Schloss Neu-Augustusburg

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Schloss Neu-Augustusburg, Carl Benjamin Schwarz, 1786
Schloss Neu-Augustusburg um 1900
Chromolithografie von Reinicke & Rubin

Das Weißenfelser Schloss Neu-Augustusburg in Sachsen-Anhalt war von 1680 bis 1746 Residenz des sächsischen Herzogs von Sachsen-Weißenfels. Es ist teilweise sehr gut erhalten und beherbergt heute u. a. eine Ausstellung zum Herzogtum Sachsen-Weißenfels. Das Schloss gilt als national wertvolles Kulturdenkmal.[1]

Bau und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grundsteinlegung erfolgte am 25. Juli 1660 durch August, Erzbischof von Magdeburg, der dank des Testaments seines Vaters Johann Georg I. von Sachsen seit 1657 auch erster Herzog der sächsischen Sekundogenitur Sachsen-Weißenfels war und das Herzogtum von seiner Residenz in Halle aus verwaltete. Das Schloss wurde in der alten Burganlage errichtet, die 1644 von den Schweden während des Dreißigjährigen Krieges geschleift worden war. Mit Ende des Krieges und dem damit verbundenen Westfälischen Frieden 1648 erwarb sich das Kurfürstentum Brandenburg allerdings den Anspruch auf den weltlichen Besitz des Erzbistum Magdeburg (zu dem auch die Stadt Halle gehörte). Der sollte eingefordert werden, sobald der letzte Administrator des Erzbistum Magdeburg stirbt. Es wird daher vermutet, dass Herzog August in diesem Wissen Neu-Augustusburg konkret für seinen Amtsnachfolger bauen ließ, der nach seinem Tod als Herzog von Sachsen-Weißenfels im neu eingerichteten Herzogtum Magdeburg nicht weiter residieren konnte.

Sohn Johann Adolf I. von Sachsen-Weißenfels bezog 1680 nach dem Ableben seines Vaters als neuer und erster Herzog das noch unfertige Schloss und brachte es während der folgenden 14 Jahre zur Vollendung. Die Baumeister waren Johann Moritz Richter und sein gleichnamiger Sohn. Beide schufen mit diesem Bau eine der größten frühbarocken Schlossanlagen in Mitteldeutschland.

Auf dem Schloss residierten daher bis zur Auflösung des Herzogtums im Jahre 1746:

Das Schloss entwickelte sich zum kulturellen Zentrum, das bedeutende Künstler wie Johann Beer, Johann Philipp Krieger, Georg Philipp Telemann und Friederike Caroline Neuber anzog.

Hier entdeckte Herzog Johann Adolf I. von Sachsen-Weißenfels auch das musische Talent des jungen Georg Friedrich, als er seinen Leibarzt Georg Händel darum bittet, dessen Sohn bei ihm in der Schlosskirche Orgel spielen zu lassen. Johann Sebastian Bach komponierte für Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels die Kantate Was mir behagt, ist nur die muntre Jagd BWV 208 (Jagdkantate), die 1713 zu Ehren des Herzogs in Weißenfels uraufgeführt wurde (heute Hotel Jägerhof). Seine Kantate Entfliehet, verschwindet, entweichet, ihr Sorgen BWV 249a (Schäferkantate) erklang zum Geburtstag des Herzogs 1725 hier auf Schloss Neu-Augustusburg. Für die Orgel der Schlosskirche komponierte er seine Toccata und Fuge in F BWV 540.

Nach dem Aussterben des Weißenfelser Herzogshauses 1746 ging das Schloss zunächst wieder an das Kurfürstentum Sachsen und wurde nur noch selten bewohnt. Ab 1815 gehörte es zu Preußen und wurde zur Kaserne, für ein Bataillon des 1. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 31 zu Erfurt, umgebaut. Als solche wurde es bis 1920 vom Heer als Unteroffiziersschule, dann von der Polizei genutzt. Von März bis August 1933 diente das Schloss als „Gefangenensammellager“ für politische Häftlinge. Nach 1945 fanden Flüchtlinge hier eine Unterkunft, anschließend wurde im Schloss eine Fachschule für Heimatmuseen sowie das Schuhmuseum der DDR eingerichtet. Im Jahr 1993 wurde es erstmals der Stadt Weißenfels zur Verwaltung übergeben. Seither wird das Gebäude in Abschnitten restauriert.

