Schwafheim

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Schwafheim
Stadt Moers
Koordinaten: 51° 25′ 25″ N, 6° 39′ 12″ O
Höhe: 27,5 m ü. NN
Fläche: 4,58 km²
Einwohner: 7360 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte: 1.607 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1906
Postleitzahl: 47447
Vorwahl: 02841
Schwafheim (Nordrhein-Westfalen)
Schwafheim

Lage von Schwafheim in Nordrhein-Westfalen

Schwafheim ist ein Ortsteil (offiziell Wohnplatz) des Stadtteils Moers im Südosten von Moers im Kreis Wesel in Nordrhein-Westfalen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil grenzt im Nordwesten an Vinn, im Norden an Asberg, im Osten an die Stadt Duisburg, Stadtbezirk Rheinhausen, konkret an die Ortsteile Burgfeld und Trompet des Duisburger Stadtteils Bergheim, im Süden begrenzt durch den Bachlauf der Schwafheimer Bruchkendel an Rumeln-Kaldenhausen und im Südwesten an Holderberg.

Berühmt für Schwafheim war das Naturdenkmal, die sogenannte ca. 500 Jahre alte Kaisers Buche am Heideweg. Sie musste am 10. August 2015 gefällt werden. Im Ortsteil liegen vier aus ehemaligen Kiesgruben entstandene Seen (u.a. der Bergsee), die zum Teil als Naherholungsgebiete genutzt werden. Die Landesstraße 137 (ehem. Bundesstraße 57) quert den Ortsteil in nord-südlicher Richtung.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnplätze von Moers; Schwafheim liegt im südöstlichen Bereich von Moers

Nachweisbare Spuren von dem zumindest zeitweiligen Aufenthalt von Menschen im Gebiet von Schwafheim gibt es bis zur Römerzeit am Niederrhein nur wenige. Lediglich an einigen Stellen des Südwestens im Bereich von Vinnbusch wurden Feuersteinklingen und Trümmer von der Bearbeitung von Feuerstein aus der Steinzeit und einige Einzelfunde von prähistorischen Scherben aus der frühen Eisenzeit gefunden. Da Schwafheim südlich von Asberg liegt und die historische Römerstraße die südöstlichen Grenze von Schwafheim ist, sind aus der Römerzeit deutlich mehr Funde ausgegraben worden. Beispielsweise wurden im Bereich der Römerstraße über 200 Brandgräber und ein römischer Grabstein gefunden. Aber auch im Bereich „Auf der Heide“ wurde ein römischer Tuffsteinsarg mit Skelettresten und zwei Münzen von 159/160 n. Chr. ermittelt und weiterhin die Reste eines Hauses mit Fundamentresten, Ziegel und Münzen ausgegraben.[2]

Karte der Grafschaft Moers von Gerhard Mercator 1591 mit „Swaefheim“

Geistlicher Grundbesitz in Schwafheim durch die Abtei Werden im Frühmittelalter ist nachweisbar. Im Urbar dieser Abtei, das um 900 entstand, wird ein Einzelgut des Herrenhofes Friemersheim in „Suab(f)hem“ angeführt.[3] Die Ortsnamen Suafhem, Suefhem oder auch Svafhem, die auch im 9. Jahrhundert in den Urkunden des Klosters Werden erwähnt wurden, bedeuten „Haus oder Heim der Schwaben“. Mercator trägt auf seiner Karte von 1591 „Swaefheim“ ein.[4] Die ehemalige kleine Bauernschaft Schwafheim gehörte zunächst den Freiherren von Friemersheim, bis der hochverschuldete Ritter Bovo von Friemersheim am 13. Juni 1399 seine Herrschaft an die Moerser Grafen verkaufen musste.

Obwohl ab Beginn des 15. Jahrhunderts Schwafheim zur Grafschaft Moers gehörte, war der bäuerliche Weiler weiter von Friemersheim abhängig. Um 1624 war das Gebiet, unverändert wie auch bis Ende des 18. Jahrhunderts, nur dünn besiedelt und Schwafheim hatte lediglich zehn bis 12 Hofstellen. Anfang des 17. Jahrhunderts war das Gericht in Friemersheim sowohl für Kapellen und den Bauerschaften zwischen diesen zwei Ortschaften einschließlich Schwafheim zuständig.[5] Auch nach der unter den Preußen 1770 durchgeführte Justizreform war unverändert in Friemersheim ein Untergericht angesiedelt, das dem Hauptgericht in Moers unterstand. Dies änderte sich erst unter den Franzosen ab 1794. Moers verlor bei der Modernisierung des Gerichtswesens seine zentrale Stellung zu Gunsten von Krefeld und in Moers verblieb ein Friedensgericht, das für den Kanton Moers zuständig war.[6]

