Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren-Zürich

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Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren-Zürich
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 18. Mai 1895
Auflösung 31. August 1985
Sitz Schlieren
Branche Schienenfahrzeuge, Aufzugsanlagen
Plakette der Wagi Schlieren am historischen Tramwagen Ce 2/2 ("Lisbethli") aus dem Jahr 1900 (Tram-Museum Zürich)
Ein 1920 für die Elektrischen Strassenbahnen im Kanton Zug gebauter Wagen

Die Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG, Schlieren-Zürich (SWS, lokal- und umgangssprachlich «Wagi») war ein Schweizer Hersteller von Schienenfahrzeugen und Aufzugsanlagen mit Sitz in Schlieren im Kanton Zürich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde das Unternehmen 1895 mit der Firma Geissberger & Cie., das beim Bahnhof Schlieren eine Wagenfabrik eröffnete. Aus Geissberger wurde 1899 die Schweizerische Wagen- und Wagons-Fabrik AG mit Sitz in Zürich, wobei der Sitz bereits ein Jahr später nach Schlieren verlegt wurde. 1901 erfolgte die Umbenennung in Schweizerische Wagonsfabrik AG in Schlieren-Zürich. 1903 bestellten die neugegründeten Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) bei SWS Personenwagen, 1906 verliess bereits der 1000. Eisenbahnwagen das Werk und 1909 wurde der 2000. Wagen an die SBB abgeliefert. Damals wurden auch Strassenbahn-Fahrzeuge, teilweise zusammen mit der Maschinenfabrik Oerlikon, hergestellt. Darunter beispielsweise der weit verbreitete Schweizer Standardwagen. 1917 wurde das Aufzugsgeschäft der Aufzüge- und Räderfabrik Seebach AG übernommen und 1928 der Name des Unternehmens in Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG, Schlieren-Zürich geändert.

Der Auftrag einer Studie für eine Serie neuer Reisezugwagen mit vermindertem Wagengewicht gegenüber den schweren Stahlwagen, die 40–45 t wogen, einer um 5 km/h höheren Kurvengeschwindigkeit bei gleich bleibendem oder verbessertem Komfort erteilte der Zugförderungs- und Werkstättendienst der SBB im Jahre 1932 an die Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren. Mit dem Auftrag lag ein Grundkonzept des Obermaschineningenieurs der Schweizerischen Bundesbahnen, Walter Müller, und dessen Sektionschef für den Wagenbau, Fritz Halm, vor. Diese konnten die SWS, insbesondere den technischen Direktor Karl Füchslin und den Chefkonstrukteur Robert Müller mit ihrer Idee überzeugen. Karl Füchslin führte die statischen Berechnungen durch, eine zur damaligen Zeit aufwendige Arbeit. Robert Müller war der Konstrukteur. Es entstand der erste Leichtstahlwagen (SBB) in Schlieren.

In den ersten Nachkriegsjahren folgte ein weiterer Meilenstein. Durch einen Zusammenarbeitsvertrag zwischen den Indischen Staatsbahnen und der Konzernleitung in Schlieren, konnte 1949 unter der damaligen Leitung des Projektverantwortlichen der SWS "Heinrich Saxer König" ein Grossauftrag in Indien realisiert werden. "Schlieren" war massgebend an der Projektierung und der Umsetzung einer neuen Waggonfabrik in Perambur beteiligt. 1955 konnte die Integral Coach Factory ICF ihren Betrieb in Indien aufnehmen. Die Indischen Staatsbahnen bestellten im Vorfeld rund 200 Reisezugwagen in Schlieren.

1952 bringt "Schlieren" damals den Variotron Antrieb für Aufzüge auf den Markt. Es handelte sich um den ersten elektronisch regulierten Aufzug der Welt. Dieses System beschleunigte und verzögerte den Lauf des Aufzugs stufenlos und kontrollierte die Geschwindigkeit nach einem genau vorgeschriebenen Programm.

In die Jahre 1957–1958 fallen zwei gewichtige Ereignisse. 1957 liefert "Schlieren" erstmals die Monotron Aufzugssteuerung. Monotron konnte als ein Marktstein des Aufzugbaus betrachtet werden. Gleichzeitig handelte es sich um einen ersten Erfolg gemeinsamer Forschung von Schindler / Schlieren. Noch auf Basis Variotron gelang es "Schlieren" 1958 einen Personen-Schnellaufzug für das Atomium in Brüssel zu liefern, welches anlässlich der Weltausstellung Expo 58 gebaut wurde. Es war der damals schnellste Aufzug der Welt mit einer Geschwindigkeit von (5m/s).

Übernahme durch Schindler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1956 wurde bekannt, dass die «Pars Finanz AG» – der damalige Mutterkonzern der im Aufzugbau und Wagonsbau tätigen Schindler-Gruppe – 30 % des Aktienkapitals aufgekauft hatte. An der Versammlung wurde ebenfalls beschlossen, das die bisherigen Inhaber Aktien in Namen Aktien umgewandelt werden. Das Aktien Kapital wurde neu von 6 Millionen Schweizer Franken auf 7,5 Millionen Schweizer Franken erhöht. Die «Wagi» wurde 1960 komplett übernommen und als Konzerngesellschaft in den Schindler-Konzern integriert. Als 1980/1981 der schweizerische Schienenfahrzeugbau umstrukturiert wurde, spezialisierte sich die SWS auf Komponentenfertigung sowie Umbauten und Revisionen, im Aufzugsbau auf Norm-Türen und -Kabinen.

Schliessung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1983 wurde durch Schindler bekanntgegeben, dass die SWS geschlossen werde; Ende August 1985 erfolgte die Schliessung der «Wagi» unter lautstarkem Protest der Arbeitnehmer und der Bevölkerung. Auf dem Werkareal, das innert kürzester Zeit eingeebnet wurde, entstand ein grosser Neubau für eine neue Druckerei der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ); in weiteren Neubauten siedelten sich insbesondere neue Kleinbetriebe an.

Historisches/Kulturelles Erbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Stauber und Georges Peier sammeln seit Jahren Unterlagen wie Schemas, technische Zeichnungen, Prospekte, Mitarbeiterzeitungen sowie Gegenstände, die aus der damaligen Fabrikation der «Wagi» stammen.[1] 2007 gründeten sie dann zusammen die IG Historic Schlieren, die der Vereinigung für Heimatkunde Schlieren (VHS) angegliedert ist. 2016 wurde die IG in einen Verein umgewandelt.[2] Ziel ist es mit dem Projektleiter Historisches Erbe der SWS Schlieren «Patrick Bigler», das Kulturgut der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren zu erhalten.[3] Die Sammlung wird ständig ausgebaut und steht interessierten Kreisen, nach Voranmeldung, zur Besichtigung offen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 40 Jahre Wagenbau : 10.000 Schienenfahrzeuge : 1901-1941 - Verlag: Schweizerische Wagons- u. Aufzügefabrik, 1941. Verfasser: Adalbert Stäger
  • Fünfzig Jahre Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik A.G. Schlieren-Zürich 1899-1949 : Verlag: Zürich: Orell Füssli 1950
  • Die Geschichte der Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren D'WAGI 1895-1985: Verfasser: Georges Baumgartner und Urs Stolz

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.limmattalerzeitung.ch: «Wagi-Schrott» aus der ganzen Welt gesammelt, abgerufen am 21. Mai 2014
  2. www.aargauerzeitung.ch: «Die Wagonsfabrik Schlieren lebt weiter», abgerufen am 29. September 2016
  3. www.limmattalerzeitung.ch: «Eine Hommage an die Wagi Schlieren», abgerufen am 18. September 2016