Heute befindet sich im Schlossgebäude das Museum Weißenfels. Neben einer Ausstellung zum Schuhhandwerk, die im Kern auf die Konzeption des hier seit 1964 beheimateten Schuhmuseums der DDR zurückgeht, wird seit 2007 auch eine neugestaltete Ausstellung zum Herzogtum Sachsen-Weißenfels gezeigt. Von der Schlossterrasse bietet sich ein weiter Blick über die Stadt Weißenfels. Der Schlosskeller und das Schlosscafé sind zudem Veranstaltungsorte für Konzerte, Diskotheken, Comedy und Ähnliches.

Schlosskirche St. Trinitatis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlosskirche mit Förner-Orgel
Schlosskirche

Besonders interessant und sehenswert ist die weitgehend im Original erhaltene Schlosskirche St. Trinitatis, die zu den schönsten frühbarocken Kirchen Mitteleuropas zählt.

Als Schlosskapelle ist der Raum vom Gegenüber von Altar und Fürstenloge auf der Empore her konzipiert. Die Ausmalung übernahm Johann Oswald Harms; die umlaufenden Emporenbilder zeigen typologisch entsprechende Szenen aus dem Neuen (1. Empore) und Alten Testament (2. Empore). Ein besonderes Schmuckelement sind die zahlreichen Emblemata. Der ursprüngliche Kanzelaltar von Johann Heinrich Böhme aus Schneeberg und Johann Balthasar Stockhammer (1678/80) wurde nach dem Übergang des Schlosses an das katholische Haus Sachsen 1751 auseinandergenommen; der Altar erhielt ein Relief der Verkündigung als Altarbild.

Zu den bekannten Schlosspredigern zählten Johannes Olearius (1611–1684) und Erdmann Neumeister (1671–1756).

Die Kirche wird seit 1946 sonntäglich von der Evangelisch-Lutherischen St. Trinitatisgemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche genutzt, die nach dem Abschluss einer Nutzungsvereinbarung mit der Stadt 2004 im angrenzenden Nordostflügel des Schlosses auch Gemeinderäume und das Pastorat eingerichtet hat. Zugleich befindet sich dort auch die Superintendentur des Kirchenbezirks Sachsen-Thüringen.

Fürstengruft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gruft unter dem Altarraum der Kirche befindet sich das Erbbegräbnis der Weißenfelser Herzogsfamilie, in welcher die fürstlichen Mitglieder der Familie in zum Teil sehr kunstvoll und prunkvoll gestalteten Särgen aus Holz bzw. Zinn-Legierungen bestattet wurden und stellt ein bedeutendes Denkmal barocker Bestattungskultur in Mitteldeutschland dar. Sie ist in der Regel einmal im Monat für Besucher zugänglich. Folgende Mitglieder der herzoglichen Familie wurden hier bestattet:

