Smartglasses

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2013 Google Glass
1998 EyeTap[1]

Smartglasses (oder umgangssprachlich: Datenbrille) bezeichnet tragbare (wearable) Computer, die Informationen zum Sichtfeld des Benutzers hinzufügen.[1][2][3][4][5][6][7][8]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Normalerweise wird das Hinzufügen visueller Informationen mittels eines Head-mounted display (HMD) oder Optical head-mounted display (OHMD) erreicht. Ein OHMD bezeichnet dabei im Unterschied zu einem HMD ein vor dem Auge befestigtes und durchsichtiges Display. Auf das Display projizierte digitale Bilder können somit eine visuelle Überlagerung des Sichtfelds erzeugen. Dies nennt sich Augmented Reality, seit 2016 vermehrt auch Mixed reality und ist mit derartigen Displays besser umgesetzt als beispielsweise mit Smartphones oder Tablets. Eine Alternative zu OHMDs sind virtuelle Netzhautanzeigen, wie sie u.a. von Magic Leap entwickelt werden. Magic Leap wurde jedoch im Dezember 2016 vorgeworfen, mit den Hoffnungen auf eine solche Brille einen Hype produziert zu haben, eine Folge war ein Wechsel der Marketing-Leitung der Firma.[9]

Smartglasses sollen laut Versprechungen einiger Hersteller, alle Funktionen eines Smartphones und Activity Trackers in sich vereinen.[10][11][8][12]

Ähnlich wie bei Smartwatches können jedoch Smartphones notwendig sein, um diese mit der Brille zu koppeln. Die Datenbrille dient dabei primär als Display, ohne eigene Datenverarbeitungskomponenten.

Maßgeblich für die öffentliche Diskussion und Erwartung rund um Smartglasses ist Google Glass, welches 2012 präsentiert wurde, dessen Entwicklung aber im Januar 2015 unter Leitung des Computeringenieurs Tony Fadell neu gestartet wurde.[13]

Bauarten von Displays[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen verschiedene Bauformen für OHMDs. Diese können in zwei Gruppen eingeteilt werden: basierend auf "Kugelspiegel" (curved mirror) oder "Wellenführung" (wave-guide). Verschiedene Wellenführungstechniken bestehen bereits seit längerer Zeit, darunter Diffraktionsoptik, holographische Optik, polarisierte Optik, reflektierende Optik und Projektion.

Mensch-Computer-Interaktion (MCI)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sinnvolle Steuerungsmöglichkeiten sind:

Pioniere auf dem Gebiet der Smartglasses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als bekannteste Pioniere können Thad Starner, Professor am California Institute of Technology und Berater für die Entwicklung des ersten Google Glass, sowie Steve Mann, Erfinder des EyeTap genannt werden.

Rezeption durch die Öffentlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interesse in der Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2015[15] können sich 38 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren vorstellen, eine Brille wie Google Glass zu nutzen. Unter den 14- bis 29-Jährigen sind es 57 Prozent, bei den 30- bis 49-Jährigen 40 Prozent, 35 Prozent der 50- bis 64-Jährigen und 23 Prozent der Bundesbürger über 65 Jahren können sich laut Umfrage die Nutzung vorstellen. 17 Prozent der Befragten geben demnach an, dass sie ein solches Gerät in jedem Fall nutzen werden.[16]

Bedenken zur Privatsphäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Präsentation von Google Glass, wurden kurz darauf Bedenken geäußert bezüglich des Eingriffs in die Privatsphäre und die Etiquette beim Verwenden solcher Geräte in der Öffentlichkeit, die das Fotografieren und Filmen von Personen ohne deren Erlaubnis ermöglichen. [17][18][19]

Datenschützer befürchten, dass Träger solcher Brillen in der Lage sein könnten, Fremde in der Öffentlichkeit mittels Gesichtserkennung zu identifizieren oder private Gespräche aufzunehmen und zu senden. Mit Google Glass wurde beispielsweise das Auslösen einer Fotoaufnahme durch bloßen Lidschlag ermöglicht. [20][21]

Einige Einrichtungen in den USA hatten Google Glass bereits vor der Veröffentlichung verboten und gaben Sorgen um mögliche Verletzungen der Privatsphäre ihrer Kunden an.

