Staatsforst

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Als Staatsforst oder Staatswald werden Wälder im staatlichen Eigentum bezeichnet. In Deutschland wird der Begriff Staatswald zumeist gleichbedeutend mit Landesforst verstanden, dem Wald im Eigentum eines Bundeslandes. Daneben zählt auch der Wald im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland (Bundesforst) zum Staatswald. Im Eigentum einer deutschen Stadt oder Gemeinde stehender Wald (Gemeindeforst) ist kein Staatsforst, sondern eine Form des Körperschaftswaldes.

Enteignungen im Zuge der Aufklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historischer Grenzstein eines ehemaligen sächsischen Staatsforstreviers

Die Wälder im Eigentum der deutschen Bundesländer entstammen großteils landesherrlichen Besitztümern, die im Zuge der Aufklärung aus dem Besitz der früheren Herrscherfamilien in Staatseigentum übergingen. Nennenswerte Erweiterungen erfuhren die Landeswälder durch die Enteignung von Klöstern und Kirchen Anfang des 19. Jahrhunderts (Säkularisation). In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Wälder der deutschen Bundesländer überwiegend durch Landesverwaltungen bewirtschaftet, die neben Verwaltung, Pflege und Nutzung der Landeswaldungen auch hoheitliche Aufgaben zu erfüllen hatten und für die Beratung und Förderung im Privat- und Körperschaftswald zuständig waren (nur Bundesländer mit Einheitsforstverwaltungen). In Bundesländern ohne Einheitsforstverwaltungen erfolgte die Beratung, Betreuung und Förderung seit je ohne Beteiligung der sich heute in Auflösung befindlichen Staatsforstverwaltungen.

Heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst in den vergangenen Jahren wurden vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage in Bund und Ländern Anstrengungen zur Reorganisation der oft defizitären Landesforstverwaltungen unternommen. Heute werden die Staats- und Landesforste der deutschen Bundesländer teils weiterhin durch unterschiedlich organisierte staatliche Verwaltungen (Bsp. Baden-Württemberg, Thüringen) bewirtschaftet, teils aber auch durch Unternehmen oder Betriebe im Eigentum des jeweiligen Landes (Bsp. Niedersachsen, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen).

Neben der ökonomischen Funktion spielen heute bei der Staatswaldbewirtschaftung ökologische und soziale Aspekte der Forstwirtschaft eine hervorgehobene Rolle, die von jeher auch von anderen Eigentumsformen berücksichtigt wurden. Die besondere Bedeutung dieser so genannten Wohlfahrtswirkungen der Waldwirtschaft findet ihren Niederschlag in den Waldgesetzen der Länder, die die besondere Berücksichtigung des allgemeinen Wohls als Vorgabe für die Staatswaldbewirtschaftung festschreiben.

Diese Gemeinwohlorientierung schlägt sich im finanziellen Betriebsergebnis nieder. Vorsichtig geschätzt lag das Defizit staatlicher Forstverwaltungen vor den letzten Reformen bei 75 Euro pro Jahr und Hektar.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatswald ist in Deutschland nach § 3 Absatz 1 des Bundeswaldgesetzes (BWaldG) wie folgt definiert: Wald im Alleineigentum des Bundes, eines Landes oder einer Anstalt oder Stiftung des öffentlichen Rechts sowie Wald im Miteigentum eines Landes, soweit er nach landesrechtlichen Vorschriften als Staatswald angesehen wird.[1]:

Nach den Erhebungen der Dritten Bundeswaldinventur (2012) sind 3.309.537 Hektar bzw. 29,0 Prozent des Waldes in Deutschland Staatswald der Länder und 403.464 Hektar bzw. 3,5 Prozent Staatswald des Bundes (Bundeswald).[2] In Deutschland gibt es 16 staatliche Forstbetriebe: 15 Forstbetriebe der Länder (außer Bremen) und der Bundesforst. Der größte Waldbesitzer in Deutschland ist der Freistaat Bayern mit rund 778.000 Hektar, die im Wesentlichen von den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) bewirtschaftet werden.[3]

Bundesforst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wald im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland wird, obgleich auch Staatsforst, zumeist als Bundesforst bezeichnet. Die Wälder im Eigentum des Bundes werden von der Bundesforstverwaltung, einer Sparte der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben betreut. Der Bundeswald befindet sich vor allem auf militärisch genutzten Flächen und entlang von Bundeswasserstraßen und Autobahnen. Bundeswald unterliegt deswegen meist einer besonderen Zweckbestimmung, an der sich die forstliche Betreuung auszurichten hat. So erfüllt beispielsweise Wald auf militärischen Liegenschaften einerseits wichtige Schutzfunktionen, um das zivile Umfeld vor den Belastungen des Übungsbetriebes zu schützen (Lärm-, Staubschutz). Andererseits hat er große Bedeutung für die übende Truppe im Rahmen des Ausbildungsszenarios („Bühnenbildfunktion“).

