Schwarzer September (Terrororganisation)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Schwarzer September (arabisch منظمة أيلول الأسود Munaẓẓamat Ailūl al-aswad ‚Organisation des Schwarzen Septembers‘) war die Terrorgruppe, die 1972 das Münchner Olympia-Attentat verübte. Ihr damaliger Anführer war Ali Hassan Salameh. Die Gruppe leitete ihren Namen vom Jordanischen Bürgerkrieg im September 1970 ab, der im palästinensischen Sprachgebrauch als „Schwarzer September“ bezeichnet wird.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Gruppe gründete sich auf den Jordanischen Bürgerkrieg, der am 1. September 1970 begann, dem namengebenden „Schwarzen September“ der Palästinenser. An diesem Tag verübten radikale Palästinenser der Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas ein Attentat auf König Hussein. Dieser zerschlug daraufhin mit Hilfe royalistischer Truppen aus Beduinen die PLO in seinem Land, deren Kämpfer daraufhin ins libanesische Exil oder in den Untergrund gingen.

Die Gruppe Schwarzer September gehörte insgeheim zu Jassir Arafats Guerillaorganisation Fatah.[1] Sie begann als eine kleine Zelle von Fatah-Männern, die entschlossen waren, Rache an König Hussein und der jordanischen Armee zu nehmen. Zulauf erhielt die Organisation von der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), von As-Sa'iqa – einer palästinensischen Gruppe aus der Baath-Partei, die im September 1966 entstanden war – und von anderen Gruppierungen.

Anschläge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. November 1971 ermordete die Gruppe den jordanischen Premierminister Wasfi Tell. Am 6. Februar 1972 wurden fünf in Deutschland lebende Jordanier ermordet.

Am 5. September 1972 stürmten acht bewaffnete Mitglieder der Terrororganisation das Wohnquartier der israelischen Mannschaft während der Olympischen Sommerspiele in München und nahmen elf Mannschaftsmitglieder als Geiseln. Die Geiselnahme von München endete mit einer gescheiterten Geiselbefreiung durch die Polizei.

Im September und Oktober 1972 wurden Dutzende von Briefbomben von Amsterdam aus an israelische Diplomaten in aller Welt geschickt. Am 19. September 1972 starb Ami Shachori, landwirtschaftlicher Berater der israelischen Botschaft in London, im Alter von 44 Jahren durch ein solches Briefbombenattentat.[2]

Am 5. August 1973 eröffneten die beiden Terroristen Talaat Hussein Abdallah und Zemed Mohammed Ahmed, die sich als Mitglieder der Gruppe „Schwarzer September“ bezeichneten, das Feuer auf eine Passagier-Lounge auf dem Flughafen von Athen, wobei drei Menschen getötet und 55 verwundet wurden.

Mutmaßliche Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Auftrag von Israels Ministerpräsidentin Golda Meir wurde nach dem Attentat in München eine Liste mutmaßlicher Mitglieder der Gruppe „Schwarzer September“ zusammengestellt. Diese Liste wurde im Laufe der Zeit erweitert. Eine offizielle Version wurde nicht veröffentlicht.

Als Mitglieder gelten:

Zerschlagung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gruppe wurde im Laufe der Jahre vom israelischen Geheimdienst Mossad zerschlagen. Ein Großteil der Mitglieder wurde von Agenten der Spezialeinheit Caesarea in verschiedenen Staaten Europas aufgespürt und getötet.

Zusammenarbeit mit anderen radikalen Gruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uneinigkeit herrscht unter Historikern und Journalisten über die Struktur der Organisation und das Ausmaß, in dem die Gruppe von der Fatah gesteuert wurde.

Im Juni 2012 berichtet Der Spiegel, dass die Terrorgruppe 1972 von deutschen Neonazis Unterstützung erhalten hatte. So wurde bekannt, dass die palästinensischen Terroristen mit Hilfe von Deutschen an falsche Papiere und Waffen gelangten und dass der deutsche Neonazi Willi Pohl den Drahtzieher der Anschläge, Abu Daud, durch Deutschland chauffiert und ihm anderweitig geholfen hatte.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Harvey W. Kushner: Munich Olympic Massacre. In: derselbe: Encyclopedia of Terrorism. Sage Publications, Thousand Oaks/London/Neu-Delhi 2003, S. 248.
  2. Bericht im TIME Magazin am 2. Oktober 1972 (englisch)
  3. Spiegel-Online, abgefragt am 18. Juni 2012