St. Martin (Bad Kohlgrub)

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St. Martin (Bad Kohlgrub)

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Martin im Zentrum der Gemeinde Bad Kohlgrub im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist dem Dekanat Rottenbuch in der Erzdiözese München und Freising zugeordnet. Das Kirchengebäude ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war das 1280 erstmals erwähnte Kohlgrub in die Pfarrei Ammergau inkorporiert, die ab 1295 vom Augustinerchorherrenstift Rottenbuch pfarrlich betreut wurde. Zu dieser Zeit stand wohl nur eine kleine Kapelle. Unter dem aus Saulgrub gebürtigen Rottenbucher Propst Ulrich V. Sturmlein (reg. 1336–1350) wurde der erste Kirchenbau ausgeführt. 1517 wurde Kohlgrub von Ammergau abgetrennt und der Rottenbucher Pfarrei zugeschlagen, nun ritt ein Rottenbucher Chorherr zu wichtigen Festtagen nach Kohlgrub. 1734 erreichten die Kohlgruber die Abstellung eines permanent anwesenden Vikars und der Pfarrhof wurde errichtet. Nach der Säkularisation wurde Kohlgrub 1809 zur eigenen Pfarrei erhoben.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom ersten Kirchenbau des 14. Jahrhunderts haben sich der massive Turmunterbau mit seinen Biforien sowie vielleicht Teile des Chormauerwerks erhalten. Im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts wurde der bis dahin flache Chor vergrößert und mit einem runden Abschluss mit vier großen Fenstern versehen. Unter dem Rottenbucher Propst Patricius Oswald (reg. 1700–1740) wurde die Kirche 1727–1729 vergrößert und erhielt ihre heutige Gestalt. Das Langhaus sowie Vorzeichen und Sakristei entstanden unter der Ägide von Rottenbucher Klosterbaumeistern. 1750–1755 erhielt der Turm seinen heutigen Aufbau. Bis um 1800 war die Ausstattung im Wesentlichen abgeschlossen.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Martin von der Dorfstraße gesehen

Die Kirche ist ein einfacher Saalbau mit einer von Stichkappen durchschnittenen Flachtonne. Der eingezogene Chor ist rund geschlossen und besitzt vier große Rundbogenfenster. Das großzügige Langhaus gliedert sich in drei Joche, die durch Gurtbögen voneinander getrennt sind. Diese liegen auf einem mehrfach profilierten Gesims über stuckierten Konsolen auf. Die großen rundbogigen Fenster im Langhaus wurden 1880 ausgebrochen und ersetzten die alten barocken Fenster, die oben und unten rundbogig, von einem Rundfenster bekrönt waren. An der Westseite befindet sich das Vorzeichen, südlich die doppelgeschossige Sakristei.

Der Turm an der Nordostseite ist in der Basis quadratisch, unter dem Gesims öffnen sich nach drei Seiten Biforien. Unter der Ostseite befindet sich ein freskiertes gotisches Ziffernblatt. Über der Basis erhebt sich der barocke Helm, ebenfalls quadratisch, aber mit eingekehlten Ecken. Zu jeder Seite öffnet sich ein rundes Schallfenster zum Glockenstuhl. Die Nord- und Ostseite tragen ein rundes Ziffernblatt. Die Giebel sind dezent geschwungen. Sie sind als große Aussparungen einer steilen Kuppel zu verstehen. Darüber erhebt sich der oktogonale, von einer Zwiebel abgeschlossene Helm, den ein großes vergoldetes Patriarchenkreuz bekrönt. Diese fein nuancierte, belebte Formensprache erinnert an die Architektur Dominikus Zimmermanns, insbesondere den Kirchturm der Wieskirche.

Inneres nach Osten

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirchenausstattung erfolgte hauptsächlich in zwei Perioden, dem Frührokoko der Bauzeit und dem klassizistischen Rokoko ab 1780. Der Stuck des Chores ist bauzeitlich und geht auf die Werkstatt des Rottenbucher Klosterbaumeisters Josef Schmutzer zurück. Jener des Langhauses entstand bei der Kirchenrenovierung 1880.

Kanzel des 18. Jh.

