Siegessäule (Zeitschrift)

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Siegessäule
Logo der Siegessäule
Beschreibung Lesbisch-schwules Stadtmagazin (Berlin)
Verlag Special Media SDL GmbH
Erstausgabe März 1984
Erscheinungsweise monatlich
Verbreitete Auflage (IVW Q2/2014) 55.124 Exemplare
Chefredakteur Jan Noll
Weblink www.siegessaeule.de
Artikelarchiv Hefte als PDF ab November 2008
ZDB 88070-x

Die Siegessäule ist Berlins auflagenstärkstes Stadtmagazin und erscheint mit zwei kurzen Unterbrechung monatlich seit April 1984. Die Siegessäule war zunächst nur in West-Berlin erhältlich und führte anfänglich den Untertitel Berlins Monatsblatt für Schwule. 1996 wurde der Inhalt um lesbische Themen erweitert, seit September 2005 richtet sich die Siegessäule an eine queere Zielgruppe und ist damit das einzige Magazin dieser Größenordnung in Europa, das sich an die gesamte Bandbreite der LGBT-Community richtet. Die Zeitschrift liegt an circa 700 Stellen in Berlin kostenlos aus und die IVW-geprüfte Druckauflage beträgt 63.521 Exemplare (1. Quartal /2016). Seit der Maiausgabe 2017 führt Jan Noll die Chefredaktion.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Februar 1984 wurde die Idee für eine „Schwule Stadtzeitung“ erstmals in einem Protokoll des Treffens Berliner Schwulengruppen schriftlich fixiert. Darin heißt es: „Zum 1. April wird die erste Nummer der neuen, vom TBS (Treff Berliner Schwulengruppen) herausgegebenen, schwulen Stadtzeitung erscheinen. Über den Namen wird z.Z. noch heftig gestritten.“ Die Siegessäule wurde wenig später in den Räumlichkeiten des Buchladens Prinz Eisenherz in der Bülowstraße ins Leben gerufen,[1] das Gründungstreffen der Zeitschrift fand schließlich in den Räumen des SchwuZ in der Kulmer Straße statt. Die Erstausgabe erschien in einer Auflage von circa 1.000 Heften und kostete 1 DM.[1] Sie wurde vom Verein Freunde der Siegessäule e.V. herausgegeben. Die Streitigkeiten um den Namen der Publikation wurden beigelegt, und nachdem Vorschläge wie „Subway“, „Pink Panda“, „das Homo“ oder „Offene Beine“ verworfen worden waren, einigte man sich schließlich auf „Siegessäule“ in Anlehnung an das Berliner Denkmal.[2] Besonders Augenmerk des Magazins war von Anfang an die Aufklärung und Berichterstattung über HIV und Aids.

Im Dezember 1985 veröffentlichte die Siegessäule ein bahnbrechendes Sonderheft mit dem Titel „Aids – Die Dimension einer Krankheit“, in dem der damalige Stand der Forschung und die rund um die neue Krankheit entstehenden gesellschaftspolitischen Debatten von Schwulen für Schwule zusammengefasst und aufbereitet wurden. Das kostenlose Heft, an dem unter anderem Rosa von Praunheim, Matthias Frings, Peter Hedenström, Elmar Kraushaar und Karl-Heinz Albers mitarbeiteten, wurde unter anderem durch einen Zuschuss des damaligen Berliner CDU-Gesundheitssenators Ulf Fink finanziert.[3]

Nach der vorläufig letzten Ausgabe im September 1989 (damals zum Preis von 4 DM) ging die Siegessäule gemeinsam mit dem Nürnberger Heft „Rosa Flieder“ im bundesweiten Schwulenmagazin „magnus“ auf und erschien darin ab November 1990 als Berlin-Beilage. Darüber hinaus wurde sie kostenlos in der Berliner Szene verteilt. Die Siegessäule hatte zu dieser Zeit acht Seiten und listete 216 schwule Termine.

Nach einem konkursbedingten Verlagswechsel im Jahr 1995 erschienen „magnus“ und damit auch Siegessäule im Verlag des Kölner Journalisten Reiner Jackwerth (am 26. Dezember 2015 verstorben). 1996 wurde das Magazin „magnus“ endgültig eingestellt. Die Siegessäule feierte ihre Wiedergeburt losgelöst von „magnus“ als eigenständiges Stadtmagazin und liegt seitdem kostenlos und anzeigenfinanziert in der Berliner Szene aus. Die neue Chefredaktion, bestehend aus Manuela Kay (ab 1996) und Peter Polzer (ab 1997), machte aus dem „schwulen“ nun offiziell ein „schwullesbisches Stadtmagazin“. Im Verlauf der 90er-Jahre entwickelte sich die Siegessäule immer mehr zu einem ernstzunehmenden journalistischen Medium und wurde zum Sprachrohr der schwullesbischen Szene.

