Southern Baptist Convention

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Die Southern Baptist Convention (SBC) ist ein Verband baptistischer Gemeinden und Kirchen mit Sitz in den Vereinigten Staaten, der baptistische Kirchen in aller Welt unterstützt. Die Bezeichnung Southern Baptist Convention bezieht sich sowohl auf die Denomination als auch auf die jährliche Delegiertenversammlung.

Die SBC ist die größte baptistische Gruppe und die größte protestantische Konfession in den USA. Sie umfasste im Jahr 2017 mehr als 47.500 Gemeinden mit 15 Millionen Mitgliedern in allen fünfzig amerikanischen Bundesstaaten.[1] Sie unterhält fast 9.000 Missionare, davon rund 5.300 in den USA und rund 3.700 im Ausland.[1] Seit 1990 geht der prozentuale Anteil der Southern Baptists an der amerikanischen Gesamtbevölkerung zurück.[2]

Die meisten Gemeinden hat die SBC in den Südstaaten, wo sie in der Vergangenheit beträchtlichen Einfluss ausübten. Bis heute gibt es in einigen Südstaaten wenig oder gar kein legales Glücksspiel, und in zahlreichen dortigen Landkreisen ist der Handel mit Alkohol oder das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit – teilweise aufgrund des Wirkens der Southern Baptists – untersagt.

Da Baptisten vom Prinzip der Unabhängigkeit der Ortsgemeinde überzeugt sind, ist die SBC eher eine Kooperative, in der die Kirchen ihre Ressourcen bündeln, als eine Körperschaft mit administrativer Kontrolle über die Ortsgemeinden. Sie unterhält eine Verwaltungszentrale in Nashville, die aber keinerlei Autorität über die angeschlossenen Verbände, Gemeinden oder Mitglieder hat. Auch an ihr „Glaubensbekenntnis“, Baptist Faith and Message, sind die Kirchen und Mitglieder nicht gebunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baptisten kamen gegen Ende des 17. Jahrhunderts in die Südstaaten. Die erste baptistische Kirche des Südens wurde in Charleston (South Carolina) gegründet. Leiter war William Screven, ein Prediger und Schiffbauer, der 1669 aus Maine dorthin gekommen war. Den Hauptbeitrag zur Verbreitung des Baptismus in den südlichen USA erbrachten die eifrig evangelisierenden Separate Baptists. Die ersten im Süden gegründeten Verbände waren die Charleston Association (1751) und die Sandy Creek Association (1758). Baptisten des Südens beteiligten sich an der Gründung der ersten nationalen baptistischen Vereinigung 1814, der General Missionary Convention of the Baptist Denomination in the United States of America for Foreign Missions (besser bekannt als Baptist Board of Foreign Missions oder die Triennial Convention, da sie sich alle drei Jahre versammelte).

In den 1830er ergriff die Bewegung der Abolitionisten auch die baptischen Gemeinden in den Nordstaaten, während die Baptisten in den Südstaaten mehrheitlich die Sklaverei verteidigten. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Nord- und den Südstaatlern hinsichtlich der Sklavenfrage wurden in der Triennial Convention von 1841 offenkundig und erfassten auch die 1832 gegründete, mit der Inlandsmission betraute American Baptist Home Mission Society. Sowohl die Triennial Convention als auch die American Baptist Home Mission Society erklärten ihre Neutralität in der Sklavenfrage. Doch einige Baptisten des Südens ließen sich von den Beteuerungen nicht überzeugen. Sie wussten, dass einige der führenden Persönlichkeiten der Triennial Convention wie auch der Home Mission Society Abolitionisten waren. Um sich Klarheit über die Haltung der Home Mission Society zu verschaffen (und sie herauszufordern), schlug die Georgia Baptist Convention der Home Mission Society vor, den Sklavenhalter und Ältesten James E. Reeve zum Missionar zu ernennen („Georgia Test Case“).[3] Dies lehnte der Vorstand der Home Mission Society im Oktober 1844 unter anderem mit der Begründung ab, dass jemand, der weiterhin Sklaven halte, nicht als Missionar beauftragt werden könne.[4]

Die Sklavenfrage war der Hauptgrund der Spaltung der Baptisten in den Vereinigten Staaten; der „Georgia Test Case“ gab den Anlass. Ein weiterer Grund zur Unzufriedenheit in den Gemeinden des Südens war, dass – nach ihrer Ansicht – die Home Mission Society nicht bereit war, eine angemessene Zahl von Missionaren in die Südstaaten zu entsenden.

Schließlich führten die Spannungen zum Bruch; der „Georgia Test Case“ hatte das Fall zum Überlaufen gebracht. Bei einer Versammlung von Delegierten der Gemeinden in den Südstaaten vom 8. bis zum 12. Mai 1845 in Augusta (Georgia) wurde die Southern Baptist Convention gegründet.[5] Ihr erster Präsident war William Bullein Johnson (1782–1862), der 1841 bereits die Triennial Convention geleitet hatte.

