Schloss Machern

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Blick von Osten auf das Schloss
Das Schloss von nordwestlicher Seite
Blick vom Park auf das Schloss Machern - Foto: Holger Zürch
Teich und Schloss
Agnes-Tempel
Statue der Vestalin vor der Pyramide
Die Ritterburg
Apollo-Statue am Teich-Ufer
Tempel der Hygieia

Das Schloss Machern ist eine als Wasserschloss errichtete Anlage im gleichnamigen Ort Machern im Landkreis Leipzig. Die ältesten Teile stammen höchstwahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert. Das Wasserschloss wurde 1938 beim Eisenbahnbau durch die nahe gelegene Macherner Höhe versehentlich dauerhaft „trockengelegt“.

Zum Schloss Machern gehört neben der Orangerie der als Englischer Landschaftsgarten gestaltete Schlosspark mit dem 5,7 Hektar großen Schwemmteich, künstlicher Ritterburg-Ruine, Pyramide, Tempel der Hygieia, Agnes-Tempel und Wilhelms Ruh, verschiedenen Skulpturen wie Denkende Muse, Göttin Hygieia, Herkulanische Vestalin und Apollo und Wildgehege mit Damwild.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Machern auf einer Lithografie von 1841

Nach einer Inschrift an einem Türsturz wurde der einst zweiflügelige Bau im Jahre 1566 errichtet. Die im Erdgeschoss befindlichen kreuzgratgewölbten Räume sowie der im unteren Bereich runde Treppenturm im Hof verweisen auf diese Zeit. Beim Bau des Schlosses wurde jedoch bereits ein älterer Vorgängerbau mit einbezogen.[1]

Das Macherner Schloss wurde als Wasserschloss errichtet. Im Zuge des Baus der ersten deutschen Ferneisenbahn von Leipzig nach Dresden im Jahre 1838 erfolgte die Anlage eines etwa drei Kilometer langen Geländeeinschnittes durch die Macherner Höhe. Dabei wurden wasserführende Schichten im Erdreich durchtrennt, die Wasserfläche um das Schloss trocknete dauerhaft aus.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehrmals um- und ausgebaut. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erhielt es seine jetzige Gestalt als dreiflügelige Barock-Anlage. Einer Inschrift auf der großen Schlossturmglocke zufolge, wurden im Jahre 1733 Umbauarbeiten beendet, nach denen das Schloss seine heutige Gestalt erhielt. Dabei wurde der Treppenturm auf 21 Meter erhöht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von-Lindenau-Zeit

Die ältere Machernsche Linie oder die Heinrich-Linie war seit 1465 in sieben Generationen 200 Jahre in Machern und Zeititz zuhause und starb 1665 aus:

  • Heinrich von Lindenau († 1505)
  • Albrecht von Lindenau († 1533)
  • Heinrich von Lindenau (1496–1561) und Bruder Wolff von Lindenau († 1530 oder 1536)
  • Wolff von Lindenau (1519–1589)
  • Friedrich von Lindenau (1563–1634)
  • Wolf Friedrich von Lindenau (1600–1642)
  • Ernst Joachim von Lindenau (1607–1665)

Die jüngere Machernsche Linie oder die Wolf-Linie war seit 1665 in vier Generationen 137 Jahre in Machern zuhause und geht auf Wolf von Lindenau zurück:

Die Herrschaft der von Lindenau lenkte bis 1802 die Geschicke des Ortes Machern. Der letzte Reichsgraf Carl Heinrich August von Lindenau ließ sich inspirieren bei seinen zahlreichen Reisen ins Ausland und legte Ende des 18. Jahrhunderts die im Osten und Norden an das Schloss anschließenden Gartenanlagen im englischen Stil an.

Die Schnetger-Zeit

1806 erwarb Kaufmann Gottfried Schnetger Schloss Machern und die Rittergüter Machern und Zeititz von Freifrau von Wylich, geb. Gräfin Stolberg-Wernigerode, die diese 1802 von Carl Graf von Lindenau gekauft hatte. Danach betrieb die Familie Schnetger dort 140 Jahre lang bis 1945 erfolgreich Landwirtschaft. Das waren konkret Gottfried Wilhelm Schnetger (1770–1861), Wilhelm Eduard Schnetger (1799–1873), Wilhelm Eduard Heinrich Schnetger (1825–1903) und Paul Theodor Schnetger (1859–1952) mit ihren Ehefrauen. Auf dem Friedhof Machern befinden sich bis heute (2016) die Schnetger-Grabanlagen.[4]

Zur von-Lindenau-Zeit und zur Schnetger-Zeit gibt es weitere kunst- und sakralhistorische Unikate in der Kirche St. Nikolai in Machern und dem historischen Friedhof.

