Sicherheitsdruckerei

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Sicherheitsdruckereien sind spezielle Druckereien, deren Erzeugnisse einen angemessenen Schutz vor Fälschung aufweisen.

Produkte und Drucktechnologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Produkte einer Sicherheitsdruckerei sind Ausweise, Banknoten, Aktien, aber auch Eintrittskarten, Gutscheine oder Landkarten.[1] Je nach Schutzwürdigkeit des Druckgutes kommen dabei verschiedene Technologien zum Einsatz:

Neben diesen Drucktechniken werden Sicherheitsmerkmale im Papier eingearbeitet, beispielsweise Wasserzeichen, UV-Prägungen, thermoreaktives Papier, im Papier eingebrachte Planchetten oder (UV-fluoreszierenden) Sicherheitsfäden. Darüber hinaus werden besondere Farben eingesetzt, deren Eigenschaften nicht oder schwer kopierbar sind. Zum Einsatz kommen thermoreaktive Farben und Farben mit physikalischen Eigenschaften, die sich durch technische Prüfgeräte testen lassen und so eine mechanische Prüfung der Echtheit ermöglichen.

Die zusammengefassten Sicherheitsmerkmale, die zum Schutz des Druckgutes eingebracht werden, bezeichnet man Sicherheitsgestaltung.[2] Die Sicherheitsgestaltung erzeugt den Schutz des Druckguts in der Kombination von Sicherheitspapier, Sicherheitsfarben und Druck- bzw. Produktionstechniken.[2] Insbesondere moderne Banknoten kombinieren verschiedene Sicherheitsmerkmale, um den Schutz vor Nachahmung zu verbessern.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicherheitsdruckereien organisierten sich in verschiedenen Organisationen, um gemeinsame Interessen zu vertreten. Eine der wichtigsten Organisationen ist INTERGRAF European Federation for Print and Digital Communication in Brüssel, die nach eigenen Aussagen 21 Landesorganisationen in Europa repräsentiert.

Zertifizierung von Sicherheitsdruckereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zertifizierte Sicherheitsdruckereien erfüllen genormte Anforderungen an Sicherheit der Produkte, Prozesse, Anlagen und weiteren Bereichen.

Europäisches Komitee für Normung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Betreiben von INTERGRAF und in Zusammenarbeit mit der International Hologram Manufacturers Association (IHMA), der Universal Postal Union (UPU) und VPGI startete 2001 mit Unterstützung des Europäischen Komitees für Normung (CEN) die Definition von vereinheitlichten Anforderungen an Sicherheitsdruckereien.[3] Im November 2002 wurde ein Abschlussdokument mit einem ersten standardisierten Anforderungspaket vorgelegt, nach denen sich Sicherheitsdruckereien zertifizieren lassen können, das CEN Workshop Agreement (CWA) CWA 14641:2009 Anforderungen an Druckunternehmen für das Erstellen von Papieren mit Sicherheitselementen.[3]

CWA 14641 legt die folgenden Grundprinzien für den Sicherheitsdruck fest:

  • Sicherheitsdruckereien müssen die Sicherheit ihrer Produkte, Prozesse, Maschinen und Anlagen, Informationen usw. sicherstellen, um nachweislich und aufzeigbar den Anforderungen ihrer Kunden zu entsprechen.
  • Die Sicherheitsdruckerei muss dem eigenen Management die Zuversicht geben, dass die angestrebten Sicherheitsziele erreicht und auf dem notwendigen Stand gehalten werden.
  • Die Sicherheitsdruckerei muss den Kunden die Sicherheit geben, dass das vereinbarte Sicherheitsniveau erreicht ist oder werden wird. Wenn dies vertraglich gefordert wird, dann kann dies auch enthalten, wie diese Zuversicht gezeigt werden muss.

International Standards Organization[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe (Joint Working Group, JWG) entwickelten die ISO TC 130, Graphic Technologies, Working Group 5, und die ISO TC 247 Fraud countermeasures and controls der Internationalen Organisation für Normung die Norm ISO 14298 – Steuerung des Sicherheitsdruckprozesses (Management of security printing processes), in der Minimalanforderungen an Sicherheitsdruckereien definiert werden.[4] Ein ISO-14298-Zertifikat bescheinigt weltweit die Anerkennung als Sicherheitsdruckerei.[5] Die Anforderungen wurden in Zusammenarbeit von INTERGRAF, die International Confederation for the Printing and Allied Industries a.s.b.l. in Brüssel erstellt.[5] Eine Zertifizierung muss in einem dreijährigen Zyklus erneuert werden.[5]

