Schneefräse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schneefräse im Einsatz auf dem Col du Galibier
Schneefräse als Anbaugerät an Volvo-Radlader im Einsatz in Norwegen

Eine Schneefräse (auch Schneeschleuder) ist ein sowohl im Straßenverkehr als auch im Schienenverkehr eingesetztes Gerät, mit dem man große Mengen Schnee und Eis räumen kann.

Es gibt selbstfahrende Schneefräsen und Schneefräsen in Form von mobilen Anbaugeräten für Traktoren, Radlader, LKW oder Lokomotiven.

Im Vergleich zu einem Schneepflug ist die Schneefräse bei höherer Schneedecke wirkungsvoller. Bei der Schneeräumung wird der Schnee nicht lediglich zur Seite geschoben, sondern über ein Schleuderrad gefräst, aufgenommen und seitlich in großem Bogen wieder ausgestoßen. Nachteilig ist der deutlich höhere Aufwand an Energie und Zeit.

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man unterscheidet zwischen Geräten mit Frästrommel und Geräten mit Schleuderrad.

Frästrommel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zaugg-Schneefräse

Die Frästrommel ist eine rotierende Walze, die vor dem Fahrzeug angebracht ist und deren Achse rechtwinklig zur Fahrtrichtung verläuft. Auf der Trommel, die über die gesamte Fahrzeugbreite geht, sind Lamellen schneckenförmig angebracht, die drei Aufgaben erfüllen:

  1. Fräsen: Abschaben des Schnees. Zur Erhöhung der Wirkung sind die Lamellen bisweilen mit einem Sägezahnprofil versehen.
  2. Transport zum Schneeauswerfer: Da es nur einen oder maximal zwei Schneeauswerfer gibt, muss der Schnee von der gesamten Fahrzeugbreite zu dem oder den Auswerfer(n) gebracht werden. Gibt es beispielsweise einen Schneeauswerfer in der Mitte, so ist die Schraube der Lamellen zweiteilig mit entgegengesetzter Chiralität. Der Transport in der Horizontalen funktioniert prinzipiell wie in einer Archimedischen Schraube: Das Rohr wird durch die halbseitige Verkleidung der Trommel und dem abzufräsenden Schneeberg gebildet.
  3. Schleudern: Schließlich wird der Schnee aus dem Schneeauswerfer geschleudert. Beim Schneeauswerfer laufen die gegensinnigen Teilschnecken zusammen. Dort bilden die Lamellen eine U-förmige Schaufel, in der sich der Schnee sammelt. Die Zentrifugalkraft treibt den dort sich ansammelnden Schnee radial nach außen. Die Verkleidung der Trommel verhindert ein Fliehen des Schnees, außer an einer Stelle: In der Verkleidung ist eine Aussparung, die in den Schneeauswerfer übergeht.

Die größte in Österreich in Verwendung stehende Schneefräse ist eine Trommelfräse, die Schneehöhen von 1,7 Meter bei einer Breite von 2,75 Meter in einem Arbeitsgang schafft. Die Trommel wird bei einem Frontlader montiert.[1]

Schleuderrad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Straßenfräsen wird der Schnee oft von einem waagerechten Schleuderrad aufgenommen.

Schienen-Schneeschleudern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fräsen im Bahnverkehr werden als Schneeschleuder bezeichnet. Sie arbeiten mit etwa zehn schräg gestellten, auswechselbaren Schaufeln, die auf einer parallel oder quer zur Fahrtrichtung rotierenden Trommel angebracht sind. Die ersten Schneeschleudern bei der Eisenbahn wurden ca. 1890 nach dem Patent Leslie in den Vereinigten Staaten gebaut. Das Rad der Dampfschneeschleuder wird mit Dampf betrieben. Einen eigenen Antrieb hat die Dampfschneeschleuder in der Regel nicht. Sie wird von einer Lokomotive geschoben. Eingesetzt wurden sie in schneereichen Regionen z. B. bei der White Pass and Yukon Railway, auf der Gotthard-, der Lötschberg- oder auf der Berninabahn. 1943 wurden in Deutschland die letzten Dampfschneeschleudern von Henschel gebaut.

Im Verkehrshaus in Luzern ist die bekannte 1896 gebaute Xrot 100 (Rotary) der Gotthardbahn zu sehen, die 1975 für einen Schneeräumeinsatz reaktiviert wurde, da die moderneren Schneeschleudern wegen Lawinenabgängen nicht vor Ort waren. Eine 1942 von Henschel gebaute Dampfschneeschleuder ist im Eisenbahnmuseum Neustadt/Weinstraße zu sehen. Die Schneeschleuder R 12, 1913 für die Rhätische Bahn (RhB) gebaut, ist derzeit (Anfang 2011) bei einer Sektion der Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) in Goldau zur Aufarbeitung und soll künftig auf der Strecke über den Furkapass der DFB wieder zum Einsatz kommen.

Zwei Dampfschneeschleudern mit eigenem Antrieb der Bauart Meyer wurden 1910 und 1912 durch die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik für die Berninabahn gebaut. Die Xrot d 9213 wird von der Rhätischen Bahn auch heute noch (2011) einsatzfähig gehalten, die Xrot d 9214 gelangte 1996 an die Museumsbahn Blonay–Chamby (BC).

Die modernen dieselgetriebenen Schneeschleuder-Fahrzeuge der RhB, SBB, ÖBB und der DB wurden vom Unternehmen Beilhack gebaut, das auch Straßenschneefräsen herstellt und heute unter dem Namen Aebi Schmidt Holding firmiert. Laut der Website des heutigen Unternehmens beträgt die Räumleistung bis zu 22.000 Tonnen in der Stunde.[2] Auch Straßenbahnen nutzen mitunter Fräsen, ein Beispiel hierfür sind die drei Schneefräsen der Straßenbahn Bukarest in der rumänischen Hauptstadt.

Kleingeräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handgeführte Motorschneefräse

Schneefräsen gibt es aber auch als handgeführte Motorgeräte in kleinerer Ausführung, ähnlich einem Einachsschlepper, zum Räumen von kleineren Flächen und Gehwegen. Diese Geräte sind meist mit einer Antriebsachse mit stark profilierter Luftbereifung und bedarfsweise Schneeketten oder mit einem Gummikettenfahrwerk ausgerüstet. Diese sind meist nur für lockeren pulverigen Schnee geeignet, da sie bei nassem Schnee leicht verstopfen.

Nachlauffräse bei Pistenraupen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Nachlauffräse einer Pistenraupe wird der abgetragene Schnee nicht weggeschafft, sondern auf der Skipiste belassen. Durch das Fräsen werden größere Schnee- und Eisklumpen zerkleinert und die tiefen Spuren der Raupenketten geglättet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schneefräsen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Größte Schneefräse am Timmelsjoch auf ORF vom 3. Mai 2011
  2. [1] Räumleistung Beilhack, abgerufen am 19. September 2010