St. Pauli-Landungsbrücken

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Hamburger Verkehrsknotenpunkt. Zur Fernsehserie siehe St. Pauli-Landungsbrücken (Fernsehserie).
Der zentrale Teil der Landungsbrücken von oben

Die St. Pauli-Landungsbrücken sind eine große Anlegestelle für Fahrgastschiffe am Nordrand des Hamburger Hafens. Die Landungsbrücken liegen im Hamburger Stadtteil St. Pauli zwischen Niederhafen und Hamburger Fischmarkt an der Elbe.

Am westlichen Ende der Landungsbrücken befindet sich der nördliche Eingang zum Alten Elbtunnel. Den östlichen Abschluss des Gebäudekomplexes bildet der Pegelturm. Auf halber Höhe des Turmes auf der Elbseite ist oben in der Mauer ein Wasserstandsanzeiger eingelassen, der über den aktuellen Stand der Tide informiert. In seiner zweiten Funktion ist der Pegelturm auch Uhren- und Glockenturm. Das Zifferblatt ist weithin sichtbar. Die Glocke erklingt zur vollen und halben Stunde.

Die Landungsbrücken bilden zusammen mit einer U-Bahn-Station, einer S-Bahn-Station und Omnibussen einen Verkehrsknotenpunkt in Hamburg. Sie sind auch eine Touristenattraktion, da von hier aus eine interessante Sicht auf die Norderelbe, den Hafen und zur Elbphilharmonie besteht und Hafenrundfahrten unternommen werden können.

Schiffsanleger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Schiffsanleger an dieser Stelle wurde 1839 errichtet. Er diente als Anlegestelle von Dampfern, die hier relativ einfach mit Kohle befüllt werden konnten. Außerdem wollte man bei diesen großen Schiffen aufgrund ihrer Kohlebefeuerung und der damit verbundenen Brandgefahr kein Risiko eingehen und einen ausreichenden Sicherheitsabstand gewährleisten. Der heutige, ab 1907 errichtete Schiffsanleger besteht aus schwimmenden Pontons, die über neun bewegliche Brücken vom Festland aus zugänglich sind. Die 688 m lange Anlegestelle diente ursprünglich den Personendampfern der Überseelinien als Anlegestelle. Unter anderem legten hier die großen HAPAG-Linienschiffe an.

Der alte Schiffsanleger wurde im Zweiten Weltkrieg bei der Operation Gomorrha zerstört, so dass die heutigen Pontons während des Wiederaufbaus von 1953 bis 1955 entstanden sind. Das letzte im Krieg zerstörte Teilstück zwischen den Brücken 2 und 3 wurde erst 1976 neu erbaut. Im Rahmen einer 1999 begonnenen Modernisierung wurden die Überdachung und die Beleuchtung neu gestaltet. Im Zusammenhang mit dieser Maßnahme ist auch der Austausch von Brücke 7 vorgesehen.

Heute verkehren zum Schiffsanleger nur noch Hafenfähren der HADAG, Hafenrundfahrtschiffe und Barkassen, Passagierschiffe im Unterelbedienst sowie die Katamarane nach Helgoland. Täglich pendeln von hier aus auch Schiffe zum gegenüberliegenden Theater im Hafen Hamburg.

Kulturdenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das zugehörige Abfertigungsgebäude wurde von 1907 bis 1909 aus Tuffstein mit dem Schiffsanleger an der Stelle der alten Landungsbrücken errichtet. Es wurde von der Architektengemeinschaft Raabe & Wöhlecke für das Amt für Strom- und Hafenbau der Baudeputation als ein repräsentativer Schiffsbahnhof gestaltet. Mit seiner Länge von 205 m und mit seinen zahlreichen Durchgängen zu den Schiffsanlegern sowie Kuppeln und Türmen setzt es deutliche bauliche Akzente. Die Bauplastiken stammen von Arthur Bock. An der Nordseite des Pegelturms befindet sich neben der Türumrahmung ein Relief mit der Inschrift „Wohr Di, wenn de Blanke Hans kummt“.[1]

Das Bauwerk wurde am 15. September 2003 unter Denkmalschutz gestellt.[2]

Bahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

U-Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1906 wurde mit dem Bau der ersten Linie der U-Bahn Hamburg, damals als Hochbahn bezeichnet, begonnen, die einen Ring um und durch die Innenstadt bildete. Auch in der Nähe der Landungsbrücken am Hang des Stintfangs wurde eine Station mit Seitenbahnsteigen errichtet, die von den Architekten Johann Emil Schaudt und Walter Puritz gestaltet wurde. Der Bahnhof, der heute den Namen Landungsbrücken trägt, wurde halboffen gebaut: während der westliche Teil mit einer Betonplatte überdeckt wurde, ist der östliche Teil offen. Schließlich ging der Bahnhof mit dem Namen Hafentor gemeinsam mit dem Streckenabschnitt Millerntor (heute St. Pauli) – Rathausmarkt (heute Rathaus) als letztes Teilstück des Hochbahn-Rings am 29. Juni 1912 in Betrieb. Der von Johann Emil Schaudt zusammen mit der Hochbahn-Haltestelle entworfene markante Turm am Eingang wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und schließlich 1959 abgerissen, wie auch die gesamte Haltestelle vollkommen umgebaut und modernisiert wurde.