NASPO International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die NASPO International (ursprünglich: North American Security Products Organization) ist eine gemeinnützige US-amerikanische Organisation zur Entwicklung von und Zertifizierung nach Standards für Sicherheitsprodukte[6]. Die auf der ISO 14298 aufbauenden Festlegungen der NASPO zu Sicherheitsdruckereien wurden 2013 durch das American National Standards Institute anerkannt und als ANSI/NASPO SA 2013 veröffentlicht.[7] Die Anforderung ist inhaltlich weitgehend identisch mit der ISO 14298.[7] Anders als dort beschränken sich die Anforderungen aber nicht auf Sicherheitsdruckereien, Kartendruckereien und Hersteller von Sicherheitsfolien, sondern dehnen die Anforderungen zusätzlich aus auf Lieferanten von Technologien, also Druckmaschinenherstellern, Papier- oder Farbenproduzenten etc. sowie auf Organisationen, die entsprechende Sicherheitspraktiken einführen wollen.[7]

Liste von Sicherheitsdruckereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Liste soll keinen Anspruch auf Vollständigkeit erfüllen. Vielmehr sollen hier bedeutende Sicherheitsdruckerein aufgeführt werden, die mindestens Banknoten oder offizielle Ausweisdokumente drucken oder gedruckt haben.

Bezeichnung Grün­dungs­jahr Land Aus­weise Brief­marken Bank­noten Anmerkungen
Australian Government Publishing Service Australien 1997 privatisiert
Bundesdruckerei 1879 Deutschland ✔ Ja ✔ Ja ✔ Ja Im Jahr 2000 verkaufte der Bund seine 100 % Anteile an Apax Partners & Co.[8] 2009 wurde der Rückkauf der Bundesdruckerei bekanntgegeben.[9]
Casa de la Moneda Bolivien
De La Rue 1813 weltweit tätig
Giesecke & Devrient 1852 Deutschland ✔ Ja ✔ Ja
Her Majesty’s Stationery Office Vereinigtes Königreich 1995 teilprivatisiert
Imprimerie Generale Belgien
Imprimerie nationale 1640 Frankreich
Istituto Poligrafico e Zecca Dello Stato (IPZS) Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato 1928 Italien
Orell Füssli Schweiz, Liechtenstein ✔ Ja ✔ Ja Orell Füssli ist ein privates Unternehmen und druckt im Auftrag der Schweiz seit 1976 als einzige Druckerei Banknoten. Ein Teilunternehmen fertigt die Reisepapiere.
Österreichische Staatsdruckerei 1918 Österreich ✔ Ja
Polska Wytwórnia Papierów Wartościowych 1919 Polen ✔ Ja
Queen’s Printer Kanada Kanada vergibt das Druckprivileg an private Druckereien, die dann das Attribut „Queen’s Printer“ („King’s Printer“) führen.
Staatsdrukkerij en Uitgeverij Niederlande 2007 privatisiert
Állami Nyomda Plc. 1851 Ungarn
United States Government Printing Office 1861 Vereinigte Staaten ✔ Ja ✔ Ja
Waterlow & Sons Portugal ✔ Ja siehe auch: Alves dos Reis

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Industriebeschreibung auf Wer liefert Was? (wlw.ch); abgerufen am 29. Juni 2016.
  2. a b c d e f g h Sicherheitsgestaltung auf www.sicherheitsdruck.de; abgerufen am 6. Juli 2016.
  3. a b Comité Européen de Normalisation Workshop Agreement; CWA 14641:2009 (E) Security Management System for Security Printing; Europäisches Komitee für Normung vom Juni 2009; ICS 37.100.10;35.1.
  4. ISO 14298 auf der Website der International Standards Organization.
  5. a b c Beschreibung des Leistungsangebots der Zertifizierungskörperschaft Société Générale de Surveillance (SGS) bezüglich ISO 14298; Zertifizierung nach ISO 14298; abgerufen am 29. Juni 2016.
  6. FAQ | NASPO The Standard for Security. In: NASPO The Standard for Security. (naspo.info [abgerufen am 14. Februar 2017]).
  7. a b c Executive Director’s Report (PDF) der North American Security Products Organization vom April 2014.
  8. Minister, Murks, Moneten. Focus Online, 7. Juli 2008
  9. Bund kauft Bundesdruckerei zurück (Memento vom 1. November 2010 im Internet Archive), Pressemitteilung der Bundesdruckerei, 6. März 2009