Machern

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Machern ist auch der Name von Kloster Machern sowie der deutsche Name der französischen Gemeinden Macheren und Maizières-lès-Vic im Département Moselle.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Machern
Machern
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Machern hervorgehoben
Koordinaten: 51° 21′ N, 12° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Leipzig
Höhe: 135 m ü. NHN
Fläche: 38,93 km2
Einwohner: 6663 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 171 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 04827,
04828 (Püchau)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 034292
Kfz-Kennzeichen: L, BNA, GHA, GRM, MTL, WUR
Gemeindeschlüssel: 14 7 29 250
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schloßplatz 9
04827,
04828 (Püchau)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text Machern
Webpräsenz: www.gemeinde-machern.de
Bürgermeisterin: Doreen Lieder (parteilos)
Lage der Gemeinde Machern im Landkreis Leipzig
Sachsen-Anhalt Thüringen Landkreis Mittelsachsen Landkreis Nordsachsen Leipzig Bennewitz Böhlen (Sachsen) Borna Borsdorf Brandis Colditz Frohburg Grimma Groitzsch Großpösna Kitzscher Kohren-Sahlis Lossatal Machern Markkleeberg Markranstädt Neukieritzsch Neukieritzsch Thallwitz Trebsen/Mulde Bad Lausick Otterwisch Geithain Belgershain Naunhof Parthenstein Elstertrebnitz Pegau Pegau Regis-Breitingen Wurzen Zwenkau RöthaKarte
Über dieses Bild
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Machern ist eine Gemeinde im Osten des Landkreises Leipzig in Sachsen.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Machern liegt 18 Kilometer östlich von Leipzig, etwa 10 Kilometer westlich von Wurzen und etwa 12 Kilometer südlich von Eilenburg. Am Ort Püchau führt die B 107 in Richtung Norden nach Eilenburg und in Richtung Süden nach Wurzen. Östlich der Gemeinde fließt die Mulde.

Die B 6 verläuft durch den Ortsteil Machern; die Bahnstrecke Leipzig–Riesa–Dresden verläuft durch die Ortsteile Machern und Gerichshain. Die südlich der Gemeinde verlaufende A 14 ist über den etwa fünf Kilometer entfernten Autobahnanschluss Naunhof zu erreichen.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen von Machern, hier die Freiluft-Version zwischen Kirche und Schnetgers Hof

Beschreibung: Im gespaltenen und hinten geteilten Wappen ist in Silber ein schwarzer ausgerissener beblätterter Baum; hinten oben in Blau drei goldene Ähren (2:1) und im letzten silbernen Feld eine durchgehende hohe rote Mauer mit drei Zinnen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Machern wurde erstmals im Jahr 1015 von Bischof Thietmar von Merseburg in seinen Chroniken als Mucherini erwähnt.[3] Der Ort gehörte zum Bistum Merseburg. 1268 wurden Machern und Brandis getrennt – von da an gibt es die selbstständige Pfarrkirche St. Nikolai zu Machern.

Schloss Machern

Von 1465 bis 1802 – also für 337 Jahre – lenkte vom Schloss Machern aus das Adelsgeschlecht von Lindenau die Geschicke des Ortes. Heinrich von Lindenau brachte aus Wittenberg den Mönch Conrad Kluge mit, der 1521 erster protestantischer Pfarrer in Machern wurde – 18 Jahre vor Einführung der Reformation.

1585 wütete die Pest in Machern; 141 Menschen starben. 1632 plünderten und zerstörten Wallensteins Truppen den Ort samt Rittergut und schleppten erneut die Pest ein.[4]

Im Jahr 1782 ließ Reichsgraf Carl Heinrich August von Lindenau eine einstmals barocke Gartenanlage zu dem Landschaftsgarten von Machern umgestalten. Von 1806 bis 1945 lenkte die Familie Schnetger die Geschicke Macherns.

Gedenkstein zum Beginn des Eisenbahnbaus 1836 in Machern

Der Ort Machern hat seit 1838 eine direkte Bahnverbindung an der Leipzig-Dresdner Eisenbahn. Die Bauarbeiten begannen zwei Jahre zuvor 1836, woran ein Gedenkstein erinnert.

Machern lag bis 1843 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Erbamt Grimma.[5] Zwischen 1843 und 1856 wurde Machern vom Amt Wurzen verwaltet. Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Wurzen und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Grimma.[6]

Zu DDR-Zeiten 1951 errichteten und unterhielten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) zwischen Rittergut und Pyramide im Schlosspark ein Kinder-Ferienlager für die Kinder ihrer Betriebsangehörigen.

