St. Nikolai (Machern)

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Die St. Nikolai-Kirche in Machern mit ihrem 34 Meter hohen Kirchturm
Die St. Nikolai-Kirche in Machern vom Friedhofs-Portal aus gesehen.

Die Kirche St. Nikolai in Machern, Landkreis Leipzig, ist als sächsische Evangelisch-Lutherische Kirche der einzige Sakralbau des Ortes. Sie steht mitten im Ort und ist von einem kleinen historischen Friedhof umgeben.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In die Zeit der Ersterwähnung von Machern (Mucherini) 1121 reicht wohl auch die ursprüngliche Zugehörigkeit zum Bistum Merseburg zurück. Ab 1268 wurde der Ort eine selbständige Pfarrgemeinde, als damals Machern und Brandis kirchenrechtlich getrennt wurden.

1492 stiftete Friedrich von Lindenau zwei Glocken für die Kirche. Sein Sohn Albrecht II. von Lindenau engagierte sich für die Reformation. Heinrich von Lindenau, Sohn Albrechts II., brachte aus Wittenberg den Mönch Conrad Kluge mit, der 1521 erster protestantischer Pfarrer in Machern wurde – 18 Jahre vor der offiziellen Einführung der Reformation im Herzogtum Sachsen.

Heinrich von Lindenau heiratete 1524 Gertrud von Schellenberg, die – wie Martin Luthers Ehefrau Katharina von Bora – Nonne im Kloster Nimbschen war und mit ihr von dort floh. Deren Traupredigt hielt in der Kirche zu Machern der kurfürstliche Hofprediger Georg Spalatin, Humanist und Wegbegleiter Martin Luthers.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Kirchturm im Barock-Stil neu gebaut (Höhe 34 Meter, Fertigstellung am 3. Juli 1753) und die Kirche renoviert.

1815 wurde die Pfarrei Machern, die bis dahin der Ephorie Eilenburg unterstand, infolge der Teilung Sachsens dem Ephoralamt Leipzig, kurz danach der Ephorie Grimma und schließlich der Superintendentur Wurzen zugeteilt.[1]

1824 wurde die Kirche umfangreich saniert: Die Außenarbeiten finanzierte die Gemeinde, die Innenarbeiten an Altar, Kanzel und Fußboden die Kaufmannsfamilie Schnetger (Nachfolger der Grafen von Lindenau als Besitzer des Ritterguts Machern). 1896 spendete die Familie Schnetger während der Renovierung des Kircheninnenraums drei große Kathedralglasfenster und 1906 eine Wetterfahne, welche 1998 ersetzt wurde.[2]

Architektur- und Kunstgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Baukörper ist eine Mischung verschiedener Stilepochen und daher architektonisch uneinheitlich. Der spätgotische Chorraum mit unregelmäßigem Sterngewölbe wurde um 1430 erbaut. Das Langhaus entstand um 1490; 1615 wurde es verlängert und die Sakristei angebaut. Der Turm von 1753 ist barock gestaltet und wurde 1967 instand gesetzt. Zwei Glocken tragen die Jahreszahl 1492, die Stundenglocke ist von 1733.

Im Kirchenraum stehen rechts die Epitaphe der Familie von Lindenau aus dem 16. Jahrhundert, links sind Grabmäler von zwei Macherner Pfarrern. Im Chorraum links hinter der Kanzel haben drei Grabmäler der Familie von Lindenau ihren Platz: zwei Stein-Epitaphe (ein betender Ritter, daneben ein bildhauerisch reich verziertes Grabmal mit ausführlicher Inschrift) und ein Bild-Epitaph von 1770 – es zeigt Graf Heinrich Gottlieb von Lindenau, gemalt von Anton Graff, dem Mitglied der Dresdener Kunstakademie.

In der Mitte des Chorraums steht der Altarstein mit aufgesetztem Hochaltar. 1959 verkaufte die Kirchgemeinde aus Geldnot ihren spätgotischen Marienaltar, er steht seitdem in der Christuskirche in Leipzig-Eutritzsch. Das Farbglasfenster hinter dem Altar, gestiftet von Wilhelm Eduard Heinrich Schnetger und seiner Frau, ist in musivischer Maltechnik gestaltet. Es zeigt Jesus Christus mit Kelch und Hostie. Auf dem Schriftband zu seinen Füßen steht: Durch mich zum Vater.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnitz-Altar

Der spätgotische Schnitz-Altar wurde 1995 in der Kirche Machern aufgestellt und ist eine Leihgabe der Laurentiuskirche von Leulitz, einem Nachbarort von Machern. Er war 1978 von dort zur Konservierung in die Dresdener Kunsthochschule gebracht worden.