Der neue Eingang mit Kupferdach (nach Plänen von Hans L. M. Loop und Fritz Trautwein) wurde mit einer breiten Fußgängerbrücke und einem 32-stufigen Treppenbauwerk zu den Schiffsanlegern verbunden. Der Grund für den Bau der Brücke über die hier 6-spurige Straße Bei den St. Pauli-Landungsbrücken war das bis in die 1960er Jahre hinein jeweils bei Schichtwechsel im Hafen enorme Fahrgastaufkommen an dieser U-Bahn-Haltestelle. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde am Hang des Stintfangs ein ebenso hoher, schmalerer Treppenaufgang errichtet. Von dem Höhenniveau dieser beiden äußeren Zugangsbauten führen innerhalb des Gebäudes zwei weitere, jeweils 27-stufige Treppenaufgänge zu den beiden U-Bahnsteigen. Der nördliche dieser beiden Aufgänge (zur Fahrtrichtung nach St. Pauli) ist auf halber Breite mit einer Rolltreppe ausgestattet.

Ab 1971 wurde die Haltestelle erneut erheblich umgebaut, als unter dem Stintfang mit dem Bau der City-S-Bahn begonnen wurde. Seitdem bietet die westliche Zugangshalle als Hauptzugang zur U-Bahn auch einen Zugang zum S-Bahnsteig über einen 8-stufigen Niedergang und beiderseits anschließend von diesem Absatz nach unten abgehenden Treppenschächten, die hier mit Rolltreppen ausgestattet sind. Seit 1. Juni 1975 ist dies eine Umsteigehaltestelle im Hamburger Schnellbahnnetz. Der östliche Zugang der U-Bahn-Haltestelle stammt aus dem Jahre 1923, blieb aber bis 1924 wegen Personalmangel bei der Hochbahn geschlossen. Der Entwurf für den Ziegelbau mit den beiderseitig direkt zu den U-Bahnsteigen führenden 62-stufigen Treppenbauwerken stammt von Walter Puritz, der in jener Zeit weitere Bauten für die Hochbahn schuf.

Straßenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 3. Juni 1973 verkehrte hier auch noch die Straßenbahn. Zuletzt führte die Linie 1 auf ihrem Weg von Schenefeld, Lornsenstraße („Lurup“) über Bahrenfeld und Altona hier vorbei, weiter über den Rödingsmarkt durch die Mönckebergstraße und die Lange Reihe über Uhlenhorst bis zum Goldbekplatz. Vor 1955 hatte die Linie 31 (Bahrenfeld – Altona – Innenstadt – Billstedt) diese Funktion inne, außerdem begann hier die Linie 14 ihre lange Reise über St. Pauli, Eimsbüttel, Eppendorf, Winterhude, Mundsburg und Hohenfelde nach Veddel bis in die Klütjenfelder Straße („Freihafen“). Sie endete mit Zweirichtungswagen mittels Gleiswechsel in der Haltestelle, die sich im Bereich unter der heutigen Fußgängerbrücke zur U-Bahn befand. Allerdings wurde sie bereits am 8. Juni 1956 in diesem Bereich stillgelegt, als die Linie 14 auf Einrichtungswagen umgestellt wurde und an den Landungsbrücken keine Wendemöglichkeit mehr bestand. Noch bis 1960 gab es vereinzelt Verstärkerfahrten der 14, die aber bis zum Rödingsmarkt führten. Mit dem Umbau des U-Bahnhofes um 1959 erhielt die Straßenbahnhaltestelle richtige Haltestelleninseln in der Mitte der Straßenfahrbahn.

S-Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1. Juni 1975 ist Landungsbrücken auch eine Station der S-Bahn. Sie ist Bestandteil der 1979 vollständig inbetriebgenommenen Tunnelstrecke vom Hauptbahnhof nach Altona (City-S-Bahn). Zunächst verkehrte ab hier die Linie S10 auf ihrem Weg über Jungfernstieg und Hauptbahnhof bis nach Barmbek. Ab 21. April 1979 wurde die S10 von der S1 abgelöst, die von Wedel über Altona nach Poppenbüttel führt. Die S1 wiederum gab die Streckenführung damals an die neu eingerichtete S11 ab. Damit sich die Fahrgäste damals den Verlauf der neugeordneten S-Bahn-Linien merken konnten, gab es eine Art Eselsbrücke: Die S1 fährt wie früher die Straßenbahnlinie 1 über Landungsbrücken, die S11 fährt wie früher die 11 über Holstenstraße.

