Stefano Boeri

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Stefano Boeri (2014)

Stefano Boeri (* 25. November 1956 in Mailand[1]) ist ein italienischer Architekt, Architekturprofessor und Autor. Mit dem Bau von begrünten Hochhäusern ist er international bekannt geworden.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boeri ist der Sohn der italienischen Möbeldesignerin Cini Boeri und des Neurologen Renato Boeri. Er studierte Architektur am Polytechnikum Mailand und absolvierte das Studium 1980. Am Istituto Universitario di Architettura di Venezia (IUAV) wurde er 1989 promoviert.[2] 2000 gründete Boeri das Forscher-Netzwerk Multiplicity zur multidisziplinären Untersuchung der urbanen Siedlungsstruktur.[2] Die Gruppe produzierte das auf der Documenta11 gezeigte Werk Solid Sea, das Boeri in der globalisierungskritischen Kunstwelt den Ruf eines politischen Künstlers verschaffte.[3] Dieser Ruf hinderte Boeri nicht, für den von Silvio Berlusconi geplanten G8-Gipfel auf La Maddalena als Architekt tätig zu werden.[4] Im Januar 2004 folgte er Deyan Sudjic als Chefredakteur des italienischen Architekturmagazins domus und veränderte während seiner Leitung bis 2007 den Charakter des Magazins wesentlich.[5]

In der Volksrepublik China hat sein Architekturbüro mehrere Aufträge erhalten. Für die chinesische Stadt Shijiazhuang wurde Boeri mit der Aufgabe betraut, einen neuen Stadtteil namens Waldstadt (Forest City) mit bepflanzten Wohnhäusern zu planen. Auf einer Fläche von 2,25 km² sollen 100.000 Menschen ab 2020 leben. Neben der Einsparung von landwirtschaftlichen Flächen erhofft man sich auch einen Beitrag zur Verbesserung der Luft und zur Verringerung der Energiekosten.[6] Im Wanfeng-Tal bei Guizhou führt er einen kegelförmigen Hotelbau aus.[7] Aktuelle Bauarbeiten sind gegenwärtig die Begrünung des Shanghai Pudong International Airport[8] und zweier Hochhäuser in der Großstadt Nanjing.[9] Eine ganze Straßenzeile entlang des Liujiang-Flusses in Liuzhou soll mit begrünten Häusern bebaut werden.[10]

Boeri lebt und arbeitet heute in Mailand. Neben seiner Tätigkeit als Architekt verfasst er Artikel für die Wirtschaftstageszeitung Il Sole 24 Ore. Boeri ist Gründer des bekannten Architekturbüros Stefano Boeri Architetti und lehrt als Professor an den Universitäten in Mailand (Politecnico di Milano), Genua und Venedig.[11]

Bosco Verticale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden begrünten Hochhäuser Bosco Verticale in Mailand
Hauptartikel: Bosco Verticale

Die Bauarbeiten zu dem Projekt Bosco Verticale (deutsch: „vertikaler Wald“) wurden im November 2014 abgeschlossen. Der Name bezeichnet zwei begrünte Hochhäuser in Mailand. An den äußeren Seiten der beiden 87 m (19 Stockwerke) und 119 m (27 Stockwerke) hohen Wohngebäude wurden Tausende von Sträuchern, Hecken und Bäumen gepflanzt, die insgesamt der Fläche eines Hektars entsprechen.[12][13] 2014 wurde der Bosco Verticale mit dem Internationalen Hochhauspreis prämiert.[14][15] Boeri folgt damit Tendenzen im ökologischen Bauen wie sie beispielsweise auch im Hochhausbau „One Central Park“ in Sydney von Jean Nouvel in Zusammenarbeit mit Patrick Blanc verwirklicht sind. Dabei ließ er sich von Italo Calvinos Roman Il Barone rampante (1957) (dt. Der Baron auf den Bäumen) inspirieren.[16][1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A vertical forest. Corraini Edizioni, Mantova, 2015.
  • Fare di più con meno. Il Saggiatore, Mailand 2012.
  • Biomilano. Glossary of Ideas for a Metropolis based around Bio-Diversity. Corraini, Mantova, 2011.
  • Anticittà. Laterza, Bari, 2011.
  • Effetto Maddalena. Maddalena Effect. Rizzoli, Mailand, 2010.
  • Cronache dell’abitare. Mondadori, Mailand, 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stefano Boeri. In: domus, 24. Februar 2016.
  2. a b Stefano Boeri. In: stefanoboeriarchitetti.net, aufgerufen am 14. Mai 2017.
  3. Anna Schneider: Die maritime Wende. Die Abkehr von territorialen Perspektiven als Chance für die Globalisierung. In: springer|in. Hefte für Gegenwartskunst, 2010, Nr. 1, Globalismus.
  4. Die Rückkehr der Wabenfassade. Kongresszentrum auf italienischer Insel. In: BauNetz, 1. Juli 2009.
  5. Stefano Boeri. (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive). In: Economia e Società, (italienisch).
  6. Leonhard Landes: Mit dieser radikalen Idee sagt China der Luftverschmutzung den Kampf an. In: Huffington Post, 23. Februar 2017.
  7. Guizhou – Mountain Forest Hotel. In: stefanoboeriarchitetti.net, (englisch), aufgerufen am 14. Mai 2017.
  8. Pudong Airport Sky Jungle. In: stefanoboeriarchitetti.net, (englisch), aufgerufen am 14. Mai 2017.
  9. Nanjing Vertical Forest. In: stefanoboeriarchitetti.net, (englisch), aufgerufen am 14. Mai 2017.
  10. Liuzhou Masterplan. In: stefanoboeriarchitetti.net, (englisch), aufgerufen am 14. Mai 2017.
  11. Manuela Hötzl: Utopia als individuelle Dimension. Im Gespräch mit Stefano Boeri. In: redaktionsbüro / Architektur & Bauforum, Nr. 22, 2004.
  12. Melanie Mühl: Grüner Schallschutz. In Mailand wächst der Wald jetzt himmelwärts. In: FAZ, 8. Mai 2013, Seite 27, (PDF; 475 kB).
  13. Niklas Maak: „Bosco Verticale“ in Mailand. Wir bauen unsere Wälder selber. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16. November 2014, Seite 43.
  14. »Bosco Verticale« in Mailand gewinnt den Internationalen Hochhaus Preis 2014. In: Internationaler Hochhauspreis, 19. November 2014.
  15. dpa/lhe: Wald auf dem Balkon. Internationaler Hochhauspreis geht nach Mailand. In: Die Welt, 19. November 2014.
  16. Sabine Pollmeier und Joachim Haupt: Faszination Wolkenkratzer –– Mailand: Bosco Verticale. In: arte / ARD, 20. November 2016, 11:30 Uhr, 25 Min.