Landesforsten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich gibt es nach den Kataster­auswertungen von 2013 46.645 Hektar Landeswald, was einem Anteil von nur 1,3 Prozent der österreichischen Gesamtwaldfläche von 3.689.095 Hektar entspricht. 538.819 Hektar bzw. 14,8 Prozent werden von der Österreichischen Bundesforste AG (ÖBF) bewirtschaftet bzw. befinden sich im sonstigen öffentlichen Eigentum.[20]

Die österreichische Waldinventur (ÖWI) erfasst den Wald nach anderen Kriterien als das Kataster und weist für den Erhebungszeitraum 2007 bis 2009 eine Gesamtwaldfläche in Österreich von 3,991 Millionen Hektar aus. Rund 593.000 Hektar oder 14,8 Prozent werden von der Österreichischen Bundesforste AG bewirtschaftet.[21]

Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wälder Polens umfassen 9.163.800 Hektar und bedecken damit 29,3 Prozent der Landesfläche. Über 80 Prozent der Waldfläche befindet sich im Staatseigentum. 7.279.654 Hektar bzw. 77,3 Prozent der polnischen Waldfläche werden von den Polnischen Staatsforsten (Lasy Państwowe) verwaltet.[22]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz wird nicht strikt zwischen Körperschaftswald und Staatswald unterschieden, sondern allgemein von Wald der öffentlichen Hand gesprochen. Die rund 3.300 öffentlich-rechtlichen Waldbesitzer bewirtschaften mit 884.302 Hektar Wald 70 Prozent der gesamten Waldfläche der Schweiz. Die größte Waldfläche entfällt dabei auf Eigentumsarten, die im Wesentlichen dem deutschen Körperschaftswald entsprechen: 351.039 Hektar Wald der Politischen Gemeinden, 278.312 Hektar Wald der Bürgergemeinden sowie 101.975 Hektar der Kooperationen und Genossenschaften. Mit 50.713 Hektar Wald der Kantone und 8.759 Hektar Wald des Bundes nehmen die eigentlichen Staatswaldflächen nur rund 5 Prozent der Schweizer Waldfläche ein. Dazu kommen noch 93.495 Hektar übrige, gemischte, öffentliche Waldflächen.[23]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: National Forest

In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es 155 National Forests, die vom United States Forest Service verwaltet werden und insgesamt rund 769.000 km² Land umfassen. Darüber hinaus verfügen einzelne Bundesstaaten, wie zum Beispiel Connecticut über eigene State Forests, die zusammen mit den State Parks verwaltet werden und je nach ursprünglicher Bestimmung zur Holzgewinnung, zu Forschungs- und Schulungszwecken und dem Umweltschutz dienen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. § 3 des Bundeswaldgesetzes
  2. Ergebnisdatenbank der Dritten Bundeswaldinventur (2012). Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  3. Polley, H.; Hennig, P.: Waldeigentum im Spiegel der Bundeswaldinventur in AFZ-Der Wald 6/2015
  4. ForstBW. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  5. Bayrische Staatsforsten: Statistikband 2014. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  6. Die Berliner Forsten. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  7. Forst Brandenburg. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  8. Die hamburgischen Revierförstereien. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  9. Hessen-Forst. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  10. Landesforst M-V: Unternehmerische Konzeption für den Zeitraum 2008–2012 – Kurzfassung, S. 5. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  11. Niedersächsische Landesforsten. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  12. Wald und Holz NRW. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  13. Landesforsten Rheinland-Pfalz : Geschäftsbericht 2009, S. 64. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  14. SaarForst : Kurzportrait, S. 9. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  15. Webseite von Sachsenforst
  16. Sachsenforst : Geschäftsbericht 2013, S. 15. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  17. Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  18. Schleswig-Holsteinische Landesforsten. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  19. ThüringenForst. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  20. Ministerium für ein lebenswertes Österreich (Hrsg.): Nachhaltige Waldwirtschaft in Österreich – Datensammlung zum österreichischen Wald, Stand: Februar 2015, Tabelle 1.1 Online-Version. Abgerufen am 29. Oktober 2015.
  21. Österreichische Waldinventur (ÖWI). Abgerufen am 29. Oktober 2015.
  22. Polnische Staatsforsten: The state forests in figures 2013, S. 4f. Abgerufen am 22. Oktober 2015.
  23. Bundesamt für Umwelt (BAFU, Hrsg.): Waldbericht 2015, S. 100 Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.bafu.admin.chOnline-Version. Abgerufen am 21. Oktober 2015.