Die Zeit ab 1946

Als Familie Schnetger 1946 das Schloss verlassen musste, wurde es Gemeinde-Eigentum und Kulturhaus mit Gaststätte und Wohnungen sowie Gemeindeamt und Dorfschule. 1981 vernichtete ein Brand den Dachstuhl im Ostflügel, auch Verfall durch unterlassene Instandhaltung zeigte sich deutlich.[1][5] 1982 begannen denkmalpflegerische Rekonstruktionen - diese wurden nach der Deutschen Wiedervereinigung ab 1990 mit öffentlichen Mitteln fortgesetzt.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute zeigt sich das Schloss in neuem Glanz und ist vielseitige Begegnungsstätte, in der regelmäßig kulturelle Veranstaltungen wie Theater, Konzerte und Ausstellungen und andere Festlichkeiten stattfinden. Auch hat sich das Schloss mit dem in der historischen Ritterstube eingerichteten Standesamt als romantisches Hochzeitsschloss etabliert.[5]

Im Schloss-Turm hängen eine große und eine kleine Glocke - die große schlägt zur vollen Stunde, die kleine jede Viertelstunde. Sie wurden 1988 restauriert. Gefertigt hat sie Glockengießer Johann Christoph Hiering aus Leipzig im Jahr 1733 im Auftrag und auf Kosten von Gottfried Anshelm von Lindenau und dessen Ehefrau.[6]

Schloss-Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Niedermeier (Redaktion): Der Landschaftspark von Machern - Pücklers Gärtner J. H. Reder. Herausgeber: Pückler-Gesellschaft e.V. Berlin, 162 Seiten, Berlin 2009
  • Rolf Affeldt, Frank Heinrich: Auf den Spuren der Rosenkreuzer. Der Schloßpark zu Machern. MdG-Projektgruppe Leipzig 2001.
  • Roland Dix; Katrin Franz; Petra Puttkammer; Gutborg Stephan: Der Landschaftsgarten zu Machern. Sax-Verlag, Beucha 1995, ISBN 3930076217
  • Rolf Affeldt, Frank Heinrich: Der Schlosspark von Machern gibt sein Geheimnis preis - "von der Nacht zum Licht". Leipzig 1994, 141 Seiten, ohne ISBN
  • Parkdirektion Machern (Hg.): Schloß und Landschaftsgarten Machern. Ein kleiner Führer durch 975 Jahre Macherner Geschichte. 40 Seiten, Format A5, Machern 1991, ohne ISBN
  • Thomas Topfstedt: Der Landschaftspark Machern. 16 Seiten, Leipzig 1979
  • Rat der Gemeinde Machern (Hg.): Der Park zu Machern - Ein Denkmal der Sentimentalität und Romantik in deer Gartenkunst. Bearbeitet von der Ortsgruppe des Kulturbundes Machern unter Leitung von Joachim Bergmann. 48 Seiten, Machern 1956
  • Cornelius Gurlitt: Machern. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 20. Heft: Amtshauptmannschaft Grimma (2. Hälfte). C. C. Meinhold, Dresden 1898, S. 168.
  • Ephraim Wolfgang Glasewald (Hg.): Beschreibung des Gartens zu Machern mit besonderer Rücksicht auf die in demselben befindlichen Holzarten. Berlin 1799 - online zugänglich auch als pdf-Download unter doi:10.5962/bhl.title.43346. Eine gekürzte Reprint-Ausgabe erschien 1975 in Machern.
  • Anonymus: Ansichten der vorzüglichsten Parthien des Gartens zu Machern. Berlin 1799 (Digitalisat)
  • Ludwig Thiele: Spazierfahrt nach Machern oder Taschenbuch und Wegweiser für die, welche von Leipzig aus den … Garten daselbst besehen wollen. Leipzig 1798.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Machern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Schloss Machern im Lexikon der Internetpräsenz Machern in Sachsen, Zugriff am 1. August 2009
  2. http://home.uni-leipzig.de/mielke/lindenau/lindnau1.htm
  3. http://home.uni-leipzig.de/mielke/lindenau/lindnau.htm
  4. http://home.uni-leipzig.de/mielke/schnetgr/schnet.htm
  5. a b Schloss Machern – Die Historie (Memento vom 11. März 2008 im Internet Archive), Zugriff am 1. August 2009
  6. http://home.uni-leipzig.de/mielke/lindenau/lindnau1.htm

Koordinaten: 51° 21′ 40″ N, 12° 37′ 52″ O