Auf der Predella, also dem unteren Teil des Altars, ist auf der linken Hälfte Jesus, mit seinen Jüngern im Garten Gethsemane am Abend vor seiner Kreuzigung zu sehen. Auf der rechten Hälfte dargestellt ist der Heilige Papst Gregor der Große (590–604) dem während einer Abendmahlsfeier eine Vision erschien: der auferstandene Christus, umgeben von Symbolen seiner Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung.

Auf den beiden Seitenflügeln sind jeweils vier Heilige zu sehen. Auf dem linken Flügel, links oben beginnend: Der Heilige Maternus, im 4. Jahrhundert Erzbischof von Köln, Schutzheiliger des Weinstocks; die Heilige Katharina, Märtyrerin in Alexandria aus dem 4. Jahrhundert, Schutzheilige der Philosophen; die Heilige Barbara, Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert, Schutzheilige der Waffenschmiede und Artilleristen, der Berg- und Bauleute, Nothelferin bei Blitzgefahr sowie der Heilige Sebastian, Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert, Schutzheiliger der Schützen.

Auf dem rechten Flügel, links oben beginnend: Johannes der Täufer: Er taufte Jesus, war sein Wegbereiter; Anna Selbdritt: Anna, Mutter der Maria, trägt Maria auf ihrem linken und Jesus auf ihrem rechten Arm, Schutzheilige der Bergleute, der Schiffer und der Armen; Johannes: Jünger Jesu, wahrscheinlich der Verfasser des Johannes-Evangeliums sowie der Jakobus im Pilgergewand, mit Pilgerstab und Hut mit Jakobsmuschel.

Im Mittelschrein sind dargestellt (von links nach rechts): Der Heilige Laurentius, römischer Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert, mit Palmzweig. In der Mitte Maria mit dem Jesuskind, bekrönt von zwei Engeln. Der Heilige Andreas, Bruder des Simon Petrus, Apostel der Skythen, im Jahr 60 an ein Kreuz mit diagonal verlaufenden Balken geschlagen (Andreaskreuz). Auf der Rückseite des Altars auf dem linken Flügel die Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria, auf dem rechten die Anbetung der Heiligen Drei Könige.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick zu Empore und Orgel

1786 schenkte Karl Heinrich August von Lindenau der Kirche eine neue Orgel. 1875 baute die Werkstatt von Conrad Geißler (1825–1897) in Eilenburg die bis heute bespielte Orgel mit 15 Registern, zwei Manualen und Pedal ein, dazu musste das Kirchenschiff erhöht und verlängert werden. Im Jahr 1999 wurde sie von Orgelbauer Benjamin Welde restauriert.

Die Orgel hat gegenwärtig (Stand 2018) folgende Disposition:[3]

1. Manual
1. Bordun 16'
2. Principal 08'
3. Gedackt 08'
4. Octave 04'
5. Gemshorn 04'
6. Quinte 0223
7. Terz 0135
8. Octave 02'
9. Mixtur III
2. Manual
10. Lieblich Gedackt 08'
11. Flöte travers 04'
12. Spitzoktave 02'
Pedal
13. Subbaß 16'
14. Violon 16'
15. Octavbaß 08'
  • Koppeln: Manualcoppel II-I; Pedalcoppel I-P

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geläut besteht aktuell (Stand: Februar 2021) aus zwei Bronze-Glocken aus dem Jahr 1492 mit den Tönen f′ -2 (unterer Durchmesser 1106 mm; ca. 850 kg) und b′ -1 (unterer Durchmesser 860 mm; ca. 350 kg), deren Gießer unbekannt sind.[4]

Namenspatron[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turmknauf und Wetterfahne mit zwei Jahreszahlen

Namenspatron dieser (und zahlreicher weiterer Nikolaikirchen) ist der Heilige Nikolaus von Myra.

Kirchgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Wirkung vom 1. Januar 2020 haben die Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinden Borsdorf-Zweenfurth, Gerichshain-Althen und Panitzsch (seit 1. Januar 2020: Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Parthenaue-Borsdorf), die Evangelisch-Lutherische St.-Nikolai-Kirchgemeinde Machern und die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Püchau-Bennewitz (seit 1. Januar 2020: Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Machern-Püchau-Bennewitz), die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Brandis-Polenz und die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Beucha-Albrechtshain im Kirchenbezirk Leipziger Land ein Schwesterkirchverhältnis gegründet. Trägerin der gemeinsamen Pfarrstellen und anstellende Kirchgemeinde gemäß Kirchgemeindestrukturgesetz (§ 2 Abs. 3) ist die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Parthenaue-Borsdorf.[5]

Seit 1. April 2020 ist Lydia Messerschmidt die neue Pfarrerin der Kirchgemeinde.

Pfarrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1521: Konrad Kluge
  • 1527: Theobald Diedelhuber
  • 1529: Theobald Oettinger
  • 1539: Kilian Scheerbaum
  • 1544: Johann Meurer
  • 1544: Christoph Neiß
  • 1548: Georg Friedrich
  • 1550: David Meise
  • 1551: Lorenz Müller
  • 1554: Andreas Herler d. Ä.
  • 1579: Johann Rosenbach
  • 1582: Peter Wilde
  • 1591: Melchior Burkhart
  • 1597: Johann Heckethier
  • 1638: Georg Weirauch
  • 1643: Johann Zösche
  • 1653: Zacharias Dürr
  • 1686: Nikolaus Haas
  • 1691: Georg Fritzsche
  • 1705: Abraham Pilz
  • 1710: Johann Gottfried Rochau
  • 1713: Gottfried Klauser
  • 1720: Samuel Förster
  • 1752: Andreas Heinrich Schildbach
  • 1767: Christlieb August Beuthner
  • 1786: Johann Christian Sörnitz
  • 1792: Johann Karl Böttger
  • 1802: Christian Friedrich Leberecht Mudre
  • 1842: Friedrich August Hingst
  • 1849: Kurt Heinrich Jässing
  • 1858: Christian Wilhelm Gotthold Döhler
  • 1859: Johann Gottfried Lohde
  • 1895: Friedrich Ernst Rosenthal
  • 1932: Johannes Fürchtegott Wolf
  • 1936: Alfred *Rudolf Poser
  • 1939: Johannes Alfred Zweigler
  • 1945: August Kimme
  • 1957: Harry Bachmann[6]
  • [...]: Gottfried Süß
  • 2007: Barbara Lötzsch[7][8]
  • 2020: Lydia Messerschmidt

Varia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche Machern ist Weg-Station auf dem Ökumenischen Pilgerweg[9], der zum durch Deutschland verlaufenden Bereich des Jakobswegs gehört.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Parochie Machern. In: Die Ephorie Grimma links der Mulde. Leipzig 1911, (Digitalisat)
  • Cornelius Gurlitt: Machern. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 20. Heft: Amtshauptmannschaft Grimma (2. Hälfte). C. C. Meinhold, Dresden 1898, S. 168.
  • Curt Jässing (Pfarrer zu Machern): Geschichte der Kirche zu Machern. Meltzer, Wurzen 1853 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kirche St. Nikolai in Machern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section, Verlag Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, S. 125 (Digitalisat)
  2. https://web.archive.org/web/20160924090500/http://www.gemeindemachern.de/Herzlich-willkommen-in-unserer-Kirche-St-Nikolai-zu-Machern, abgerufen am 27. Februar 2020
  3. Laut Auskunft der Orgeldatenbank ORKASA https://www.evlks.de/feiern/kirchenmusik/orgeln/ – dort Link zum Zugang, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  4. Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen – Klang zwischen Himmel und Erde. Leipzig 2015, S. 328, ISBN 978-3-374-02871-9
  5. https://www.evlks.de/fileadmin/userfiles/EVLKS_engagiert/B._Landeskirche/Amtsblatt/Amtsblatt-2019-18.pdf, Seite 5, abgerufen am 13. Januar 2020
  6. https://pfarrerbuch.de/sachsen/stelle/1191, abgerufen am 10. Februar 2020
  7. https://www.evangelikus.hu/deutsch/barbara-l%C3%B6tzsch-deutsche-pfarrerin-wurde-ihr-amt-budapest-eingef%C3%BChrt-%E2%80%93-bilderreportage?language=de, abgerufen am 10. Februar 2020
  8. https://kirche.lutheran.hu/ueber-uns/pfarrerin-loetzsch.html, abgerufen am 10. Februar 2020
  9. http://www.oekumenischer-pilgerweg.de/index.php

Koordinaten: 51° 21′ 39,7″ N, 12° 37′ 37,7″ O