Verkehrshaus der Schweiz

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Halle Strassenverkehr (2018)
Erster Triebwagen mit Dieselmotor RVT ABm 2/5 9 (2010)
Die Gartenbahn im Innenhof (2005)

Das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern ist ein vielseitiges Verkehrs- und Kommunikationsmuseum und das meistbesuchte Museum der Schweiz. Es zeigt eine grosse Sammlung von Lokomotiven, Autos, Schiffen und Flugzeugen sowie Exponate aus dem Bereich Kommunikation. Neben dem Museum beherbergt das Verkehrshaus auch ein Planetarium, das «Filmtheater» und das «Swiss Chocolate Adventure». Betreiber des Verkehrshauses ist der Verein Verkehrshaus der Schweiz. Die Besucherzahl des Museums lag 2017 bei 519'997, die weiteren Angebote Filmtheater, Swiss Chocolate Adventure und Planetarium verzeichneten zusammen 252‘080 Besucher.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des Verkehrshauses ging auf den Wunsch zurück, ein Eisenbahnmuseum in der Schweiz zu schaffen. Im Jahr 1942 wurde der Verein Verkehrshaus der Schweiz mit Sitz in Zürich gegründet, dem neben SBB und PTT, Privatbahnen und Verkehrsorganisationen auch grosse Unternehmen aus Handel, Industrie und Tourismus angehörten. Da aber in Zürich kein geeignetes Gelände für das geplante Museum gefunden werden konnte, bot die Stadt Luzern dem Verein ein 22'500 m² grosses Gelände beim Lido an, unmittelbar am Vierwaldstättersee.

Im Jahr 1957 begannen die Bauarbeiten. Der Bau wurde finanziell durch den Bund sowie die Stadt und den Kanton Luzern unterstützt. Am 1. Juli 1959 wurde das Verkehrshaus der Schweiz eröffnet; es wurde schnell zum populärsten Museum der Schweiz. Mitbegründer und Gründungsdirektor war Alfred Waldis. «Egal, wie viele Direktoren noch kommen, Alfred Waldis wird immer Mister Verkehrshaus bleiben.» schrieb die Neue Luzerner Zeitung zu dessen Tod.[2]

Einem grösseren Publikum in Deutschland ist das Verkehrshaus durch den Sketch Im Verkehrshaus (1976) des Luzerner Komikers Emil Steinberger bekannt geworden.

Bei dem Unwetter im Sommer 2005 kam es in der Nacht vom 21. auf den 22. August 2005 auch im Museum zu einer Überschwemmung, die Teile der Ausstellungen überflutete. Die Kellerräume der Abteilungen Schifffahrt und Luftfahrt wurden dabei beschädigt.[3]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum, in dem man viele Gegenstände auch berühren und sich interaktiv beschäftigen kann, gliedert sich in verschiedene Bereiche:

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die umfangreiche Sammlung zum Schienenverkehr bietet unter anderem Schweizer Schienenfahrzeuge von der Spanisch Brötli Bahn über Strassenbahnen und Zahnradbahnen bis zur Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT), Simulatoren, Filme und Infostationen. Auf dem ebenfalls dort angelegten Gotthardbahnmodell ist die Strecke vom Bahnhof Erstfeld über die drei Kehrtunnel bei Wassen bis zum Tunnelportal Göschenen nachgebildet. Seit Sommer 2016 steht in der Halle Schienenverkehr auch ein Zugsimulator, mit dem der Besucher den Basistunnel der NEAT durchfahren kann. Der Ausstellungsbereich «Mobilität der Zukunft» zeigt die Zukunftsvisionen im öffentlichen Verkehr aus Sicht der SBB.

Strassenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schaulager in der Halle Strassenverkehr (2018)

Die Sammlung zum Strassenverkehr zeigt Pferdewagen, Fahrräder, Motorräder und Autos sowie eine Ausstellung zum Thema Verkehrssicherheit. Letztere wurde in Zusammenarbeit mit der bfu realisiert. Eine Attraktion ist das Autotheater, in welchem die Zuschauer in einer Art Fernsehshow eine grosse Auswahl an Fahrzeugen aus allen Bereichen der Autogeschichte präsentiert bekommen. Die ausgewählten Automobile werden dabei mit einem Autolift aus einem Hochregallager geholt und vorgestellt. An der Fassade der Halle Strassenverkehr sind 344 Signaltafeln aus dem Schweizer Strassenverkehr angebracht.

Luft- und Raumfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lockheed Orion 9C
Ballongondel des Breitling Orbiters 2

In der Ausstellung zu Luft- und Raumfahrt können mehr als 30 Flugzeuge und Flugapparate besichtigt werden, darunter der von den Gebrüdern Henri und Armand Dufaux konstruierte Doppeldecker Dufaux 4, das älteste erhaltene Schweizer Flugzeug.[4] Zu den weiteren Exponaten gehören je eine Blériot XI-b, Fokker F.VIIa, Lockheed Orion, Fieseler Fi 156 Storch, Douglas DC-3, ein Helikopter Alouette III, Bertrand Piccards Breitling Orbiter 2 und der von Claude Nicollier 1992 mit dem Space Shuttle Flug STS-46 ausgesetzte Forschungssatellit EURECA.[5] Daneben werden hunderte Originalgegenstände der Fliegerei von Gabeln über Fallschirme bis zum aufgeschnittenen Triebwerk gezeigt, ergänzt mit Dioramen, Experimenten und Flugsimulatoren.

Überdies beherbergt das Verkehrshaus auch eine Raumfahrtausstellung, welche unter anderem die Raumfahrt in der Populärkultur, den Wettlauf zum Mond und eine begehbare Marslandschaft mit Nachbauten von Mars-Rovern zeigt.

Schifffahrt, Seilbahnen und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beginnend beim Einbaum wird die Geschichte der Schifffahrt in der Schweiz erzählt, vom Schnittmodell 1:1 der Dampfanlage eines Raddampfers über Originalschiffe bis zu unzähligen Modellen. Hier findet sich auch die Multimediaschau Nautirama.

Von der Halle Schifffahrt aus erfolgt auch der Einstieg zum Tauchboot «Mesoscaph», dem bisher einzigen U-Boot, welches für den Einsatz in der Schweiz zugelassen ist. Das U-Boot wurde 1963 von Auguste Piccard entworfen und war an der Expo 64 in Lausanne im Einsatz. In über 28‘000 Arbeitsstunden wurde das U-Boot restauriert und kann seit 2014 begangen werden.

In der Seilbahnausstellung ist die erste Seilbahnkabine des Wetterhornaufzuges zu sehen.

Die Swissarena im Juli 2007

Die Swissarena im Ausstellungsbereich Tourismus ist eine 200 m² grosse Luftaufnahme der Schweiz im Massstab 1:20'000. Sie kann mit Filzpantoffeln begangen werden. Mit Hilfe von Augmented Reality kann das Luftbild mittels App um Wetterdaten, Flugverkehrs- und Schienenverkehrsdaten oder persönlichen Fotoaufnahmen erweitert werden.

Media World[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Media World zeigt die Entwicklung der Medien und beherbergt unter anderem ein Fernsehstudio und eine Greenbox. Realisiert wurde die Ausstellung von Red Bull Media House.[6]

Attraktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Museum besitzt das Verkehrshaus noch weitere Attraktionen.

Planetarium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Planetarium des Verkehrshauses ist der grösste Himmelssimulator der Schweiz und wurde am 1. Juli 1969 eröffnet. Die 2001 erneuerte Kuppel hat einen Durchmesser von 18 Metern und weist eine Gesamtfläche von rund 502 m2 auf.[7] Verschiedene Programme zeigen mit Projektions- und Audio-Technik den Sternenhimmel und die mit ihm zusammenhängenden Erscheinungen. Nach einem grösseren Umbau (u. a. neue Bestuhlung und eine modulare Bühne) wurde am 6. März 2014 das Planetarium wiedereröffnet. Es verfügt seitdem über eines der weltweit modernsten digitalen Projektionssysteme von Evans & Sutherland, welches den vorher benutzten, optischen Zeissprojektor ersetzte.[8][9]

