Středočeský kraj

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Středočeský kraj
Mittelböhmische Region
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Basisdaten
Verwaltungssitz: Prag
(nicht Teil der Region)
Größte Stadt: Kladno
ISO 3166-2: CZ-20
Einwohner: 1.338.982 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte: 105 Einwohner je km²
KFZ-Kennzeichen: S
Geografie
Fläche: 11.014 km²
Ausdehnung: Nord-Süd: 80 – 120 km
West-Ost: bis 143 km
Höchster Punkt: 864 m n.m.
Tiefster Punkt: 153 m n.m.
Verwaltungsgliederung
Bezirke: 12
Gemeinden insg.: 1.148

Der Středočeský kraj (deutsch Mittelböhmische Region) ist flächenmäßig die größte der 14 Regionen Tschechiens.

Die Region deckt einen großen Teil des westlichen Tschechiens ab und wird von den Regionen Liberec, Hradec Králové, Pardubice, Vysočina, Südböhmen, Pilsen und Ústí nad Labem umschlossen, während der Kern, das Stadtgebiet von Prag, politisch gesehen unabhängig ist und verwaltungsmäßig eine selbstständige Region bildet.

Inklusive Prag entspricht die Region der historischen Region Mittelböhmen.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezirke (okresy)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Central Bohemia districts.png

Die Region besteht aus 1.148 Gemeinden, die sich auf zwölf Bezirke aufteilen. Den größten Bezirk bildet Benešov, der bevölkerungsreichste ist Praha-východ. Die jeweilige Anzahl der Gemeinden ist in Klammern angegeben.

  1. Benešov (115)
  2. Beroun (86)
  3. Kladno (100)
  4. Kolín (100)
  1. Kutná Hora (88)
  2. Mělník (70)
  3. Mladá Boleslav (123)
  4. Nymburk (90)
  1. Praha-východ Prag-Ost (91)
  2. Praha-západ Prag-West (80)
  3. Příbram (120)
  4. Rakovník (85)

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landeshauptfrau (Hejtmanka) der Region ist seit 2016 Jaroslava Pokorná Jermanová (ANO). Sie bekleidet dieses Amt als sechster Hejtman nach Miloš Petera (2014–2016, ČSSD), Josef Řihák (2012–2014, ČSSD), Zuzana Moravčíková (2012, ČSSD), David Rath (2008–2012, ČSSD) und Petr Bendl (2000–2008, ODS).

Bei den letzten Wahlen des Regionsparlamentes im Jahr 2016 erreichte ANO mit 20,76 % das stärkste Ergebnis und so 16 von 65 Sitzen. Als zweitstärkste Kraft folgte STAN mit 18,43 % und 15 Sitzen. Die sozialdemokratische ČSSD (zuvor stärkste Kraft) erreichte nur noch 13,75 % (11 Sitze), knapp gefolgt von der konservativen ODS mit 13,05 % (10 Sitzen). Die kommunistische KSČM erhielt 10,13 % der Stimmen (8 Sitze) und die bürgerliche TOP 09 6,54 % (5 Sitze). 23,85 % der abgegebenen Stimmen scheiterten an der Sperrklausel von 5 %.[1]

Der aus 11 Personen bestehende Regionsrat wird durch je 4 Mitglieder von ANO (einschließlich Hejtmanka) und STAN sowie 2 Mitgliedern von ODS und 1 Mitglied der Unabhängigen (Nezávislí Středočeši) gebildet.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mittelböhmische Region liegt in der so genannten Böhmischen Pfanne. Der Norden und Osten sind Ebenen, im Süden und Südwesten ist es hügelig. Den höchsten Punkt der Region bildet im Brdská vrchovina (Brdy-Bergland) der Tok (864 m), der tiefste Punkt ist die Elbe nördlich von Mělník (153 m). Der von der Landwirtschaft genutzte Boden nimmt 61 % der Fläche ein. Der Boden besteht meist aus schwarzer, ertragreicher Erde mit einem hohen Anteil an Humus. In höher gelegenen Gegenden überwiegt braune Erde. In den hügeligen Gegenden überwiegt sanddurchgesetzter Boden. 28 % der Fläche nehmen Wälder ein. Während die Rodung im Norden ziemlich weit fortgeschritten ist, findet man in Gegenden von Dobříš, Rožmitál und entlang des Flusses Sázava einen großen Reichtum an Wäldern.

Größte Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mittelböhmischen Region gibt es keine Großstadt. 43 % aller Einwohner leben in Gemeinden mit weniger als 2.000 Einwohnern.

Stadt Einwohner
(1. Januar 2017)
Kladno 68.660
Mladá Boleslav 44.056
Příbram 32.897
Kolín 31.123
Kutná Hora 20.405
Beroun 19.307
Mělník 19.295
Brandýs nad Labem-Stará Boleslav 18.507
Kralupy nad Vltavou 18.079
Benešov 16.544
Neratovice 16.267
Rakovník 15.975
Slaný 15.505
Říčany 15.236
Nymburk 14.951
Poděbrady 14.025
Čelákovice 12.114
Vlašim 11.641
Čáslav 10.375
Lysá nad Labem 9.460
Dobříš 8.995
Mnichovo Hradiště 8.588
Sedlčany 7.227
Die Bezirke in Zahlen
Kreise Fläche Einw. Alter (Ø)
Benešov 1.524 97.452 42,1
Beroun 662 91.230 41,1
Kladno 692 163.108 41,6
Kolín 846 99.610 41,7
Kutná Hora 917 74.697 42,8
Mělník 712 106.516 41,2
Mladá Boleslav 1.058 126.825 41,3
Nymburk 876 97.894 41,0
Prag (Ost) 584 171.914 38,5
Prag (West) 586 140.208 38,8
Příbram 1.628 114.219 42,4
Rakovník 930 55.309 42,3