Püchau

Der Ortsteil Püchau ist mit der ersten Erwähnung im Jahre 924 der älteste urkundlich erwähnte Ort in Sachsen. Durch den erhöhten Geländeabschnitt, auf dem sich die frühere Burg und das heutige Schloss Püchau befindet und strategisch wichtig war, hatte man schon in früherer Zeit die Gelegenheit, die umliegende Landschaft sehr weit zu beobachten. Übersetzt aus der Slawischen Sprache, bedeutet Püchau so viel wie „Schöner Ort“. Von 1807 bis 1945 besaßen die Grafen von Hohenthal das Gut Püchau. Östlich des neugotischen Herrenhauses liegt ein Landschaftsgarten im englischen Stil. In der Nähe des Herrenhauses befindet sich die Petersbrücke und die Peterskirche. Im Ort gibt es einige Gebäude und Bauten die unter Denkmalschutz stehen und restauriert wurden.

Lübschütz

Der Ortsteil Lübschütz war 1662 von Hexenverfolgung betroffen. Die Frau des Köhlers Andreas Jehnichen geriet in einen Hexenprozess.[7]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Dögnitz[8] 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Püchau
Gerichshain[9] 1. März 1994
Lübschütz[8] 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Püchau
Plagwitz[8] 1. Januar 1960 Eingemeindung nach Püchau
Posthausen[10] vor 1880 Eingemeindung nach Gerichshain
Püchau[9] 1. Januar 1994

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014 [11] - Sitzverteilung:

  • CDU: 6
  • Die LINKE: 3
  • FWG: 3
  • SPD: 2
  • Wir sind Machern: 2
  • Gesamt: 16

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserspiel von Maria Ondrej auf dem Markt in Machern, dahinter das Rathaus
Blick vom Park auf das Schloss Machern – Foto: Holger Zürch
Hauptartikel: Schloss Machern

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • SV Machern 90 e. V.
  • Sportpark Tresenwald
  • TV Machern Grün-Weiß e. V.
  • SV Sachsen Püchau e.V.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die dort geboren sind
Carl Heinrich August von Lindenau (1755–1842), preußischer Generalleutnant und Reisestallmeister des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen[14]
Paul von Hingst (1846–1919), königlich-sächsischer Generalleutnant und Generaladjutant des Königs Albert von Sachsen.
Persönlichkeiten, die dort gewirkt haben
Wolf von Lindenau (1634–1710), kursächsischer Amtshauptmann in Leipzig und Besitzer der Rittergüter Machern, Zeititz, Kossen, Gotha und Eilenfeld
Gottfried Anshelm von Lindenau (1693–1749), Erb-, Lehn- und Gerichtsherr sowie Besitzer der beiden Rittergüter Machern und Zeititz
Heinrich Gottlieb von Lindenau (1723–1789), kursächsischer Wirklicher Geheimer Rat, Kammerherr und Oberstallmeister sowie Besitzer der Rittergüter Gotha und Kossen[14]
Persönlichkeiten, die dort aufwuchsen und/oder zuhause sind
Wolfram Dix (* 1957), Schlagzeuger und Perkussionist
Michael Drevenstedt (* 1961), Sportreporter (im Ortsteil Püchau)
Maria Ondrej (* 1965), bildende Künstlerin
Vlado Ondrej (* 1962), bildender Künstler
Persönlichkeiten, die dort gestorben und/oder begraben sind
Alexander Duncker (1850–1929), deutscher Verlags-Buchhändler[15][16] und Eigentümer der „Villa Louise“ (eigentlich „Landhaus Louise“, davor Gasthof (bis etwa 1900)[17])

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel Alfred Frank

Ein Gedenkstein am Salweideteich im nahegelegenen Erholungsgebiet Lübschützer Teiche erinnert an den Leipziger Maler und Widerstandskämpfer Alfred Frank (* 1884), der dort einen illegalen Treffpunkt für Hitlergegner unterhielt. Frank wurde 1944 zum Tode verurteilt und 1945 hingerichtet.

Der Sorgenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinzip des Aufbaus des Richtfunknetzes der Partei und der NVA mit der Bereichsrichtfunkzentrale Süd auf dem Sorgenberg bei Machern.

Der Sorgenberg, eine geographische Erhebung bei Machern, war mit seinem in der Mitte der 1960er Jahre errichteten Fernmeldeturm militärisches Sperrgebiet. Der Fernmeldeturm gehört in die Kategorie der A-Türme, wie sie seinerzeit in allen Bezirken der DDR entstanden. Zwischen ihnen spannte sich das Richtfunknetz der Partei, welches nach dem Volksaufstand in der DDR am 17. Juni errichtet wurde. Frei von Mitarbeitern und von technischen Einrichtungen der Deutschen Post der DDR wurde das Netz von Angestellten der Partei betrieben. In Regie der „Fundament GmbH“, eine Gesellschaft der Partei, gegründet 1946 von KPD-Führern, wurde das Netz der Partei und auch das spätere der NVA gebaut.

