Sonnenhaus

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3D Ansicht von einem Sonnenhaus, Quelle: Sonnenhaus Institut e.V.
Zwei Schichtladespeicher als Langzeitsolarspeicher beim Einbau in Mehrfamilienhäuser

Der Begriff Sonnenhaus bezeichnet ein Haus, das den Prinzipien des nachhaltigen solaren Bauens folgt und die Anforderungen dieses Standards erfüllt. Die zugrundeliegende Idee ist: Sonnenwärme im Sommer zu einem möglichst hohen Anteil zu sammeln und zu speichern, um sie im Winter und je nach Bedarf in sonnenlosen Zeiten möglichst lang verbrauchen zu können. Eine nachträgliche Umrüstung von Bestandsbauten ist ebenfalls möglich und es ist außerdem bei Mehrfamilienhäusern realisierbar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff wurde in den 1970er Jahren in Verbindung mit den ersten weitgehend solar beheizten Häusern in Deutschland[1][2], die als Versuchsanlage von VMH-Multibeton zur Messung möglicher Energieeinsparungen in der Praxis dienten, und der Schweiz[3] geprägt und später vom Verein Sonnenhaus-Institut mit dem Sitz in Straubing in Niederbayern übernommen.

Das erste vollumfänglich mit Sonnenenergie beheizte Wohnhaus Europas wurde 1989 Oberburg bei Burgdorf in der Schweiz erstellt mit 84 Quadratmeter Sonnenkollektoren, einem großen Warmwasserspeicher von 118 Kubikmeter.[4] In den ersten etwa 10 Jahren wurde das Haus außerdem mit einer Photovoltaik-Inselanlage, mit einer Fläche von 43 m² Solarzellen und 48 Kilowattstunden Batteriespeicher betrieben.[4] Damit wurde erstmals nachgewiesen, dass der Energiebedarf eines Hauses in gemäßigtem mitteleuropäischen Klima vollkommen mit Sonnenenergie gedeckt werden kann. Ebenfalls in Oberburg wurde 2007 das erste vollständig solar beheizte Mehrfamilienhaus Europas fertiggestellt. Beide Gebäude wurden durch den Schweizer Solarpionier Josef Jenni erstellt.[5][6] In Deutschland ist seit Anfang 2012 ein Haus mit 18 Wohneinheiten in Schleswig-Holstein im Bau. Es ist das derzeit größte Mehrfamilienprojekt auf Basis der Konzepte des Sonnenhaus-Instituts.[7] 2016 gab es insgesamt etwa 2000 Häuser nach dem Sonnenhausstandard.

Merkmale und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sonnenhausstandard ist erfüllt, unter folgenden Bedingungen:[8]

Den hohen solaren Deckungsgrad des Wärmebedarfs erreicht das Sonnenhaus durch eine große Sonnenkollektorfläche einer thermischen Solaranlage zur Wärmegewinnung und einem entsprechend dimensionierten Saisonalspeichern zur Wärmespeicherung. Zusätzlich braucht ein gut gedämmtes Einfamilienhaus Brennholz von etwa zwei bis vier Raummeter pro Jahr, zur Überbrückung längerer Schlechtwetterperioden.[9] Nur während der sonnenarmen Monate (je nach Auslegung der Solaranlage von November/Dezember bis Februar/März) kommt zusätzlich zur Solaranlage die regenerative Zuheizung zum Einsatz. Bei einer Auslegung mit solaren Deckungsgraden über 100 % können Überschüsse in einen Nahwärmeverbund eingebracht werden.

Ein Sonnenhaus verwendet zur Heizung der Räume in der Regel eine Niedertemperaturheizung, mit niedriger Vorlauftemperatur als Flächenheizung, also etwa als Wandheizung oder Fußbodenheizung. Damit wird ein anderer Ansatz verfolgt als bei den meisten Passivhäusern, die kein Heizverteilsystem im herkömmlichen Sinn besitzen, sondern mit einer Erwärmung der Zuluft der im Passivhaus immer vorhandenen zentralen Lüftungsanlage arbeiten. Eine zentrale Lüftungsanlage wird im Sonnenhaus nicht zwangsweise benötigt.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorteile
  • hohe Umweltverträglichkeit
  • Viel mehr Unabhängigkeit von Brennstoffkosten und -verbrauch
  • weitgehend CO2 neutral
Nachteile
  • höhere Investitionskosten

Sonnenhaus-Institut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde 2004 gegründet und hat zum Ziel, die Entwicklung und Verbreitung weitestgehend solar beheizter Gebäude voranzutreiben. Mitglieder sind Solar- und Heizungstechnikexperten sowie Architekten. Das Institut dokumentiert die Solar- und Heizungsanlagen der Sonnenhäuser und bewertet die tatsächlichen Verbrauchsdaten. Zu den weiteren Tätigkeiten zählen Schulungen sowie Öffentlichkeitsarbeit für das Konzept.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Jenni: Das Sonnenhaus, Jenni Energietechnik AG, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Oberburg bei Burgdorf 2010, ISBN 978-3-033-02392-5, 89 S.
  • Das Sonnenhaus Informationsbrochüre vom Sonnenhaus-Institut, 3. Auflage von 2013, 102 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Solar powered houses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Axel Urbanek: Sonnenhaus Reichenberg, DGS, Sonnenenergie Heft 6, 1976
  2. Axel Urbanek: Solaranlage mit Fußbodenheizung, DGS, Sonnenenergie Heft 4, 1976
  3. Trinal: Einladung nach Kastanienbaum LU, Schweizerische Bauzeitung, Heft 79, Zürich 1977
  4. a b Das Oberburger Sonnenhaus. In: Josef Jenni: Das Sonnenhaus, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Oberburg bei Burgdorf 2010, ISBN 978-3-033-02392-5, S. 4–5
  5. Das Nullenergiehaus auf der Website der Gemeinde Burgdorf
  6. „Solartechnik heizt Mehrfamilienhaus“, swissinfo, 1. September 2007
  7. Mehrfamilien-Sonnenhaus im Bau
  8. Informationbrochüre Das Sonnenhaus vom Sonnenhaus-Institut, 3. Auflage von 2013, S. 17
  9. Informationbrochüre Das Sonnenhaus vom Sonnenhaus-Institut, 3. Auflage von 2013, S. 8
  10. Warmes Wasser aus dem Sonnentank. In: Main-Netz, 5. Juli 2013. Abgerufen am 10. Mai 2014.