Aufgrund eines am 30. September 1984 in der Station ausgebrannten S-Bahn-Wagens der Baureihe 471 musste die Station bereits renoviert werden.

Der Hauptzugang zur S-Bahn-Station liegt innerhalb des Stationsbauwerkes der U-Bahn. Am Ostende des Bahnsteigs führt ein weiterer Ausgang zur Straße Eichholz bzw. Hafentor, hier wird über eine Treppe und zusätzlich einen Schrägaufzug der tieferliegende S-Bahnsteig mit dem Straßenniveau verbunden.

Zwischen dem Bahnsteig der S-Bahn und den Anlagen der U-Bahn befindet sich ein ziviler Luftschutzbunker.

Linie Verlauf
U 3 Barmbek – Saarlandstraße – Borgweg – Sierichstraße – Kellinghusenstraße – Eppendorfer Baum – Hoheluftbrücke – Schlump – Sternschanze – Feldstraße – St. Pauli – Landungsbrücken – Baumwall – Rödingsmarkt – Rathaus – Mönckebergstraße – Hauptbahnhof Süd – Berliner Tor – Lübecker Straße – Uhlandstraße – Mundsburg – Hamburger Straße – Dehnhaide – Barmbek – Habichtstraße – Wandsbek-Gartenstadt
S 1 Wedel – Rissen – Sülldorf – Iserbrook – Blankenese – Hochkamp – Klein Flottbek – Othmarschen – Bahrenfeld – (geplant: Ottensen –) Altona – Königstraße – Reeperbahn – Landungsbrücken – Stadthausbrücke – Jungfernstieg – Hauptbahnhof – Berliner Tor – Landwehr – Hasselbrook – Wandsbeker Chaussee – Friedrichsberg – Barmbek – Alte Wöhr – Rübenkamp – Ohlsdorf | – Hamburg Airport (Flughafen) | – Kornweg – Hoheneichen – Wellingsbüttel – Poppenbüttel
S 2 Altona – Königstraße – Reeperbahn – Landungsbrücken – Stadthausbrücke – Jungfernstieg – Hauptbahnhof – Berliner Tor – Rothenburgsort – Tiefstack – Billwerder-Moorfleet – Mittlerer Landweg – Allermöhe – Nettelnburg – Bergedorf
S 3 Pinneberg – Thesdorf – Halstenbek – Krupunder – Elbgaustraße – Eidelstedt – Stellingen – Langenfelde – Diebsteich – Altona – Königstraße – Reeperbahn – Landungsbrücken – Stadthausbrücke – Jungfernstieg – Hauptbahnhof – Hammerbrook – (geplant: Elbbrücken –) Veddel – Wilhelmsburg – Harburg – Harburg Rathaus – Heimfeld – Neuwiedenthal – Neugraben – Fischbek – Neu Wulmstorf – Buxtehude – Neukloster – Horneburg – Dollern – Agathenburg – Stade

Stammsiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage in Hamburg

Nahe den Landungsbrücken befindet sich einer von Hamburgs ältesten und auch größten Abwasserkanälen. Er ist Teil der 1842 von William Lindley entworfenen „Stadtwasserkunst“. Das Geest-Stammsiel sammelt Abwässer aus weiten Teilen der Stadt, bevor sie mit Hilfe eines etwa hundert Meter flussabwärts vom alten Elbtunnel befindlichen Pumpwerks unter der Norderelbe hindurch in das sich auf der gegenüberliegenden Elbseite befindliche Hauptklärwerk Köhlbrandhöft befördert werden. Das Siel ist mit dem Boot befahrbar; für die Ruderpartie von Kaiser Wilhelm II. wurde 1904 sogar ein eigener, unterirdischer Bootsanleger errichtet, der im Rahmen des Abwasser- und Sielmuseums am Pumpwerk Hafenstraße besichtigt werden konnte.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landungsbrücken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Führer durch Hamburg. Verband Hamburgischer Verkehrsvereine, 1927, Ausgabe 2, S. 10; Archiv der Deutschen Seewarte. Bände 50-51, 1931, S. 31.
  2. http://www.hamburg-sehenswuerdigkeiten.de/landungsbruecken.htm

Koordinaten: 53° 32′ 46″ N, 9° 58′ 0″ O