Die Baptisten des Nordens und die des Südens strebten unterschiedliche Organisationsformen an. Die Baptisten des Nordens bevorzugten lose strukturierte Gemeinschaften von Individuen, die Jahresbeiträge entrichteten, wobei jede Gemeinschaft sich auf einen bestimmten Dienst ausrichtete. Die Baptisten des Südens bevorzugten dagegen einen Zusammenschluss von Gemeinden, gegliedert auf der Ebene der Bundesstaaten, unter dem Dach einer gemeinsamen Kirche.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 trennte sich die Cooperative Baptist Fellowship (CBF) von der Southern Baptist Convention. Ursache war die Übernahme der Kirchenleitung durch konservative Theologen.[6] Konservative Theologen erlangten infolge ihrer Strategie in mehreren Wahlen in der SBC die Mehrheit, um ihren Kandidaten durchzusetzen. Diese Präsidenten ernannten dann konservative theologische Vertreter für Entscheidungsstellen innerhalb der SBC.[7] Frustrierte moderate und liberale baptistische Theologen trafen sich 1990 in Atlanta, Georgia und organisierten die Cooperative Baptist Fellowship.[8]

Im Oktober 2004 vollzog die SBC aufgrund von Meinungsverschiedenheiten den Austritt aus der Baptist World Alliance (Baptistischer Weltbund, BWA).

Im Sommer 2012 wählten die rund 7.700 SBC-Delegierten Fred Luter zum Präsidenten. Damit wurde erstmals ein Schwarzer Vorsitzender des Kirchenbundes. Im Mai erklärten in einer Umfrage 86 Prozent der Pastoren, dass es gut wäre, wenn ein Schwarzer an der Spitze wäre. Luter fand als 21-Jähriger nach einem schweren Motorradunfall zum Glauben an Jesus Christus.[9] Luters Nachfolger als Präsidenten der SBC waren Ronnie Floyd (2014–2016), Steve Gaines (2016–2018) und James David Greear (seit 2018).

Die SBC ist Ursprung des Keuschheitsprojektes Wahre Liebe Wartet („True Love Waits“, TLW).

Abkehr vom Rassismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 1995, zum 150. Jahrestag der Verbandsgründung, verabschiedete die Southern Baptist Convention eine „Entschließung zur Versöhnung der Rassen“. Die Southern Baptists erklären darin, dass Rassismus evangeliumswidrig und Sünde ist, sie beklagen das begangene Unrecht und seine schlimmen Folgen, sie bekennen ihre Schuld und bitten die Afroamerikaner um Vergebung.[10]

Glaubensinhalte der SBC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die allgemeine theologische Ausrichtung der Kirchen in der Southern Baptist Convention ist in dem Dokument Baptist Faith and Message (BF&M) dargestellt.[11] Dieses Dokument wurde 1925 entworfen, 1963 und dann 2000 stark überarbeitet, wobei die Revision von 2000 zu beträchtlichen Meinungsverschiedenheiten Anlass gab.

BF&M wird nicht als „Glaubensbekenntnis“ im Sinne etwa des Bekenntnisses von Nicäa verstanden – die Mitglieder und die angeschlossenen Kirchen sind nicht daran gebunden. Einzig Angestellte der Organe der SBC, das heißt die Professoren an den sechs Theologieseminaren und die Missionare der beiden Missionsorgane International Mission Board (IMB) und North American Mission Board (NAMB) müssen diese Glaubensartikel unterzeichnen. Dennoch haben viele der Kirchen der SBC als ihr Statement of Faith oder Statement of Doctrine das BF&M übernommen, anstatt ein eigenes zu formulieren. Obwohl das BF&M kein „Glaubensbekenntnis“ ist, wird von Missionaren, die in den Dienst einer der Missionsgesellschaften der SBC treten, eine Erklärung erwartet, dass ihr Handeln, ihre Lehre und Predigt mit dem BF&M übereinstimmen. Auch diese Erklärung ist Gegenstand von Kontroversen gewesen.

Am 14. Juni 2000 stimmten die Repräsentanten der SBC in einer Abstimmung im Rahmen des Dokuments BF&M dafür, dass die Rolle des Pastors nach der Bibelauslegung nur für Männer vorgesehen sei und lehnten eine Frauenordination ab. Jedoch ist diese Abstimmung in dieser Glaubensfrage nur Ausdruck der Mehrheitsmeinung in der SBC und einzelne Kongregationen innerhalb der SBC dürfen Frauen als Pastoren einstellen, wenn sie es wollen. Eine Studie belegte, dass innerhalb der SBC weniger als 0,1 % der Kirchen (35 von 40.000 Kongregationen) einen weiblichen Pastor hatten.

Politisch steht die SBC konservativen Positionen nahe und unterstützt seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts meistens die Kandidaten der Republikanischen Partei in Wahlen.

