstalt Bruchsal.[6]

Deutsches Musikautomatenmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Deutschen Musikautomatenmuseum stellt das Schloss Bruchsal rund 500 Musikautomaten aus der Zeit des 17. Jahrhunderts bis in die Neuzeit dar.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet

  • Henrik Bäringhausen u. a. (Hrsg.): raumkunst – kunstraum. Innenräume als Kunstwerke – entdeckt in Schlössern, Burgen und Klöstern in Deutschland. Schnell & Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1732-5.
  • Ulrike Grimm, Sandra Eberle: Historische Ansichten – glanzvolle Aussichten. Die Bruchsaler Prunkräume vor der Zerstörung. Ausstellung zum 300. Geburtstag des Fürstbischofs Franz Christoph von Hutten. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2006, ISBN 3-88462-232-3.
  • Fritz Hirsch: Das Bruchsaler Schloss: aus Anlass seiner Renovation (1900–1909). Winter, Heidelberg 1910.
  • Hans Huth: Der Wiederaufbau des Schlosses in Bruchsal. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. 4. Jg. 1975, Heft 4, S. 143–148 (PDF) [nicht ausgewertet]
  • Hans Huth: Schloss Bruchsal. Die ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Speyer. (= Langewiesche-Bücherei). 3. Auflage. Langewiesche, Königstein 1990, ISBN 3-7845-0311-X.
  • Kurt Lupp: Schloss Bruchsal. Bau, Zerstörung und Wiederaufbau. (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal. Band 21). Verlag Regionalkultur, Heidelberg u. a. 2003, ISBN 3-89735-263-X.
  • Hajo Rheinstädter: Schloß Bruchsal. Gebr. Metz, Tübingen 1977, ISBN 3-921580-04-8.
  • Hajo Rheinstädter: Schloß Bruchsal. Führer. Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg/Staatsanzeiger für Baden-Württemberg/Brausdruck, Heidelberg 1996, ISBN 3-932489-02-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Bruchsal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fotoarchiv Marburg Schloß Bruchsal. Abgerufen am 15. Juli 2017.
  2. Schlossweihnacht Bruchsal – Weihnachtsmarkt. Abgerufen am 2. Oktober 2013.
  3. Diga Gartenmesse in Bruchsal – Leben im Kraichgau. Abgerufen am 2. Oktober 2013.
  4. Schloss Bruchsal: Gebaut, Zerstört und Wiedererstanden – Landesbildungsserver Baden-Württemberg. Abgerufen am 2. Oktober 2013.
  5. Ausstellungen – Bruchsaler Schloss. Abgerufen am 2. Oktober 2013.
  6. Städtisches Museum im Barockschloss Bruchsal – Bruchsal. Abgerufen am 14. April 2015.
  7. Deutsches Musikautomatenmuseum. Abgerufen am 2. Oktober 2013.

Koordinaten: 49° 7′ 48″ N, 8° 35′ 39″ O