Simson SR2

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Simson
Simson SR 2 Baujahr 1959 hammerschlagblau.jpg
Simson SR2 von 1959 (Originalzustand + neue Reifen)
SR2/SR2E
Hersteller: VEB Fahrzeug und Gerätewerk Simson Suhl
Produktionszeitraum 1957 bis 1964
Klasse Moped
Motordaten
Einzylinder-Zweitakt-Ottomotor
Hubraum (cm³) 47,6
Leistung (kW/PS) 1,1–1,3 kW bei 5000/min.
Höchst­geschwindigkeit (km/h) 45
Getriebe 2-Gang Handschaltung
Antrieb Kette
Leergewicht (kg) 54–55
Vorgängermodell Simson SR1
Nachfolgemodell Simson Spatz
Seinerzeit (hier um 1960) wurde das SR2 häufig auch in Rock und ohne Helm gefahren.
Simson SR2E von 1963 (unrestauriert)
Simson SR2E von 1961 (komplett restauriert)

Das SR2 („SR“ bedeutet „Simson-Rheinmetall“) ist das Nachfolgemodell des ersten von Simson gefertigten Kleinkraftrades SR1 in Suhl (Thüringen). Es wurde erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1957 vorgestellt[1] und fand zusammen mit dem modifizierten Modell SR2E mit über 900 000 hergestellten Fahrzeugen außerordentlich große Verbreitung in der DDR.

SR2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das SR2 hatte einen Einzylinder-Zweitaktmotor mit Flachkolben, einen Schwunglichtmagnetzünder mit 15/18 W, wobei die Lichtspule eine Spannung von 6 V und eine Leistung von 18 W abgab und einen Bilux-Scheinwerfer mit jeweils 15 Watt (15/15 W) und 6 Volt versorgte. Das SR2 ist – wie sein Vorgänger – ein Moped, das heißt, der Motor wird durch Treten der Pedale angeworfen. Im Gegensatz zum Vorgänger SR1 konnte der Motor des SR2 im Stand gestartet werden, weil es genau genommen einen Pedal-Kickstarter besaß. Bei eingelegtem zweiten Gang und gezogener Kupplung konnte man auch „Radfahren“. Der Vergaser hat einen „Tupfer“ zum Niederdrücken des Schwimmers, der beim Kaltstart so lange gedrückt werden musste, bis Kraftstoff aus dem Vergasergehäuse lief. Der Tank wurde von 4,5 auf 6 Liter vergrößert, womit sich eine Reichweite von mehr als 300 km ergab. Das SR2 war auch international begehrt und wurde sogar in die USA exportiert.[2] Neben dem üblichen Maron und Beige war es ab 1959 auch in Blau und Bordeauxrot erhältlich.

SR2E[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das SR2E war eine Weiterentwicklung des SR2 und wurde aufgrund des Drängens einiger Importeure nach Leistungs- und Fahrwerksverbesserungen entwickelt und ab 1960 produziert. In der Entwicklung stand das „E“ für Export, und da aufgrund intensiver Bemühungen der Suhler Betriebsleitung die Mopedweiterentwicklung von der Berliner Parteispitze zum Allgemeingut erklärt wurde, konnte es auch in der DDR verkauft werden. Dabei war die Weiterentwicklung an sich nicht allzu umfangreich. Sie betraf im Wesentlichen eine Verbesserung der Federung. Am Vorderrad kam eine neue Kurzschwinge mit Schraubenfedern zum Einsatz. Der Federweg vergrößerte sich von 45 mm auf 60 mm. Die Schwinge verlief nun außen um das Schutzblech herum. Am Hinterrad wurde eine zentrale Schraubenfeder eingebaut.

Umfangreicher waren die Überarbeitungen im Jahre 1962, die jedoch keine Auswirkung auf die Modellbezeichnung hatten. Erneut wurde die Vorderradschwinge überarbeitet, der Federweg vergrößerte sich dabei nochmals auf 72 mm. Die Vorderradgabel war nun geschweißt und robuster. Auch die Federung des Sattels wurde verbessert. Die Motorleistung wurde durch Erhöhung der Verdichtung und geänderte Steuerzeiten auf 1,8 PS gesteigert, was vor allem der Beschleunigungsleistung zugute kam. Weitere Verbesserungen betrafen Kippständer, Gepäckträger und anderes mehr. Insgesamt ließ sich die Fachliteratur zur Feststellung verleiten, dass "das Moped immer mehr den Charakter eines Kurzstreckenverkehrsmittels verliert und sich nunmehr auch für größere Überlandfahrten (Urlaubsreisen) bestens eignet."[3]

Das SR2E war zwar ausgereift und robust, doch die internationale Entwicklung war längst in Richtung motorradähnlicher, zweisitziger Kleinkrafträder mit Fußrasten und 3- oder 4-Gang-Fußschaltung und deutlich mehr Motorleistung gegangen. Um dem Rechnung zu tragen, wurde bei Simson 1964 eine neue Modellpalette eigenführt. Als Nachfolger des SR2E kann der Simson Spatz gesehen werden.

Motorenhersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Motorenhersteller war das VEB Büromaschinenwerk Sömmerda in Thüringen. Dieses Werk gehörte vor dem Zweiten Weltkrieg zum Rheinmetall-Konzern und stellte neben Büromaschinen in den letzten Vorkriegsjahren ebenso diverse Rüstungsgüter her. Daher war zu DDR-Zeiten auf den Motorengehäusen auch noch der Schriftzug „Rheinmetall“ vorhanden.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Simson SR2 Simson SR2E
Motor Rheinmetall-Zweitakt
Starter Pedalkickstarter
Kühlung Fahrtwind
Bohrung (mm) 38
Hub (mm) 42
Hubraum (cm³) 47,6
Verdichtung 7:1 ab 1962 7,5:1
Leistung (PS/min) 1,5/5000 ab 1962 1,8/5000
Kupplung Dreischeiben-Ölbadkupplung
Getriebe Zwei-Gang-Handschaltung
Vergaser BVF-Zentral-Schwimmer-Vergaser NKJ 122-4 BVF-Zentral-Schwimmer-Vergaser NKJ 123-4
Zündkerze M14-225
Tankinhalt (l) 6
Rahmen Zentralrohr
Bereifung 23 × 2,25
Bremse vorn/hinten Innenbacken
Federung vorn Schwinghebel mit Gummipuffern Kurzschwinge auf Schraubenfedern
Federung hinten Schwinge mit Gummipuffern
Eigengewicht (kg) 54 55
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 45 (Werksangabe)
Bauzeit 1957–1959 1960–1964
Stückzahl 390 000 515 000
Zylinder 1
Kraftstoff Zweitaktgemisch 1:33
Verbrauch je 100 km (l) 1,7
zulässiges Gesamtgewicht (kg) 145
Sitzplätze 1

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Simson SR 2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. KFT 5/1957, S. 178.
  2. Simson-Motorfahrzeuge nun auch nach den USA. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1959, S. 253.
  3. Simson-Erzeugnisse 1962. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1962, S. 118–120.