SinnLeffers

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SinnLeffers GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1997 durch Fusion als Aktiengesellschaft
Sitz Hagen, Deutschland
Leitung Friedrich-Wilhelm Göbel
Mitarbeiter rund 2.000
Umsatz rund 300 Mio. € (2012)[1]
Branche Textilkaufhaus / Einzelhandel
Website www.sinnleffers.de

Die SinnLeffers GmbH ist ein Modehaus im mittleren bis gehobenen Preissegment und betreibt in Deutschland insgesamt 22 Filialen und einen Fabrikverkauf mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen. Seit Februar 2013 betreibt SinnLeffers darüber hinaus einen Onlineshop. 2012 erwirtschaftete das Unternehmen mit ca. 2.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 300 Mio. Euro. Die Unternehmenszentrale befindet sich im westfälischen Hagen. SinnLeffers entstand im Januar 1997 durch die Fusion der Unternehmen Sinn und Leffers.

Die Hauptverwaltung mit Sitz in Hagen ist der Dienstleister für die Filialen in den Bereichen Einkauf, Informationstechnik, Marketing, Merchandising (SL Retail Services GmbH), Organisation, Personal, Controlling, Bilanzen und Steuern sowie Lieferantenmanagement.

Am 12. September 2016 hat SinnLeffers Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Unternehmens Sinn begann mit dem traditionellen Wanderhandel, den Johannes und Friedrich Sinn im frühen 19. Jahrhundert betrieben. Sie waren von Sauerland bis Ruhrgebiet unterwegs, um ihre Stücke und Kurzwaren zu verkaufen. Als sogenannte Kiepenkerle zogen sie damals mit ihrem Angebot in Körben (Kiepen) auf dem Rücken von Ort zu Ort und boten ihre Waren an. Durch die unternehmerische Aktivität von Johannes Sinn und seinen Söhnen wurden erste Versuche im stationären Einzelhandel unternommen. 1850 wurde in Köln eine kleine „Kurzwarenhandlung en detail Gebr. Sinn“ eröffnet, die auch Strumpf- und Holzwaren führte. Sie war der erste Vorläufer der später insgesamt 36 Sinn-Modehäuser. Köln wurde später der Sitz der Hauptverwaltung.

Der Ursprung der Firma Leffers lag in den Aktivitäten der Brüder Heinrich und Carl Leffers. Sie gründeten im Jahr 1894 in Delmenhorst ihr erstes Textilkaufhaus. Ihre damals revolutionären Geschäftsideen: Feste Preisauszeichnungen ersetzten das übliche Aushandeln des Preises. Der Barverkauf sicherte die Liquidität des Unternehmens, eine Umtauschmöglichkeit brachte Vertrauen und die scharf kalkulierten Preise ließen den Kunden Geschmack an diesem neuartigen Geschäftsverfahren finden. Nach einigen anfänglichen Hindernissen setzte sich ihre Idee durch. Aus diesen Ansätzen entstand später die Leffers AG mit insgesamt zehn Modehäusern.

In beiden Unternehmen vollzog sich im Laufe der Geschichte ein Wandel zum Modehaus für die ganze Familie mit Bekleidung und Wäsche für Damen, Herren und Kinder.

Am 1. Januar 1997 entstand durch die Fusion von Sinn und Leffers eine neue gemeinsame Aktiengesellschaft, die SinnLeffers AG unter der Regie des neuen Eigentümers, der Schickedanz-Gruppe, zu der auch Quelle gehörte. Die SinnLeffers AG verfügte damals über 46 Häuser bei einem Umsatzvolumen von rund 1,7 Mrd. DM und einer Verkaufsfläche von rund 255.000 m². Bereits davor waren die Unternehmen über den Einkaufs- und Dienstleistungsverbund Westdeutsche Handelsgesellschaft (WHG) partnerschaftlich verbunden. Die WHG wurde 1900 als Einkaufsvereinigung unter wesentlicher Beteiligung der Söhne von Johannes Sinn gegründet. Im Zusammenhang mit der Fusion und der zentral ausgerichteten Unternehmensstruktur hat SinnLeffers den Geschäftsbetrieb der WHG gepachtet. Die WHG betreut auch die übrigen Partnerunternehmen mit ihren Mode- und Textilhäusern.

2001 erwarb die KarstadtQuelle AG die Aktienmehrheit der SinnLeffers AG.[3] Von 2001 bis 2005 verzeichnete die SinnLeffers AG einen Umsatzrückgang von etwa 7,3 Prozent.

