Simson Star

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Simson
Unrestaurierter SR4-2, Baujahr 1967.jpg
Simson Star SR4-2 von 1967, unrestaurierter Originalzustand
Simson SR4-2 Star
Hersteller VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Simson Suhl
Produktionszeitraum 1964 bis 1975
Klasse Kleinkraftrad
Motordaten
Einzylinder-Zweitakt-Ottomotor
Hubraum (cm³) 49,6
Leistung (kW/PS) 2,5/3,4
Höchst­geschwindigkeit (km/h) 60
Getriebe 3-Gang
Antrieb Kette
Bremsen Trommeln
Radstand (mm) 1200
Maße (L × B × H, mm): 1880 × 715 × 1220
Leergewicht (kg) 75
Vorgängermodell Keines
Nachfolgemodell Simson S50
Simson Star, ältere Ausführung (restauriert)
Simson Star, letzte Ausführung

Der Simson SR4-2 „Star“ ([ˈʃtaːɐ̯]) ist ein zweisitziges Kleinkraftrad aus der sogenannten Vogelserie des VEB Simson in Suhl. Das Modell hieß von 1964 bis 1968 „SR4-2“ und ab 1968 bis 1975 „SR4-2/1“. Der Star kann in Deutschland aufgrund einer Ausnahmeregelung trotz der Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h als Kleinkraftrad mit einem Versicherungskennzeichen zulassungsfrei gefahren werden (Führerscheinklasse AM). Ab 1996 wurde bei Simson erneut ein Modell SRA 50 Star produziert, bei dem es sich jedoch um einen Kleinroller handelte.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Motorradproduktion der Simson 425 mit Viertaktmotor im Jahr 1961 beendet wurde, konnte (und sollte) sich das Werk voll auf die Fertigung von Kleinkrafträdern mit Zweitaktmotor fokussieren. Neben der Weiterentwicklung der Typen SR2 E zum SR4-1 „Spatz“ und KR50 zur Schwalbe, wurde mit dem Konzept des neuen Motors M53 KHL[1] die Grundlage für weitere Kleinkrafträder geschaffen. Er war konstruktiv so ausgelegt, dass er mit zwei- bis vier Gängen und Hand- oder Fußschaltung für entsprechend verschiedene Fahrzeugmodelle gebaut werden konnte. Mit 3-Gang-Fußschaltung bildete er die Grundlage für ein sportliches, zweisitziges Kleinkraftrad, das als SR -(Simson-Rheinmetall)- 4-2 „Star“ bezeichnet wurde. Die Bezeichnung ist insofern irreleitend als dass der Motor gar nicht aus dem ehemaligen Rheinmetallwerk in Sömmerda kam, sondern von Anfang an direkt bei Simson hergestellt wurde.

Zwecks Standardisierung wurde auch über den Motor hinausgehend das Baukastenprinzip angewendet. Der Zentralrohrrahmen mit Blechprägeteil wurde vom Spatz übernommen. Anders war lediglich der Steuerkopf, da am Vorderrad die in den Kotflügel integrierte Langarmschwinge der Schwalbe (105 mm Federweg) übernommen wurde. Bei allen Modellen der Vogelserie gleich waren die Laufräder und Trommelbremsen, sowie die Hinterradschwinge mit 85 mm Federweg.[2] Der Tank war mit dem des Spatz' identisch und gestattete trotz Knieschluss einen freien Durchstieg. Lenkerpartie und Sitzbank entsprachen der der Schwalbe, der Star besaß auch dieselbe umfangreiche elektrische Ausstattung mit Bleisammler, Blinkern, Bremslicht, Lichthupe und Parkleuchte. Die Besonderheit des Stars war die Ausstattung mit dem neuen gebläsegekühlten 50 cm³-Zweitaktmotor in fußgeschalteter 3-Gang-Ausführung (Typ M53 KF) mit Fußrasten und Kickstarter, was ihn besonders unter Jugendlichen zum Favoriten der neuen Modellpalette von Simson werden ließ. Die Höchstgeschwindigkeit des Stares betrug offiziell 60 km/h, um der Einstufung als Kleinkraftrad zu genügen. Der Motor war jedoch ursprünglich als „offene“ 50er konstruiert worden, sodass sich unter günstigen Bedingungen erheblich größere Endgeschwindigkeiten bis über 70 km/h hinaus erzielen ließen.

Die Produktion des Simson „Star“ begann offiziell im Herbst 1964, tatsächlich scheint eine stabile Serienfertigung jedoch erst 1965 eingesetzt zu haben. In jedem Fall stellte er das dritte in Serie gegangene Modell der Vogelserie dar. Der Ladenpreis (EVP) des Simson-„Star“ lag in der DDR bei 1200 Mark. In der BRD wurde der Star nicht angeboten.

Modellpflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stare des Typs SR4-2 (bis Anfang 1968) weisen ähnlich wie frühe Schwalben eine Reihe Besonderheiten auf, die heute original nur noch selten vorzufinden sind. Unter anderem reibungsgedämpfte Alu-Federbeine mit elfenbeinfarbenen Plastikhülsen, „Ochsenaugenblinker“ (bis 1967), eine meist beigefarbene Sitzbank mit Chromleiste, einen Kettenkasten aus Aluminium, ein rundes Distanzstück an der hinteren Bremsankerplatte, eine zweifarbige Rücklichkappe orange-rot (Das Bremslicht war in der DDR seinerzeit orange), einen Gepäckträger mit runder Aufnahme des Gepäckträgergummis, einen Tachometer mit pfeilförmigem Zeiger, ein Alu-Distanzstück zwischen Gasgriff und Blinker, Alu-Nierenspiegel, vierrippige Kettenschläuche und einen Radnabendeckel, außen eckig, mit Rille an der Front. 1965 wurde ein neuer Vergaser mit separatem Leerlaufsystem eingebaut, der einen sparsameren und störungsfreieren Motorlauf ermöglichte. Dabei entfiel auch die Tupferbetätigung. 1966 wurde der Schrägungswinkel der Verzahnung des Primärtriebs von 20° auf 26° geändert, wegen zu lauter Fahrgeräusche.

