Störzelmühle (Rennertshofen)

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Störzelmühle
Koordinaten: 48° 46′ 40″ N, 10° 58′ 31″ O
Höhe: 415 m
Einwohner: (1961)
Postleitzahl: 86643
Vorwahl: 08434

Die Störzelmühle ist ein Ortsteil des Marktes Rennertshofen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen im Regierungsbezirk Oberbayern und gehört zur Gemarkung Trugenhofen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme der Störzelmühle

Die Störzelmühle, eine Einöde, liegt in der hügeligen Landschaft der Monheimer Alb circa 2,5 Kilometer westlich von Trugenhofen und östlich des Marxheimer Ortsteils Gansheim an der Ussel und an der Kreisstraße ND 20.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südöstlich der Störzelmühle wurde 1977 in der Flur „Usselacker“ eine sehr gut erhaltene, 20 cm lange Bronzelanze gefunden. Da bronzezeitliche Siedlungen in der dortigen Gegend nicht bekannt sind, handelt es wohl um einen alten Verlustfund.[1]

Im Alten Reich gehörte die Mühle zur Grafschaft Lechsgemünd-Graisbach, war also mit Gericht und Grundbarkeit diesen Grafen, später den herzoglich-bayerischen und pfalz-neuburgischen adeligen Lehenträgern in Trugenhofen zugeordnet. Später wurde die Mühle Teil der Hofmark Trugenhofen, die nacheinander verschiedenen Besitzerfamilien gehörte.[2] 1798 billigte Hofmarksherr Joseph Freiherr von Tautphoeus zusätzlich zur Getreidemühle die Einrichtung einer Papiermühle, also ein Mahl- und Stampfwerk von Lumpen zur Papierherstellung. Auch erhielt die Mühle im Besitz des Schambacher Papiermachergesellen Gabriel Widder, der sie bei einer Versteigerung erworben hatte, das reale Recht der Papierherstellung. Nachdem der Betrieb unter seinem Sohn Wilhelm in Schwierigkeiten geraten war, wurde die Mühle dem Grafen du Moulin, Gutsherr zu Bertoldsheim zugesprochen, der seit 1802 Hofmarksherr von Trugenhofen mit Sitz auf Bertoldsheim war.[3]

Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde die Störzelmühle 1808/11 (Erstes Gemeindeedikt) dem Steuerdistrikt Gansheim im Landgericht und Rentamt Graisbach-Monheim zugeordnet.[4] Durch das zweite Gemeindeedikt entstand 1818 die Gemeinde Trugenhofen, zu der die Einöde fortan gehörte. Als 1818/20 Patrimonialgerichte gebildet wurden, kam die Müllerfamilie zum Patrimonialgericht II. Klasse Bertoldsheim, das im Besitz des Hofmarkherren Wilhelm Karl Joseph Adam Graf von Eckart genannt Eckert auf Moerlach war.[5] Diese standesherrliche niedere Gerichtsbarkeit hob Bayern 1848 wieder auf.

1846 ging die Mühle aus dem Hofmarksbesitz durch Verkauf an den Gansheimer Gastwirt Rupert Rödel über. Ab 21. April 1847 war die Mühle nur noch Mahl- und keine Papiermühle mehr. Später wechselte die Mühle durch Verkäufe und Versteigerungen noch mehrmals den Besitzer.[6]

Am 1. Oktober 1879 wechselte die Gemeinde Trugenhofen und damit auch die Störzelmühle vom Landgericht Monheim des Bezirksamtes Donauwörth zum Amtsgericht Neuburg an der Donau[7] und in der Folge am 1. Januar 1880 in die Zuständigkeit des Bezirksamtes Neuburg an der Donau. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die bis Ende 1977 selbständige Gemeinde Trugenhofen mit ihren Ortsteilen Störzelmühle, Dünsberg und Kienberg am 1. Januar 1978 in den Markt Rennertshofen des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen eingemeindet.[8] Seitdem ist die ehemalige Mühle, heute ein landwirtschaftlicher Betrieb, einer von den 28 amtlich benannten Ortsteilen Rennertshofens.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1839: 5 Einwohner[9]
  • 1864: 7 Einwohner, 2 Höfe[10]
  • 1875: 4 Einwohner, 3 Gebäude[11]
  • 1961: 5 Einwohner, 1 Wohngebäude[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Markus Nadler: Historischer Atlas von Bayern. Neuburg an der Donau. Das Landgericht Neuburg und die Pfleggerichte Burgheim und Reichertshofen. München 2004.
  • Doris Pfister: Donauwörth. Der ehemalige Landkreis. Reihe Historischer Atlas von Bayern. Teil Schwaben, Reihe I, Heft 17, München 2008.
  • Alfred Tausendpfund: Die Manufaktur im Fürstentum Neuburg. Nürnberg 1975 (darin: Papiermühle Trugenhofen, S. 89–91).
  • Papiermühle Trugenhofen. In: Der Papierfabrikant, 1927, Heft 11, S. 164.
  • Anton von Steichele: Das Bisthum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben. 2. Band, Augsburg 1864, S. 739–743, digitalisat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Eckstein: Fundberichte zur Vor- und Frühgeschichte. In: Neuburger Kollektaneenblatt 113 (1980), S. 269
  2. Steichele, S. 740
  3. Tausendpfund, S. 89 f.
  4. Pfister, S. 340 f.
  5. Pfister, S. 334
  6. Tausendpfund, S. 91
  7. Königlich Allerhöchste Verordnung vom 2. April 1879, die Bestimmung der Gerichtssitze und die Bildung der Gerichtsbezirke betreffend (GVBl. S. 399 f.)
  8. Nadler, S. 410 f.
  9. Georg Friedrich Kramer: Statistisches Handbuch für den Regierungs-Bezirk von Schwaben und Neuburg in zwei Abtheilungen. Band 1. Augsburg 1839, S. 89
  10. Steichele, S. 746
  11. Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarr-, Schul- u. Postzugehörigkeit. ... mit einem General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Decbr. 1875 bearbeitet vom kgl. Statistischen Bureau in München. München 1876, S. 1403 digitalisat
  12. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. München 1964, Spalte 1004