Nach 1794 wurde Schwafheim Teil des Kantons Meurs (Moers), der zum französischen Département de la Roer gehörte. Im zentralen Präfektursystem, das ab 1800 eingeführt wurde, wurde die Mairie Moers gebildet. Diese Mairie war neben der Stadt auch zuständig für Asberg, Fünderich, Hochstraß, Hülsdonk, Vinn und Schwafheim.[7]

1814 kam es zum Zusammenbruch des französischen Kaiserreichs und der preußische König wurde wieder Landesherr. Danach wurde die preußische Rheinprovinz gebildet, zu dem die gesamten Gebiete des Niederrheins gehörten. In einer Beschreibung des Regierungsbezirkes Düsseldorf von 1836 wurde das Dorf Schwafheim von der Bürgermeisterei Moers mit verwaltet. Neben dem städtischen Bereich gehörten fünf Landgemeinden zu dieser Bürgermeisterei. Das Dorf Schwafheim mit den Weilern Colve und Altenbruck war eine dieser Gemeinden mit einem eigenen Spezialhaushalt. 1834 hatte Schwafheim 45 Wohnhäuser mit 318 Bewohner. Die Daten für Colve waren drei Häuser und 20 Bewohner und für Altenbruck fünf und 43. Von den gesamt 381 Bewohner der Gemeinde gehörten 10 Personen zum katholischen Glauben, alle anderen waren Protestanten. Letztere gehörten zur evangelischen Gemeinde von Hochemmerich.[8]

1901 umfasste die Gemeinde das Dorf Schwafheim und die Häusergruppen Altenbruch, Külve, Vinnbruch und den Bahnhofsbereich von Trompet. Im Ort lebten zu diesem Datum 873 Personen.[9] Ab 1. April 1906 wurde Schwafheim gemeinsam mit Asberg, Hochstraß, Hülsdonk und Vinn nach Moers eingemeindet.

ehem. Naturdenkmal Kaisers Buche

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1624: 24
  • 1713: 21
  • 1821: 267
  • 1852: 476[10]
  • 1895: 732[11]
  • 1960: 2.500
  • 1999: 6.863
  • 2014: 7.367

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwafheim wird vom Schienenpersonennahverkehr der Niederrheinstrecke (dem sog. Hippeland-Express) in Nord-Süd-Richtung zwischen den Bahnhöfen Moers und (Duisburg-) Trompet durchschnitten. In Schwafheim befindet sich kein eigener Haltepunkt, obwohl dieses Thema immer wieder auf lokaler Ebene diskutiert wurde. An Buslinien verkehren in Schwafheim die von der NIAG betriebene Linie 914 (Moers – Friemersheim (Duisburg)) und die Schnellbuslinie SB 80 (Moers – Krefeld-Uerdingen via Rumeln-Kaldenhausen).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kriegerdenkmal an der Maria-Djuk-Straße ist seit 2015 als einziges Baudenkmal Schwafheims in der Liste der Baudenkmäler in Moers geführt. Daneben ist das als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Areal des Bergsees und dessen umgebenen Grün- und Waldflächen eines der meist besuchten Naherholungsgebiete von Moers.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwafheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moers - Stadtteile und Wohnplätze. Abgerufen am 15. August 2015.
  2. Wensky, Margret, in: Moers. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart. 2000, Böhlau Verlag, Köln, Band 1, S. 428, 444 + 447. ISBN 3-412-04600-0
  3. Wensky, Margret, in: Moers. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart. 2000, Böhlau Verlag, Köln, Band 1, S. 71. ISBN 3-412-04600-0
  4. Schwafheim, mein Stadtteil, Historisches Schwafheim. Abgerufen am 15. August 2015.
  5. Hirschberg, Carl. In: Geschichte der Grafschaft Moers. 1904, S. [119]113. Onlinefassung
  6. Wensky, Margret, in: Moers. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart. 2000, Böhlau Verlag, Köln, Band 2, S. 90 + 91. ISBN 3-412-04600-0
  7. Wensky, Margret, in: Moers. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart. 2000, Böhlau Verlag, Köln, Band 2, S. 77. ISBN 3-412-04600-0
  8. Viehbahn, Johann Georg von. In: Statistik und Topographie des Regierungsbezirkes Düsseldorf. Zweiter Theil. 1836, S. 106.
  9. Berenberg. In: Grosses-Landes-Adressbuch. 1901, Hannover, S. [1189]1115. Onlinefassung
  10. Schwafheim, mein Stadtteil, Wussten Sie schon? Abgerufen am 15. August 2015.
  11. Gemeindeverzeichnis 1910, Kreis Moers. Abgerufen am 15. August 2015.