Zwischen 2005 und 2008 war Holger Wicht Chefredakteur der Siegessäule und ersetze nach einem Relaunch im September 2005 den Begriff „schwullesbisch“ auf dem Cover durch das Wort „queer“. Damit manifestierte sich der Anspruch des Magazins, alle Menschen des LGBT-Spektrums gleichermaßen zu adressieren, erstmals direkt als Teil der Marke Siegessäule. Eine Ausrichtung, die auch vom nachfolgenden Chefredakteur Sirko Salka, der von 2008 bis 2013 das Magazin leitete, weitergeführt wurde. Zum 25. Jubiläum bezeichnete der damalige Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, die Siegessäule im März 2009 als „publizistisches Flaggschiff der schwul-lesbischen Community Berlins“.[4]

Im Herbst 2012, kurz nach der Übernahme des Magazins durch den neu gegründeten Verlag Special Media SDL der Verlegerinnen Gudrun Fertig und Manuela Kay, erschien die Siegessäule erstmals mit einem zweisprachigen Programmkalender (D/E). Die seit der Märzausgabe 2013 aktive, schwullesbische Chefredaktion Jan Noll und Christina Reinthal baute den englischsprachigen Content sukzessive weiter aus, und im Oktober 2014 erschien – zum 30. Jubiläum des Heftes – unter dem Namen „Siegessäule – We are queer Berlin“ die erste in weiten Teilen zweisprachige Ausgabe des Magazins.[5] Heute ist Berlins queeres, deutsch-englisches Stadtmagazin die auflagenstärkste Publikation ihrer Art weltweit.

Lolek und Bolek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mai-Ausgabe 2006 mobilisierte die Siegessäule zur Parada Równości in Warschau und zeigte dabei die Zeichentrickfiguren Lolek und Bolek in adaptierter Form: als Aktivisten für Homosexualität auf ihrem Cover mit dem Slogan „Polen jetzt – Teraz Polska“, der von einer Marketingkampagne der polnischen Wirtschaft übernommen wurde. In Polen erregte das Cover großes Aufsehen. Neben mehreren Organisationen ergriffen unter anderem die Bürgerinitiative zur Verteidigung des Abbilds von Bolek und Lolek und die Inhaber der Verwertungsrechte von Lolek und Bolek Initiativen gegen die Abbildung.[6]

Publigayte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siegessäule bildete von Juli 2007 bis Mai 2013 zusammen mit den schwul-lesbischen Magazinen EXIT (Ruhrgebiet und Münster), gab (Frankfurt und Rhein-Main/Neckar), hinnerk (Hamburg), Leo (München) und rik (Köln) den bundesweiten Zeitungsverbund Publigayte.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siegessäule erschien bis 2012 im Berliner Jackwerth Verlag, seither bei Special Media SDL und verfügt über einen umfangreichen schwul-lesbischen Veranstaltungskalender, sowie eine Onlineausgabe.

Seit 2000 erscheint halbjährlich auch das kostenlose schwul-lesbische Branchenverzeichnis Siegessäule Kompass, in dem szeneinterne und szenenahe Anbieter aufgeführt werden. Der Umfang des Kompass weitete sich während der ersten elf Ausgaben von 84 auf 160 Seiten aus.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Protokoll des TBS vom 10. Februar 1984, Top 12 Gemeinsames TBS-Monatsinfo. Archiv des Schwulen Museums
  2. 25 Jahre Siegessäule – Anders und stolz drauf. Der Tagesspiegel, 15.11.2014, abgerufen am 1.07.2017 (deutsch).
  3. Welt-Aids-Tag: Wegweiser. siegessaeule.de, 01.12.2015, abgerufen am 1.07.2017 (deutsch).
  4. Publizistisches Flaggschiff. In: Siegessäule. Ausgabe 03/2009. Jackwerth Verlag, Berlin, S. 22.
  5. [www.siegessaeule.de/archiv.html Archiv.] siegessaeule.de, abgerufen am 01.07.2017.
  6. Carsten Lißmann: Schwule Helden in Die Zeit, 10. Juni 2006. (Abgerufen am 21. Mai 2010)