Pfarrhaus

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Pfarrhaus von Ilmenau, hinter der Stadtkirche gelegen
Pfarrhaus Finkenbach-Gersweiler (1830)
Pfarrhaus der Kirche St. Barbara in Langenfeld-Reusrath
Watschiger Toleranzbethaus: Einheit aus Pfarr- und Bethaus

Ein Pfarrhaus ist das Gebäude, in dem die Amtsräume oder die Wohnung von Pfarrern beziehungsweise Pastoren untergebracht sind. Das Pfarrhaus wird in der Regel von der Kirche oder der Kirchengemeinde unterhalten und war früher oft mit Pfründen verbunden. Da mit der Säkularisation die meisten Kirchengüter in die staatlichen Besitztümer übergingen, stehen noch heute viele Pfarrhäuser unter der Verwaltung der Bundesländer. Das Pfarrhaus als kulturelle Institution ist ein "Hort der Bildung und Bollwerk gegen säkularen Sinnverlust".[1] Es hat große Bedeutung, weil in den Pfarrersfamilien immer besondere Werte gelebt und vermittelt wurden, so dass vor allem Pfarrerskinder oft sehr herausgehobene Positionen einnahmen.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pfarrhaus oder bei größeren Gebäudekomplexen auch der Pfarrhof (mit Pfarrscheune) ist in der Regel mit dem Pfarramt verbunden. In Teilen des deutschen Sprachraums wird es auch als Widum oder Pastorat, historisch auch als „Archipresbyterat“, „Presbyterat“, „Archidiakonat“ bzw. „Diakonat“ bezeichnet. In einigen Regionen innerhalb der norddeutschen evangelischen Landeskirchen spricht man auch von der „Pastorei“. Viele Kirchen haben kein spezielles, ausformuliertes Pfarrhausrecht. Oft wird auf die Billigkeit abgestellt,[2] in manchen Landeskirchen gibt es auch Pfarrhausrichtlinien.[3]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die strikte Trennung in ein Wohnhaus und ein Nebengebäude für die Landwirtschaft unterschied in vielen Ortschaften das Pfarrhaus von den üblichen Bauernhäusern. Das Pfarrhaus beinhaltete oft auch Gemeinde-, Schul- oder Konfirmandenräume.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche stellte den Geistlichen in vielen Gemeinden eigene Wohnräume zur Verfügung. Oft waren in der Römisch-katholische Kirche damit auch weitere Einrichtungen wie Collegien[4], Schulen oder Propsteien verbunden. An Stiftskirchengemeinden war in der Regel eines der Stiftsgüter auch das Pfarrhaus. Mit der Reformation bekam das Pfarrhaus noch mehr Bedeutung, da mit der Aufhebung des Zölibats für Pfarrer auch Pfarrfrauen und damit ganze Pfarrfamilien in die evangelischen Pfarrhäuser. einzogen. Namhaftes Vorbild für die Rolle der Pfarrfrau und des damit häufig verbundenen offenen und gastfreundlichen Hauses war Martin Luthers Ehefrau Katharina von Bora. Pfarrerskinder kamen häufig in den Genuss einer überdurchschnittlichen Bildung. Unter dem Landesherrliches Kirchenregiment wurde der Pfarrer an vielen Stellen auch zum Landesbeamten an vorderster Front und bildete zusammen mit dem Lehrer, Kantor und manchmal Bürgermeister den Kern der Bildungselite. Pfarrhäuser dienten unter anderem als "religiöses Biotop, politischer Gegenentwurf,bürgerliche Enklave oder antibürgerlicher Kampfschauplatz".[5] Zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten in ganz unterschiedlichen Sparten sind in einem Pfarrhaus aufgewachsen, darunter: Friedrich Nietzsche, Jean Paul, Hermann Hesse, Johannes Rau, Frère Roger, Ingmar Bergman, Vincent van Gogh, Jane Austen, Paul Tillich, Friedrich Dürrenmatt, Matthias Claudius, Friedrich Schleiermacher, Christoph Blocher, Christopher Wren, Gudrun Ensslin, Klaus Harpprecht, Elisabeth Niejahr, Hans W. Geißendörfer, Angela Merkel, Rezzo Schlauch, Christine Lieberknecht, Margrethe Vestager, Benjamin von Stuckrad-Barre, Christoph Hein, Christoph Wonneberger, Martin Kohlhaussen.[6][7]

Das evangelische Pfarrhaus der Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Evangelisches Pfarrhaus

In jüngerer Vergangenheit wandelte sich die Rolle der Pfarrer, viele Pfarrfrauen gehen eigenen Berufen nach und es existieren Pfarrmänner. Damit einhergehend wandelte sich auch die Bedeutung des Pfarrhauses.