1968 änderte sich die Modellbezeichnung des Stars in SR4-2/1. Hintergrund war eine Verbesserung des Motors, der die Bezeichnung M53/1 KF erhielt. Die Maximalleistung von 3,4 PS blieb zwar gleich, sie wurde jedoch schon bei 5750/min erreicht. Noch bedeutsamer war die Anhebung des maximalen Drehmoments von 0,38 auf 0,45 kpm, das nun bereits bei 5000/min statt bisher 6000/min zur Verfügung stand. Dadurch verbesserte sich die Durchzugskraft des Stars ganz erheblich. Gleichzeitig wurde die erreichbare Höchstgeschwindigkeit herunter an die offiziellen 60 km/h herangeführt, obwohl Vmax in der Praxis immer noch eher 65 als 60 km/h betrug. Der Vergaser wurde vom Typ BVF 16N1-1 auf den BVF 16N1-6 geändert, der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch sank um 7 %. Ebenso wurden das gesamte Ansaugsystem geändert sowie der Zylinder, die Kurbelwelle, der Kickstarter und das Lüfterrad.

Im Verlauf der weiteren Produktion erfolgten vor allem optische Retuschen im Detail. So war der Großteil der Gummi- und Plastikteile, wie Griffgummis, Scheinwerferring, Schutzhüllen für die Handhebel, Gepäckträger, Sterngriffmuttern und Tankkeder anfangs noch in einem Elfenbein-Ton und zum Ende der Produktion stets in schwarz gehalten. Auch die Sitzbank bekam einige Veränderungen: Von einer zweifarbigen (grau/hellgrau) mit Aluminium-Zierleiste und Simson-Emblem zu einer einfarbig grauen und später nur noch schwarzen ohne Zierleiste oder Emblem. Außerdem wurden die zigarrenförmigen Auspuffendstücke ab Juli 1972 durch solche mit stumpfem Abschluss ersetzt.

Mit Auslaufen des Spatz' und dem Erscheinen des SR4-4 „Habicht“ nahm der Star in den 1970er Jahren eine neue, eher untergeordnete Rolle in der Modellreihe der Simson-Kleinkrafträder ein, ehe er 1975 vom neu entwickelten Typ S50 abgelöst wurde. Insgesamt wurden 505.800 Stare verkauft.

Farbvarianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lackiert wurde er während des gesamten Produktionszeitraumes vorwiegend, ebenso wie der Spatz, in weinrot (Farbton etwa RAL 3003) mit seitlichen Verkleidungsteilen, Kraftstofftank, Rücklichthalter und Lenkerschale in einem grau- bis grünlich schimmernden Beige(Farbton etwa RAL 6019). Anstatt des Weinrots wurden in der Anfangszeit mehrere abweichende Rot-Töne verwendet. So gab es neben dem oben erwähnten Weinrot noch ein helleres und ein dunkleres Rot, sowie auch ein dunkles Rotbraun (Farbbezeichnung „Maron“). In den späten 1960er Jahren wurde der Star jedoch nur noch in dem für ihn typischen Weinrot angeboten. Diese Farbe war nicht sehr tageslichtstabil, sodass heute in Erstlack erhaltene Fahrzeuge teilweise dermaßen verblichen sind, dass die rote Originallackierung nur noch an lichtgeschützten Stellen erkennbar ist.

Allgemeine Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Simson SR4-2 Simson SR4-2/1
Motor Zweitakt-Ottomotor
Zylinder 1
Starter Kickstarter
Kühlung Radialgebläse
Bohrung 40 mm
Hub 39,5 mm
Hubraum 49,6 cm³
Verdichtung 9,5:1
Drehmoment 3,73 Nm bei 6000/min 4,41 Nm bei 5000/min
Leistung 3,4 PS (2,5 kW) bei 6500/min 3,4 PS bei 5750/min
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Getriebegänge 3, Fußschaltung
Kraftstoff Normalbenzin 1:33
Verbrauch je 100 km 3,0 l 2,8 l
Vergaser NKJ 153-5 (ab 1965 16N1-1) BVF 16N1-6
Tankinhalt 8,5 l
Leergewicht 75 kg
zulässiges Gesamtgewicht 230 kg
Bremse vorn/hinten Vollnaben, 125 mm Trommeldurchmesser
Radführung vorn/hinten Langschwingen mit reibungsgedämpften Federbeinen (105/85 mm Federweg vorn/hinten)
Sitzplätze 2
Stückzahl gebaut 505.800
Bauzeit 1964–1968 1968–1975
Sonstiges Motor M53 KF weiterentwickelter Motor M53/1 KF

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erhard Werner: Simson-Vogelserie – Ein Ratgeber für Spatz, Star, Sperber und Habicht. MZA-Verlag. Vellmar 2004, ISBN 3-9809481-1-0
  • Schrader-Typen-Chronik: Simson Schwalbe & Co 1955–1991. Motorbuch Verlag. ISBN 978-3-613-02813-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Star und Schwalbe Motor M53 KHL. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1964, S. 335–338.
  2. Mokick SR4-2 „Star“. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1964, S. 97–99.