Im September 2005 verkaufte Karstadt SinnLeffers an die Deutsche Industrie-Holding[4] und an HMD Partners.

Im Geschäftsjahr 2006/2007 übernahmen die beiden Geschäftsführer Patrick Feller und Karsten Oberheide die Leitung von SLA. SLA hatte damals 47 Filialen und 3.700 Mitarbeiter in ganz Deutschland. Im Zuge einer Restrukturierung wandelten die neuen Gesellschafter im Juli 2006 die bisherige Aktiengesellschaft in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung um. Im Mai 2008 wurde die DIH durch Kauf der HMD-Anteile alleiniger Eigentümer des Unternehmens.

Am 7. August 2008 stellte das Unternehmen laut Handelsblatt einen Antrag auf so genannte Planinsolvenz (Abwicklung in Eigenregie) beim Amtsgericht Hagen. Ziel der Planinsolvenz war es, das Unternehmen wieder auf eine solide Basis zu stellen. Damit befand sich nach Wehmeyer und Hertie innerhalb weniger Wochen die dritte ehemalige Tochter des einstigen KarstadtQuelle-Konzerns (später: Arcandor) in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Bei SinnLeffers wurden laut Focus Entlassungen und Filialschließungen nicht ausgeschlossen; die Unternehmensleitung gab an, mindestens 70 Prozent der Arbeitsplätze erhalten zu wollen.

Am 3. November 2008 eröffnete das Amtsgericht Hagen das Insolvenzverfahren über das Vermögen der SinnLeffers. Insolvenzverwalter war Horst Piepenburg.

Bis zur Schließung vieler Filialen hatte SinnLeffers 47 Modehäusern bundesweit mit einer Gesamtverkaufsfläche von über 300.000 Quadratmetern. Für 23 Verlusthäuser wurden die Mietverträge gekündigt, für die verbleibenden 24 konnten bessere Konditionen ausgehandelt werden. Im Februar 2009 wurden 23 Filialen geschlossen und 1.500 Mitarbeiter entlassen, ebenso am Hagener Stammsitz. Zu den geschlossenen Niederlassungen zählen: Bocholt, Chemnitz, Chemnitz Sachsen-Allee, Essen, Frankfurt am Main, Gelsenkirchen, Hannover, Herne, Kempten, Köln, Leipzig Petershof, Leipzig Nova Eventis, Mülheim/Ruhr, Neunkirchen, Pforzheim, Potsdam Stern-Center, Recklinghausen, Remscheid, Saarbrücken, St. Ingbert, Witten, Wuppertal und Zweibrücken.

Nach dem im Sommer 2009 abgeschlossenen Insolvenzplanverfahren war die SinnLeffers GmbH wieder als Textileinzelhandelsunternehmen mit 2.200 Mitarbeitern selbständig an 24 Standorten tätig. Im Geschäftsjahr 2009/10 erwirtschaftete SinnLeffers mit einem Umsatz von 300 Mio. Euro ein EBIT von über 6 Mio. Euro. Im Februar/März 2012 mussten zusätzlich die beiden Häuser in Augsburg und am Stammsitz in Hagen aufgrund auslaufender Mietverträge geschlossen werden.

Im Januar 2013 kaufte die Familie Gerhard Wöhrl die Anteile von DIH und nicht, wie vielfach berichtet, das Unternehmen Rudolf Wöhrl AG.[5]

Am 12. September 2016 wurde bekannt, dass die Sinn Leffers GmbH sich per Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung sanieren will.[2]

Wenige Tage zuvor hatte die Rudolf Wöhrl AG beim Amtsgericht Nürnberg den Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens nach §270b Insolvenzordnung (InsO) gestellt.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Modekette SinnLeffers wird offenbar an Wöhrl verkauft. vom 3. Januar 2013 auf faz.net, abgerufen am 3. Januar 2013.
  2. a b SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Modekette: SinnLeffers meldet Insolvenz an - SPIEGEL ONLINE - Wirtschaft. In: SPIEGEL ONLINE. Abgerufen am 16. Januar 2017.
  3. handelsblatt.com
  4. http://www.dih-gruppe.de/
  5. FAZ.net 12. September 2016: Wöhrl-Anlegern drohen Verluste von 80 Prozent oder mehr
  6. https://www.woehrl.de/anleihe/AD-HOC-FINANZNACHRICHTEN.html

Koordinaten: 51° 24′ 41″ N, 7° 28′ 33″ O