Im Herbst 2002 befürwortete die SBC den Irakkrieg. Richard Land, der Vorsitzende der Kommission für Ethik und Religionsfreiheit, verfasste den sogenannten Land Letter, einen offenen Brief an Präsident Bush, der eine Militäroperation gemäß der Lehre des gerechten Krieges des Kirchenvaters Augustinus rechtfertigte. Diesem Brief schlossen sich andere evangelikale Persönlichkeiten an.[12] Nach der Invasion sandte sie mehrere amerikanische und irakische Missionare in das Land im nahen Osten, von denen im Mai 2004 mehrere nach Mitarbeit in einem Wasserbauprojekt von Terroristen nahe Mossul ermordet wurden.

Bedeutende Persönlichkeiten der Southern Baptists[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Warren G. Harding (1865–1923), US-Präsident 1921–1923
  • Billy Graham (1918–2018), Pastor und Erweckungsprediger
  • Jimmy Carter (* 1924), demokratischer Politiker, US-Präsident 1977–1981 und Friedensnobelpreisträger, ehemaliges Mitglied
  • Tim LaHaye (1926–2016), Pastor und Bestsellerautor
  • Pat Robertson (* 1930), Pastor, Politiker und Gründer der Regent University, ehemaliges Mitglied
  • Adrian Rogers (1931–2005), ehemaliger Präsident der Southern Baptists
  • John McCain (1936–2018), Jagdbomberpilot im Vietnamkrieg und republikanischer Senator von Arizona
  • Chuck Norris (* 1940), Kampfkünstler und Schauspieler
  • Bill Clinton (* 1946), demokratischer Politiker, US-Präsident 1993–2001, ehemaliges Mitglied
  • Al Gore (* 1948), demokratischer Politiker, US-Vizepräsident 1993–2001 und Friedensnobelpreisträger, ehemaliges Mitglied
  • Franklin Graham (* 1952), Pastor und Evangelist
  • Kevin Costner (* 1955), Filmschauspieler
  • John Grisham (* 1955), Rechtsanwalt und Bestsellerautor
  • Mike Huckabee (* 1955), Pastor und republikanischer Gouverneur von Arkansas
  • Jessica Simpson (* 1980), Popsängerin und Schauspielerin
  • Britney Spears (* 1981), Popsängerin
  • Ashlee Simpson (* 1984), Sängerin und Schauspielerin
  • Dakota Fanning (* 1994), Sängerin und Schauspielerin

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Baptisten – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Baptisten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Grady C. Cothen: The new SBC. Fundamentalism’s impact on the Southern Baptist Convention. Smyth & Helwys, Macon 1995, ISBN 1-57312-025-1.
  • Carl L. Kell: In the Name of the Father. The Rhetoric of the New Southern Baptist Convention. Southern Illinois University Press, Carbondale 2001, ISBN 0-8093-2220-X.
  • Barry Hankins: Uneasy in Babylon. Southern Baptist Conservatives and American Culture. University of Alabama Press, Tuscaloosa 2002, ISBN 0-8173-1142-4.
  • Carl L. Kell: Exiled. Voices of the Southern Baptist Convention Holy War. University of Tennessee Press, Knoxville 2006.
  • Joe Early (Hrsg.): Readings in Baptist History: Four Centuries of Selected Documents. B & H Publishing Group, Nashville 2008.
  • Robert E. Johnson: A global introduction to Baptist churches. Cambridge University Press, Cambridge 2010, ISBN 978-0-521-87781-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Fast facts about the Southern Baptist Convention, abgerufen am 6. April 2019.
  2. Baptist Press, Southern Baptist Convention: Annual Church Profile & more of the SBC story, 9. November 2018, abgerufen am 6. April 2019.
  3. Robert E. Johnson: A global introduction to Baptist churches. Cambridge University Press, Cambridge 2010, S. 150.
  4. The Georgia Test Case and the Alabama Resolutions. In: Joe Early (Hrsg.): Readings in Baptist History: Four Centuries of Selected Documents. B & H Publishing Group, Nashville 2008, S. 100–103, hier S. 100–101.
  5. Elizabeth Fox-Genovese, Eugene D. Genovese: The mind of the master class. History and faith in the Southern slaveholders’ worldview. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 0-521-85065-7, S. 478.
  6. Carl L. Kell: Exiled. Voices of the Southern Baptist Convention Holy War. University of Tennessee Press, 2006.
  7. Carl L. Kell: In the Name of the Father. The Rhetoric of the New Southern Baptist Convention. Southern Illinois University Press, Carbondale 2001.
  8. Barry Hankins: Uneasy in Babylon. Southern Baptist Conservatives and American Culture. University of Alabama Press, Tuscaloosa 2002.
  9. Ein Schwarzer führt die Südlichen Baptisten. idea, 3. Juli 2012, abgerufen am 6. April 2019.
  10. Southern Baptist Convention: Resolution On Racial Reconciliation On The 150th Anniversary Of The Southern Baptist Convention, Juni 1995, abgerufen am 6. April 2019.
  11. Baptist Faith and Message (BF&M) bei wikisource.org
  12. Der „Land Letter“, abgerufen am 6. April 2019.