Die Ausmalung der Kirche besorgte 1927 die Firma Anton Vitztum aus Teisendorf. Im mittleren Bildfeld des Chores ist Christus als Guter Hirte der Gemeinde Kohlgrub dargestellt, in den Kartuschen ringsum gruppieren sich Evangelisten und die vier abendländischen Kirchenväter, drei Bildfelder des Langhauses zeigen den fürsorglichen Christus. Das östliche Bild gibt Jesus inmitten der Kinder wieder und illustriert den Bibelvers „Lasst die Kinder zu mir kommen“ (Luk. 18, 16). Das mittlere Bild zeigt die Heilung des seit 38 Jahren lang Kranken bei Bethesda (Joh. 5,5). Hier wird Christus als das Heil der leiblich Kranken gezeigt. Das Bild über der Orgel zeigt die Salbung Jesu durch Maria von Magdala. Jesus wird hier als Heil der seelisch Kranken dargestellt. Über dem Chorbogen befindet sich eine bauzeitlich gemalte Draperie. Zwei begleitende Engel tragen das Rottenbucher Klosterwappen und das Wappen des Propstes Patricius Oswald.

Der Frauenaltar

Die beiden Seitenaltäre sind zur Bauzeit entstanden. Der linke Seitenaltar ist der Mutter Gottes geweiht und trägt eine barocke Verkündigungsdarstellung. Im Auszug ein Bild der hl. Anna. Den Altar flankieren Figuren der hl. Joseph und Joachim. Der rechte, ursprünglich dem hl. Kreuz gewidmete Seitenaltar wurde im 19. Jahrhundert zum Herz-Jesu-Altar umgestaltet. Die hl. Helena im Auszug verweist noch auf das Kreuzpatrozinium. Das Altarblatt zeigt das hl. Herz Jesu. Flankiert wird es von den Figuren der Kirchenlehrer Gregor und Augustinus. Mit Ausnahme des Verkündigungsgemäldes stammen sämtliche Bilder der Seitenaltäre aus dem 20. Jahrhundert. Die Figuren lieferte um 1750 Franz Xaver Schmädl.

Der Kanzelkorpus weist noch hochbarocke Formen auf, in Nischen stehen Plastiken der vier Evangelisten. Der Schalldeckel entstammt der zweiten Ausstattungsperiode und weist das Formengut ländlichen Louis seize-Stils auf. Der Hochaltar ist ebenfalls dieser Zeit zuzuordnen. Der große Rundbogen über dem Altarblatt erinnert an den Ettaler Hochaltar. Das auf 1729 datierte Altarblatt des aus Wildsteig gebürtigen Martin Speer zeigt die Mantelspende des hl. Martin und wurde wie die Assistenzfiguren vom Vorgängeraltar übernommen. In der Himmelsgloriole Christus, Engel sowie die Rottenbucher Klosterpatrone und Nebenpatrone des Altares, Primus und Felicianus. Der Hochaltar ist ein Wandelaltar, in der Fastenzeit wird eine Ölbergdarstellung des Oberammergauers Franz Seraph Zwinck sichtbar. Den Altar flankieren die Skulpturen des Viehpatrons Sylvester und des Diözesanpatrons Korbinian; beide entstammen der Schmädlwerkstatt. Das Retabel wird dem Kohlgruber Kistlermeister Peter Sam zugeschrieben, auf den die Werke der zweiten Ausstattungsperiode zurückgehen.

Großformatige Kreuzwegbilder des 18. Jahrhunderts schmücken die Wände. Die untere Emporenbrüstung zeigt die Lebensgeschichte des hl. Martin in 14 mit Versen versehenen Ölbildern. Eine Anzahl von Heiligenfiguren des 18.–20. Jahrhunderts zeugen vom Stiftungseifer der Pfarrangehörigen. Hervorzuheben ist die Skulptur des hl. Blasius aus dem weiteren Leinbergerumkreis. Hier wurde die Figur jedoch stets als hl. Martin verehrt. Im mittleren Joch finden sich zwei Ovalbilder der beliebten Volksheiligen Konrad von Parzham und Therese von Lisieux von Bernhard Otterpohl.

Blick nach Westen zur Orgel

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Luitraud Ober: Kohlgrub. Eine Ortsgeschichte; Mit besonderer Berücksichtigung der Zeit unter den beiden Klöstern Rottenbuch und Ettal 1295/1330–1803. St. Ottilien 1956.
  • Hans Greinwald: Festschrift zu den Bad Kohlgruber Festtagen. Bad Kohlgrub 1986.
  • Laurentius Koch OSB: Die Kirchen der Pfarrei Bad Kohlgrub. Salzburg 2001.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St. Martin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 39′ 57,5″ N, 11° 3′ 1,4″ O