Nach europäischem Recht kann die Nutzung von Smartglasses im öffentlichen Raum als eine rechtswidrige private Videoüberwachung eingestuft werden, die häufig mit der Verletzung des Rechts am eigenen Bild, der Vertraulichkeit des Wortes, informationeller Selbstbestimmung, der Privatsphäre sowie des Schutzes vor Überwachungsdruck als Bestandteilen des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts, einhergehen kann.[22] Betroffenen Personen soll daher bereits gegen eine potentielle Erfassung durch Smartglasses ein Notwehrrecht zustehen, das im äußersten Fall auch zu körperlicher Gewalt und Zerstörung der Geräte berechtigen kann.[22]

Sicherheitsbedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Bedenken bezüglich des Führens von Fahrzeugen während der Nutzung solcher Brillen wurden geäußert. Am 31. Juli 2013 wurde bekannt, dass Fahrern das Tragen von Google Glass während der Fahrt in Großbritannien vermutlich verboten wird. [23]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b S. Mann: Vision 2.0. In: IEEE Spectrum. Band 50, Nr. 3, März 2013, S. 42–47, doi:10.1109/MSPEC.2013.6471058.
  2. Wearable Computing: A First Step Toward Personal Imaging, IEEE Computer, Vol. 30, Iss. 2 Feb. 1997, pp. 25-32,
  3. "Quantigraphic camera promises HDR eyesight from Father of AR", Chris Davies, Slashgear, Sept. 12, 2012
  4. Ari Brockman: Best Smart Glasses of 2015. In: Viewer.
  5. Mike Elgan: Why 2014 is the 'year of smart glasses'. In: Computerworld. 21. Dezember 2013.
  6. We get a faceful of smartglasses at 2014 -- and it ain't pretty. In: CNET. CBS Interactive.
  7. Jessica Dolcourt: Lumus DK40 Preview – CNET. In: CNET. CBS Interactive. 8. Januar 2014.
  8. a b Scott Stein: Epson Moverio BT-200 Smart Glasses Preview – CNET. In: CNET. CBS Interactive. 18. Februar 2014.
  9. Magic Leap ist inszenierter Hype - Vrodo. 9. Dezember 2016.
  10. Samantha Murphy Kelly: Smart Glasses Reveal What It's Like to Have Superpowers. In: Mashable. 19. Dezember 2013.
  11. Top 7 Google Glass Alternatives.
  12. Paul McDougall: When Everybody Starts Wearing Smartglasses, Google Won’t Be the Only Player.
  13. Neustart für Google Glass: Google beendet Verkauf und entwickelt neue Version der Datenbrille. heise.de. 16. Januar 2014.
  14. James Trew: Lumus and eyeSight deal brings gesture control to DK-40 smart glasses hand-on. In: Engadget. AOL.
  15. Großes Interesse an den Funktionen von Smart Glasses. Bitkom-Presseinformation vom 12. Oktober 2015, abgerufen am 11. November 2015.
  16. Over a third of Germans interested in using smart glasses. telecompaper.com vom 12. Oktober 2015, abgerufen am 11. November 2015.
  17. Charles Arthur: Google Glass: is it a threat to our privacy?. In: The Guardian, 6. März 2013. 
  18. Gary Marshall: Google Glass: say goodbye to your privacy. In: techradar.com. 1. März 2013.
  19. Matt Warman: Google Glass: we'll all need etiquette lessons. In: The Daily Telegraph (UK), 24. April 2013. 
  20. Steve Henn: Clever Hacks Give Google Glass Many Unintended Powers. In: NPR. NPR. 17. Juli 2013.
  21. Laster SeeThru smart glasses have one eye on privacy.
  22. a b Thomas Schwenke: Private Nutzung von Smartglasses im öffentlichen Raum. Oldenburger Verlag für Wirtschaft, Informatik und Recht, Edewecht 2016, ISBN 978-3-95599-029-9, S. 409 (rechtsanwalt-schwenke.de).
  23. David Millward: Drivers to be banned from wearing Google Glass. In: Daily Telegraph, 31. Juli 2013.