In der Mitte der 1960er Jahre klinkte sich die NVA in das Netz der Partei ein, wurde Kooperationspartner der Partei und investierte in den Bau des Turmes auf dem Sorgenberg. Nach Fertigstellung erfüllte er die Funktion der Bereichsrichtfunkzentrale Süd im Netz der NVA und zugleich als Bezirksrichtfunkzentrale Leipzig der Partei. Diese befand sich vorher im Zentrum der Stadt auf dem Rathaus. Über ihn wurden alle Richtfunkverbindungen zu den Bezirksrichtfunkzentralen des Netzes der Partei in den DDR-Südbezirken, zu den Sonderobjekten der NVA und zur Hauptrichtfunkzentrale des Netzes der NVA in Stülpe betrieben. Über die Richtfunkverbindungen war ein eigenständiges Fernsprech- und Fernschreibnetz organisiert. Aufgrund des offenen Charakters der Verbindungen und der Aufklärung des Netzes seitens der Fernmeldeaufklärung der Bundeswehr wurde der Betrieb stark eingeschränkt. Mit dem Ausbau des „Integrierten Stabsnetzes der Partei und Staatsführung der DDR und der bewaffneten Organe“, auch Sondernetz 1 genannt, verlor das Richtfunknetz mit den Jahren an Bedeutung. Am 1. Januar 1984 wurde es kostenfrei der Deutschen Post übergeben. Gegen Gebühren nutzte die NVA bis 1990 eine definierte Anzahl von Nachrichtenkanälen in diesem Netz. Mit der Wende wurde abgeschaltet, die Türme einer anderweitigen Verwendung zugeführt.[18][19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Beyreuther: Machern im Wandel der Zeit. 73 Seiten, Machern 1938
  • Cornelius Gurlitt: Machern. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 20. Heft: Amtshauptmannschaft Grimma (2. Hälfte). C. C. Meinhold, Dresden 1898, S. 168.
  • Curt Jässing: Geschichte der Kirche zu Machern. Meltzer, Wurzen 1853 (Digitalisat)
  • Willi Schmidt: Machern im Zeitgeschehen – Ein Heimatbuch. Herausgeber: Regionalverein Machern e.V., Format A5, 220 Seiten, Machern 2015, ohne ISBN. Mit beiliegender farbiger Faltkarte (Format A3) Machern und Umgebung im Jahr 1879, Maßstab 1:15000[20]
  • Klaus Ungewiß / Fritz Kleeberg / Botho Graf von Hohenthal-Püchau: Püchauer Heimatbuch - die Geschichte des zuerst erwähnten Ortes in Sachsen. Hrsg.: Fritz Kleeberg ; Klaus Ungewiß. Format A5, 112 Seiten. Mit Literaturverzeichnis S. 106 - 112, Püchau/Wurzen 1994, ohne ISBN

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Machern – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. statistik.sachsen.de
  3. Erwähnung von Mucherini in Chronicon Thietmari Merseburgensis
  4. Kirche St. Nikolai zu Machern. Abgerufen am 27. September 2016.
  5. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  6. Die Amtshauptmannschaft Grimma im Gemeindeverzeichnis 1900
  7. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln/ Weimar/ Wien 2003, S. 648.
  8. a b c Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  9. a b Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  10. Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943.
  11. https://web.gemeindemachern.de/?q=content/aussch%C3%BCsse-und-gemeinderat-kontakt
  12. Vorbilder der Macherner Sehenswürdigkeiten. Abgerufen am 27. September 2016.
  13. http://www.gemeindemachern.de/Verschwisterung%20der%20Marktgemeinde%20Purgstall%20und%20der%20Gemeinde%20Machern
  14. a b Machern – Wiege der beiden Lindenau-Grafen. Abgerufen am 27. September 2016.
  15. Alexander Duncker und die gleichnamige Straße in Machern. Abgerufen am 27. September 2016.
  16. Alexander Duncker und seine Grabstätte in Machern. Abgerufen am 27. September 2016.
  17. http://home.uni-leipzig.de/mielke/duncker/duncker1.htm
  18. Das Richtfunknetz der Partei und der NVA
  19. Kurzfilm-Dokumentation zum Richtfunknetz der SED und der NVA
  20. Simone Prenzel: Der mutige Löwen-Bändiger und mehr – Spannendes aus Machern auf 400 Seiten. Leipziger Volkszeitung, 12. Juni 2015, abgerufen am 29. August 2015 (deutsch).