In der Mittelböhmischen Region liegt auch die kleine Gemeinde Lidice (565 Einw.), bekanntgeworden durch das am 9. Juni 1942 verübte Massaker der Nationalsozialisten als Reaktion auf das Attentat tschechischer Widerstandskämpfer auf den „Reichsprotektor von Böhmen und Mähren“ Reinhard Heydrich.

Flüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die demographische Entwicklung wendete sich in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre durch den Bau von weiteren Satellitenstädten zum Positiven. Während das natürliche Bevölkerungswachstum rückläufig ist, bewirkt die Migration einen stetigen Zuwachs an Bevölkerung. Die Region war im Jahre 2001 die einzige in Tschechien mit einer positiven Bevölkerungsbilanz.

Lebensqualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1990er Jahren hat sich die Lebensqualität stetig verbessert. Die Emissionen durch die Kohlekraftwerke und die chemische Industrie sind stark zurückgegangen. Auch die Wasserqualität hat sich positiv entwickelt.

Wohnqualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anteil der Familienhäuser beträgt 91,3 % und liegt damit über dem Durchschnitt des Staates. Allerdings liegt der Anteil der Häuser mit Anschluss an Kanalisation, Wasser oder Gas unter dem Landesdurchschnitt.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Warmes, angenehmes Klima mit der wärmsten Gegend von Böhmen in den Tälern von Moldau und Elbe bildet gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Negativ wirken sich jedoch in der letzten Zeit trockene Sommer aus.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region hat einen hohen Anteil an Industrieansiedlungen, ist aber vor allem mit einer ertragreichen Gegend im Elbtal (Weizen, Korn, Zuckerrüben, Obst und Gemüse) auch landwirtschaftlich bedeutsam. Im Bereich der Dienstleistungen ist in den letzten Jahren ein erhöhter Zuwachs zu verzeichnen. Viele fanden Beschäftigung in Verwaltungen, im Handel, im kulturellen Bereich sowie in Sporteinrichtungen.

Von größter Bedeutung im Industriesektor ist das Automobilwerk Škoda Auto in Mladá Boleslav, das eine besondere Bedeutung auch für viele Zulieferer in der Gegend hat. Hinzu kommen einige große Maschinenbauer, chemische Industrie (Spolana), Lebensmittelindustrie, Druckindustrie sowie Glas- und Keramikhersteller. Zurückgegangen ist die Bedeutung der Stahlhersteller und die Kohleförderung – vor allem im Bezirk Kladno.

Die Arbeitslosigkeit liegt Ende März 2017 mit 3,97 % unter dem Landesdurchschnitt (4,79 %), wobei sie in der Nähe von Prag (Okres Praha-východ 1,67 %) wesentlich niedriger liegt als im Okres Kladno mit 5,87 %. Der Anteil am Bruttosozialprodukt betrug 2001 9,2 %.

Fremdenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ganze Gebiet bietet viele Urlaubsmöglichkeiten, insbesondere an den Flüssen Berounka, Sázava und der Moldau und wird vor allem zum bei den Tschechen beliebten Wochenendurlaub aufgesucht.

Die höchste Konzentration an Denkmälern findet man bei Kutná Hora (Dom der Hl. Barbara, Vlašský Dvůr (Welscher Hof), Beinhaus in Sedlec). Ein Teil der Kulturdenkmäler wird durch die UNESCO geschützt. Geschützte Denkmäler findet man auch in Kolín. Bekannt sind auch Burg Karlštejn und Burg Točník im Okres Beroun, Burg Křivoklát bei Rakovník, Burg Český Šternberk, Burg Kost bei Mladá Boleslav und Burg Kokořín bei Mělník. Bedeutende Schlösser sind Schloss Konopiště, Schloss Žleby und Schloss Kačina bei Kutná Hora, Schloss Lány und Schloss Nelahozeves. Bedeutendste Ruinen sind Burg Trosky, Burg Žebrák, und Burg Okoř. Wertvolle Naturlandschaft findet man in der Gegend von Křivoklát mit biosphärischen Reservaten, im Naturpark Kokořín, in Český kras, Český ráj und im Naturpark Blaník.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mittelböhmische Region hat neben Prag das dichteste Verkehrsnetz, das aber auch die höchste Überlastung in der Republik aufweist. Neben dem Straßenverkehr und der Eisenbahn spielt auch der Wasserverkehr eine bedeutende Rolle. Von der gesamten Wasserlogistik im Land werden etwa drei Viertel in der Mittelböhmischen Region abgefertigt. Im Großraum Prag verkehr die Esko, ein den S-Bahnen vergleichbares Vorortbahnsystem.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rozdělení křesel. Abgerufen am 23. September 2017 (tschechisch).
  2. Členové Rady kraje. Abgerufen am 23. September 2017 (tschechisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mittelböhmische Region – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° N, 15° O