Das katholische Pfarrhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pfarrhaus als Haus des Priesters soll nach einem Beschluss der Würzburger Synode von 1974 zugleich ein Haus für die Gemeinde sein: „Haus und Haushalt des Priesters müssen seinem Dienst entsprechen“, was einen Stil erfordert, „der von Einfachheit und Schlichtheit geprägt ist und Rücksicht nimmt auf die Ärmeren in der Gemeinde.“[8] Es gehört zum Vermögen der Pfarrei und soll in der Nähe der Pfarrkirche gelegen sein.[9] Für den Pfarrer bestimmt das Kirchenrecht eine Residenzpflicht.[10]

Im Priesterhaushalt ist häufig die Pfarrhaushälterin tätig. Sie ist Angestellte des Priesters in Vollzeit- oder Teilzeitanstellung, kann aber neben der Haushaltsführung im Pfarrhaus weitere Aufgaben in der Pfarrgemeinde übernehmen. Sie kann im Pfarrhaus oder außerhalb wohnen. Die Würzburger Synode definierte ihre Tätigkeit als „kirchlichen Dienst“.[11]

In der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Pfarrer oft in der Literatur vorkommen, spielt auch das Pfarrhaus immer wieder eine Rolle. Für die evangelischen Pfarrhäuser wird das besonders in den Romanen Lennacker. Das Buch einer Heimkehr (1938) von Ina Seidel und Der Mann auf der Kanzel (1979) von Ruth Rehmann deutlich. Auch Gösta Berling ist ein gutes Beispiel und natürlich die vielen Romane über Pfarrer, die in Kriminalfällen ermitteln, wie zum Beispiel die Pater Brown-Romane von G. K. Chesterton. Darüber hinaus werden bestimmte Bilder auch in Fernsehserien wie Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen und anderen vermittelt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfarrhäuser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Pfarrhaus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cord Aschenbrenner: Das Evangelische Pfarrhaus, 300 Jahre Glaube, Geist und Macht. Eine Familiengeschichte. Siedler, München 2015, ISBN 978-3-8275-0013-7.
  • Thomas A. Seidel / Christopher Spehr (Hrsg.): "Das evangelische Pfarrhaus. Mythos und Wirklichkeit". Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2013, ISBN 978-3-374-03341-6.
  • Christine Eichel: Das deutsche Pfarrhaus. Hort des Geistes und der Macht. Köln 2012, ISBN 978-3-86995-040-2.
  • Martin Greiffenhagen: Das evangelische Pfarrhaus: eine Kultur- und Sozialgeschichte. Stuttgart 1984.
  • Ernst Gutting, Anneliese Knippenkötter (Hrsg.): Die Frau im Pfarrhaus. Beiträge zu einem kirchlichen Dienst für die Gemeinde. Düsseldorf 1980 (römisch-katholisch).
  • Robert Minder: Das Bild des Pfarrhauses in der deutschen Literatur von Jean Paul bis Gottfried Benn. In: Kultur und Literatur in Deutschland und Frankreich - Fünf Essays. Frankfurt 1977, ISBN 3-518-06897-0.
  • Richard Riess (Hrsg.): Haus in der Zeit - Das evangelische Pfarrhaus heute. Chr. Kaiser Verlag, München 1979, ISBN 3-459-01222-6 (mit Beiträgen von C.+ S. Bartels, Friedrich Wilhelm Kantzenbach, Johannes Hanselmann u. a.)
  • Gunther Schendel: Das evangelische Pfarrhaus aus kirchenhistorischer Sicht - Beiträge zur DVD-educativ premium "Das weiße Band". Matthias Film gGmbH 2010 (u. a. mit Kurzbiografien zu folgenden Pfarrhauskindern: Diedrich Speckmann, Gottfried Benn, Wolfgang Trillhaas, Horst Wessel).
  • Thomas Spohn (Hrsg.): Pfarrhäuser in Nordwestdeutschland. Münster/New York/München/Berlin 2000.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eichel. Das Deutsche Pfarrhaus. 2012. Klappentext
  2. http://www.kirchenrecht-baden.de/showdocument/id/4284 Kirchenrecht Baden (abgerufen am 19. Mai 2014)
  3. Pfarrhausrichtlinien der Landeskirche in Württemberg.
  4. Auch in der Anglikanische Kirche gab es entsprechende Einrichtungen, woraus oft bedeutende Colleges hervorgegangen sind.
  5. Eichel. Das Deutsche Pfarrhaus. 2012. Klappentext
  6. Susanne Mack: Karriere einer Pfarrerstochter. deutschlandradiokultur.de, 26. Oktober 2005, abgerufen am 26. Oktober 2014
  7. Simon Broll: Die berühmtesten Pfarrerskinder der Welt. spiegel.de, 17. September 2013, abgerufen am 26. Oktober 2014
  8. Beschluss: Dienste und Ämter Nr. 5.2.3, 11./12. November 1974, in: Gemeinsame Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland: Beschlüsse der Vollversammlung. Offizielle Gesamtausgabe I. Freiburg - Basel - Wien, 2. Aufl. 1976, S. 622.
  9. Konrad Hartelt: Pfarrhaus. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). 3. Auflage. Band 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999, Sp. 174.
  10. Residenzpflicht katholischer Pfarrer nach dem CIC: Can. 533 §1Der Pfarrer ist verpflichtet, im Pfarrhaus nahe der Kirche seinen Wohnsitz zu haben.
  11. Beschluss: Dienste und Ämter Nr. 5.2.3. - Berufsgemeinschaft der Pfarrhaushälterinnen im Erzbistum Köln - Österreichische Arbeitsgemeinschaft der diözesanen Berufsgemeinschaften der Pfarrhaushälterinnen