Moravskoslezský kraj

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Moravskoslezský kraj
Mährisch-Schlesische Region
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Karte
Deutschland Polen Slowakei Österreich Středočeský kraj Plzeňský kraj Karlovarský kraj Ústecký kraj Liberecký kraj Královéhradecký kraj Pardubický kraj Kraj Vysočina Jihočeský kraj Jihomoravský kraj Olomoucký kraj Moravskoslezský kraj Zlínský kraj Hlavní město PrahaLage von Moravskoslezský kraj   in Tschechien (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Basisdaten
Verwaltungssitz: Ostrava
Größte Stadt: Ostrava
ISO 3166-2: CZ-80
Einwohner: 1.209.879 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte: 224 Einwohner/km²
KFZ-Kennzeichen: T
Geografie
Fläche: 5.427 km²
Ausdehnung: Nord-Süd: bis 54 km
West-Ost: 133 km
Höchster Punkt: 1,491 m n.m.
Tiefster Punkt: 195 m n.m.
Verwaltungsgliederung
Bezirke: 6
Gemeinden: 300

Der Moravskoslezský kraj, deutsch Mährisch-Schlesische Region, bis Mai 2001 Ostravský kraj (Ostrauer Region), ist eine der 14 Regionen Tschechiens. In der Region befinden sich 299 Gemeinden, darunter 39 Städte (2007). Verwaltungssitz ist Ostrava (Ostrau).

Im Norden und Osten grenzt die Region an Polen und im Südosten an die Slowakei. Innerstaatlich bestehen Grenzen zu den Regionen Olmütz (Olomouc) und Zlín.

Statistische Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statistische Kennzahlen 2002
Fläche in km² Einwohner1) Durchschnittsalter1) Gemeinden2)
Okres Bruntál 1.658 93.080 42,5 67
Okres Frýdek-Místek 1.273 213.628 41,9 72
Okres Karviná 347 251.370 42,8 17
Okres Nový Jičín 918 151.737 41,6 54
Okres Opava 1.144 176.600 40,4 77
Okres Ostrava-město 214 323.464 40,6 13

1)am 1. Januar 2017 2)im Jahr 2016

Anteil am Bruttoinlandsprodukt (2001): 10,4 %

Arbeitslosenquote (2017): 6,97 %

Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mährisch-Schlesische Region ist landschaftlich sehr vielfältig. Im Norden befinden sich die Massive des Altvatergebirges (Hrubý Jeseník) mit dem höchsten Berg Mährens Altvater (Praděd) (1,491 m n.m.), die langsam in das Niedere Gesenke (Nízký Jeseník), Hochtalbeau und schließlich in das Odergebirge (Oderské vrchy) übergehen. Die Mitte der Region bilden die dicht besiedelten Gegenden der Ebene um Troppau (Opava), die Ostrauer Pfanne (Ostravská pánev) und Mährische Pforte (Moravská brána). Im Südosten wird die Landschaft wieder bergig durch die Beskiden. Die Fläche nimmt 5.535 km² ein, 7 % der Gesamtfläche Tschechiens. Mehr als die Hälfte kann landwirtschaftlich genutzt werden, 35 % nehmen Waldgebiete ein. Neben Naturreichtum findet man im Kreis auch viele Rohstoffe wie Steinkohle, Erdgas, Kalkstein, Granit, Marmor, Schiefer, Gipsstein, Schottersand, Sand und Ziegellehm. Der wichtigste Fluss ist die im Odergebirge entspringende Oder. Dort wo die Oder und Olsa (Olše) zusammenfließen, befindet sich auch der tiefste Punkt der Region mit 195 m n.m. Die Beskiden (Beskydy), das Altvatergebirge (Jeseníky) und die Oderniederung (Poodří) gehören neben weiteren 131 kleinen Gebieten zu den staatlich geschützten Naturparks.

Demografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 1,2 Millionen Einwohnern ist er nach dem Středočeský kraj (1,33 Millionen) und Hlavní město Praha (1,28 Millionen) der drittbevölkerungsreichste Kreis Tschechiens (2017). Die Bevölkerungsdichte ist beinahe doppelt so hoch wie in anderen Kreisen. 23 % der Bevölkerung lebt in Städten mit mehr als 5.000 und 60 % in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern, einmalig in Tschechien. In der Region kommt es neben einem Geburtenrückgang zu einer Überalterung der Bevölkerung. Ebenfalls negativ ist der Wanderungssaldo (2006).[1] Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei 42,2 Jahren (2017).[2] Im Kreisgebiet lebt eine große Bevölkerungsgruppe der Roma.

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis gehört zu den mit den meisten Umweltschäden in Tschechien. Große Probleme gibt es mit der Rekultivierung der Landschaft und der Reinigung des Grundwassers.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits zu Zeiten Österreich-Ungarns im 19. Jahrhundert war die Gegend stark industrialisiert und gehörte zu den wichtigsten Industriegebieten Mitteleuropas. Die Ausrichtung auf Schwerindustrie bringt heute jedoch viele soziale Probleme mit sich, seit sich dieser Wirtschaftszweig nicht mehr weiterentwickelt. Mit 10,4 % trägt er aber immer noch als zweitstärkster Kreis nach Prag zum Bruttoinlandsprodukt bei. Heute werden hier der gesamte Roheisenbedarf, 92 % des Stahlbedarfs und 98 % des Koks Tschechiens produziert. Auch die Förderung der Steinkohle findet nur noch hier statt. Weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist die Energiewirtschaft, die Gaserzeugung, die Nutzfahrzeugindustrie sowie die Tabak- und Nahrungswirtschaft. In der Region gibt es 23 Industriezonen auf insgesamt 1080 ha. 2006 wirkten dort 5536 ausländische Firmen, die meisten aus der Slowakei (24,8 %), Polen (18,5 %) und Deutschland (14,5 %).[1]

Zum Zweck der Entwicklung des Fremdenverkehrs und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wurden die vier Euroregionen Beskiden (Beskydy), Altvatergebirge (Praděd), Schlesien (Silesia) und das Teschener Schlesien (Těšínské Slezsko) gegründet.

Arbeitsmarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz des Rückgangs der Produktion in der Schwerindustrie und der Kohlereserven arbeiten in der Industrie 536.000 Menschen, weitere 13 % im Handel. Der Bruttolohn ist etwa eintausend Kronen niedriger als im Landesdurchschnitt. Die Wirtschaftsstruktur bringt auch erhebliche Probleme bei der Bewältigung der Arbeitslosigkeit. Knapp 6,97 % (2017) sind ohne Beschäftigung, der Anteil der Langzeitarbeitslosen beträgt knapp die Hälfte.[1]

Verkehrsinfrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Kreis führt die Autobahn A1 von Brno bis zu Bohumin an der polnischen Grenze. Eine Verbindung zur polnischen A4 befindet sich im Bau. Der Verkehr läuft auch weiterhin über die internationalen Straßen Opava–Ostrava–Český TěšínMosty u Jablunkova und Nový Jičín–Frýdek-Místek–Český Těšín. Das Schienennetz wurde modernisiert und in der Region gibt es seit 14. Dezember 2008 das S-Bahn ähnliche System Esko. Bei Mošnov liegt der regionale Flughafen Ostrava.

Bildung und Gesundheitswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In 458 Grundschulen werden 131.000 Schüler unterrichtet. Hinzu kommen 36 Gymnasien, 85 Fachgymnasien, 56 Berufsschulen, 10 Einrichtungen postsekundärer Bildung und 3 öffentliche Universitäten in Ostrava und Opava/Karviná.