Filmtheater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verkehrshaus Filmtheater (ehemals IMAX-Filmtheater) werden täglich Dokumentarfilme gezeigt. Das Filmtheater wurde 1996 als erstes IMAX-Kino der Schweiz eröffnet. Es verfügt über 398 Plätze. Die Leinwand ist mit 25 m × 19 m die grösste Leinwand der Schweiz.[10] 2008 wurde das Filmtheater auf den Dolby 3D-Digital-Standard aufgerüstet. 2010 wurde das «IMAX Filmtheater» in «Verkehrshaus Filmtheater» umbenannt, da die Filme nicht mehr hauptsächlich im 70mm-IMAX-Format, sondern in digitaler Form gezeigt werden.[11]

Hans Erni Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kunstmuseum auf dem Gelände des Verkehrshauses zeigt eine grosse Ausstellung des Luzerner Künstlers Hans Erni.

Swiss Chocolate Adventure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Swiss Chocolate Adventure ist eine multimediale Ausstellung zu Ausgangsprodukten, Geschichte sowie Wertschöpfungs- und Transportkette der Schweizer Schokolade. Die Ausstellung wurde im Juni 2014 eröffnet und umfasst 700 m2. Eine Fahrt dauert 25 Minuten.[12] Die Ausstellung wird mittels Audio-Guides auch in Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Koreanisch, Mandarin und brasilianischem Portugiesisch angeboten.[13] Am Ende der Fahrt besteht die Möglichkeit, Schokolade zu degustieren.

Ehemalige Attraktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gotthard-Tunnelschau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gotthard-Tunnelschau war eine Ausstellung zum Bau des Gotthardtunnels, die die Besucher mit einer Bahn durchfuhren. Sie war von 1997 bis November 2013 in Betrieb.[14]

«HiFlyer»[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Oktober 2000 bis Juli 2004 war im Verkehrshaus ein HiFlyer-Fesselballon in Betrieb. Nach dem tödlichen Unfall vom 23. Juli 2004 wurde der Betrieb eingestellt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Verkehrshaus der Schweiz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschäftsbericht 2017.
  2. Ein Phänomen ist nicht mehr. In: Neue Luzerner Zeitung, 12. Juli 2013, S. 2.
  3. Das Verkehrshaus in Luzern steht unter Wasser. Meldung der Nachrichtensendung 10vor10 vom 24. August 2005.
  4. Ältestes Flugzeug der Schweiz wird nachgebaut – Nicollier pilotiert. Tages-Anzeiger, 23. Dezember 2008, abgerufen am 23. Dezember 2008.
  5. Verkehrshaus: Best of Luft- & Raumfahrt, abgerufen am 25. Dezember 2008.
  6. Media World, abgerufen am 15. Juni 2018
  7. Webseite des Planetariums des Verkehrshauses der Schweiz
  8. Im Sessel durch den Weltraum. Artikel der Neuen Luzerner Zeitung vom 7. März 2014, S. 23.
  9. Medienmitteilung des Verkehrshauses vom 7. März 2014
  10. Verkehrshaus: Filmtheater, abgerufen am 23. August 2014.
  11. Medienmitteilung vom 23. Februar 2010: Aus IMAX Filmtheater wird neu ‚Verkehrshaus Filmtheater’, abgerufen am 23. August 2014
  12. Medienmitteilung vom 18. Juni 2014: Swiss Chocolate Adventure im Verkehrshaus der Schweiz eröffnet, abgerufen am 24. August 2014
  13. Swiss Chocolate Adventure, abgerufen am 15. Juni 2018
  14. Medienmitteilung vom 25. Oktober 2013: Letzte Tage der Gotthard-Tunnelschau, abgerufen am 24. August 2014

Koordinaten: 47° 3′ 10″ N, 8° 20′ 9″ O; CH1903: 668170 / 211695