St. Magdalener

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Weingüter von St. Magdalena bei Bozen mit St. Justina und Rosengarten im Hintergrund

Der St. Magdalener (italienisch Santa Maddalena) ist ein leichter, fruchtiger und regionaltypischer Rotwein aus dem Südtiroler Weinbaugebiet, der aus Spielarten der Vernatschsorten gewonnen wird. Angebaut wird er um das Weindorf St. Magdalena bei Bozen in Südtirol. Die Geschichte dieses Weines ist mehr als ein Jahrhundert dokumentiert und dürfte bis in das Mittelalter zurückreichen. Seit dem 11. August 1971 ist der Wein als D.O.C. (Q.b.A.) geschützt und kontrolliert.

Bozner Weinwerbung von 1904 mit der Bezeichnung St. Magdalena-Hörtenberg

Traditionell sind im gemischten Satz (d. h. bereits im Weinberg) etwa fünf Prozent Lagrein-Trauben enthalten, die dann gemeinsam vinifiziert werden. Heute wird oft auch ein Verschnitt (teils auch als Cuvée bezeichnet), d. h. die Vernatsch- und Lagreintrauben werden getrennt vinifiziert und als fertige Weine zusammengefügt. Gesetzlich sind bis zu 15 % Verschnitt mit den Sorten Lagrein oder Blauburgunder erlaubt. Wegen des heißen Klimas im Bozner Talkessel und des kleinen Anteils von kräftigem Lagrein ist der Magdalener voller und intensiver als die anderen Vernatschweine Südtirols. Im Volksmund wird der Wein daher auch als „Königin des Vernatsch“ bezeichnet. Die lockeren Moränenschüttböden sind optimal für eine volle Reife der Trauben. Als Folge des schlechten Wasser-Rückhaltevermögens dieser Böden wurde dort 1929 die erste Großberegnungsanlage Europas erbaut.

  • Farbe: rubinrot
  • Erziehung: fast ausschließlich auf Pergel
  • Alkoholgehalt: 12–13,5 Volumenprozent
  • Trinktemperatur: 14–17 °C

Geschichte der Bozner Weine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der „Bozner“ (Bozenaere) wird als bekannter Wein bereits 1158 vom Chronisten Vinzenz von Prag genannt und im Spätmittelalter mehrfach als besonders guter Rotwein im süddeutschen Raum an Klöstern und adeligen Höfen erwähnt. Wahrscheinlich war dies ein gemischtsatziger, mehrere Rebsorten umfassender Vorgänger des St. Magdaleners, der vielleicht auch Vernatsch und Lagrein in sich hatte. Über die Jahrhunderte haben klimatologische, ertragliche, verwaltungstechnische und marktverändernde Verhältnisse den Wein langsam, aber stetig verändert. Vor dem 20. Jahrhundert waren zusätzlich zu den Vernatschspielarten und dem Lagrein viele zusätzliche, heute teils unbekannte bzw. nicht mehr angebaute Sorten in den Weinbergen vorhanden. Nicht einmal die ungefähren Mengenverhältnisse dieser unterschiedlichen Sorten lassen sich vor dem 19. Jahrhundert rekonstruieren.

Seit 1923 existiert eine Winzergenossenschaft zum Schutz des Weines, welche 1978 in das „Freiwillige Konsortium für den Schutz der Weinproduktion von St. Magdalena“ umgewandelt wurde. Ein Großteil der Produzenten, Kellereien und Vermarkter dieses Weines ist in diesem Konsortium zusammengeschlossen. In der Zeit des Faschismus (1931) wurde der Wein, wohl vorwiegend aus politischen Überlegungen, zu den drei besten Italiens erklärt.

Anbaugebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Magdalener Cl. Flasche mit Glas bei der Bozner Weinkost

Weine, die aus den ursprünglichen 1923 definierten Anbaugebieten um St. Magdalena, St. Justina, Leitach, Rentsch und St. Peter an den südlich ausgerichteten Hängen des Ritten stammen, dürfen die Zusatzbezeichnung "Klassischer" (ital.: Classico) verwenden.[1][2] Das erweiterte Anbaugebiet umfasst auch die Hanglagen nordwestlich von Bozen (Sand, St. Georgen, Guntschna unterhalb von Jenesien und zieht sich bis Siebeneich), Weinberge am Karneider Berg (oberhalb von Kardaun), Hanglagen im unteren Bereich des Kohlerer Berges (Kampenn, Virgl und Haslach).

Das gesamte Anbaugebiet umfasste im Jahre 2018 etwa 186 Hektar (1978 noch 457 Hektar).[3]

Produzenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Jahrzehnten ausgezeichnete Produzenten aus dem klassischen Gebiet mit Angabe der Selektionslinie bzw. von Lagenweinen: Kellerei Bozen "Moar" und "Huck am Bach", H. Rottensteiner "Premstallerhof", Ansitz Waldgries "Antheos", Glögglhof/Gojer "Rondell", Erbhof Unterganzner "Heilmann", Pfannenstielhof "AnnVer", Untermoserhof "Hub", Obermoser "Nobilis", Griesbauerhof "Isarcus", Fliederhof "Gran Marie", Kandlerhof "Schloterpöck".

Neuere Produzenten mit Auszeichnungen: Plonerhof "Alte Reben", Wassererhof, Larcherhof, Pitzner "Malanders".

Beim Jahrgang 2019 haben 31 Produzenten einen klassischen St. Magdalener eingekellert und 29 Produzenten aus dem erweiterten Anbaugebiet.[4] In der Südtiroler Gastronomie und Hotellerie ist der St. Magdalener unter den Vernatschweinen auf den Karten am Häufigsten gelistet, was mit ein Grund ist, dass auch außerhalb der Produktionsgebietes Produzenten diese Weinbezeichnung im Sortiment haben wollen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Kilchmann: Südtirols Freie Weinbauern. Gelebte Weinkultur in den Alpen. Folio Verlag, Bozen 2009, ISBN 978-3-85256-482-1.
  • Produktionsregeln des D.O.C. Südtirol (Qualitätsweinbestimmungen: disciplinare di produzione della denominazione di origine controllata dei vini Alto Adige («Südtirol o Südtiroler»)), Erlass vom 19. September 2007

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gebiet St. Magdalener, Freiwilliges Konsortium für den Schutz der Weinproduktion von St. Magdalena, ca. 2011, Archivierte Kopie (Memento vom 26. August 2016 im Internet Archive)
  2. Karte Produzenten St. Magdalener, Freiwilliges Konsortium für den Schutz der Weinproduktion von St. Magdalena, ca. 2011, Archivierte Kopie (Memento vom 27. August 2016 im Internet Archive)
  3. Produktion St. Magdalener, Freiwilliges Konsortium für den Schutz der Weinproduktion von St. Magdalena, ca. 2011, Archivierte Kopie (Memento vom 26. August 2016 im Internet Archive)
  4. Amt für Landwirtschaft der Handelskammer Bozen, Mai 2020