Auf einen Arzt kommen 284 Einwohner. Daneben stehen 7900 Betten in 20 Krankenhäusern und 3100 Betten in Fachinstituten zur Behandlung von langwierigen Krankheiten zur Verfügung. Hinzu kommen 10.000 Altenplätze.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionelles Kulturzentrum ist Ostrava. Im Kreis existieren 19 Theater, 63 Museen, 99 Galerien und 63 Kinos, 429 Büchereien, 113 Stadien, 26 Winterstadien und Hunderte von Sportplätzen, Sporthallen und Bädern. In Ostrava hat auch das Janáček-Symphonieorchester seinen Sitz. Im Norden des Kreises werden Kuraufenthalte angeboten, sowie ein weites Netz von Radwegen und im Winter jegliche Art von Wintersport. Im Kreis gibt es auch viele historische Denkmäler, wie die Zentren der Städte Příbor, Nový Jičín und Štramberk. Aber auch bauliche Denkmäler sind hier zu finden wie die Schlösser in Hradec nad Moravicí, Raduň, Kravaříce oder Fulnek. Zu den bedeutenden Burgen gehören Sovinec, Starý Jičín und Hukvaldy. Ausstellungen kann man im Technischen Automobilmuseum Tatra in Kopřivnice, Wagonmuseum in Studénka oder im Bergbaumuseum in Ostrava-Petřkovice besuchen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hejtman (Landeshauptmann) der Region ist seit 11. November 2016 Ivo Vondrák (ANO).[3] Er ist der vierte Hejtman nach Miroslav Novák (ČSSD, 2012–2016), Jaroslav Palas (ČSSD, 2008–2012) und Evžen Tošenovský (ODS, 2000–2008).

Im aus 11 Mitgliedern bestehenden Regionsrat sind 6 Mitglieder der ANO, 3 Mitglieder der KDU-ČSL sowie 2 Mitglieder der ODS vertreten.[4]

Im aus 65 Mitgliedern bestehenden Regionsparlament erreichte ANO als stärkste Partei mit 25,7 % der Stimmen 22 Mandate. Zweitstärkste Partei war die ČSSD mit 16,66 % der Stimmen und somit 14 Mandaten. Die in diesem Bezirk traditionell starke KSČM erreichte mit 11,38 % 9 Mandate. Die christdemokratische KDU-ČSL gewann mit 10,17 % der Stimmen 8 Mandate. Die Partei der Bürgerrechte, die zusammen mit der rechtspopulistischen Partei Freiheit und direkte Demokratie kandidierte, erreichte 7,02 % und so 6 Mandate. Auf die bürgerliche ODS entfielen mit 6,93 % ebenfalls 6 Mandate.[5]

Unter anderem scheiterten die Unabhängigen (NEZÁVISLÍ) sowie TOP 09 an der für den Einzug ins Parlament geltenden Sperrklausel.

Bezirksstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezirke / Okresy[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezirke

Größte Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Name (deutsch) Name (polnisch) Einwohner
(1. Januar 2017)
Ostrava Ostrau Ostrawa 291.634
Havířov Hawierzów 73.274
Opava Troppau Opawa 57.387
Frýdek-Místek Friedeck-Friedberg Frydek-Mistek 56.719
Karviná Karwin Karwina 54.413
Třinec Trzynietz Trzyniec 35.596
Orlová Orlau Orłowa 29.231
Český Těšín Teschen Czeski Cieszyn 24.650
Krnov Jägerndorf Krnów, Karniów 23.762
Nový Jičín Neu-Titschein Nowy Jiczyn 23.550
Kopřivnice Nesselsdorf Koprzywnica 22.237
Bohumín Oderberg Bogumin 20.980
Bruntál Freudenthal Bruntal 16.583
Hlučín Hultschin Hluczyn 13.970
Frenštát pod Radhoštěm Frankstadt unter dem Radhoscht 10.887
Frýdlant nad Ostravicí Friedland an der Ostrawitza Frydlant nad Ostrawicą 9.895
Studénka Stauding 9.691
Příbor Freiberg 8.447
Rýmařov Römerstadt Rymarzów 8.345
Bílovec Wagstadt Biłowiec 7.415
Odry Odrau 7.291

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlesien (Tschechien), auch Mährisch-Schlesien genannt, vor allem zur Geschichte

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mährisch-schlesische Region – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c o-kraji.kr-moravskoslezsky.cz (Memento vom 8. Juni 2008 im Internet Archive)
  2. POČET OBYVATEL V OBCÍCH. Abgerufen am 23. September 2017 (tschechisch).
  3. Hejtman kraje. Abgerufen am 23. September 2017 (tschechisch).
  4. Rada kraje. Abgerufen am 23. September 2017 (tschechisch).
  5. Rozdělení křesel. Abgerufen am 23. September 2017 (tschechisch).

Koordinaten: 50° N, 18° O