  • August (1614–1680), 1. Herzog von Sachsen-Weißenfels
  • Anna Maria von Mecklenburg (1627–1669), 1. Ehefrau Herzog Augusts
  • Johanna Walpurgis von Leiningen-Westerburg (1647–1687), 2. Ehefrau Herzog Augusts
  • August (1650–1674), Dompropst von Magdeburg
  • Christian (1652–1689), kursächsischer Generalfeldmarschall-Leutnant (Eingeweide separat in einer Urne bestattet)
  • Anna Maria (1653–1671), Tochter Herzog Augusts
  • Katharina (1655–1663), Tochter Herzog Augusts
  • Elisabeth (1660–1663, Tochter Herzog Augusts
  • Dorothea (1662–1663), Tochter Herzog Augusts
  • Friedrich (1673–1715), Herzog von Sachsen-Weißenfels-Dahme und kursächsischer Generalleutnant
  • Moritz (1676–1695), Offizier in kursächsischen Diensten
  • totgeborener Sohn Herzog Augusts (*/† 1679)
  • Johann Adolf I. (1649–1697), 2. Herzog von Sachsen-Weißfenfels
  • Johanna Magdalena von Sachsen-Altenburg (1656–1686), 1. Ehefrau Herzog Johann Adolfs I.
  • August Friedrich (1674–1675), Erbprinz von Sachsen-Weißfenls, Sohn Herzog Johann Adolfs I.
  • Johann Adolf (1676–1676), Erbprinz von Sachsen-Weißfenls, Sohn Herzog Johann Adolfs I.
  • Johanna Wilhelmina (1680–1730), Tochter Herzog Johann Adolfs I.
  • Friedrich Wilhelm (1681–1681), Sohn Herzog Johann Adolfs I.
  • Johann Georg (1677–1712), 3. Herzog von Sachsen-Weißfenfels
  • Friederike Elisabeth von Sachsen-Eisenach (1669–1730), Gemahlin des Herzogs Johann Georg (Eingeweide separat in einer Urne bestattet)
  • Friederike Elisabeth (1701–1706), Tochter des Herzogs Johann Georg
  • Johann Georg (1702–1703), Erbprinz von Sachsen-Weißenfels, Sohn des Herzogs Johann Georg
  • Johannetta Wilhelmina (1704–1704), Tochter des Herzogs Johann Georg
  • Johannetta Amalia (1705–1706), Tochter des Herzogs Johann Georg
  • Johanna Magdalena (1708–1760), Tochter des Herzogs Johann Georg, Gemahlin des Herzogs Ferdinand von Kurland
  • Friederika Amalie (1712–1714), Tochter des Herzogs Johann Georg
  • Christian (1682–1736), 4. Herzog von Sachsen-Weißfenfels
  • Luise Christiana von Stolberg-Stolberg (1675–1738), Gemahlin des Herzogs Christian
  • Johann Adolf II. (1685–1746), 5. Herzog von Sachsen-Weißfenfels (Eingeweide separat in einer Urne bestattet)
  • Johannetta Antoinetta Juliana von Sachsen-Eisenach (1698–1726), 1. Gemahlin des Herzogs Johann Adolf II.
  • Friedrich Johann Adolf (1722–1724), Erbprinz von Sachsen-Weißenfels, Sohn des Herzogs Johann Adolf II.
  • Friederika von Sachsen-Gotha-Altenburg (1715–1775), 2. Gemahlin des Herzogs Johann Adolf II.
  • Karl Friedrich Adolf 1736–1737), Erbprinz von Sachsen-Weißenfels, Sohn des Herzogs Johann Adolf II.
  • Johann Adolf (1738–1738), Erbprinz von Sachsen-Weißenfels, Sohn des Herzogs Johann Adolf II.
  • August Adolf (1739–1740), Erbprinz von Sachsen-Weißenfels, Sohn des Herzogs Johann Adolf II.
  • Johann Georg Adolf (1740–1740), Erbprinz von Sachsen-Weißenfels, Sohn des Herzogs Johann Adolf II.
  • Friederike Adolfina (1741–1751), Tochter des Herzogs Johann Adolf II. (Eingeweide separat in einer Urne bestattet)
  • sowie wahrscheinlich noch zwei namenlose (totgeborene) Kinder

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel auf der dritten Empore der Schlosskirche wurde 1667 bis 1673 durch den Orgelbauer Christian Förner erbaut. Sie umfasste 22 Register auf zwei Manualen und Pedal und galt Zeitgenossen als ein technisches wie musikalisches Meisterwerk des mitteldeutschen Orgelbaus.

Nach jahrzehntelanger Vernachlässigung in der Zeit der Nutzung des Schlosses als Kaserne wurde die Orgel 1839 durch Johann Friedrich Schulze radikal umgebaut, 1864 nahm Friedrich Ladegast Reparaturen vor. Nach 1945 wurden Pfeifenwerk und Gehäuse schwer beschädigt; 1985 erfolgte ein als „Teilrekonstruktion“ bezeichneter weitgehender Neubau durch die Orgelbaufirma A. Voigt. Trotz der massiven Eingriffe gilt die Förner-Orgel als musikgeschichtliches Denkmal und „Schlüsselinstrument zum gesamten Orgelbau in Mitteldeutschland“.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gottlob Traugott Gabler: Die Fürstengruft auf Neu-Augustusburg, oder Die Herzöge von Sachsen-Weißenfels und Querfurth. gedruckt bei C.F. Meusel, Weißenfels 1844.
  • 300 Jahre Schloss Neu-Augustusburg, 1660-1694 - Residenz der Herzöge von Sachsen-Weißenfels: Festschrift. Weißenfels 1994.
  • Mario Titze: Barockskulptur im Herzogtum Sachsen-Weissenfels. Hrsg. v. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt / Landesmuseum für Vorgeschichte. Michael Imhof Verlag 2007, ISBN 978-3-86568-316-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Neu-Augustusburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neu-Augustusburg in Weißenfels: Bund gibt überraschend 1,4 Millionen Euro für Schloss, Mitteldeutsche Zeitung, 3. März 2017, Zitat: „Mit der Förderung ordne der Bund das Weißenfelser Schloss als ein Bauwerk von nationaler Bedeutung ein“
  2. Alexander Koschel, in: Textbuch zu J. S. Bach und die mitteldeutsche Orgelmusik des 16.-18. Jahrhunderts (CD)

Koordinaten: 51° 11′ 58″ N, 11° 58′ 31″ O